Space Marines! Schon bei meiner Akkreditierung im Presse-Center der gamescom konnte ich sie erspähen, doch erst einige Stunden später geleiteten sie mich in einen geheimen Kommando-Bunker im THQ-Sektor, um mir ihre neueste Kampfsimulation Warhammer 40.000: Space Marine zu demonstrieren, dessen Existenz schon im September 2008 durch clevere Spione der weiten Öffentlichkeit offenbar wurde. Was passiert, wenn Gears of War auf Warhammer trifft, erfahrt ihr in unserer Vorschau!

Orks, Orks, Orks

Bei Warcraft von Blizzard ziemlich dämlich und im buchstäblich grün hinter den Ohren, in Herr der Ringe brutale, menschenfressende – und graue! – Kreaturen, in Warhammer ein besonders auf primitive Gerätschaften spezialisiertes Volk, bei dem das Prinzip „Masse statt Klasse“ vorherrscht – die Orks. Um die dreht es sich auch in Relics neuestem Abstecher ins Warhammer 40.000-Universum mit dem Untertitel „Space Marine“. Nachdem man sich bereits mit den Echtzeitstrategiespielen Company of Heroes und Warhammer 40.000: Dawn of War I und II inklusive einiger Addons einen Namen gemacht hat, geht es nun in einem Third-Person-Action-Game mitten ins Schlachtgeschehen!

Zur Story ist noch nicht wahnsinnig viel bekannt, vermutlich, weil sie auch nicht sonderlich tiefgründig ist: Die Orks erobern eine sogenannte „Forge World“, die mit tausenden Fabriken für die Produktion von Waffen und Kriegsmaschinen ein äußerst wichtiges militärisches Ziel darstellt. Um zu verhindern, dass den grünen Grunzern gefährliche Kampfgeräte in die Hände fallen, schickt das Imperium der Menschheit die heroischen Space Marines auf den Planeten – und ihr seid natürlich einer von ihnen. So schlüpft ihr in die schimmernde Rüstung von Captain Titus und führt die „Ultramarines“ in den Kampf.

Die Präsentation – und vermutlich auch das Spiel – beginnt an Bord eines Dropships, das sich zusammen mit anderen voll besetzten Transportern zur Landezone begibt. Doch noch vor dem sicheren Absetzen werden wir von fliegenden Orks angegriffen, die sich eine Rakete auf den Rücken geschnallt haben – Flyboyz genannt. Ein paar gezielte Schüsse und die Kerle fliegen unkontrolliert durch die Luft, bevor sie dann zusammen mit ihrem improvisierten Jetpack explodieren. Doch es kommt wie es kommen muss: Ein Ork fliegt etwas ungeschickt in die Turbinen unseres Transporters und versacht so einen Absturz. In letzter Sekunde springen wir noch von Bord, bevor das Ding am Boden zerschellt.

Gears of Warhammer

Ohne groß durchzuatmen geht die Action sofort weiter. Mit unserem MG rennen wir auf die gegnerischen Stellungen zu, verteilen Headshots und scheuen uns auch nicht davor, Aug‘ in Aug‘ mit dem Feind zu kämpfen. Hier stellt sich unsere Kettensäge als recht nützlich dar, mit der wir die Orks feinsäuberlich zerteilen – Gears of War lässt grüßen. Wie es sich für Warhammer 40.000 gehört, geizt Relic hier auch in keinster Weise mit roter Farbe – große Blutlachen und abgetrennte Körperteile zeichnen das Schlachtfeld. Hier wird man mit Sicherheit nochmal schnüppeln müssen, um den Titel in Deutschland zu veröffentlichen, sonderlich schlimm dürfte das aber nicht sein, denn auch ohne den hohen Grad an Gewalt macht Warhammer 40.000: Space Marine einen soliden Eindruck.[]

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Nur einen soliden Eindruck? Ganz recht, solide, denn einige Design-Entscheidungen ließen mich während der Präsentation dann doch etwas zweifeln. Beispielsweise gibt es kein Cover-System, was damit begründet wurde, dass man sich dann nicht mehr wie der ultra-starke Space Marine fühlen würde, der sich mit Feuerkraft durch die gegnerischen Linien mäht. Außerdem sei es nicht Warhammer-typisch, in Deckung zu gehen – komisch, wo Dawn of War damals eines der wenigen Echtzeitstrategiespiele war, in der Deckung eine wichtige Rolle spielte.

