Der ewige Shooter-Kampf geht in die nächste Runde. Während Activision sich in dieser Partie mit dem Motto „Screw it, let’s go to space!“ in den Weltraum stürzt – eine Idee, dessen Erfolg wir in den nächsten Wochen beurteilen können – zieht EA in einen Krieg, der bisher nur sehr selten in Videospiel-Form behandelt wurde: Den Ersten Weltkrieg. Es geht zurück zum Anfang des 20. Jahrhunderts, in dem die industrielle Revolution ein neues Zeitalter einleitete und damit auch die Kriegsführung für immer veränderte. Wir haben uns für euch in den virtuellen Schützengräben des Großen Krieges verschanzt und verraten euch in den folgenden Zeilen, wie EA’s Chancen an der Shooter-Front mit Battlefield 1 aussehen.

Battlefield 1 – Geschichte zum Anfassen

Anders als in bisherigen Ablegern der Battlefield-Reihe, in denen ihr stets einem Protagonisten durch eine relativ vorhersehbare Geschichte folgen und am Ende den bösen Jungs den Gar ausmachen durftet, zieht ihr in der Einzelspieler-Kampagne von Battlefield 1 an gleich sechs verschiedenen Fronten in den Krieg und erlebt die Ereignisse aus den Augen von 6 Soldaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vom draufgängerischen britischen Piloten über den loyalen und familientreuen Italiener in schwerer Rüstung bis hin zur kampfbereiten Rebellin in der arabischen Wüste. Jede der insgesamt bisher sechs „Kriegsgeschichten“ spielt sich dabei vollkommen anders. Mal kutschiert und beschützt ihr einen mächtigen Panzer – eine damals revolutionäre Kriegsmaschine –, ein anderes Mal schleicht ihr im Niemandsland zwischen zwei Fronten umher und kriecht durch Krater voller Ratten, Kadaver und Schlamm.

Battlefield 1Zu Beginn zeigen euch EA und DICE aber auf eindrucksvolle Art und Weise, wie sinnlos all das doch eigentlich ist. So wirft man euch in eine aussichtslose Schlacht, in der ihr früher oder später euer virtuelles Leben geben werdet, nur um daraufhin in die nächste Uniform zu schlüpfen und dasselbe Schicksal wieder und wieder und wieder zu erleben. Genau hier wird auch schnell die Richtung klar, die EA mit Battlefield 1 einschlagen will: Hier geht es nicht um eine kleine Einheit, die erfolgreich einen Terroranschlag vereiltelt oder eine 1-Mann-Armee, die sich durch Gegnerhorden ballert. Stattdessen stürzen sich tausende von Soldaten aufeinander, verschanzen sich in ihren Schützengräben und hoffen auf ein baldiges Ende, vorzugsweise durch eine Kugel statt durch Senfgas, das ebenfalls eine zentrale Rolle in Battlefield 1 spielt.

In den jeweiligen Episoden haben die Schreiber eine gute Arbeit geleistet und es geschafft, dass man sich als Spieler relativ schnell mit den jeweiligen Charakteren anfreundet. Schade nur, dass die 6 Kapitel genauso schnell wieder zu Ende sind, wie sie anfangen – kein Abschnitt dauert länger als 2 Stunden, wodurch vor allen die Charaktere in den späteren Abschnitten recht irrelevant werden, da man genau weiß, dass es eh bald wieder vorbei ist. Hier hätte ich mir definitiv längere Ausflüge mit denselben Charakteren gewünscht – auf den anderen Seite hält sich EA hier natürlich alle Türen für künftige Kriegsgeschichten in Form von DLCs offen, eine Aussicht, auf die ich mich als DLC-Skeptiker ausnahmsweise mal freue.

Battlefield 1 – Von kleinen Scharmützeln bis hin zum großen Krieg

Auch wenn die Kampagne – oder vielmehr die sechs Kampagnen – von Battlefield 1 durchweg gelungen sind und frischen Wind in das sonst häufig eintönige Einzelspielerlebnis von Shootern weht, liegt die Stärke der Battlefield-Reihe immer noch im Mehrspieler-Modus, wenn 32, 40 oder gar 64 Spieler auf dem virtuellen Schlachtfeld aufeinandertreffen. Schon die Mehrspieler-Beta war für EA ein riesen Erfolg und das finale Produkt steht dem Beta-Erlebnis in keinster Weise nach. Wer bereits damals die Chance hatte, ein paar Runden in St. Quentin (Alpha) oder in der arabischen Wüste (Beta) zu spielen, weiß bereits, dass sich beim hauseigenen Conquest-Modus etwas geändert hat: Die Anzahl an Tickets pro Team sinkt nicht mehr durch das Halten von Kontrollpunkten und Erledigen von Feinden – ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl, dass individuelle Verluste wenig mit dem Kriegsverlauf zu tun haben. Stattdessen sammelt jedes Team nun Punkte, indem Punkte gehalten werden. Wer die Mehrzahl an Punkten hält, ist nach kurzer Zeit entsprechend im Vorteil. Besonders cool: Sollte ein Team stark zurückliegen, bekommt es ein besonderes mächtiges Kriegsgerät zur Verfügung gestellt – etwa einen gepanzerten Zug mit dutzenden Geschützen, einen gewaltigen Zeppellin oder ein schwer bewaffnetes Schlachtschiff.

