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Bravely Default Vorschau

Wer heutzutage ein Auge auf fernöstliche Rollenspiele gelegt hat, kommt kaum noch um Nintendos erfolgreichen Handheld herum. Allein schon für RPG Riesen wie Fire Emblem oder Etrian Odyssey kann sich der Kauf allemal lohnen. Noch schwieriger wird es nun all denen gemacht, die sich bisher erfolgreich gegen einen Kauf wehren konnten. Denn Square Enix und Nintendo haben sich nach dem großen Erfolg von Bravely Default in Japan und dem anhaltenden Druck der westlichen Fans dazu durchgerungen, den geistigen Nachfolger von Final Fantasy: The 4 Heroes of Light für die restliche Welt zugängig zu machen. Wir hatten auf dem Nintendo Presseevent in Berlin Gelegenheit noch vor dem Release im Dezember ein Auge auf das umfangreiche Rollenspiel zu werfen. Warum wir überzeugt sind, dass besonders Final Fantasy Fans alter Schule mit dem Kauf eines 3DS liebäugeln könnten, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

Neuer, kürzer, besser?

bravely_default_flying_fairy_18042013_13Wie es meist üblich ist, müssen wir uns als Europäer in stiller Geduld üben, um auf das Erscheinen erfolgreicher japanischer Rollenspiele zu warten. Doch so manches Mal kann sich das Warten durchaus lohnen, da wir so in den Genuss erweiterter Fassungen von Spielen kommen, für die die Japaner gleich doppelt zur Kasse gebeten werden. Bekannt ist dieses Prinzip besonders bei Spielen von Square Enix und seiner Kingdom Hearts Reihe, bei denen Monate nach der Veröffentlichung des Original Teils eine Final Mix Version mit erweiterten Inhalten und neuen Extras auf den Markt kommt. Bei Bravely Default verhält es sich hierbei nicht anders. Wurde in Japan der ursprüngliche Titel noch unter dem Namen Bravely Default: Flying Fairy veröffentlicht, so erschien auch hier später eine überarbeitete Fassung mit dem Titel Bravely Default: For the Sequel. Die Überarbeitung ging somit einher mit üblichen Verbesserungen was die Zugänglichkeit der Menüs und die Verwaltungen seiner Charaktere und des Inventars anbelangt. Auch zusätzliche Optionen wie mehr Speicherslots wurden hinzugefügt, was es für Spieler angenehmer macht, vorangegangene Ereignisse erneut zu spielen. Interessanter sind da aber schon komplett neue Funktionen wie das Einstellen der Häufigkeit von Zufallskämpfen, das Ändern der Spielgeschwindigkeit innerhalb dieser, sowie das Einstellen des Schwierigkeitsgrades und einer Auto-Speicher Funktion. Auf Grund dieser Anpassungen soll auch die Dauer zum Durchspielen von Bravely Default von rund 70 Stunden um über die Hälfte und somit auf 30 Stunden gekürzt werden. Dies ist aber kein Grund zum Aufschrei und würde westlichen Spielern wohl auch gar nicht auffallen, wenn nicht explizit hier erwähnt. Denn neben den zahlreichen Verbesserungen wurde uns seitens Square Enix bzw. Nintendo als Europäischer Publisher versprochen, dass keine Inhalte gekürzt wurden. Es wurden hingegen sogar neue Events eingebaut, neu vertont, neue Musikstücke komponiert, als auch neue Gegner hinzugefügt. Also genügend Inhalte, über die sich westliche Spieler freuen können und von vornherein in ihrer Version von Bravely Default erwarten können, denn die hierzulande erscheinende Fassung des Spiels basiert auf  dem überarbeiten Fort he Sequel.

