Follow
Startseite » Featured » Masters of Anima (PC) Test

Masters of Anima (PC) Test

Mit Masters of Anima versucht sich Passtech Games in dem bisher eher stiefmütterlich behandelten Bereich der Konsolen-Strategie. Seit jeher kommandiert der Stratege eher mit Maus und Tastatur als mit linker und rechter Schultertaste. Im Test untersuchen wir, ob Masters of Anima sich in die übersichtliche Auswahl erfolgreicher Titel wir Overlord einreihen kann.

Masters of Anima – Der Name ist Programm

Die Geschichte von Masters of Anima könnte glatt der griechischen Mythologie entspringen. Man erzählt uns zu Beginn die Legende der fantastischen Welt von Spark und den märchenhaften Wesen und klugen Magiern, die sie bevölkern. Eines Tages überrennen von Wut und Chaos getriebene Golems die Länder und beuteln die gesamte Bevölkerung. Ein Krieg zwischen Golems und Formern, die aus einer Art Ur-Energie „Anima“ Truppen beschwören können, entbrannt. Die Former können schließlich die Golems in die Unterwelt verbannen und sie mit einen wehrhaften Schild aus Energie versiegeln.

Heute ist der Krieg lang vorbei und Former zu sein ist mittlerweile eine eher rituelle Position. So sieht es auch unser Held Otto, der lieber seine Energie in die Lösung akuter Probleme stecken würde, als einem längst vergangenen Krieg nachzuhängen. Doch wie so häufig treiben ihn Liebesdinge zur Former-Prüfung. Denn seine Verlobte Ana ist oberste Formerin, die keine Ehe mit einem Former-Schüler eingehen darf.

Just in dieser Prüfung bröckelt der Anima-Schild und die Golems brechen unter der Führung des früheren Formers Zahr aus. Zahr will sich gegen die aufgezwungene Ordnung auflehnen und die Welt in das alte Chaos stürzen. Im ersten, mühevollen Gefecht fällt Ana und wird von Zahr in drei Teile, die nun einem höheren Zweck dienen sollen, aufegspalten. Also macht sich der verliebte Former-Schüler Otto auf die Suche. Der höhere Konflikt und drohende Weltkrieg ist ihm dabei eigentlich ziemlich Schnuppe.

Masters of Anima – Optik ist nicht alles!

Diese doch etwas verbrauchte Storyline um einen unfreiwilligen Helden ist ganz nett, aber kein großer erzählerischer Weitwurf. Die Geschichte wird in netten Comic-Zeichnungen und kleineren Ingame-Animationen verbildlicht. Die Dialoge sind locker geschrieben und die englische Vertonung größtenteils gelungen. Wobei die Intonation streckenweise einer Englisch-Grundkurs-Lern-CD gleicht. Für alle, die dem Englischen nicht mächtig sind, gibt es deutsche Untertitel in kleinen Textfenstern.

Aus der Iso-Perspektive mausern wir uns mit Otto durch die Welt von Spark. Die Umgebung und die Figuren sind charmant gestaltet, doch größtenteils abwechslungs- und detailarm. Wir erkunden zwar verschiedene Zonen, die sich klar voneinander unterscheiden, jedoch meist auf farbliches Einerlei hinaus laufen. Graphische Ausgefeiltheit zählte offensichtlich nicht zu den Hauptprioritäten von Passtech Games.

Masters of Anima – Mit Bogen, Schwert und Anima

Doch wird sind ja nicht nur für eine Märchenstunde und Sightseeing hier – Wir wollen den Golems endlich eins auf die Nuss geben! Dafür steht uns einmal Ottos eigener, recht schwacher (Kombo-)Angriff zur Verfügung. Um den Golems jedoch wirklich ans Eingemachte zu gehen, müssen wir verschiedene Einheitentypen beschwören. Dazu zählen Nahkämpfer, Fernkämpfer, Kommandanten, Supporter und Beschwörer.

Um diese herbei zu rufen und in die Umgebung einzugreifen, müssen wir unseren begrenzten Anima-Speicher füllen. Anima finden wir in kleineren Objekten, gewinnen wir im Kampf oder sammeln wir von gefallenen Einheiten auf. Der Speicher ist zwar ausbaubar, doch früher oder später gehen die grünen Energiekugeln (besonders im Kampf) stark zur Neige.

Die Kämpfe gestalten sich in einer Reihe von Arena-Gefechten. Hierbei dreschen wir meist auf einen oder einige wenige riesige Golems zur Zeit ein. Im Verlauf des Spiels werden die Kämpfe immer verzwickter und die Golem-Aneinanderreihung innerhalb eines Kampfes wird immer länger. Das ist auch der Grund, warum man gegen Ende eines scheinbar unendlichen Gefechts eigentlich immer auf dem letzten Anima-Loch pfeift.

