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Detroit: Become Human (PS4) Test

Im Test beweist Detroit: Become Human, dass es vielmehr als nur die Summe seiner Teile ist. Ein Spiel, das die Spielerschaft zweiteilt. Ein Titel, mit dem man sich länger beschäftigen muss, um es in all seinen Facetten zu verstehen. Und eines, das alle bisherigen interaktiven Filme vollkommen in den Schatten stellt. Entwickler Quantic Dream hat sich selbst übertroffen und woran das liegt, verrate ich euch in den nachfolgenden Zeilen.

Detroit: Become Human handelt vom Konflikt der Menschen mit den Maschinen, die sie selbst geschaffen haben, um sich das Leben leichter zu machen. Aus der Perspektive dreier Androiden namens Kara, Connor und Markus, lässt sich der sechs bis 12 Stunden lange Thriller erleben. Kara und Markus kommen aus ähnlichen Verhältnissen: Sie ist die Haushälterin, er ein Butler. Connor dagegen ist die neueste Version einer Polizei-Einheit. Seine Aufgabe ist es, sogenannte Deviants, also abtrünnige Androiden, aufzuspüren und im Zweifelsfall zu eliminieren. Dazu trägt der aus der Demo bekannte Abschnitt auf dem Dach eines Luxushauses bei, denn es ist die perfekte Eröffnungsszene für das Spiel.

Bereits hier gibt es Entscheidungen, die sich bis zum Ende auswirken. Wie verhält sich Connor? Hilft er dem verwundeten Polizisten, der von Daniel im Poolbereich schwer verletzt wurde? Oder lässt es ihn kalt? Erschießt Connor den „falsch“ funktionierenden Daniel oder versucht er ihn und die Geisel zu retten? Es sind oftmals die Kleinigkeiten, die Detroit: Become Human so realistisch machen und dem Spiel seine Glaubwürdigkeit verleihen. David Cage und sein talentiertes Team an Autoren lassen im Rahmen der Geschichte kein Thema aus. Häusliche Gewalt, der ständig alkoholisierte und vom Tod seines Sohnes traumatisierte Cop oder der tough Guy von FBI-Agent.

Detroit: Become Human

Detroit: Become Human – Rekonstruiere …

Wenn ihr euch mit den letzten Werken von Quantic Dream, Heavy Rain oder Beyond: Two Souls beispielsweise, beschäftigt habt, wisst ihr auch sofort wie der Hase in Detroit: Become Human läuft. In jeder Rolle gilt es gewichtige Entscheidungen zu treffen. Dabei lässt euch das Spiel bei wirklich essentiellen Fragen viel Zeit und bei anderen – nämlich zeitkritischen und des Spielflusses wegen – sehr wenig Zeit zum Überlegen. Die Entwickler greifen hier auf alle Möglichkeiten des DualShock-4-Controllers zurück. Neigen, anheben, das Touchpad wischen oder eben die Buttons drücken. Eine Entwarnung: Es gibt keine Quick-Time-Events mehr, in denen ihr mehr als drei Buttons gleichzeitig drücken bzw. gedrückt halten müsst.

Spielerisch hat sich also nichts getan, dafür aber umso mehr im Hintergrund. David Cage und sein Autoren-Team haben nämlich die Entscheidungen auf die Spitze getrieben. Nach jeder Szene seht ihr mitunter völlig ausufernde „Flowcharts“, die sämtliche Möglichkeiten im Verlauf eben jener kurzen Episode zeigen. Sofern ihr diese aber nicht selbst erlebt habt, wisst ihr tendenziell nicht, worum es sich dabei handelt. Natürlich sind einige Dinge offensichtlich. Nehmen wir als Beispiel eine Szene mit Markus im späteren Verlauf des Spiels. Dort muss er sich entscheiden, ob er seine Revolution friedlich oder mit Gewalt durchführt. Hier ist der Verlauf der Flowchart natürlich offensichtlich. An anderen Stellen gilt es die Umgebung sehr genau zu studieren und Interaktionsmöglichkeiten zu erörtern, die oftmals vorteilhaft sind für den Spielverlauf.

Detroit: Become HumanDamit ihr diese Interaktionsmöglichkeiten leichter findet, steht eine Scan-Funktion zur Verfügung. Das Spiel wechselt dann in eine computergesteuerte Ansicht, die sämtliche interessanten Objekte offenbart. Android müsste man sein! Den allgemeinen Spielfluss stört das keineswegs, denn Androiden analysieren ihre Umgebung ohnehin andauernd und wägen ihre Entscheidungen anhand der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen ab. Quantic Dream verbindet hier Nützliches mit Offensichtlichem – das Ergebnis ist eine wundervoll authentische Darstellung des Androiden-Daseins.

