Die bisherigen Formel 1-Spiele waren eigentlich mehr oder minder simple Racer, in denen ihr euch einen Namen für den Fahrer ausgedacht habt und dann Rennen für Rennen für Rennen die Pisten unsicher gemacht habt und schlussendlich Weltmeister wurdet. Nachdem Sony also die Lizenz abgegeben hat an Codemasters, musste sich irgendwas tun, ansonsten wäre F1 als Spiel untergegangen gegen die vielen anderen Rennspiele, die inzwischen so viel moderner und angenehmer zu spielen sind. F1 2010 geht andere Wege, ganz andere, moderne, gute und kreative.

Die Präsentation fing alleine damit an, was sich seit dem Sony’schen F1 getan hat: „Wir haben ein ganz neues Spiel daraus gemacht“. Sehr gut. Eigentlich sollte F1 2010 noch 2009 erscheinen, doch die Entwickler haben sich dagegen entschieden, weil der Titel so gar nicht mehr zeitgemäß geworden wäre und sie vielerlei Dinge nicht mehr hätten implementieren können. Gleich vorneweg: In F1 2010 spielt ihr das Leben eines Fahrers nach, erlebt Freud und Leid, bekommt Angebote und spielt eine waschechte Karriere nach, die es vielleicht so in EAs Fußball Managern zu sehen gibt. Der Fokus liegt natürlich klar darin, die Rennen zu bestreiten und jene zu gewinnen, doch das gesamte Drumherum, was in der Formel 1 inzwischen genauso wichtig ist, wie das Rennen selbst, bekommt in F1 2010 eine sehr große Rolle zugeteilt.

„Kann ja mal passieren“ – „Wir müssen mal miteinander reden“

Im sehr übersichtlichen Menü von F1 2010, das mich beim ersten Blick irgendwie ein wenig an Race Driver: GRID 1 bzw. eher 2 erinnert hatte (freies Bewegen im Hintergrund der Rennstrecke im Teambereich), gibt es einiges zu sehen nebst der üblichen Modi wie Zeitfahren, Karriere und so weiter: Nämlich den eigenen „Tourbus“. Dort wartet eine hübsche Agentin auf euch, die sich um alles kümmert. Sie holt euch neue Aufträge rein, regelt die PR und sorgt für die nötige Motivation, wenn ein Rennen zuvor irgendwie wegen technischer Probleme oder Fahrerfehlern nicht so gut ausgegangen ist wie man selbst es sich gewünscht hätte. Der Clou hierbei ist: Je nach Rennausgang wird sie euch ansprechen und Fragen von Journalisten übermitteln, woraufhin ihr diverse Antwortmöglichkeiten erhaltet, deren Auswahl über eure Karriere in der Formel 1 durchaus Einfluss haben kann. Spielt ihr den hochnäsigen Rennfahrer, kann das durchaus nach hinten losgehen, denn schließlich müsst ihr euch von unten nach oben kämpfen und wollt bestimmt bei Ferrari oder McLaren fahren.

Ein weiteres Feature von F1 2010 ist, dass sich euer Rennbolide über die Saison hin verbessert. Am Ende eines Rennjahres wird sich der fahrbare Untersatz also doch – je nach Rennstall – stark von dem unterscheiden, den ihr am Anfang der Saison noch hattet. Jedoch nur in Punkto Performance und Handling. Zudem könnt ihr vor dem Qualifying und Rennen noch „Last Minute“-Änderungen an eurem Boliden vornehmen, wobei hierbei die üblichen F1-Regelements eingehalten werden müssen, sprich: Volltanken ist nach der Qualifikation ist nicht. Auf einem Monitor in der Boxenhalle könnt ihr nicht nur Feineinstellungen an der Karre selbst vornehmen, sondern auch mit euren Crewmitgliedern weitere Änderungen vornehmen, etwa die Bremsstärke oder die Qualität der Reifen bestimmen. []