Eine Welt am Abgrund

An der Geschichte wird sich aber auch für uns, mit Ausnahme der kompletten Lokalisierung was die Texte betrifft, nichts ändern. Noch immer steht die Welt des einfachen Schäferjungen und Protagonisten Tiz sprichwörtlich vor dem Abgrund. Zumindest hat uns das gleich zum Anfang unserer Anspielsession eine schmucke und aus alten Final Fantasy Teilen der Playstation 1 und 2 Ära bekannte CGI-Sequenz verraten, in welcher die späteren Helden und besonders die tragische Geschichte von Tiz kurz beleuchtet wird. Tragisch deswegen, da nicht nur Tiz Heimatdorf, sondern auch sein kleiner Bruder in nur dem Bruchteil einer Sekunde in die unendliche Tiefe der Erde gezogen wird und das einzige was ihre Existenz jemals bezeugen konnte, mit ihnen nun in einem gigantischen Krater verschwunden ist. Erst Tage später wacht unser zutiefst betrübter Held in der nahe gelegenen Burgstadt auf und macht sich auf den Weg, um die Auswirkungen noch einmal mit eigenen Augen zu sehen und wenigstens eine kleine Spur von dem zu finden, was für ihn bisher sein Lebensmittelpunkt war. Auf seiner und unserer kurzen Reise zum Ort der Verwüstung retten wir dann zu allem Überfluss auch noch eine zierliche Jungfrau in Not, die sich wenig später als die zweite Protagonistin Agnés herausstellt. Die Hüterin eines der lebenspendenden Weltkristalle, die anscheinend von einer unbekannten Dunkelheit beschmutzt wurden und für all das Chaos verantwortlich sind. Das sich für Tiz somit die perfekte Gelegenheit ergibt, herauszufinden, was mit seiner Heimat und vor allem seinem kleinen Bruder geschehen ist, liegt wohl auf der Hand und am Ende unseres kleinen Ausflugs macht sich das neugefundene Duo auf den Weg, die restlichen Weltkristalle auszuspüren, um herauszufinden, wie man das ganze Übel rückgängig machen kann.

Schon nach Beginn des Anspielens auf dem Nintendo Presseevent war klar, dass hier auf Fans ein sehr traditionelles, aber nicht minder aufwendiges Rollenspiel wartet. Schon alles an der Aufmachung, dem schönen CGI-Intro und der Erzählart, sowie Präsentation, schreit förmlich nach Final Fantasy. Sogar so sehr, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn Zidane aus Final Fantasy IX in der nächsten Sequenz um die Ecke schlappt und sich vorstellt. Natürlich erinnert die Geschichte um die Weltkristalle eher an ältere Teile wie Final Fantasy III oder V, doch wirkt es alles etwas tiefgründiger, erwachsener und ausgereifter als es beispielsweise anno 1992 auf dem SNES der Fall war. Passend also zur heutigen Zeit, aber nicht weniger klassisch, sowie angefüllt mit einer ordentlichen Portion Nostalgie. Der Anfang zu einer epischen Reise, rund um die frei begehbare Welt samt Oberweltkarte ist genauso Teil davon, wie die vielen Textzeilen, die wir schon während unseres etwa zweistündigen Aufenthalts in der Welt von Bravely Default zu lesen bekamen. Von Story relevanten und ernsten Gesprächen über die Zusammenhänge der Kristalle und des Lebens auf der Welt, bis hin zu kurzem Geplauder auf dem Weg, ähnlich wie in „Tales“ Spielen, in welchem Motivationen der Charaktere beleuchtet werden oder doch ganz einfach mal über das Wetter geplaudert wird. Für Lesefaule ist das Spiel also garantiert nicht gemacht, auch wenn die englischen Sprecher in unserer Version gerade in solchen Gesprächen schon zur Höchstform aufgelaufen sind und zusammen mit den eingängigen Musikstücken eine akustisch ansprechende Reise versprechen.

