Aragami

Schleich-Spiel-Freunde aufgepasst. Nachdem letztes Jahr eine Kickstarter-Kampagne scheiterte hat das spanische Entwickler-Studio Lince Works Anfang des Monats mit Aragami ein “stilvolles Stealth Spiel” (Alliteration unbeabsichtigt) weltweit für PC, Mac und Playstation released. Warum es so stilvoll ist und ob dabei auch ein gutes Spiel herausgekommen ist, könnt ihr in den folgenden Zeilen lesen.

Aragami – Wie der Name schon sagt…

AragamiWenn man Aragami liest, klingt das irgendwie schon nach dem fernen Osten. Genau dort, genauer gesagt in Japan, ist das Spiel auch angesiedelt. Die Story erinnert im entferntesten an ein klassisches Märchen. Das Dorf einer jungen Frau wird vom Kaiho-Clan überfallen, sie überlebt als einzige, wird jedoch gefangen gehalten. Ihr tretet als Retter auf, um das Mädchen zu befreien und den Kaiho-Clan zu besiegen. So weit so gut, aber die Umsetzung weicht dann doch von den Klassikern ab. Statt ein Held in strahlender Rüstung, seid ihr ein Rache-Dämon, bestehend aus Schatten und von der jungen Frau mit einem Ritual in's “Leben” gerufen. Der Kaiho Clan symbolisiert hingegen das Licht, das jedoch in diesem Fall der Antagonist ist, ganz anders, als in den meisten anderen Fällen, aber jetzt schon mal eine gelungene Abwechslung.

Als Aragami habt ihr zunächst keine Erinnerung. Eine Vision der jungen Frau erklärt euch, was eure Aufgabe ist und wie euer Dasein auf Erden funktioniert. Dabei wäre hervorzuheben, dass die bloße Berührung eines Sonnenstrahls euch sofort komplett auflöst. Die Rettung muss also in einer Nacht geschehen. Meine Befürchtung eines Zeitlimits bestätigte sich an dieser Stelle glücklicherweise nicht. Im Verlauf des Spiels werdet ihr manchmal von kurzen Traumbildern heimgesucht, die zunächst nicht genauer erläutert werden und die auch nicht von Yamiko, eurer Erschafferin, genau erklärt werden können. Alles ist recht kurz und abgehackt gehalten, weckt aber auf jeden Fall Neugier und Interesse an den Tiefen der Story. Nach kurzer Zeit befreit ihr einen Raben namens Kurosu, der euch in Zukunft begleitet und mit eurem Katana, das es zu Beginn des Spiels gibt ist eure Ausrüstung auch schon komplett.

Aragami – So viel zum Plot, weiter zum Stil

AragamiPublisher Maximum Games wies auf einen künstlerischen Ansatz hin, was nun natürlich auf verschiedene Arten ausgelegt werden kann. In dem Fall wirklich auf die grafische Umsetzung. Klar, das Spiel ist recht düster, geht es doch hauptsächlich um Schatten. Das Level-Design ist zwar sehr stimmig, dahingehend, dass die Umgebung so aussieht, wie man sich das feudale Japan vorstellt, doch ist es etwas generisch und könnte durchaus etwas Abwechslung vertragen. Es fällt auch auf, dass die Vertikale nicht effektiv genutzt wurde, dazu aber später mehr im Abschnitt über das Gameplay. Die meisten Punkte sammelt die Atmosphäre allerdings durch die Wahl der Rendertechnik. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber Cel-Shading verbinde ich irgendwie automatisch mit Asien. Ob es an den Animes liegt, die ja bekanntermaßen dort ihren Ursprung haben, aber für mich ist die Wahl an dieser Stelle einfach absolut passend, wie die Faust aufs Auge.

Die für euch so wichtigen Schatten sind somit gut erkennbar, jedoch nicht so eindeutig, dass das Spiel zu leicht werden würde, vor allem wenn es hektisch wird. In dieser Hinsicht wird also eine gute Balance gehalten. Mit Blut und Brutalität geht das Spiel sparsam um, es ist aber auch nicht das primäre Ziel. Die Animationen der Todesstöße sind eher zweckmäßig, passen aber in das Gesamtbild. Schließlich seid ihr nicht bei “Manhunt” oder hegt einen persönlichen Groll, sondern seid nur ein ergebener Diener.

