Enslaved ist interessant. Und das nicht nur wegen der Ähnlichkeit von Trip mit Nariko aus Heavenly Sword, sondern auch von der Storyperspektive. Die Novel „Journey to the West“ wurde im 16. Jahrhundert anonym veröffentlicht und beinhaltet so viele Dinge, die wir alle kennen und lieben. Etwa die Figur des Sun Wukong, einem Affen mit sehr mächtigen Kräften (Anleihen davon sind unter anderem in Son Goku aus Dragon Ball zu finden), dessen Geschichte sich so weit ausdehnt, dass er am Ende des siebten Kapitels (von ca. 100) gegen den Himmel kämpfen will. Amüsanterweise kann Monkey nur durch ein goldenes Band kontrolliert werden – ein Band, das auch Monkey in Enslaved besitzt.

Es gibt so unglaublich viele Anspielungen in Enslaved auf eben jenes literarische Meisterwerk und gerade das macht den Titel so unglaublich spannend, liebenswürdig und vor allem gut. Pigsy etwa ist das Pendant zu „Zhu Bajie“, der oftmals mit eben Pigsy übersetzt wurde und so auch seinen Namen im Spiel bekommt. Und natürlich ist er auch derjenige Charakter, der nur an Sex und Essen denkt und deswegen die hübsche Trip gerne mal abends ausführen wollen würde, jedoch in einen Konflikt mit Monkey gerät und das passiert im Spiel nicht gerade selten.

Bis der Tod euch scheidet?

Angesiedelt 150 Jahre in der Zukunft, bietet Enslaved das Bild einer nahezu vernichteten Erde. Kriege haben die uns bekannten Städte in Schutt und Asche gelegt, die Roboter übernahmen die Macht und besitzen ein letztes Ziel: Die verbleibenden Menschen auszulöschen. Monkey, der Held des Spiels (und übrigens auch literarisch) wird von Sklavenhändlern gefangen genommen und auf ein Schiff verfrachtet, wo er die hübsche Trip kennenlernt, die ihn in ihr Schicksal mit einbezieht – auf eine sehr spezielle Art und Weise. Als beide entkommen können und Monkey von seiner Ohnmacht erwacht, besitzt er plötzlich ein mysteriöses Stirnband auf dem Kopf (Son Goku und Afro Samurai, wenn auch letzteres nur im übertragenen Sinne zutrifft), das ihn mit Trip verbindet. Stirbt sie, stirbt auch er. Wenn er ihr nicht gehorcht, kann sie ihm Schmerzen zufügen bis er letztlich ihrem Willen folgt. Anfangs noch widerwillig, ergibt sich hernach mehr und mehr eine waschechte Liebesbeziehung zwischen den beiden Protagonisten – und die wird ganz schmalzig präsentiert (etwa mit einer Positionierung beider Charaktere, sodass sie ein Herz bilden, was dann auch mit rosa Umrandung verdeutlich wird).

Wenn mal nicht eine der vielen, vielen großartigen Zwischensequenzen läuft, müsst ihr mit Monkey genau die Dinge tun, die ein jeder Action-Adventure-Held auch tut: Gegner vermöbeln, Rätsel lösen und gelegentlich Jump ´n Run-Passagen überstehen. Der Kampf gegen die Mechs ist dabei immer etwas anders: Mal dürft ihr den Langstab benutzen (Vgl. Stab von Son Goku aus Dragon Ball), der nicht nur für den Nahkampf unglaublich nützlich, sondern auch für Fernkämpfe mit etwa Elektroschocks ganz praktisch ist. Erledigt ihr dann einen Gegner, sausen unter anderem rote Orbs durch die Gegend – sammelt diese auf, denn sie ermöglichen es euch, im späteren Verlauf des Spiels, Waffen zu verbessern oder neue Fähigkeiten zu erlernen. Zudem ist es durchaus ratsam, nicht immer den offensichtlichen Weg zu gehen, sondern auch mal abseits in eine Sackgasse oder ähnliches zu rennen, damit neben zusätzlichen Healthpacks, Munition und so auch Masken aufgesammelt werden, die euch die Geschehnisse der Handlung vor dem Spiel präsentieren. []

Geht leicht von der Hand

Da ich im Vorfeld der Präsentation (in der Pigsy vorgestellt wurde – siehe oben) ein klein wenig selbst spielen konnte, kann ich euch nebst theoretischen Erfahrungen auch praktische nennen. Die Klettereinlagen laufen sehr einfach ab, vergleichbar mit Prince of Persia oder Assassin’s Creed, wahlweise auch Mirror’s Edge. Ihr rennt auf ein Objekt zu, drückt einen Button und Monkey führt die gewünschte Aktion aus. Um dann zum nächsten Objekt zu gelangen, drückt ihr erneut selbigen Button. Das ist leicht, geht locker von der Hand und verwirrt nicht mit unzählig vielen Tastenkombinationen. Damit die Sache aber nicht zu trivial wird, haben die Entwickler im späteren Verlauf des Spiels einige sehr amüsante Hindernisse eingebracht, die ihr mit den vielen Gadgets von Trip absolviert.

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Zwei dieser Gadgets konnte ich erleben: Einerseits eine Art Robolibelle, mit der ich Minen in einem Feld ausmachen konnte, welche jedoch nur Monkey anzeigt wurden. Es galt, Trip huckepack zu nehmen und auf die andere Seite zu befördern. Funktionierte blendend und war durchaus amüsant, zumal Trip gerne mal etwas panisch wurde. Das andere Gadget ist nur an bestimmten Stellen verfügbar (sogar in einem Bosskampf) und nennt sich kurz „Cloud“ und dient dazu, über Wasser zu schweben oder sich schneller bewegen zu können (vgl. die gelbe Wolke von Son Goku). Hierbei muss ich allerdings zugestehen, dass die Steuerung etwas wackelig wirkte und ich erst nach einigen Minuten Gewöhnungszeit das an sich coole Gadget beherrscht habe.

Technisch sauber

Was erwartet ihr von Ninja Theory, nachdem sie bei Heavenly Sword die Muskeln der aktuellen Konsolengeneration durchaus gut vorgestellt haben? Nun, ich hatte einen mindestens ebenbürtigen Folgetitel erwartet und wurde nicht enttäuscht. Enslaved sieht super aus, die Charaktere wirken unglaublich echt und deren Gestik sowie Mimik sind mitunter die wichtigsten Aspekte, die Geschichte um die Protagonisten voranzutragen. Löblich, sehr löblich! Etwas problematisch hingegen wirkte noch die Kamera, die sich gerne mal sehr unglücklich positionierte. Hoffentlich wird das noch bis zum Release verbessert. Akustisch war leider aufgrund des Messelärms nicht viel zu hören.


Fazit:

Enslaved ist gut, es ist anders und einfach deutlich kreativer als dieser ganze Nachfolger-Quatsch, der die diesjährige gamescom so klar dominiert hat. Die malerisch schönen Umgebungen, die grandiose Story-Einbindung aus dem Meisterwerk „Journey to the West“ und die super Charaktere werden euch sehr schnell ans Herz wachsen, das verspreche ich euch. Gebt dem Spiel eine Chance, es ist wirklich gut und vor allem kein 08/15-Shooter mit ewig gleichem Szenario. Enslaved ist anders und das ist gut so!

Ersteindruck:  Sehr gut

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