Die Siedler VI: Aufstieg eines Koenigreichs Testbericht

Die ‘Die Siedler’-Reihe gibt es schon seit langer Zeit und waehrend Siedler V eher schwaecher war als seine Vorgaenger, muss man ganz klar sagen: Ubisoft hat mit Siedler VI wieder eine ganz andere Richtung eingeschlagen, darum back to the roots! Die Kaempfe fallen in den Hintergrund, der Aufbaupart wurde deutlich gepusht. Wie sich Die Siedler VI im ersten Look macht und warum ich schon jetzt glaube, dass wir es mit einem Hit zu tun haben, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen – viel Spass!

Fangen wir aber lieber am Anfang an, denn da muesst ihr zunaechst einen Holzfaeller bauen, der euch einen der drei absolut notwendigen Rohstoffe liefert – Holz. Neben Holz zaehlen Steine und Nahrung zu den unabdingbaren Grundvoraussetzungen fuer eine gescheite Zivilisation. Wenn ihr euren Holzfaeller gebaut habt, werdet ihr folgendes bemerken: Der Holzfaeller wird sein Holz alleine zum Lager bringen und dabei ist es vollkommen egal, ob da jetzt eine Strasse ist oder nicht – die Bewohner gehen auch ueber Wiesen, Felder und seichtes Wasser, um zum Lager zu kommen. Strassen haben natuerlich den Vorteil, dass sie eure Einheiten beschleunigen, allerdings nur sehr wenig. Erst mit den Steinstrassen, die am Ende verfuegbar sind, merkt ihr eine echte Beschleunigung. Kurz darauf wird ein Fischer gebaut oder auch alternativ eine Farm sowie die dazugehoerigen Getreidefelder. Was man als Neuling vielleicht nicht weiss: Der Baecker, den ihr brauchen werdet, um Brot zu kriegen, muss (!) am Marktplatz stehen, denn er holt sich die Waren nur (!) aus dem Lager ab, nicht direkt von der Farm. Finde ich ein wenig unpraktisch, aber laut Ubisoft will man den zentralen Aspekt des Marktplatzes dadurch verstaerken – meiner Meinung nach eher forcieren. Aufmerksame Gameer werden bemerken, dass manche Gebaeude entfernt wurden, zum Beigame die Windmuehle, die das Korn des Bauern genommen und gemahlen, woraus der Baecker dann sein Brot gemacht hat. Dieses wirtschaftliche Gebaeude ist nun direkt im Bauernhof inbegriffen. Trotzdem sind die Produktionswege sehr vielschichtig. Der Jaeger erlegt das Tier, der Metzger holt es ab, bearbeitet es zu Fleisch, welches wiederum von den Buergern gebraucht wird.
Die Praesentation in Duesseldorf, bevor ich gameen durfte, machte definitiv Lust auf mehr. Eine wunderschoene Optik, eine richtig gut aussehende Landschaft, tolle Wassereffekte, eine sehr belebte Innenstadt, der uebliche ‘Wuseleffekt’ und zahlreiche Gebaeude. Siedler, wie wir sie eben lieben. Mich hat vor allem die belebte Tierwelt begeistert, denn Froesche (mussten fuer den franzoesischen Publisher einfach sein, leider kann man sie nicht essen) huepfen durchs Morast, Hasen laufen ueber die wunderschoenen Wiesen, Loewen jagen Zebras in der Wueste – das Game lebt und man merkt es auch staendig, wenn man in das Geschehen zoomt; ansonsten aber wird man das auch der isometrischen Sicht nicht stetig sehen, weil man ziemlich gestresst seinen Aufgaben nachgehen wird.

Zentralisierung

Im neuesten Teil der Siedler geht alles von der Mitte aus, denn euer Dorfzentrum ist zentral gelegen und hier wird sich auch die gesamte Produktion, der Handel und das Geldeintreiben abgameen. Die Burg, Symbol fuer Macht und Herrschaft, ist ein wenig ausserhalb gelegen, wie es eben typisch fuer eine mittelalterliche Stadt ist. Auf dem Marktplatz, symbolisiert durch den Brunnen in der Stadtmitte, werden die Menschen reden, arbeiten und Parties machen, wenn ihr jene stattfinden lasst.
Sehr schoen finde ich auch, dass man bei der Stadtentwicklung ganz besonders auf die Jahreszeit achten muss. Diese wechseln dynamisch im Takt von 2 ½ Minuten, wobei ich den Herbst nicht ausmachen konnte, laut Ubisoft ist er allerdings vorhanden (Klimawandel gab es im Mittelalter schliesslich noch nicht). Im Winter frieren die ganzen Fluesse, Seen und Teiche ein. Das sieht grafisch ziemlich cool aus und hat einige Nachteile: Eure Fischer koennen ihrer Arbeit nicht nachgehen, die Produktion ist gehemmt. Ebenso stagniert die Arbeit der Bauern, weil ihre Felder mit Schnee bedeckt sein werden. Ein weiterer netter Grafikeffekt ist der Schnee, der voll Himmel faellt – muss man gesehen haben. An jener Stelle sind umdenken, improvisieren oder einfach angesagt oder man handelt mit dem Nachbarn.[]

