Assassin’s Creed Origins (PS4) Test

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Assassin’s Creed Origins

Assassin’s Creed Origins
9

Assassin’s Creed Origins

9/10

Pros

  • Riesige, authentische Spielwelt voller Geheimnisse
  • Bewohner mit eigenem Tag-/Nachtzyklus
  • Sehr gutes neues Kampfsystem
  • Loot- und RPG-Elemente stark umgesetzt
  • Exzellenter letzter Story-Akt
  • Zahlreiche grandiose Nebenaktivitäten (Grabmäler, Sternstunden, Kolosseum, etc)
  • Nebenquests erzählen mitunter spannende, eigene Geschichten
  • Superbe Grafik
  • Starke englische Sprecher und klasse Soundtrack
  • Clevere Online-Einbindung

Cons

  • Mikrotransaktionen ruinieren Spielerlebnis durch Trivialisierung aller RPG-Elemente
  • Abstergo/Present Day Storyline maßlos enttäuschend
  • Story kommt zu langsam in Fahrt
  • Diverse Bugs vorhanden
  • Zu viele Nebenquests nach Schema F
  • Gegner-KI mit Wegfindungsproblemen

Nachdem Assassin’s Creed eine Pause im vergangenen Jahr eingelegt hat, zeigt Assassin’s Creed Origins, dass das genau der richtige Schritt war. Der neueste Ableger ist ein verdammt gutes Spiel, mit dem die inzwischen zehn Jahre alte Reihe in seinen Fundamenten neu erfunden wird. Warum Assassin’s Creed Origins so stark ist und vor allem was den neuesten Titel auszeichnet, lest ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Die Storyline des Spiels folgt Bayek of Siwa, einem Medjay. Ein Medjay ist eine Art Wächter, der die Bewohner seiner Stadt schützt. Ihm zur Seite steht seine Ehefrau Aya, die ebenfalls eine sehr wichtige Rolle im Spiel übernimmt und eines der großen Mysterien um die gesamte Reihe lüftet. Wirklich viel von der Geschichte möchte ich nicht vorwegnehmen, denn immerhin erfahrt ihr hier, wie alles begann.

Was ich aber sagen will: Das Pacing der Storyline ist mir zu schwach. Natürlich angelt ihr euch zu Beginn nur kleine Fische, um euch so hochzuarbeiten und am Ende eine der ikonischsten Szenen der Weltgeschichte zu erleben. Die Inszenierung des Spiels ist jederzeit über jeden Zweifel erhaben. Die englischen Sprecher leisten einen superben Job und vermitteln die Rauheit, die die früheren Zeiten durchmachten, sehr gut. Um aber auf die Kernproblematik zurückzukehren: Die gesamte Origin-Story nimmt erst mit den letzten drei Hauptmissionen des Spiels an Fahrt auf. Erst da erfahrt ihr, wie sich die Bruderschaft bildet, wie das Logo der Assassinen entsteht und wie der Templar-Orden entstand. Das ist mir zu schwach.

Assassin's Creed Origins

Und als sei das nicht genug, leidet die gesamte Abstergo-Story unter Schwund. Es gibt gerade einmal vier (als Zahl 4!) Abschnitte in der Moderne. Dort folgt ihr zwei Archäologinnen, die sich ganz offenbar ihren eigenen Animus gebaut haben und somit auch fremder Leute DNA checken können, um so in Blutsfremde Körper zu schlüpfen. Damit gerät die gesamte Prämisse des Spiels ad absurdum. Wirklich viel mit der Miles-Story hat das nicht mehr gemein. Oh und die Geschichte der Urväter, Juno und Co erfahrt ihr nur dann, wenn ihr die dafür vorgesehenen Nebenmissionen in den großen Pyramiden spielt.

Assassin’s Creed Origins – Ein Reboot des Kampfsystems

Assassin’s Creed Origins unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von seinen Vorgängern. Die wichtigsten Änderungen lassen sich anhand dreier Säulen festmachen: Kampfsystem, Rollenspiel und Freiheiten. Gehen wir diese drei großen Bereiche der Reihe nach durch.

