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Skyforge (PC) Vorschau

MMORPGs gibt es inzwischen wie Sand am Meer, doch die meisten davon können sich nicht lange am Markt behaupten und müssen oftmals nach nicht einmal einem Jahr entweder dicht machen oder versinken in Vergessenheit und Free-to-Play-Quatsch. Das Allods-Team hat zwar mit Allods Online einen durchaus passablen Job gemacht, konnte am Ende aber eben nicht genug Marktanteile sichern. Nun machen sie mit Obsidian Entertainment gemeinsame Sache, um Skyforge zu veröffentlichen. Ich habe mir die erste Beta-Phase des Spiels angeschaut und war nur mäßig begeistert. Warum erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen!

Die Storyline von Skyforge dreht sich um den Planeten Aelion, der unter der Belagerung von Dämonen und anderen üblen Kreaturen steht. Der alte Gott Aeli ist verschwunden und die Vasallen der weniger wohlgesonnenen Götter versuchen nun das wunderschöne Land zu vernichten. Als Spieler übernehme ich dabei die Rolle eines Auserwählten, eines Gottgleichen Wesens, zu dem die Menschen hinaufsehen. Meine Aufgaben bekomme ich dabei aus dem „Divine Observatorium“, was auch gleichzeitig als „social HUB“ auf dem ersten gespielten Planeten dient.

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Das etwas andere MMORPG

Skyforge gibt sich von Anfang an etwas anders. Anstatt euren eigenen Charakter zu spielen, schlüpft ihr zunächst in die Haut eines generischen und noch unbekannten Helden, der sich gegen eine Schar Dämonen behaupten muss und gemeinsam mit seinen Freunden natürlich verliert. Doch dieser eine Soldat hat Glück und wird von den verbleibenden göttlichen Bewohnern gefunden und in deren Reihen aufgenommen. Erst 20-30 Minuten nach Spielbeginn darf ich endlich meinen Helden personalisieren. Interessant dabei ist: Zwar kann ich aus einer von fünf Klassen (Lightbinder, Paladin, Berserker, Cryomancer und Gunner) wählen, doch diese Entscheidung ist nicht permanent. Jederzeit darf ich von Paladin zu Gunner oder Cryomancer oder Berserker wechseln. Der Charakter-Editor ist ganz nett gemacht und bietet zahlreiche Optionen, wenngleich mir bei den Gesichtern noch die Vielfalt fehlt – aber es handelt sich um eine Beta. Vielleicht ändert sich das ja noch. Übrigens: Den eigenen Charakter könnte ich im Nachhinein optisch anpassen, wenn mir irgendwas doch nicht so ganz gefällt.

Der zweite wichtigste Unterschied zu anderen MMOs: Es gibt keine Level. Jedenfalls nicht direkt. Stattdessen sammelt ihr Prestige, was in etwa mit eurem Stärke-Level gleichzusetzen ist. Je mehr Prestige, desto mehr Talente und desto bessere Ausrüstung besitzt ihr zwangsläufig, denn diese Punkte erhaltet ihr nur dann, wenn ihr eben neue Items ausrüstet (der bloße Besitz reicht nicht). Durch sogenannte „Sparks“, wovon es drei gibt, könnt ihr – ähnlich wie in Final Fantasy X’s Spherobrett – neue Perks freischalten und Prestige erlangen. Diese Sparks unterscheiden sich in „Spark of Destruction“, „Spark of Balance“ und „Spark of Creation“. Ihr bekommt sie als Belohnung aus Missionen, ebenso wie die begehrten Justice-Abzeichen, welche universell einsetzbar sind.

Die dritte große Überraschung – für mich zumindest – war, dass es keine zusammenhängende Spielwelt gibt. Sie ist vielmehr disjunkt und voller Ladezeiten, die mich ständig aus dem Geschehen reißen. Im Divine Observatorium nehme ich meine Mission an, gehe zum Zentrum und wähle eine aus verschiedenen Missionen, die mich in ein recht kleines Gebiet teleportieren, wo ich Monster abschlachte und Menschen aus der Patsche helfe. Habe ich meine Aufgaben erfüllt, geht es wieder zurück ins Observatorium. In andere Gebiete kann ich leider nicht reinlaufen, denn irgendwann trennen mich unsichtbare Wände vom weiteren Vorankommen. Schade. Skyforge fühlt sich aufgrund dessen vielmehr nach einem Singleplayer-RPG als nach einem MMORPG an.

Lahmes Quest-Design und ein Grind sondergleichen

Neben der disjunkten Spielwelt hat mich aber auch das ziemlich lahme Quest-Design von Skyforge gestört. Die Hauptstoryline ist dabei sogar noch das größte Übel, weil mich diese ständig von A nach B über C zurück zu A und wieder zu B schickt, um dann wieder zu A zu gehen. Was soll das? Wenn da nicht diese ständigen Ladepausen zwischen den Gebieten wären, wäre es noch halbwegs erträglich, aber so nervt es nur. Neben den einfallslosen Botendiensten und generischen „Kille X viele Gegner“-Missionen gibt es auch die typischen „Loote irgendwann Gegenstand Y“. Kreativ war bisher keine einzige Aufgabe, die ich in den ersten rund 15 Stunden gespielt habe. Enttäuschend.