Detroit: Become Human – Cineastische Meisterleistung

Es sind aber nicht nur die drei Hauptcharaktere, die Detroit: Become Human so gut machen. An manchen Stellen stehlen die Nebendarsteller den Protagonisten schon fast die Show. Egal ob Hank oder Luther oder Alice. Oder von mir aus auch die Jungs und Mädels bei Jericho. Allen Charakteren bieten die Entwickler genug Zeit, um sich zu entwickeln, um vor allem euch ans Herz zu wachsen. Wenn einer von ihnen durch eure Entscheidungen stirbt oder weil ihr die Beziehung zu ihnen vernachlässigt, dann trifft das so richtig hart. In meinem ersten Durchlauf hat sich Hank beispielsweise das Leben genommen. Ich war so betroffen, dass ich den Run fast abbrechen wollte. Er tat mir leid und ich bereute jede meiner Entscheidungen, die scheinbar zu egoistisch gewesen sind.

Und das liegt nicht nur an der unfassbar guten Grafik des Spiels, sondern auch an den vollkommen glaubwürdigen Charakteren. Die Gestik, Mimik und wie sie ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, stellt alles bisher Gesehene in den Schatten. Wenn Hank sauer auf Connor ist, dann erkennt ihr den Zorn in seinen Augen. Wenn er nachdenklich oder besorgt ist, erscheinen Falten in seiner Gesichtspartie. Pupillen vergrößern/verkleinern sich je nach Gemütslage. Entwickler haben technisch eine Meisterleistung abgeliefert, die Hollywood-Filmen in nichts nachsteht. Bis zum heutigen Tage finde ich es schade, dass es keine Film-Funktion gibt, mit der ich – auf Basis meiner Entscheidungen – den ganzen Verlauf des Spiels als einen zusammenhängenden Streifen nacherleben kann.

Detroit: Become Human

Der Soundtrack von Detroit: Become Human leistet sein Übriges, den Hollywood-Aspekt zu untermauern. Die englischen Sprecher sind erstklassig und bilden das Tüpfelchen auf dem i zur ausgezeichneten Performance der Darsteller auf dem Bildschirm.

Detroit: Become Human – Nicht ganz frei von Kritik

Detroit: Become Human ist allerdings nicht perfekt und kommt nicht ohne menschliche Fehler davon. Während es beim ersten Durchspielen nicht tragisch ist, fällt es umso mehr beim dritten oder vierten Anlauf auf: Dialoge und/oder Zwischensequenzen lassen sich nicht überspringen. Auch eine Fast-Forward-Funktion existiert nicht. Wenn es euch also später nur darum geht, alle möglichen Handlungsoptionen zu erkunden, kann das mitunter störend sein.

Sofern ihr in einem bestimmten Kapitel einsteigen wollt, um einen späteren Punkt in der Story zu ändern, müsst ihr nicht nur das Savegame aktivieren, sondern auch bis zum gewünschten Zeitpunkt spielen. Denn in Szene 4 eine Option ändern hat keinen Einfluss auf den Verlauf, wenn ihr danach aufhört und in etwa Szene 15 weitermacht. Kurzum: Wenn ihr spätere Ereignisse ändern wollt, müsst ihr vom gewünschten Startpunkt bis dorthin auch wirklich spielen.

Fazit
Ich hatte schon sehr viel Spaß mit Heavy Rain und Beyond: Two Souls. Wenig überraschend bin ich absolut begeistert von Detroit: Become Human. All die Jahre an Arbeit haben sich für Quantic Dream ausgezahlt. Detroit ist das bisher beste und mit Abstand ausgeklügelste Spiel, das ich jemals erlebt habe. Wobei ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob ich hier wirklich Spiel schreiben sollte. Es ist ein interaktiver Thriller, der mehr Film ist als irgendwas anderes. Und genau das macht den Reiz aus. Ich entscheide, die Figuren reagieren auf mich und wenn ich etwas verbocke, dann muss ich mit den Konsequenzen leben. Wenn dann jemand stirbt, der mir ans Herz gewachsen ist, dann traf mich das verdammt hart. Detroit spielt mit euren Gefühlen, es wirkt authentisch und ist einfach anders als die 08/15 AAA Blockbuster der letzten Jahre. Wenn ihr Action wollt, könnt ihr sie haben. Doch Detroit: Become Human ist vielmehr als nur das. Es sendet eine starke Nachricht an alle. Für mich ist dieses Werk eines der wichtigsten und besten in diesem Jahrzehnt. Hands down.
Gut
  • Absolut atemberaubende Grafik
  • Präsentation locker auf Hollywood-Niveau
  • Schauspielerische Leistung überragend
  • Superbe englische Sprecher
  • Klasse Soundtrack
  • Starke Entscheidungsfreiheit
  • Absolut unterschiedliche Storywege mit völlig unterschiedlichen Enden
  • Flowchart und Entscheidungsfreiheiten motivieren mehrfache Durchläufe
  • Authentische Spielwelt und Charaktere
  • Insgesamt erstklassige Story – egal wie ihr euch entscheidet
Weniger Gut
  • Zwischensequenzen/Dialoge lassen sich beim zweiten Durchlauf nicht überspringen
  • Story muss gespielt werden, wenn Änderungen am Ende vorgenommen werden wollen, die mittig oder zu Beginn ihren Anfang haben
  • Kamera gelegentlich etwas bockig
9
Sehr gut
Written by
... ehemaliger Chefredakteur bei Spieletester.de. Adam war seit der Gründung 2003 dreizehn Jahre auf unserer Plattform tätig.

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