Nachdem ich ziemlich enttäuscht aus der Halo: Reach-Präsentation kam und auf dem Plan „Spec Ops: The Line“ anstand, also noch ein Shooter, war ich eigentlich schon in Feierabendstimmung. Doch ich sollte sehr positiv überrascht werden, denn Spec Ops ist kein Standard-08/15-Taktik-Shooter in irgendeinem Zweiter Weltkriegs- oder Endzeitszenario mit Grenzdebilen Gegner-Massen. Es verdeutlich eher das Leben mehrerer Spezial-Agenten, die viel Persönlichkeit in Form von Angst, Schrecken, Abstoßung und Ehrgeiz zeigen. Hört sich gut an? Ist es auch!

Yagers neuester Titel wurde anhand eines Dubai-Levels gezeigt, wo wir uns mitten in einem wunderschönen Palast wiedergefunden haben. Die epischen Bauten und die grandios glamuröse Architektur der Gebäude wurden verdammt gut einfangen und lassen das Spiel unglaublich authentisch aussehen. Das hat auf jeden Fall Eindruck hinterlassen. Zum Zeitpunkt des Spiels hat ein übler Wüstensturm verheerende („cataclysmic“ nannte es der Entwickler) Schäden verursacht. Ganze Gebäude sind von der Außenwelt abgeschottet, der Sand lässt sich kaum wegschippen. Zudem sind anscheinend Guerilla-Kämpfer unterwegs und versklaven die Leute oder töten Marines. Wir müssen dem auf den Grund gehen und entdecken viel menschliches Elend und Brutalitäten.

Schnelle Action, clevere Gegner

Als wir schlussendlich in einer großen Halle angekommen sind und so langsam die Hölle ausbricht, gilt es einen Fluchtweg zu finden. Hier tritt dann auch eines der vielen Spielelemente ein, denn an manchen Stellen könnt ihr die Macht des Sandes (nein, nicht aus Prince of Persia!) für euch nutzen. In diesem Fall ließen wenige Schüsse auf die riesigen Fenster des Gebäudes jene zusammenbrechen und den Sand in die Halle kullern. Der Weg wurde frei, wir konnten raus. Einige ziemlich abgefahrene Szenen und Explosionen später suchen wir nach dem Schuldigen und müssen dabei die Brutalität und Grausamkeit von Kriegen feststellen. Ein Mann, schwer verwundet und ohne Bein, kriecht am Boden um Hilfe schreiend her. Ein bedrückendes Bild, das auch die Männer des Teams mit ihren emotionalen Ausdrücken verdeutlicht haben. Doch das war noch gar nichts, denn im Nachhinein sehen wir auf den Leuchtmasten gehängte Soldaten – kein schöner Anblick. Die Entwickler wollen die Grausamkeit eines so verbitterten Krieges verdeutlichen; mit solchen Bildern tun sie das definitiv.

Die Action per se läuft relativ flott ab, erinnerte dabei aufgrund seines Deckungssystems stark an Gears of War, wird jedoch durch viele Truppenkommandos (wie diese letztlich aussehen, ist leider nicht bekannt, da die Demo leider ohne ein ersichtliches HUD ablief) komplettiert. Kurzum: Es handelt sich um einen recht schnell gespielten Taktik-Shooter. Ihr gebt euren Jungs (drei sind immer da) Kommandos wie „Rauchgranate werfen“ oder „Bewege dich dorthin“ oder aber auch die üblichen Sturmkommandos. Sehr cool sind vor allem die Animationen, die unglaublich geschmeidig ablaufen und immer wunderbar mit der Umgebung harmonieren. Ihr müsst aber nicht zwangsläufig Anweisungen geben! Eure Teamkameraden agieren auch ohne Kommandos, wenn auch nicht allzu sehr nach eurer Feder. Zudem gibt es vordefinierte Punkte, wo ihr die Umgebung für euch einsetzen könnt (und auch umgekehrt, versteht sich), sodass ihr eine brüchige Wand etwa mit einer Granate in die Luft jagt und mehrere Gegner im Sand begrabt.

Danach folgte ein kleines spielerisches Highlight, von dem ich bei Spec Ops: The Line bis dato nichts wusste und umso mehr überrascht gewesen bin. Es gab „aggressive Verhandlungen“ zwischen zwei Parteien, die eine davon scheinen die weniger guten Jungs zu sein. Sie haben eine junge Frau in ihrer Gewalt und zwingen den Soldaten dazu, Informationen über Positionierungen und weitere Details auszuspucken. Er weigert sich, die junge Frau wird angeschossen, tödlich verwundet. Was tun? Eingreifen? Vielleicht offenbart er uns damit wichtige Dinge. Oder weitergehen? Immerhin kennen wir diesen Mann nicht. Der Präsentator entschied sich, einzugreifen. Was danach passierte, ist absolut script-frei und liegt nur in den Händen der Spieler. Der Soldat wurde getötet, die junge Frau ebenso. Was wäre passiert, wenn wir nicht eingegriffen hätten? Was, wenn wir direkt den feindlichen Commander abgeknallt hätten? Fragen über Fragen, die durchaus zum erneuten Spielen jener Szenen verlocken, zumal sie den Lauf der Story angeblich beeinflussen und es schlussendlich mehrere Enden im Spiel geben soll, die von eben diesen Szenen vorangetrieben werden. Das hört sich sehr vielversprechend an.


Fazit:

Bestseller PC & Konsolen Spiele

Für einen Shooter bietet Spec Ops: The Line durchaus ungewohnt gute Kost. Wann gab es den letzten Shooter, in dem moralische Entscheidungen getroffen wurden? Das ist durchaus schon länger her. Und welcher Shooter bot denn bitte mehrere Enden? Far Cry 2 vielleicht, doch die waren allesamt aus gescripteten Events herauskristallisiert. Bei Spec Ops gibt es viele Möglichkeiten, solche Entscheidungen aktiv zu beeinflussen. Das gefällt wirklich sehr gut. Die Action wirkt authentisch, geht flott von Statten und wirkt aufgrund des Settings einfach frisch, unverbraucht und sieht unverschämt gut aus. Behaltet den Titel im Auge, Yager hat da einen grandiosen Titel in der Pipeline!

Ersteindruck: Sehr gut

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