Aragami – Gameplay und Besonderheiten

Kommen wir nun zum spannendsten Teil des Tests. Was hebt Aragami von anderen Stealth-Spielen ab? Neben der eher selten gewählten Cel-Shading Grafik, liegen die Unterschiede natürlich in den Besonderheiten des Gameplays. Eure häufigst genutzte Fähigkeit ist ein Kurzstrecken-Teleport, ähnlich dem von “Dishonored”, mit der Unterschied, dass ihr euch lediglich ein Schattenflächen teleportieren könnt. Auch auf erhöhte Flächen könnt ihr so gelangen, da die Option des Springens oder Kletterns nicht gegeben ist. Das ist allerdings nicht immer ratsam, da ihr auf Dächern oder Torbögen meist von den Wachen entdeckt werdet, weil es keine Schatten oder Möglichkeiten des Versteckens gibt. Was irgendwie ein bisschen schade ist. Eure Fähigkeiten, zu denen sich später noch weitere gesellen, wie z.B. das Generieren von Schatten, oder das Werfen eines Kunais, verbrauchen allerdings eure Schattenessenz.

Aragami

Diese lädt sich auf sobald ihr im Schatten seid, bleibt konstant, wenn ihr auf einer “normalen” Fläche seid und nimmt rapide ab, je heller eure Umgebung ist. Ihr solltet euch von Lampen fernhalten. Diese werden euch zwar nicht auflösen, aber nehmen euch quasi innerhalb eines Augenblicks eure komplette Schattenessenz. Der Teleport ist am Anfang nicht leicht zu beherrschen. Vor allem wenn ihr in kniffligen Situationen seid, ist die Steuerung der Mechanik nicht immer “spot on”. Aber mit ein wenig Übung macht es eine Menge Spaß und ist ein Ansatz, den ich in der Form so noch nicht gesehen habe. Vor allem das Kombinieren von der Erschaffung von Schatten und dem sofortigen Teleportieren in diese Fläche erfordert Übung, ist aber eine mächtige und nützliche Waffe auf eurem Weg.

Aragami – Koop-Spaß?

Aragami gibt euch zwar keine wählbaren Schwierigkeitsgrade, bietet euch jedoch einen Online-Koop Modus, indem ihr mit einem anderen Aragami gemeinsam durch die Stages schleichen oder meucheln könnt. Diese beiden Spielstile sind auch die einzigen, die ihr wählen könnt. Entweder schleicht ihr euch unbemerkt durch das Level, wofür es auch einen Bonus im Abschlussranking gibt, oder ihr erledigt eure Feinde hinterrücks, erwischt ihr alle, gibt es auch dafür einen Bonus.

Eine direkte Konfrontation mit den Wachen ist nicht wirklich möglich. Es gibt schlicht kein Kampfsystem mit Blocken, Ausweichen oder Kontern und ein Treffer eurer Gegner besiegt euch sofort. Zu allem Übel wird bei einem Angriff einer Wache ein Lichtstrahl erzeugt, der euch auch auf Distanz den Garaus macht. Viele Stealth-Spiele, wie z.B. Splinter Cell oder Assassin's Creed bieten mittlerweile auch Lösungsansätze die auf Konfrontation und Action ausgelegt sind. Aragami ist da anders und das ist eine sehr gute und schöne Eigenschaft, da es doch seiner Linie treu bleibt.


Fazit

[blockquote cite=”Kai Frenkel”]Kai Frenkel AragamiIch habe Aragami sehr genossen. Es ist ein bisschen her, dass ich ein Stealth-Spiel gespielt hab, ich glaube es war Thief 3. Aber nichtsdestotrotz hat es mir eine Menge Spaß gemacht. Die Schwierigkeit würde ich für einen Einsteiger als moderat bis mittelschwer bezeichnen, für Genre-Fans ist es jedoch vielleicht etwas zu leicht. Besonders gefallen hat mir der grafische Stil des Spiels, sowie die Tatsache, dass es seiner Linie treu bleibt und wirklich nur die Möglichkeit des Stealth-orientierten Spielstils gibt. Für Genre-Fans, mit einer Vorliebe für fernöstliches Setting, ein Muss.
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