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11-11: Memories Retold (PS4) Test


Wir haben uns das narrative Weltkriegsabenteuer 11-11: Memories Retold für euch angeschaut. Warum uns das Spiel gefallen hat, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Vor mittlerweile gut hundert Jahren endete mit dem ersten Weltkrieg eine der schlimmsten Epochen in der Geschichte der Menschheit. Zahllose Menschen ließen im Kampf für ihr Vaterland das Leben, Eltern verloren ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Liebende ihre Partner. Die Auswirkungen des Krieges wirken zwar auch heute noch nach, sind jedoch bei vielen längst nicht mehr so präsent, wie sie es vielleicht sein sollten.

Genau diesen Umstand versuchen Bandai Namco Entertainment Europe, Aardman Animations und DigixArt nun zu ändern und liefern mit 11-11: Memories Retold dafür genau das richtige Mittel. Das narrative Weltkriegsabenteuer drückt euch jedoch keine Waffe in die Hand, um patriotisch für euer Land zu kämpfen. Vielmehr zeigt es den Krieg als das, was er wirklich war. Grausam, brutal und für alle Seiten eine Geschichte voller Verluste.

11-11: Memories Retold erinnert dabei nicht nur thematisch an Titel wie Valiant Hearts, sondern auch stimmungstechnisch. Das Spiel zeichnet ein Bild von Kameradschaft, falschem Heldenmut und Verzweiflung. Optisch gestaltet sich das Ganze dabei als Kunstwerk im Ölmalerei-Look. Dabei wird das Spiel von einem durchgängig passenden, stimmigen Soundtrack begleitet.

Das Schicksal zweier Soldaten

In 11-11: Memories Retold erlebt ihr die zahlreichen Facetten des ersten Weltkrieges aus der Sicht zweier Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite, seht ihr den Krieg durch die Augen des jungen, kanadischen Fotografen Harry, der als Kriegsfotograf in das britische Heer einberufen wird. Zeitgleich erlebt ihr die Geschichte in der Haut von Kurt, einem deutschen Ingenieur, Ehemann und Vater.

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Trotz der ähnlichen und verwobenen Geschichten der beiden, unterscheiden sich die Hintergründe der Protagonisten völlig. So beginnt Harry seine Reise beispielsweise nach dem Besuch eines hochdekorierten, britischen Majors in einem Fotoatelier. Dieser ist auf der Suche nach fähigen, jungen Fotografen, die den Siegesmarsch der britischen Armee dokumentieren. Verblendet von den Versprechungen nach Ruhm und dem damit einhergehenden Ansehen in der Damenwelt, erklärt Harry sich bereit, dem Major an die Front zu folgen.

Kurts Geschichte hingegen beginnt als Ingenieur in einer deutschen Zeppelinfabrik. Per Funk erfährt er von dem Verschwinden einer deutschen Fronteinheit, in der auch sein Sohn Max stationiert ist. Von der Ungewissheit getrieben meldet sich Kurt für die Front, um nach den Spuren seines Sohnes zu suchen. Erzählt werden die Geschichten dabei jeweils aus der Ich-Perspektive, synchronisiert von Hollywood-Star Elijah Wood und dem deutschen TV- und Filmstar Sebastian Koch.

Die Kamera und der Stift

In 11-11: Memories Retold verfolgt ihr den Kriegsverlauf Kapitel für Kapitel abwechselnd aus den Augen von Harry und Kurt. Jeder Spielabschnitt stellt euch dabei vor unterschiedlich komplexe Aufgaben. Mal müsst ihr als Kurt ein Funkgerät reparieren, um neue Informationen von der Front zu bekommen. Mal müsst ihr als Harry Fotos vom Lager der britischen Truppen machen oder ein Schiff durch ein Feld voller Seeminen manövrieren. Die Aufgaben gestalten sich dabei recht abwechslungsreich.

Anders als in den meisten Spielen, die sich der Kriegsthematik widmen, sind Kurt und Harry dabei nicht etwa mit einem Schießeisen bewaffnet. Stattdessen weichen die Knallbüchsen der Kamera und dem Stift. So werdet ihr als Harry in der Rolle des Kriegsfotografen zahlreiche Motive finden, die es sich zu knipsen lohnt. Welche Motive ihr jedoch eurer Angebeteten nach Hause schickt, bestimmt ihr. Eure Entscheidungen beeinflussen dabei Harrys moralischen Kompass und seine damit einhergehende, charakterliche Entwicklung. Nehmt ihr also ein Foto vom Major, wenige Sekunden bevor dieser einen gefangenen Soldaten exekutiert? Oder doch lieber das Foto von der schlafenden Katze? Die Wahl liegt bei euch.

Ähnlich verhält es sich bei Kurt. Als Vater und Ehemann auf der Suche nach seinem Sohn befindet er sich zwischen den Stühlen. Einerseits muss er seinen Sohn finden. Andererseits warten die Ehefrau und die achtjährige Tochter zu Hause. Um seine Familie also auf dem Laufenden zu halten, greift ihr als Kurt zum Stift und verfasst Briefe. Je mehr ihr während der einzelnen Kapitel erlebt, umso mehr Auswahlmöglichkeiten habt ihr beim Zusammenstellen der Briefe. Was ihr eurer Familie schreibt, nimmt dabei mal mehr und mal weniger Einfluss auf den Verlauf der Geschichte.

Fazit
Alles in allem ist 11-11: Memories Retold eine wunderbar inszenierte Schilderung des ersten Weltkrieges aus der Sicht zweier einfacher Männer, die auf Umwegen zu Soldaten an der Front werden. Das Spiel beleuchtet vor allem die Facetten des Krieges, die in anderen Titeln aufgrund mangelnder Action oft gerne unter den Teppich gekehrt werden und zeigt die teils grauenhaften Geschichten hinter den glänzenden Medaillen. 11-11: Memories Retold ist gleichzeitig eine Erinnerung an die Opfer des Krieges und eine Mahnung an die Dummheit der Menschen, ihre vergangenen Fehler nicht wieder und wieder zu wiederholen.
Gut
  • Packende Story
  • Genialer Grafikstil
  • Großartiger Soundtrack
  • Tiefgründige Thematik
  • Hervorragende Synchronisation
Weniger Gut
  • Sehr simples Gameplay
9
Sehr gut
Written by
... ist seit Februar 2017 als Redakteur für Spieletester.de tätig. Er ist ein waschechter PS4 Freak, hat 40 Platin Trophies und liebt Herausforderungen wie Dark Souls, Bloodborne oder Nioh.

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