Dass Skyforge in der aktuellen Beta-Version zudem ein fieses Grinding-System besitzt, macht die Sache nicht viel besser. Schon nach wenigen Haupt-Quests musste ich feststellen, dass ich nicht genug Prestige habe, um die Geschichte fortzusetzen. Und weil ich ausgerechnet von einer Spark-Gattung viel zu wenig hatte, musste ich satte zwei Stunden eine Mission lang grinden, weil es keine Alternativen gab. Zwar werden Aufgaben alle 45 Minuten neu ausgewürfelt, sodass durchaus „Abwechslung“ vorkommt, doch wer Pech hat, bekommt eben nicht die gewünschten Sparks. Immerhin: Um den Grind etwas angenehmer zu gestalten, gibt es verschiedene Missions-Ziele bei den jeweiligen Aufgaben. Mal gilt es nicht zu sterben oder 10-20 spezifische Aktionen auszuführen (Dashes, Exekutionen, Flächenangriffe, etc).

skyforge_preview_27032015_40Am interessantesten ist dabei noch das Kampfsystem. Ähnlich wie in TERA oder anderen neumodernen MMORPGs müsst ihr aktiv am Geschehen teilnehmen. Ihr zielt also nicht nur selbst, sondern weicht auch eigenständig aus. Eure Gegner werden dabei mächtige Angriffe mehr als deutlich signalisieren und somit ausreichend viel Zeit geben, aus der Gefahrenzone herauszulaufen – meistens reicht bereits ein Schritt nach links oder rechts. Der Paladin besitzt überdies einige schicke Kombinationsangriffe mit verschiedenen Effekten. Generell verfügen alle Klassen über eine Ressource, die gemanaged werden will, um maximalen Schadens-Output zu gewährleisten. Etwas ärgerlich: Manche Fähigkeiten lassen sich in der ersten Beta-Phase nicht frei belegen. Im Kampf spawnen regelmäßig Heilkugeln – ähnlich wie bei Diablo III – die eure Lebensenergie wieder auffrischen. Am Ende werden schlussendlich noch einige Items fallengelassen.

Das Inventar-System von Skyforge ist sehr übersichtlich und wirkt aufgeräumt. Ich brauchte nur wenige Sekunden, um mich darin zurechtzufinden und dirigierte gefundene Items direkt an den richtigen Slot. Apropos Items: Es gibt aktuell noch kein Vergleichssystem. Lediglich ein Pfeil nach oben oder unten signalisiert euch, dass bessere Ausrüstung im Inventar vorhanden ist – hoffentlich wird ein Itemvergleich noch eingeführt. Viel interessanter ist jedoch, dass ihr unbrauchbare Gegenstände zerlegen könnt, woraus ihr wichtige Materialien gewinnt, um Haupt- sowie Sekundärwaffe und die Accessoires upzugraden. Die Upgrades dauern eine Weile, sind aber eine sehr gute Möglichkeit, zusätzliche Effekte zu erhalten und dauerhafte Status-Boni zu gewinnen. Und wo wir schon bei Status-Werten gibt: Skyforge bietet das ganze Paket an Resistenzen, die vermutlich im Lategame wichtig sein könnten – in der Levelphase spielten sie jedoch noch keine Rolle. Es gibt zudem so viele Werte mit unterschiedlichen Funktionen, das ich mir manchmal denke: „Weniger ist mehr.“

Optisch hingegen macht Skyforge bereits einen guten Eindruck. Die Systemanforderungen sind aber dementsprechend auch sehr groß, wenn ihr das Spiel mit maximalen Einstellungen spielen wollt. Die Engine aber funktioniert tadellos und ich stellte keinerlei Einbrüche in der Bildrate fest – selbst wenn sich gerade sehr viele Spieler auf dem Bildschirm tummelten. Sehr schön ist auch, dass alle Quests vertont sind. Ob eine deutsche Sprachausgabe angeboten wird, ist derzeit nicht bekannt. Die englischen Sprecher sind aber nicht schlecht.


[blockquote cite=”Adam Smieja”]redaktion adamAuch wenn es nur eine Beta ist, so richtig warm mit Skyforge wurde ich bisher nicht. Das liegt aber auch vermutlich daran, dass ich nach zehn Jahren World of Warcraft an die Blizzard’schen Qualitätsansprüche gewohnt bin und mir deshalb Dinge wie ein fehlender Item-Vergleich, unnötige Grinds, uninspirierte Quest-Linien und so weiter und so fort schnell negativ auffallen. Das Allods-Team und Obsidian haben noch eine ganze Menge zu tun und die Baustellen sind mitunter extrem groß. Ich hoffe aber, dass vor allem der Grind-Aspekt in absehbarer Zeit verschwindet, denn genau das brauchen MMORPGs heutzutage überhaupt nicht. [/blockquote]

Video-Preview: Skyforge

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... ehemaliger Chefredakteur bei Spieletester.de. Adam war seit der Gründung 2003 dreizehn Jahre auf unserer Plattform tätig.

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