Einen gewissen Touch Anno 1701 gibt es auch
Und jenen gewissen Touch findet man im Handels und Diplomatie-Menue wieder. Schon alleine die Aufmachung des Diplomatie-Menues erinnert ganz stark an Anno 1701, weil man die Figuren sieht und mit ihnen einige Dinge aushandeln kann. In der gegameten Pre-Beta konnte ich den Mitgameern allerdings nur den Krieg erklaeren – leider. Das wird sich aber zur Verkaufsversion sicherlich noch aendern. Genau so hoffe ich, dass sich der Handel vereinfacht, denn im Lager koennt ihr eure Gueter auswaehlen und dann einen Wert festlegen, den ihr verkaufen wollt. Bislang kann man das allerdings durch wildes Klicken auf die linke Maustaste machen. Stellt euch jetzt vor, wie affig das aussieht, wenn man 150 Einheiten Fisch verkaufen will (ja, man muss 150 Mal auf einen Pfeil klicken). Laut Ubi wird sich das aber auch aendern. Verkauft ihr das Zeug, fahren einige Haendler mit ihrem Karren los und hoffen, nicht von Banditen ueberfallen zu werden, denn die boesen Jungs wollen ihnen an die Ware. Sie werden euren Haendler umkreisen und zur Aufgabe zwingen. Daher sollte man stetig Geleitschutz mitschicken, damit moegliche Banditen abgeschreckt werden und gar nicht erst angreifen.

Pimp my village
Eine Besonderheit von Die Siedler VI ist ganz klar, dass man die Gebaeude verbessern kann, wodurch sie optisch nicht nur groesser, sondern auch wirtschaftlich produktiver werden. Jedes Gebaeude, bis auf die Burg, hat drei Stufen, man kann sie also zwei Mal ausbauen. Der Ausbau kostet natuerlich einige Materialien wie Steine oder Holz, bringt aber folgenden nicht unwichtigen Vorteil: Die Produktionsstaetten produzieren mehr, weil stetig ein Arbeiter hinzukommt (Stufe 2 hat beigamesweise zwei Arbeiter) und der Transport wird besser. Auf der ersten Stufe transportiert ein Holzfaeller sein abgeholztes Holz noch auf dem Ruecken zum Lager. Bei Stufe zwei hat er einen Schubkarren und bei der finalen Ausbaustufe einen Esel, der deutlich schneller ist als die beiden Vorgaengerstufen. Weiterhin wird auf das interne Lager vergroessert. Dadurch koennen eure Arbeiter auch mehr produzieren.

Neben den Gebaeuden gibt es ja die Burg, die ich schon oben erwaehnt habe. Diese hat einen besonderen Stellenwert, denn hier gibt es so einige Sachen, die man machen kann. Einerseits kann man die Steuern fuer die Buerger bestimmen, was in etwa genau so funktioniert wie in Anno 1701, denn hohe Steuern lassen eure Buerger boese werden und zu niedrige Steuern bringen euch weniger Einkuenfte. Man sollte also stetig die goldene Mitte finden, damit das Geld am Ende des Monats auch sprudelt, weil man es fuer manche Gebaeude und vor allem fuer das Heer benoetigen wird, denn man kann auch Geld an das Heer geben. Je mehr die Jungs fuer ihren Einsatz bekommen, desto besser werden sie arbeiten. Ausserdem hat man einen Helden, der einen ganz besonderen Stellenwert im Game einnimmt.