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Das man sich auf Grund der ganzen Besinnung auf östliche Rollenspieltraditionen dabei auch wieder aus dem typischen Buch für Charakterarchetypen bedient hat, viel zumindest anfangs aber dennoch auf. Den unerfahrenen, dafür aber mit einem großen Herzen ausgestatteten Helden, in diesem Fall ein Schäferjunge, der sich im Laufe der Handlung als weltenrettender Alleskönner entpuppt, ist genauso abgekaut, wie die zierliche Jungfrau, die doch irgendwie eine magische Verbindung zu all den bösen Vorgängen der Welt zu haben scheint und als Schlüssel zur Rettung der Welt fungieren wird. Das ist zumindest der erste Eindruck, den diese beiden auf uns gemacht haben, doch wird sich erst zum Release herausstellen können, ob man sich wenigstens mit den anderen Charakteren, die schon im Intro kurz zu sehen waren, etwas vom Genrestandard abheben kann und ob sich unsere beiden Helden der ersten Stunde doch noch weiter entwickeln und über die Traditionen hinaus wachsen können. Nichtsdestotrotz hat Bravely Default zu keinem Zeitpunkt den Eindruck erweckt, ein verträumt buntes Rollenspielepos zu werden, wie es man es so oft in der Vergangenheit gesehen hat. Dafür wirkt die Welt einfach zu dunkel, zu rau und geheimnisvoll. Zum Großteil ist das äußerst ansprechende Artdesign dafür verantwortlich. Denn auch wenn die Figuren mit ihren gewöhnungsbedürftig gedrungenen Körpern und den Stelz-Beinchen – einigen Spielern vielleicht aus dem aktuellen Fire Emblem für 3DS bekannt – den Anschein eines kindlich anmutenden Abenteuers erwecken könnten, so vermittelt die stark mittelalterlich und mit vielen dunklen Braun-, Grün- und Grautönen gestaltete Welt ein ganz anderes Gefühl. Ein Gefühl einer Welt, die sich auf ein unwiderrufliches Schicksal vorbereitet und dessen Bewohner trotz der großen Katastrophe deren Ausmaß noch nicht genau begreifen können und dem Geschehen versuchen mit falschem Mut und überspielter Verunsicherung entgegen zu treten. Besonders beeindruckend war diesbezüglich die aufwendig und mit Liebe zum Detail gestaltete Burgstadt, in der wir mit unserem Protagonisten die ersten Minuten verbringen. Das von Hand gezeichnete und stark nach einem Aquarellbild aussehende Gemälde dieser Hauptstadt war eine wahre Augenweide. Wenn dann auch noch die Kamera beim kurzen Warten in die Totale hinauszoomt, dann stockt einem als Fan dieses Genres und Zeitalters kurz der Atem. Als wir dann später auch noch vor dem riesigen Krater standen, in dessen Ferne sich die vormals über die Felder ziehenden Flüsse zu riesigen in die Tiefe stürzenden Wasserfällen gewandelt haben und die Umgebung in ein Hoffnung nehmendes dunkelblau getaucht ist, dann freut man sich der vielen Szenerien die da noch auf einen warten. Das der 3D Effekt dabei zwar ansprechend aussieht, aber wohl nur schmückendes Beiwerk bleibt, ist wohl für ein RPG nicht anders zu erwarten. Einfallsreichtum so wie in Mario&Luigi: Dream Team Bros. sollte hier also nicht zu erwarten sein.

Dynamik und Tradition

Die Traditionskerbe zieht sich nicht nur bei der Aufmachung wie ein roter Faden durch das komplette Spiel, auch in Sachen Gameplay scheint man sich keine Blöße geben zu wollen. Kämpfe finden nämlich nach altbekanntem Zufallsprinzip statt und kündigen sich auch nicht an bzw. sind durch sichtbare Gegner zu umgehen. Jedes Mal wenn es also zu einem von vielen Kämpfen kommt, dann wird genretypisch in einen separaten Bildschirm umgeblendet, auf dem sich beide Parteien gegenüberstehen und nacheinander am Zug sind. Auf den ersten Blick also wieder alles beim Alten und scheinbar recht undynamisch, schließlich schlägt man sich nacheinander schön animierte Zauber und Angriffe um die Ohren. Erst als uns das namensgebende Brave- und Default-System durch ein kleines Tutorial bravely_default_flying_fairy_18042013_3nahe gebracht wurde, zeigt sich ein erster neuer Wind im ansonsten recht angestaubten Kampfgeschehen. Ihr seid dadurch nämlich in der Lage Angriffe durch das Ansammeln von Aktionszügen eurer Charaktere zu verketten und somit in nur einem Zug eine verheerende Kombination aus aneinandergereihten Aktionen auszuführen. Auch ist es möglich spätere Züge vorweg zu verbrauchen, um sofort eine Angriffskette auszuüben oder gar die Zeit während eines Kampfes anzuhalten, um sofort wieder an der Reihe zu sein. Dadurch kommt nicht nur ein ganz neuer Hauch Taktik ins Spiel, sondern auch ein Gefühl dynamisch agieren zu können, trotz rundenbasiertem Kampf. Gekoppelt mit der jederzeit einstellbaren Spielgeschwindigkeit, haben somit selbst einfach Kämpfe Spaß gemacht und einen nicht zu lange aus dem Geschehen gerissen, blieben dabei aber trotzdem verhältnismäßig anspruchsvoll. Die einzige Entwicklung die uns hier Sorgen bereitet hat, ist die integrierte Mikrotransaktions-Funktion. Ihr könnt euch somit gegen Echtgeld im eShop sogenannte Sleep-Points kaufen, die ihr im Kampf dazu einsetzt, die Zeit anzuhalten. Zwar füllen sich die SP auch von selbst im Sleep-Modus eures 3DS, doch muss dazu Bravely Default nicht nur die gesamte Zeit laufen, sondern euch wird noch dazu nur alle acht Stunden je ein SP gutgeschrieben. Da sich anfangs die Kämpfe noch recht leicht gestalten, können wir leider nicht einschätzen wie wichtig die Sleep-Points im späteren Spielverlauf sind, doch hoffen wir sehr, dass sich dieses Feature nur als kleines Gimmick darstellt und alle Inhalte auch ohne große Probleme für Spieler zugängig sind.