Strecken mit Gedächtnis

Auf der Piste wird es dann um einiges interessanter, denn jede Strecke merkt sich, wo viel Grip ist. Am Anfang beträgt dieser bekanntlich noch etwas weniger, da noch nicht allzu viel los gewesen ist auf der Strecke, doch mit fortschreitendem Rennverlauf wird sich euer Verhalten in diversen Kurven ändern müssen, weil die Bodenverhältnisse neu kalkuliert werden und die Karre sich dadurch anders verhält. Ähnlich cool verhält es sich mit Regenwetter, denn die Strecke wird unterschiedlich nass und eure Reifen saugen quasi das Wasser auf und bilden Spurrillen, wo ihr weniger rutscht. Doch Obacht! Die Pfützen vergrößern sich mit der Zeit und so kann es durchaus vorkommen, dass ein Teil der Strecke, der vorher noch recht viel Grip hatte, in der Runde darauf wegen plötzlichem Platzregen wieder ganz anders befahren werden muss. Freud und Leid des Rennfahrers – so wie es sein soll.

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Die KI der Gegner ist dabei – offensichtlich – ziemlich fordernd, da sie nicht nur auf der Ideallinie fahren, sondern auch mal gewagte Manöver versuchen und verbissen um jeden Platz im Ranking kämpfen. Schön hierbei ist, dass ihr so viel Druck auf den Vordermann aufbauen könnt bis er zu einem Fehler gezwungen wird. Inwiefern das vom Spiel erkennt und gescripted wird, ist nicht bekannt – hoffen wir nur, dass diese Fehleranfälligkeitsschwelle nicht zu schnell deutlich wird. Übrigens gibt es im Team selbst auch Absprachen – der Hauptfahrer eines Teams wird meistens bevorzugt und pocht auf die Unterstützung des Kollegen. Seid also ihr der Hauptfahrer, könnt ihr dem Teammitglied „befehlen“, die anderen Fahrer hinter euch etwas auszubremsen, um so mehr Zeit für etwa einen Boxenstopp zu erlangen. Ausgetüftelte Taktiken sind bekanntlich eine der großen Stärken von Formel 1 – das wollen auch die Entwickler im Spiel erreichen, dabei aber immer alles zugänglich halten. Mit derlei Kleinigkeiten schaffen sie dies in jedem Fall.

Bei all diesen technischen Details sollten wir aber eines nicht außer Acht lassen: Macht der Titel auch Spaß? Nun, ja. Sehr sogar. Das Fahrgefühl ist sehr gut und die Boliden fühlen sich einfach außerordentlich real an, wenngleich der Vergleich mit der Realität etwas aufgrund fehlenden Force-Feedbacks fehlt, dennoch war meine Erfahrung mit F1 2010 deutlich angenehmer als meine letzte Begegnung mit einem Titel dieser Reihe. Auch grafisch hat die 2010er Ausgabe einiges auf dem Kasten und liefert eine prachtvolle Grafik mit sehr detaillierten Karren, Strecken und halbwegs anständig animierten Publikum. Vom Sound gab es leider aufgrund des Lärms auf der Messe nicht zu viel zu hören.


Fazit:

F1 2010 ist gut, verdammt gut. Meiner Meinung nach wurde genau das Richtige mit der Lizenz gemacht, denn Sonys „Ideen“ zu F1 waren ausgelutscht, da ging kurz gesagt nichts mehr. Diese eigentlich so starke Lizenz wäre dort komplett untergegangen, bekommt aber bei Codemasters so viel neues Leben eingehaucht, sodass selbst alte Fans der Reihe wieder zugreifen können, zumal das Schadensmodell durchaus realistisch wirkte. Die Features, das gesamte Auftreten des Spiels – alles wirkt so modern und gut. Und das Beste: Die Entwickler rechnen schon jetzt stark mit einer 2011er Version, in der sie noch viele, viele weitere Ideen implementierten werden (etwas Move/Kinect und 3D-Support). Rennfans, behaltet diesen Titel im Auge!

Ersteindruck:  Sehr gut

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