Assassin's Creed OriginsWie auch schon in meiner ausführlichen Preview des Spiels berichtet, hat sich das Kampfsystem im Vergleich zu allen Vorgängern komplett geändert. Statt Parry-Spam müsst ihr jetzt deutlich taktischer vorgehen und gekonnt in Dark Souls-Manier ausweichen. Wenn eure Gegner drei Level über euch sind, müsst ihr schon ganz tief in die Trickkiste greifen und nicht mehr als einen Treffer von Captains/Commandern/Bossen kassieren. Das normale Fußvolk ist hingegen durchaus noch machbar. Die Säule des Kampfsystems wird nämlich zu einem Großteil von der Rollenspielsäule stabilisiert.

Ihr kämpft wahlweise mit Schwert/Schild, Dolche, Speer, Axt oder Pfeil und Bogen gegen eure Widersacher. Alle Typen haben ihre Vor- und Nachteile. Schade ist nur, dass Kriegsflegel nicht zum Repertoire gehören. Einer der Bosse besitzt diese und sein Kampf hat mir mitunter am besten gefallen. Ausweichrollen, Angriffs-Timings, Spezialattacken – Assassin’s Creed Origins bietet das volle Programm und bietet dank seines ausgiebigen Talent-Systems allerhand Möglichkeiten, die Schar an Aktionen zu erweitern.

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Die Gegner-KI verhält sich in Kämpfen allerdings nur unwesentlich cleverer als in Ablegern zuvor. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad greifen sie euch auch in Gruppen zumeist im Alleingang an, während deren Kollegen seelenruhig warten. Nur selten griffen mich zwei oder drei Feinde zur gleichen Zeit an. Und wo wir schon bei der KI sind: Die Gegner leiden unter großen Wegfindungsproblemen, wenn sie euch verfolgen sollen. Auch die Quest-NPCs agieren nicht immer sonderlich smart, wenn sie euch bei einer Eskorte folgen müssen.

Assassin’s Creed Origins – Das Action-Adventure im Gewand eines Rollenspiels

Assassin's Creed OriginsMehr als je zuvor ist Assassin’s Creed Origins ein waschechtes Rollenspiel. Die riesige Welt des Spiels strotzt nur voller Geheimnisse und Nebenaktivitäten, die euch weit mehr als 100 Stunden beschäftigen können. Für einen Durchlauf der Story habe ich 23 Stunden und 2 Minuten benötigt. Dabei erledigte ich insgesamt 71 Quests. Und damit kratze ich nur an der Oberfläche, denn ich habe zu diesem Zeitpunkt nicht die hochstufigen Gebiete des Spiels entdeckt, die unglaublich viele Aktivitäten bieten. 13 Gebiete besucht ihr standardmäßig während der Story nicht. Es lohnt sich aber diese zu besuchen, weil ihr dort nicht nur tolle Waffen, sondern auch allerhand Informationen zur Geschichte der Bewohner und der Assassinen sowie Templar bekommt.

Genau wie in The Witcher 3 seht ihr auf der vollständig aufgedeckten Karte (ein Eintritt in den Bereich reicht inzwischen) Ausrufezeichen für Quests und Fragezeichen für Nebenaktivitäten, wo ihr Schätze findet oder Personen rettet. Sehr toll gemacht sind die verschiedenen Puzzles mit den Sternen – das will ich aber nicht spoilern. Die kleinen Rätsel sind toll und lockern das Spielgeschehen merklich auf. Die Nebenquests sind nämlich nicht sonderlich spannend, sobald ihr deren Schema durchschaut habt. Im Endeffekt haben sich die Entwickler nämlich auch bei Origins in einer sehr Korsett-artigen Struktur verfangen.

Zuerst gilt es jemanden zu finden oder einen Bereich zu analysieren und anschließend bringt ihr die Übeltäter um die Ecke oder müsst jemanden aus dem Griff eines Bösewichts befreien. Nur wenige Nebenmissionen bilden hier die Ausnahme, doch diese machen auch mitunter am meisten Spaß. Und dann gibt es ja noch so ein cooles Kolosseum oder eine Rennbahn. An Aktivitäten mangelt es nicht, sodass die teilweise langweiligen Nebenquests problemlos zu entschuldigen sind.

