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Black Desert Online (PC) Test

Alle Jahre wieder kommt ein neuer MMO-Thronanwärter wieder. Voller Versprechungen, großer Features, schicker Grafik und vor allem Support durch die Entwicklung wird es als der Hoffnungsträger eines ganzen Genre angesehen. „Make MMOs great again“ schreien viele heutzutage, doch in 10 von 10 Fällen fristet jedes neue MMO dann doch ein Nischendasein oder geht unter. Wer böse ist, könnte natürlich sagen, das Genre sei tot und/oder übersättigt. Selbst World of Warcraft wird so langsam zu Grabe getragen. Black Desert Online des koreanischen Entwicklers Pearl Abyss/Daum Games kann aber frischen Wind ins Genre bringen! Wie das gelingt und ob es sich letztlich für den Massenmarkt eignet, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen!

Wenn Black Desert Online ein richtig starkes Alleinstellungsmerkmal hat, dann ist es der Charaktereditor. Bereits in meiner Vorschau habe ich angemerkt, dass dieser absolute Spitze ist und fortan locker als Referenz gelten darf. Und zwar Genre-übergreifend. Es lassen sich reale Personen bis ins kleinste Detail nachstellen. Von Fantasy-Figuren wie Gandalf über Schauspieler wie Adam Driver (Kylo Ren aus „Star Wars Episode VII) bis hin zu Musikerinnen wie Lee Ji-Eun (Künstler-Name: IU) ist alles möglich.

Black Desert Online Lee Ji-Eun

Lee Ji-Eun

Nachdem ich bereits über eine Stunde mit der Erstellung meines Charakters verbracht habe, geht es natürlich auch an die Wahl der eigenen Klasse. Und auch hierbei gibt es eine kleine Überraschung, denn Daum Games hält am Gender-Lock fest. Sprich: Waldläufer können nur weiblich sein, genau wie die Bändigerin. Der Krieger hingegen ist stets ein Mann. Übrigens: Im Gegensatz zur koreanischen Version fehlen bei uns noch einige Klassen, darunter der Blader, Ninja und Plum. Ob und wann diese nachgeliefert werden, ist gegenwärtig nicht bekannt.

Black Desert Online – Viele starke Ideen

Der Start des Spiels gestaltet sich übrigens immer gleich. Der einzige Unterschied ist, dass der eigene Held an einem anderen Punkt in der Stadt Olvia erscheint. Wenig später erscheint auch schon der schwarze Geist und gibt Anweisungen, was als nächstes zu tun ist. Im westlichen Wachlager beginnt dann endlich das richtige Spiel und alle – recht guten Tutorials – sind abgeschlossen. Möge das Grinden beginnen!

Black Desert OnlineBlack Desert Online verfolgt hierbei ein sehr interessantes Konzept, denn es gibt de facto kein Maximal-Level. Stattdessen gibt es ein sogenanntes „Softcap“ auf Stufe 50, doch das ist noch lange nicht das Ende, denn die Sache geht ins Unendliche. Weitere Level aufzusteigen ist aber eine verdammt harte Angelegenheit und durch die Tatsache, dass Erfahrungspunkte verloren gehen, wenn mich andere Spieler besiegen, kommt ein gewisser Nervenkitzel hinzu. Einen faden Beigeschmack hat das Ganze ebenfalls: Aktuell stehen für PvE-Spieler keine Inhalte zur Verfügung, sobald diese das Softcap erreichen. Dungeons? Fehlanzeige? Raids? Keine da. Immerhin gibt es einige Weltbosse, die besondere Beute fallen lassen. Ein Trost ist das aber nicht. Das Spiel versteht sich vielmehr als PvP-Anwärter oder Wirtschaftssimulation.

PvP-Spieler werden dabei den größten Spaß an Black Desert Online haben, denn ab Level 50 lässt sich jeder Spieler angreifen. Getötete menschliche Gegner lassen Gegenstände fallen, allerdings verliert der eigene Held dadurch an Karma. Je negativer dies ist, desto besser ist die Beute, die der eigene Charakter abwirft. Dadurch wird ein netter Kreislauf geschaffen, wodurch Spieler mit hohem Kopfgeld umgehend erledigt werden wollen. Neben Open-PvP gibt es auch noch Gildenkriege.

Gilden im Spiel beherrschen tatsächlich eigene Gebiete und können für diese Steuern verlangen. Einmal pro Woche wird um die Vorherrschaft eines Gebietes im sogenannten Siege-Mode gekämpft. Die beteiligten Gilden beginnen in ihrer eigenen Basis und müssen dann versuchen, den König der Gebietsfestung zu stürzen. Das allerdings ist nicht leicht, denn es gilt sich durch die anderen konkurrierenden Gilden durchzubeißen. Dieser Modus hat mir in der Testphase am meisten Spaß gemacht.