Nicht besorgniserregend, dafür aber umso erfreulicher für all diejenigen die Vielfalt in der Charakterentwicklung bei vielen Rollenspielen heutzutage schmerzlich vermissen, sind die vielen freischaltbaren Jobs für eure Charaktere. Ganz nach dem Vorbild älterer Final Fantasy Teile seid ihr auch in Bravely Default in der Lage einem jeden eurer Helden einen ganz bestimmten Job mit speziellen Fähigkeiten und Boni zuzuweisen. Auswahl ist reichlich vorhanden, denn abseits von klassischen Jobs wie White-Mage, Black-Mage, Knight oder Thief, finden sich auch Jobs wie Summoner, Redmage, Pirate oder gar Merchant. Jeder Job muss dabei speziell trainiert werden, um immer neuere Fähigkeiten zu erhalten. Dadurch ergeben sich unzählige Gruppenzusammenstellungen und Kombinationen von Job übergreifenden Zaubern oder Attacken. Das verleitet zum Tüfteln und vorausplanen und gibt dem ansonsten so klassischen Charakteraufstieg eine gehörige Portion Tiefe. Nur Anfänger dieses Genres könnten sich schnell überfordert fühlen, auch wenn wir während der ersten zwei Spielstunden nur einen Job hatten und diese erst nach und nach freigeschalten werden oder beim örtlichen Händler während einer ausgiebigen Shoppingtour ergattert wurden.


Ersteindruck: Nach diesen ersten paar Stunden des Hineinschnupperns, wollte ich den 3DS gar nicht mehr aus der Hand geben. Durch die Besinnung auf absolute Genretraditionen was Kampfsystem und Job Management anbelangt, hat man trotz alledem einen sehr guten Weg gefunden mit dem Brave und Default System Dynamik ins Spielgeschehen zu bringen. Verbunden mit den Neuerungen in unserer Version, was beispielweise den Schwierigkeitsgrad und die Kampfgeschwindigkeit anbelangt, haben es europäische Spieler deutlich komfortabler. Auch das Artdesign und die Präsentation konnten auf ganzer Linie überzeugen und lassen Bravely Default zu einem der schönsten Rollenspiele auf dem Handheld werden. Nur die ausgelutschten Charaktere könnten der ansonsten so stimmigen Szenerie und Haupthandlung etwas die Spannung nehmen, wobei uns das Einführen von Mikrotransaktionen am meisten Bauchscherzen bereitet. Da muss sich zum Test noch herausstellen, in wieweit dieses System ins generelle Spielgeschehen hineinreicht. Nichtsdestotrotz macht Bravely Default einen sehr guten Eindruck und ich freue mich meinen zweiten Anlauf die Weltenkristalle zu retten.

Einschätzung: Gut (12 Punkte – Wertung im Bereich von 80 Prozent und mehr!)




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