Masters of Anima – Vom Schlachtruf zur Urgewalt

Die Golems teilen sich ebenfalls in verschiedene Einheiten mit spezifischen Standardangriffen und mächtigeren Fähigkeiten auf. Zudem ist mit der Urgewalt-Anzeige eine Art Timer gesetzt, der nach Ablauf einiger Zeit die Angriffe der Golems immer mächtiger werden lässt. Das wird besonders in einem Gefecht gegen drei oder mehr Gegner zu einem echten Problem.

Zumindest wenn wir nicht genug unserer Supporter am Leben halten können, die die Anzeige senken und uns gleichzeitig mit Anima versorgen. Die Nahkämpfer sind die schützende, erste Front und ehrlich gesagt auch Kanonenfutter. Wir brauchen sie größtenteils, um die Golems vorerst an Ort und Stelle zu halten. Die Fernkämpfer, nun ja, tun was Fernkämpfer eben so tun. Aus der Deckung heraus beschießen sie automatisch den nächstgelegenen Golem und können mit etwas Anima-Unterstützung mächtige Salven abfeuern.

Die Kommandanten vertreten uns auf dem Schlachtfeld und geben unsere Schlachtrufe weiter. Und die Beschwörer-Klasse kann ihrerseits Einheiten formen. Das ist zwar ein solides Strategie-Gerüst, doch alles nicht neu. Das Einheiten-Limit entnervt etwas von Zeit zu Zeit, doch glücklicherweise können wir ohne weiteres unsere Einheiten wieder auflösen und das gewonnene Anima in eine andere Klasse investieren. So kann man auf die verschiedenen Golems immer angemessen und flexibel reagieren.

Masters of Anima – Kein Sieg ohne einen starken Führer

Stichwort „flexibel“: Unsere Einheiten sind leider nicht von der eigenständigen Sorte. Außer den Fernkämpfern muss man allen frisch herbeigerufenen Einheiten befehlen, dass sie den nächsten Golem angreifen sollen. So kann es vorkommen, dass ein Grüppchen am Bildschirmrand rumsteht und keine Anstalten macht, die Kriegerhintern einmal in Richtung Gegner zu bewegen. Das gleiche passiert, wenn einer von mehreren Gegnern besiegt wurde, während er zu weit vom nächsten entfernt stand.

Unsere Supporter und Fernkämpfer sind beliebtes Ziel für stärkere Angriffe. Um so ärgerlicher, da diese kaum Rüstung besitzen. Zwar ist die Gefahrenlage mit eigentlich ausreichend Vorlauf angezeigt, doch Ottos Wirkungsspielraum ist begrenzt. So kann es sein, dass wir erst einmal in die Nähe einer Gruppe laufen müssen, um sie anzuwählen. Der Geringe Zuweisungs-Radius treibt uns darauf hin weiter, um die Kämpfer woanders zu positionieren. Also braucht es manchmal zwei Laufwege und zwei Befehle für eine Truppe. Für ein Ausweich-Manöver in personalstarken Kämpfen ist das einfach zu viel.

Masters of Anima – Steuerungspannen und der übermächtige Gegner

Die Steuerung erweist sich als echtes Problem. Es wird zur Nutzung eines Gamepads geraten, doch eine Verbesserung gegenüber der Maussteuerung ist quasi nicht gegeben. Wer, wie ich, nach längeren Gefechten und ab einem gewissen Frustrationsgrad zu nervösen Fingern neigt, wird immer wieder die falschen Einheiten anwählen, beschwören und auch gerne mal alle miteinander wahllos hinter sich herlaufen lassen. Der meiner Meinung nach etwas zu kleine Bildausschnitt, gerade bei Kämpfen mit mehreren Gegnern, verschlimmert die Lage noch.

Nicht selten endet alles in heillosem Durcheinander. Dann gilt es erst einmal die Truppen wieder in gebührenden Abstand zu den Golems und auch zu Otto zu sortieren. Denn Otto ist ein beliebtes Ziel, was seine Angriffe auf Gegner eigentlich unmöglich bis überflüssig macht. Otto sollte möglichst weit weg von seinen Minions stehen, um sie nicht zusätzlich in Gefahr zu bringen und wieder durch die Gegend scheuchen zu müssen. Da wir ohnehin ständig Schlachtrufe auslösend und Fernkämpfer-sittend durch die Gegend laufen, bleibt uns sowieso kaum Zeit, mal selber auf den Putz zu hauen.

Zusätzlich zur Fummeligkeit kommt der absurde Schwierigkeitsgrad. Immer wieder stellt uns das Spiel vor unglaublich knifflige Kämpfe, die man zwangsläufig in den ersten drei Runden verlieren muss, bis man die Abfolgen quasi auswendig kennt. Falls es dann immer noch nicht klappt, arbeitet der Frust gegen das spielerische Können. Man wird immer schlechter. Dann lohnt es sich, den Controller kurz weg zu legen und es einfach später noch einmal zu versuchen. Fairerweise sind die Kontrollpunkte meist üppig gestreut und so wird man nicht zwangsläufig zum Levelanfang zurück geworfen. Der Lerneffekt und das Hochgefühl nach einem bestandenen Kampf sind nach dem beinahe Verzweifeln natürlich um so größer.