Schlussendlich steht auch die Arena zur Verfügung, in der ohne Verlust von Karma und Erfahrungspunkten gekämpft wird. Im 3vs3-Format wird hier der Sieger gekürt. Zuletzt gibt es noch das Crimson Battlefield, ein abgeschottetes Schlachtfeld für Spieler ab Stufe 50. Ohne negative Effekte lässt sich der Blutdurst in diesem „Modus“ stillen.

Der zweite große Bereich des Spiels betrifft das Handels- und Wirtschaftssystem. Ganze neun Berufe stehen dabei zur Verfügung, wobei hier keine Spezialisierung vorgenommen wird. Stattdessen lassen sich tatsächlich alle davon ausüben! Vom Anfänger über Lehrling, Erfahrener, Profi und Experte reicht die Riege bis zum Meister. Um im Rang aufzusteigen, gilt es zehn Stufen zu erreichen – und das kann eine Weile dauern. Doch es lohnt sich, denn das „Return on Investment“ ist groß – schicke Waffen und neue Rüstungen warten nämlich.

Um die Waffen bzw. Gegenstände herzustellen, braucht es jedoch Werkstätten. Hier kommt das Housing des Spiels zum Tragen. In jeder Stadt lassen sich Häuser erwerben, die dann zur Werkstatt oder schlicht zum Wohnen verwendet werden können. Alle Gebäude verfügen dabei über unterschiedliche Optionen und Arbeiter, die sich anstellen lassen. Um die ganzen Produkte zu verkaufen, gibt es gleich zwei Anlaufstellen: Den Marktplatz mit automatisch vorgegebenen Preisen (stellt euch dazu am besten eine Börse vor) und die Handelsaufsicht. Letztere ist das, was die meisten aus anderen Genrevertretern kennen.

Schwaches Quest-Design trifft auf Genre-definierendes Kampfsystem

Black Desert OnlineDie Quests von Black Desert Online sind der vermutlich größte Schwachpunkt des ganzen Spiels. Nicht nur, weil die meisten von ihnen keine Erfahrungspunkte geben, sondern vielmehr, weil sie ganz plump nach Schema F ablaufen. „Töte x Gegner hier“, „Bringe diese total wichtige Nachricht von A nach B über C und schlussendlich zu D“ und so weiter und so fort. Zudem haben die Entwickler viel zu viele davon eingebaut. Als ich Stufe 15 erreichte, war mein Questlog permanent voll. 30 Quests. Ohne Ende.

Die Tatsache, dass es sich hierbei trotz des eher westlichen Looks um einen Asia-Grinder handelt, wird spätestens dann deutlich, wenn die Tatsache erkannt wird, dass der effektivste Weg zu leveln der des Grindens ist. Das aber fühlte sich für mich gar nicht mal so schrecklich an, denn das Kampfsystem von Black Desert Online ist das Beste der letzten zehn Jahre. Es fühlt sich dabei stets genau richtig an, hat einen wundervollen Flow und wirkt extrem Action-lastig. Passend dazu ist die Grafik ein wahrer Augenschmaus. Das Spiel von Daum Games ist zweifelsfrei das schönste im gesamten Genre, verlangt aber auch sehr potente Hardware.

Doch kommen wir zum Kampfsystem zurück. Durch cleveres Canceln der Animationen lassen sich Kombos ohne langsame Bewegungen sehr viel schneller ausführen. Es ist also möglich, Animationen zwischen zwei Angriffen zu überbrücken und so wichtige Sekunden zu sparen. Bei den Charakterwerten gilt das Motto: Weniger ist mehr. Außer Angriffskraft und Verteidigung gibt es nur Verstärkungen wie Zaubergeschwindigkeit, Angriffsgeschwindigkeit und kritische Treffer.

Black Desert Online

Black Desert Online geht aber sogar noch weiter! Begleiter bzw. Haustiere sind nicht einfach nur zur Zierde da, sondern nützliche Begleiter im Kampf. Ein Falke etwa hilft dabei, Elitemonster aufzuspüren und sorgt somit für zusätzliche XP oder Loot. Hunde dagegen spüren Spieler im PvP auf, während Katzen Wasser finden. Wichtig ist: Die Haustiere wollen natürlich gefüttert werden. Und weil auch das nicht reicht, lassen sich die Tierchen auch züchten. Das Kind übernimmt dabei die Fähigkeiten seiner Eltern und hat ein höheres Level als diese.

Leider aber kommt das große Aber: Diese Haustiere sind nur im Echtgeld-Shop verfügbar. Und die Preise darin sind entsetzlich hoch. Kostüme etwa kosten 25 Euro und mehr. Natürlich, letztere sind rein kosmetischer Natur, doch selbst dafür sind die Preise viel zu krass. Mir wäre es lieber gewesen, wenn Black Desert Online ein Abo-Titel wäre als Buy-2-Play (ähnlich wie Guild Wars 2).


 

 

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... ehemaliger Chefredakteur bei Spieletester.de. Adam war seit der Gründung 2003 dreizehn Jahre auf unserer Plattform tätig.

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