Was aber tun, wenn ich gerade einer Übermacht gegenüberstehe und sich mein Bildschirm langsam rot färbt? Richtig, ich suche Deckung – nur leider muss ich mich hier hinter Containern verstecken und ausruhen, anstatt mich cool hinter kniehohen Barrieren zu verschanzen und die Orks weiter zu beschießen. Ebenfalls fraglich ist die Entscheidung, ausschließlich Orks (und Goblins) als Gegner auf euch loszulassen. Klar, die rund 10 Stunden lange Story handelt von einer Ork-Invasion, doch warum können nicht auch Eldar oder Tau an den Technologien interessiert sein? Zwar versprach man uns in der Präsentation zahlreiche verschiedene Ork-Varianten – von Mekboyz, die andere Orks zu sich teleportieren können, über normale Grunzer, die ebenfalls wiederum ein paar Unterschiede aufweisen und zum Beispiel Schilde tragen, bis hin zu besonders starken Gegnern und einigen Bosskämpfen. Doch trotzdem: Es bleibt alles grün. Hoffentlich verkauft sich der Titel gut genug, um daraus ein Franchise zu machen und in eventuellen Nachfolgern auch mal andere Spezies ins Spiel zu bringen. Auch ein paar Fahrzeuge, etwa ein gewaltiger Panzer, wären cool gewesen, letztendlich wird es aber keine steuerbaren Vehikel geben.

Squads ohne Squad-System

Immerhin macht die unkomplizierte und direkte Action wahnsinnig viel Spaß und vor allem der nahtlose Übergang zwischen Ballerei und Nahkampf wusste zu gefallen.. So stehen euch im Laufe des Spiels rund 15 verschiedene Waffen wie Plasma-Guns, Raketenwerfer und Heavy-Bolter (abmonitiert von Geschütztürmen) zur Verfügung, die sich verbessern, je häufiger ihr sie benutzt.

Hinzu kommen diverse Nahkampf-Waffen wie die Kettensäge, das Power Sword oder der mächtige Thunderhammer, mit denen ihr auch im Nahkampf dank coolen Moves und einigen Finishern für reichlich Ork-Gulasch sorgen könnt. Außerdem seid ihr in Warhammer 40.000: Space Marine nicht allein – immerhin hat das Imperium ein ganzes Battallion seiner besten Kämpfer geschickt, um die Welt zurückzuerobern. So seid ihr stets im Trupp unterwegs und könnt den Orks zusammen mit euren KI-Kollegen in den Arsch treten. Ein wirkliches Squad-System, bei dem ihr eure Mitstreiter herumkommandieren könnt, gibt es aber nicht. Auch ob es einen Coop-Modus geben wird – der sich hier nunmal anbieten würde – wurde nicht verraten, denn zum Mehrspieler-Part des Spiels gab es leider generell noch keine Infos. Sicher ist aber, dass man seinen Recken Warhammer-typisch wieder individualisieren kann, wobei Captain Titus im Einzelspieler-Part hiervon größtenteils unberührt bleibt.


Fazit:

In einem Interview hat THQs Danny Bilson Warhammer 40.000: Space Marine mal als den geplanten Gears of War-Killer bezeichnet – ob der Plan aufgehen wird? Ich wage es noch zu bezweifeln, denn obwohl der Titel unglaublich unterhaltsam aussieht und wir endlich mal ein Action-Spiel im Warhammer 40.000-Universum spendiert bekommen, scheint Relic bei diesem Action-Debut ein wenig auf Nummer sicher zu gehen und legt – bis auf die in diesem Genre unverbrauchte Warhammer-Lizenz – nichts wirklich neues auf den Tisch. Hoffentlich warten im Multiplayer-Modus noch einige coole Überraschungen, denn sonst erscheint kommendes Jahr zwar ein gelungener Third-Person-Shooter, aber keine wirkliche Konkurrenz für Gears of War.

Ersteindruck: Gut

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