Battlefield 1

Neben dem allseits beliebten Conquest-Modus, der immernoch das Herz von Battlefield darstellt, haben EA und DICE noch einige andere Modi zur Verfügung gestellt. Dominition stellt die kleinere, auf Infantrie-Scharmützel fokussierte Variante von Conquest dar, in Rush geht es darum, Bomben zu legen bzw. zu entschärfen, im Team Deathmatch werden beide Teams ganz klassisch und ohne weitere Ziele aufeinander losgelassen. Neu und mit etwas frischem Wind sind die Modi War Pigeons und die Operations. Ersteres stellt eine Art Capture the Flag dar, nur eben mit Tauben, die zur eigenen Basis gebracht werden müssen, um dann Befehle an die eigene Artillerie zu geben, die dem Gegnerteam ordentlich einheizt. Die Operations stellen den bis dato größten Spielmodus von Battlefield dar und lassen euch Abschnitt für Abschnitt mehrere Karten nacheinander spielen. So muss das angreifende Team stets mehere Kontrollpunkte einnehmen, um die Front weiter nach vorne zu schieben und ein neues Gebiet freizuschalten. Ist die Karte komplett abgeschlossen, geht der Krieg auf einer neuen Karte weiter – so lange, bis das verteidigende Team den Vormarsch drei Mal stoppen konnte. Je nach Teamzusammensetzung können diese mehrstufigen Schlachten mehrere Stunden dauern – etwas Zeit solltet ihr hier also definitiv mitbringen. Gleichzeitig sollten EA und DICE allerdings noch ein wenig am Matchmaking arbeiten, denn nicht selten dominiert ein Team das andere im großen Stile.

Battlefield 1 – Alte Waffen, neue Rollen

Battlefield 1Wer an die Waffen des Ersten Weltkriegs denkt, denkt vor allem an eines: Repetiergewehre. Auch wenn diese wahrscheinlich den Großteil der Truppenbewaffnung ausmachten, beschränkt sich Battlefield 1 nicht auf die simplen Gewehre, sondern bringt semi-automatische Gewehre, Maschinenpistolen und sogar leichte Machinengewehre mit in den Kampf. Dabei haben die vier verschiedenen Klassen – Assault, Support, Scout und Medic – exklusiven Zugriff auf ihr eigenes Waffenreportoir und füllen so nicht nur durch ihre Fähigkeiten diverse Rollen aus. Scouts beispielsweise sind auf besagte Repetiergewehre beschränkt, in der Regel mit einem Zielfernrohr. Damit sind sie vor allem auf lange Entfernungen extrem gefährlich, können sich dank den starken Pistolen aus Battlefield 1 aber auch im Nahkampf durchaus zu Wehr setzen. Schwierig wird es dann schon eher auf mittlere Distanzen, wenn man nicht gerade der Quickscope-König ist. Hier sind die Medics sehr stark, die Gebrauch von semi-automatischen Gewehre machen und nebenbei Verbündete heilen und wiederbeleben, während der Scout aus der Entfernung Gegner spottet und diese mit dem richtigen Tool für das gesamte Team und sogar durch Wände sichtbar macht. Die Assault-Klasse setzt mit Machinenpistolen oder Schrotflinten klar auf Feuerkraft im Nahkampf und kann sich dank Anti-Panzergranaten und Dynamit auch gegen Fahrzeuge zur Wehr setzen. Zu guter Letzt wäre da noch die Support-Klasse, die Verbündete mit Munition versorgt und leichte Machinengewehre in die Schlacht mitnimmt, um Gegnern einzuheizen und Kameraden Feuerschutz zu geben.