Assassin's Creed Origins

Assassin’s Creed Origins – Looten was das Zeug hält

Neben den Quests und den damit einhergehenden Level-Aufstiegen, die euch wiederum einen Fähigkeitenpunkt für den umfassenden Talentbaum geben, gibt es natürlich allerhand Loot. Neben den bereits erwähnten Waffen, die ihr upgraden oder beim Händler fürs teure Drachme auch kaufen könnt, findet ihr verschiedene Materialien. Dazu zählen Tierpelze, Metalle oder seltene Kristalle wie Silizium. Diese braucht ihr, um euren Köcher, den Brustschutz, Armschinen oder euren versteckten Dolch zu verbessern. Die neuen Werte zeigt euch das Spiel an. Und hier will ich gleich anmerken: Selbst wenn der Werte-Anstieg nur marginal wirkt (zu Beginn nur 50 Punkte), so ist der Unterschied gewaltig! Es kann nämlich sein, dass ihr plötzlich einen Feind mit einem Dolchstoß von hinten umgehend tötet. Oder, wenn ihr das Upgrade nicht vornehmt, er diesen überlebt – das ist nun nämlich möglich.

Assassin's Creed OriginsDarüber hinaus verfügen die Waffen über verschiedene Modifikationen. Von erhöhtem kritischen Trefferwert über Blutungs-Effekte bis hin zu einem Fluch ist alles mit dabei. Die Fluch-Mechanik ist besonders interessant, weil sie euch auf ein Drittel eurer maximalen HP reduziert, dafür aber all euren ausgeteilten Schaden verdoppelt. Das skaliert übrigens auch mit dem Bogen und eurem versteckten Dolch.

Die Materialien für Upgrade bekommt ihr einerseits durch das Zerstören von Waffen aus dem Inventar oder aber ihr tötet die Tierwelt. Krokodile, Hyänen, Löwen und so weiter und so fort füllen das ungemein lebhafte Ägypten. Mithilfe von Senu, eurem treuen Adler-Begleiter, der die frühere Eagle Vision ersetzt, könnt ihr deren Position immer herausfinden. Zudem gibt es einen Animus Pulse, der euch lootbare Gegenstände enthüllt.

Das Lootsystem fällt sehr gut aus und motiviert, da die meisten Materialien sehr einfach zu farmen sind. Leider aber ruinieren die Mikrotransaktionen das ganze System, weil sich alles merklich trivialisieren lässt. Wer zahlt, ist so gut wie unsterblich und unbesiegbar. Schade.

Assassin’s Creed Origins – Frei wie ein Vogel

Assassin's Creed OriginsAssassin’s Creed Origins wirft viele unnötige Lasten über Bord, damit ihr mehr Freiheiten beim Spielen genießt. Habt ihr die ganzen Klettereien auf die gefühlt Kilometerhohen Türme gehasst? Kein Problem, denn das ist nicht mehr notwendig. Der einzige Vorteil der „Synchronisation“ ist, dass Senu eine bessere Erkennungsrate besitzt. Und ihr bekommt XP. Wie ihr Missionen angeht, war bereits in den Vorgängern ganz euch überlassen. Das ist natürlich auch bei Origins der Fall.

Neu ist jedoch, dass es tatsächlich sowas wie ein Endgame gibt. Dabei untersucht ihr mysteriöse Ereignisse in der Wüste, sucht nach einem legendären Grabmal oder prüft, ob es wirklich Dämonen gibt. Auch bei den Hauptmissionen gibt es durchaus Abwechslung, denn sobald ihr die ersten Ziele um die Ecke gebracht habt, erscheinen vier weitere. Hier lässt euch das Spiel nach Abschluss des ersten die freie Wahl, in welcher Reihenfolge ihr sie angeht. Vorausgesetzt ihr erfüllt das Level, denn eigentlich ist die Story sehr linear aufgebaut, wenn ihr nur ihr strikt folgt.

Darüber hinaus steht es euch frei, wie ihr von A nach B gelangt. Sei es via Schnellreise oder auf dem Rücken eines Pferdes oder Kamels. Übrigens: So eine riesige Pyramide hochzuklettern ist ein cooles Erlebnis und es unterscheidet sich maßgeblich von gewöhnlichen Gebäuden. Und generell! Es gibt Grabmäler. Diese Dinger laufen einem Tomb Raider teilweise den Rang ab, weil sich Ubisoft hierfür mitunter richtig ins Zeug gelegt hat.