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Die Helden im Game, es gibt mehrere, besitzen allesamt verschiedene Faehigkeiten. Alandra kann zum Beigame heilen und Marcus stattet die Soldaten mit Fackeln – was die anderen Helden koennen, weiss ich leider nicht, weil nur die beiden gamebar gewesen sind. Vor jeder Mission im Game wird man sich auswaehlen koennen, welchen Recken/in man nimmt, nach der vierten Mission, so Ubisoft mir gegenueber, werden alle Helden zur Verfuegung stehen – es wird insgesamt sechs an der Zahl geben. Diese Helden koennen im Laufe der Mission bzw. des Games verbessert werden, die werden promoted, wodurch ihr als Stadthalter neue Rechte und Baumoeglichkeiten bekommt. Anfangs muesst ihr fuer Kleinigkeiten wie Kleidung und Nahrung sorgen, wodurch ihr schon einen neuen Rang bekommt. Fuer den Baron braucht es schon viel mehr und fuer den ‘Duke’, den hoechsten Rang im Game, werdet ihr locker mehrere Stunden zocken muessen, weil die Anforderungen seitens der Bevoelkerung staendig steigen. Weiterhin sind die Helden dazu da, neue Territorien zu ‘claimen’ – wie wir bei Ubi gern gesagt haben. Claim im Sinn von erobern, denn ihr muesst in ein neutrales Areal reiten/gehen und dort einen Wachposten aufstellen, dann gehoert euch ein Areal so lange, bis der Gegner euch angreift und alles kurz und klein schlaegt.[]

Man muss auch beachten, dass das Volk stetig genug zu essen und zu kleiden hat, ausserdem muss alles sauber sein (die Frauen kuemmern sich meistens um die Sauberkeit). Man koennte es am besten mit Anno 1701 vergleichen, denn auch bei Siedler VI haben die Einwohner Beduerfnisse, die ihr erfuellen muesst. Wenn der Schmied keine Nahrung hat, wird er nicht arbeiten. Wenn es dreckig in der Stadt ist, sinkt das Ansehen und die Produktivitaet geht runter. Es gibt stetig eine Ursache und Wirkung und ein Gegenmittel. Das Game lebt quasi, man kann auch jeden Siedler anklicken und schauen, was er gerade macht, weil jeder Siedler einen eigenen Tagesablauf hat. Wenn man wirklich mal in die Nahansicht geht, wird man viele nette Details sehen und praktischerweise hat Blue Bytes die ganzen Entwicklungen nach Draussen verlagert, damit man stetig schoen was zu gucken hat. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn meine Zeit in Duesseldorf bei Ubi nicht bis 17 Uhr begrenzt gewesen waere, haette ich noch locker einige Stunden damit verbringen koennen, mich zurueckzulehnen und den Siedlern zuschauen, wie sie ihre Arbeit verrichten, denn darauf wurde wirklich viel Wert gelegt.

Krieg der Leichtigkeit
Waehrend der fuenfte Teil der Siedler eher den Kriegspart deutlich in den Vordergrund gestellt hat, geht es bei Siedler VI ganz anders, darum  traditionell zu. Hier gamet der Krieg eine nebensaechliche Rolle und das merkt man auch. Die Soldaten, die ihr ausbildet, kommen zwar praktischerweise in 9‘er-Einheiten aus den verschiedenen Kasernen, aber sie besitzen lediglich zwei Formationen. Die konventionelle Reihenformation und die Ringform, in der sie Geleitschutz bieten. Der Kampf geht auch locker von Statten, euer Held hat keine Statuswerte und bekommt auch keine Erfahrung. Lediglich die Einheiten regenerieren ihre Lebenskraft. Schlimm ist das nicht, denn es macht sehr viel mehr Spass, seine Siedlung aufzubauen als in den Krieg zu ziehen. Mir wurde auch versichert, dass die Kampagne nicht stetig auf Krieg hinauslaufen wird – loeblich!

Der Kommentar
Kommentator
Das ist die mit Abstand laengste Vorschau, die ich jemals geschrieben habe. Und obwohl ich das Game in vielen Zuegen gelobt habe, muss ich dennoch sagen, dass es nach einer gewissen Zeit den Eindruck gibt, dass es ein ganz einfaches Siedler ist. Man ist so gestresst mit dem Aufbau und der Stadtentwicklung, sodass man die wirklich lebendige Stadt und die Natur nicht wahrnimmt. Wenn das Game den Zoom forcieren wuerde, ohne, dass er nervt, waere das klasse. Aber sonst kann ich schon jetzt sagen: Siedler VI ist genau das Siedler, das ich mir seit Jahren wuensche und es macht verdammt viel Spass! Behaltet den Titel auf jeden Fall im Auge.

Ersteindruck

sehr gut  (Wertung zwischen 85 und 100% moeglich)

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