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Damit haben EA und DICE die Rollen auf dem Schlachtfeld erneut ein wenig verändert und durch zusätzliche Gadgets für noch mehr Dynamik gesorgt. Supports können beispielsweise einen Mörser einsetzen und so auf mittlere Distanzen verschanzte Gegner aufs Korn nehmen. Scharfschützen hingegen können Attrappen aufstellen oder sich mit Stolperminen den Rücken freihalten. Wenn all das nicht weiterhilft, bleibt immernoch der Nahkampf, der dank verschiedenen Nahkampfwaffen sowie dem Bajonett-Sturmangriff nun noch effektiver (und brutaler) ist. Besonders wenn euer Gegner keine automatische Waffe hat, ist ein direkter Sturmangriff mit aufgesetztem Bayonett nicht selten der beste Weg. Doch aufgepasst: Wer Gegner im Nahkampf ausschaltet, steckt für wenige Augenblicke in der jeweiligen Animation und kann sich nicht gegen zusätzliche Feinde wehren!

Grundsätzlich fühlt sich das Balancing schon jetzt recht gut an. Scharfschützen kommen ganz schnell in Probleme, wenn sie von einem Sturmsoldaten flankiert werden. Sanitäter sind zwar stark im Angriff und in der Defensive, können aber gegen einen guten Scharfschützen trotzdem recht wenig ausrichten. Auch die massiven Panzer, die wie gewaltige Kampfkolosse über das Schlachtfeld brettern und Trümmer sowie Krater hinter sich lassen, können mit der richtigen Taktik und Teamzusammenstellung sehr schnell beseitigt werden. Trotzdem spielen die Kamfkolosse eine wichtige Rolle und sind durchaus in der Lage, für Angst und Schrecken (bzw. Frust und Ärger) im gegnerischen Team zu sorgen.

Battlefield 1 – Erster Weltkrieg feat. Frostbite

Battlefield 1Battlefield 1 ist zweifelsohne eines der grafisch beeindrucksten Spiele dieses Jahres. Explosionen sehen nicht nur atemberaubend aus, sondern hinterlassen auch echte Krater in der Spielwelt, die sich bei Regen mit Wasser füllen und Infanteristen ein klein wenig Deckung auf dem Schlachtfeld bieten. Ganz getreu dem Battlefield-Franchise sind die Karten – zumindest im Operations und Conquest-Modus – riesig und zudem abwechslungsreich: Ob in den italienischen Alpen, französischen Dörfern oder in der arabischen Wüste: Jede Karte sieht auf ihre eigene, teilweise bedrückende, teilweise wunderschöne Art und Weise grandios aus. Wenn wir dann noch 64 Spieler loslassen, Panzer durch Absperrungen und Mauern breschen, Häuser in Schutt und Asche zerlegt und sich Doppeldecker über dem Schlachtfeld einen Luftkampf liefern, dann wird schnell klar, wie unglaublich treffend das Motto „Only in Battlefield“ ist – vom beeindruckenden Auftritt und vor allem späteren Absturz eines Zeppelins ganz zu schweigen.

All das wird begleitet von dynamischem Wetter, das die Spielsituation in einer Partie komplett verändern kann. Scharfschützen machen euch das Leben schwer? Nicht mehr lange, denn hier kommt ein gewaltiger Sandsturm, durch den man nicht weiter als 5 Meter sehen kann. Der Feind hat sich an einer wichtigen Stellung verschanzt? Wie gut, dass gerade eine Nebelfront über das Schlachtfeld zieht und sonst riskante Flankiermanöver relativ einfach macht. Auch akustisch macht Battlefield 1 alles richtig, vor allem in der „War Tapes“-Einstellung, durch die euch DICE – entsprechend gute Kopfhörer vorausgesetzt – glaubwürdig in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs wirft, wuchtige Explosionen, beklemmende Schreie und niemals endendes Feindfeuer mitinbegriffen.


Fazit:

[blockquote cite="John-Henry Drabeck"]John-Henry Drabeck Battlefield 1Mit Battlefield 1 gehen EA und DICE zwar zumindest zeitlich einen gewaltigen Schritt zurück, machen dabei in Sachen Spielspaß, Einzelspielererfahrung und Inszenierung zwei, drei, wenn nicht gar vier Sprünge nach vorne und setzen sich dank unverbrauchten Setting, großartigem Gameplay und einer extrem kräftigen Engine von der sonstigen Shooter-Konkurrenz ab. Endlich mal wieder ein Battlefield, bei dem die Kampagne nicht aufgesetzt wirkt, sondern ihre Daseinsberechtigung hat und neue Spieler auf das brachiale Mehrspieler-Abenteuer vorbereitet, das den Ersten Weltkrieg auf grandiose Art und Weise einfängt. Eindeutig einer der besten Shooter des Jahres und definitiv einer der besten Ableger der Reihe![/bl[/blockquote]

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... ist freier Redakteur bei Spieletester.de seit 2013. Zuvor übernahm er die Leitung des Portals. Seine Lieblingsgenre sind Fantasy-Rollenspiele (The Elder Scrolls/The Witcher) und Action-Adventures (The Last of Us).

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