Darüber hinaus besitzt Assassin’s Creed Origins eine wenig invasive Online-Komponente. Wenn ein Spieler an einem beliebigen Ort durch die Hand eines NPCs stirbt, erscheint in eurem Spiel die Leiche. Ihr bekommt dann die Möglichkeit, euren verstorbenen Assassinen-Bruder in spe zu rächen. Als Bonus winken XP und gelegentlich auch ein Item, wenn sein Mörder hohen Ranges war.

Assassin's Creed Origins

Assassin’s Creed Origins – Bugs und Technik

Bei einem so riesigen Spiel ist es wenig überraschend, dass sich zum Release einige Bugs eingeschlichen haben. Die getestete PS4 (Pro)-Version des Spiels litt unter anderem an Spielabstürzen, wenn Sequenzen übersprungen wurden oder wenn die ohnehin schon lange Ladezeiten noch länger als nötig dauerten. Zudem sind gerne Quest-NPCs irgendwo stecken geblieben oder ganze Objekte verschwunden, die das Vorankommen dann verhinderten. Oftmals half aber ein simpler Reload des Spielstandes, um alles wieder zu beheben. Ein Patch nach Launch soll das meiste davon aber beheben.

Assassin's Creed OriginsOptisch macht das Spiel einen fantastischen Eindruck auf der PS4 Pro. Allerdings sind die Limits der Konsole sehr gut zu sehen. Beim Reiten poppen Objekte deutlich sichtbar in mittelbarer Nähe auf. Zudem laden Texturen teilweise erst recht spät rein. Und HDR ist zum Launch noch nicht verfügbar. Wie sich die Xbox One X-Version dagegen verhält, kann ich nicht beurteilen, da Microsoft es verpasst hat, uns die Konsole zeitnah zuzusenden. Die PS4 Pro läuft nativ in 1080p bzw. 1440p, wenn ihr einen 4KTV benutzt. Von 1440p skaliert der Titel dann auf 4K via Checkerboard hoch. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und das Spiel stürzt nur in extrem seltenen Momenten spürbar unter 30 FPS ab. Tatsächlich ist mir das nur ein einziges Mal passiert als viele Effekte auf große Menschenmassen trafen.


Fazit:

Assassin’s Creed Origins ist der beste Teil der Reihe, Punkt. Es ist größer, besser, schöner und vor allem kohärenter als alle bisherigen Ableger der Serie und übertrumpft selbst Black Flag in so ziemlich jeder Hinsicht. Mit Ausnahme der Storyline, denn diese überzeugt leider nur in den letzten 3 Hauptmissionen so richtig. Die Ursprünge der Assassine sind sehr interessant und das Schicksal berühmter Persönlichkeiten so hautnah zu erleben, ist unglaublich faszinierend. Spielerisch macht Origins so gut wie nichts falsch und modernisiert die Serie mit sehr vielen guten neuen Ideen. Allen voran die Inspirationen aus The Witcher, The Legend of Zelda oder Metal Gear Solid sorgen für ein sehr neuartiges Spielgefühl bei Assassin’s Creed. Teilweise lässt sich der Kern der Reihe gar nicht wiedererkennen.

Und genau das macht Assassin’s Creed Origins zu etwas Besonderem. Es ist im Kern immer noch dasselbe Spiel, doch es gibt so viele gute Neuheiten, die ich nie wieder missen will. Machen wir es kurz: Wenn ihr der Reihe nach Unity den Rücken zugewendet habt und euch Syndicate nicht überzeugte, so wird es Origins zu jedem Zeitpunkt tun. Assassin’s Creed Origins wirkt nicht nur wie ein Neuanfang, in gewisser Weise ist er das auch und da passt die Anfangsstory rund um die Assassine und Templar perfekt ins Bild. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Und vor allem, ob die Story in der Realität irgendwann noch vernünftig fortgesetzt wird. Insgesamt vergebe ich aber am Ende die 9, weil ich das Gesamtpaket, die Vision und die Umsetzung wirklich geliebt habe in den 23 Stunden. Etwaige Bugs oder Unzulänglichkeiten haben mich dabei nicht allzu krass gestört und am Ende überwiegte schlichtweg der Spaß.

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