Masters of Anima – Zeit sich zu sammeln!

Unterbrochen werden die Kämpfe von Umgebungs-Rätselpassagen. Hier müssen wir unsere Einheiten klug und zeitlich abgestimmt mit bestimmten Objekten interagieren lassen, um weitere Pfade zu öffnen. Diese Rätsel sind eine Wohltat! Sie bestechen zwar nicht gerade durch einen hohen Schwierigkeitsgrad, aber bieten eine willkommene Pause vom Golem-Gekloppe und Zeit in aller Ruhe die zahlreichen Sammelobjekte zu finden. Diese Objekte können unsere Anima- oder Lebensanzeige erhöhen und spielen in die Schlusswertung des Levels mit ein.

Jeder Fight und schlussendlich das gesamte Level werden in Teilkategorien und gesamtbeurteilt. Hierbei spielen Schaden, verlorene Einheiten und Nebenquests in die Benotung der Leistung von A bis F mit ein. Je nach Leistung werden uns Erfahrungspunkte für den Levelaufstieg gut geschrieben. Mit Fähigkeitenpunkten können wir am Ende Otto und seine Einheiten mit neuen Fähigkeiten oder Verbesserungen aufrüsten. Der Fähigkeitenbaum ist glücklicherweise recht übersichtlich, so dass „verskillen“ quasi unmöglich ist.

So rätseln und kämpfen wir uns den Weg zu Anas Herz, Verstand und Körper frei, um unsere Herzensdame wieder zu komplettieren. Das Spielgefühl ist hierbei jedoch eher unromantisch. Zumindest die Kämpfe sind von schnöder Wiederholung geprägt und lassen einfach keinen Flow aufkommen. Auch ein Gefühl, das Spiel irgendwann gemeistert zu haben, bleibt aus. Ottos Macht wächst, aber wir verweilen im Angesicht immer etwas zu schwieriger Gegner im emotionalen Status eines Schülers.

Fazit
Eigentlich sollte man als Spieletester*in nie (und ich meine nie!) Reviews über ein Spiel lesen und anschauen, das man testen möchte. Doch Masters of Anima hat mich derart verunsichert, dass ich die goldene Regel brechen musste. Die quälende Frage „Bin ich wirklich so schlecht?!“ hat mich fast zur Verzweiflung getrieben. Zum Glück liegt es wohl nicht nur an mir, dass mir das Spiel derart mühselig vorkam. Masters of Anima ist schlichtweg ein verdammt harter Brocken. Das ist nicht unbedingt ein Manko. Viele jüngere Spiele verbreiten eine Kultur des Siegens ohne wirkliche Anstrengung, was ich in keinem Genre gutheiße. Doch Masters of Anima wirkt in seinen Anforderungen an den Spieler teilweise willkürlich. Uns werden für derartige Schlachten einfach nicht die ausreichenden Waffen und Möglichkeiten an die Hand gegeben. Die Steuerung und fehlende Übersicht erschweren die Lage zusätzlich an Stellen, wo sie nicht erschwert werden sollte. Hierbei überwiegt der Frust immer knapp dem Erfolgserlebnis nach bestandenem Kampf. Nicht zuletzt, weil man spätestens in der nächsten oder übernächsten Arena hängen bleibt. Hübsche Abwechslung sind hierbei die Umgebungs-Rätsel, die alle unsere Einheiten einbeziehen. Auch ist die Geschichte nett erzählt und Ottos Owen-Wilson-artiges simples Wesen und nüchterne Betrachtung der Dinge bringt einen ein ums andere mal zum Schmunzeln. Im Grunde hat Masters of Anima das Zeug zu einem soliden Strategie-Titel gehabt, krankt jedoch an mangelnder Ausarbeitung der Steuerung. Insgesamt ist das Spielerlebnis etwas unbefriedigend, gerade weil man immer das Gefühl hat, das Masters of Anima schlichtweg nicht fair mit uns spielt. Der Titel macht zwar einiges richtig doch wird so nicht in die Reihe großer Titel wie Overlord oder Pikmin aufsteigen können.
Gut
  • Hübsche Rätselpassagen
  • Charmante Charaktere
Weniger Gut
  • Fummelige Steuerung
  • Übertriebener Schwierigkeitsgrad
  • Hoher Frustfaktor
7
solide
Written by
Henriette Buss ist seit 2017 Redakteurin bei spieletester.de und forscht innerhalb ihres Studiums zu Videospiel-Inszenierung und interessiert sich besonders für Avatar-Bindungen.

Was sagst du zu diesem Artikel?

0 0

Kommentar hinterlassen

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

x
Gibst Du uns ein Like?:Schon geliked? Dann kannst Du es schließen.