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Civilization VI: Rise and Fall (PC) – Test

Civilization V wurde erst durch seine Erweiterungen zu dem gefeierten Titel, der er heute ist. Mit Civilization VI: Rise and Fall will der Nachfolger es nun gleichtun und beitet dazu einige teilweise umstrittene Neuerungen. Wir haben die Features für euch zusammengetragen und uns ein paar Gedanken dazu gemacht. Steht Civilization VI eine goldene Zeit bevor?

Civilization VI: Rise and Fall – Aufstieg und Fall eines Königreichs

Die Marketing-Abteilung von 2K-Games hat ganze Arbeit geleistet. Selten war der Hype um eine Civilizations-Erweiterung größer, selten wurden so tiefgreifende Änderungen angekündigt. Was mich zu der Frage führte: Wie viel Platz für weitere Features soll in dem ohnehin gut gefüllten Rundenstrategie-Hit noch sein?

Die größte Neuerung in Civilization VI: Rise and Fall ist wohl die Zeitalter-Regelung. Hier unterscheiden sich das dunkle, das normale, das goldene und das heroische Zeitalter deutlich voneinander. Sie bergen spezifische Boni und Möglichkeiten.

Die goldene Zeit, wie könnte es anders sein, ist besonders von Produktivität und Loyalität bestimmt. Die Loyalität, als weitere Neuerung, bestimmt den Wert der Zugewandheit und Produktivität unserer Stadtbevölkerung. Sind sie zufrieden und bestenfalls zahlreich, steigt die Loyalität. Bei Unzufriedenheit und im dunkeln Zeitalter sinkt die Loyalität bis zur Unabhängigkeit unserer Stadt im schlimmsten Fall. Auf dieses Feature werde ich später noch genauer eingehen.

In der dunklen Ära sind unserer Untertanen also deutlich schwieriger zu führen. Um trotzdem einen Weg aus dem dunklen Zeitalter zu finden, können wir spezifische dunkle Zeitalter-Politiken erlassen. Diese bieten mächtige Boni, die andererseits aber auch verlustreich sind.

Civilization VI: Rise and Fall- Die Widmungen für unsere goldene Zeit

Jedes Zeitalter widmen wir dabei einer bestimmten Leitlinie, die uns bestenfalls in goldene Zeiten katapultieren soll. Im Falle eines Heldenzeitalters dürfen wir sogar drei Widmungen wählen. Damit haben wir auch für das folgende Zeitalter bessere Chancen auf eine ertragreiche Zivilisation haben.

Über eine Ära müssen wir sogenannte Zeitalterpunkte sammeln, um die nächste Epoche möglichst erfolgreich zu gestalten. Zeitalterpunkte kann man auf zweierlei Arten sammeln: Entweder man geht seiner Widmung nach, wie beispielswiese Zeitalterpunkte durch neue Spezialbezirke. Oder man löst historische Momente aus.

Dies führt mich gleich zur nächsten Neuerung. Um den Aufstieg und Fall unseres Reiches zu dokumentieren, bietet Civilization VI: Rise and Fall eine Volkschronik. In dieser sind alle wichtigen Errungenschaften unserer Zivilisation verzeichnet. Vom Niederstrecken der ersten Barbaren, über das Besiedeln eines neuen Kontinents, bis zu Erkenntnissen in Luft und Raumfahrt – in der Chronik ist es festgehalten.

Civilization VI: Rise and Fall- Loyalität und Gouverneure

Die schon erwähnte Loyalität, ist ein weiteres tiefgreifendes Gameplay-Feature in Civilisation VI: Rise and Fall. Loyalität wird nicht nur in der Stadt bewahrt, sonder kann auch auf umliegende Städte ausgestrahlt werden. Das kann sowohl stabilisierend für unsere Städte, als auch destabilisierend auf gegnerische Städte wirken. Steigt die Loyalität unserem Herrscher gegenüber stark an, ist es sogar möglich eine Stadt ohne vorausgehende Kampfhandlungen einzunehmen. Alle, die gerne andere Wege zur Verfügung wissen wollen, als Sieg durch Militärhoheit, werden mit dem Loyalitätssystem ihren Spaß haben.

Eine weitere Möglichkeit zur Steigerung der Loyalität sind die neuen Gouverneure. Dies sind charismatische Führer mit spezifischen, ausbaubaren Fähigkeiten. Jeder von ihnen hat ein Spezialgebiet, wie beispielsweise Wissenschaft, Handel oder Diplomatie. Sammeln wir einen Gouverneurs-Titel können wir entweder die Fähigkeiten unserer Gouverneure verbessern, oder einen zusätzlichen ernennen.

Jeder Gouverneur hat seinen Sitz in einer (nicht zwangsläufig unserer) Stadt, in der seine Fähigkeiten nach einigen Runden der Eingewöhnung in Kraft treten. Wir können sie jederzeit, je nachdem in welcher Stadt gerade welche Spezialisierung benötigt wird, neu zuweisen. Gouverneurs-Titel erhalten wir mit einigen abgeschlossenen Forschungen oder durch den Bau einiger Gebäude.

Die Loyalität und die Gouverneure gestalten das Spiel überraschend flexibel. Sie bilden ein weiteres Rädchen zum Optimieren der eigenen Taktik und Spezialisierung. Gouverneurs-Titeln muss man kaum nachjagen, da die Vergabe im normalen Spielverlauf organisch eingebunden ist. Man erhält genügend für einige starke Anführer, aber auch nicht so viele, dass man sich alle Gouverneure in hohen Ausbaustufen leisten könnte.

Civilization VI: Rise and FallNeue diplomatische Möglichkeiten

Neben diesen Gameplay-Neuerungen gibt es natürlich auch einige neue Gebäude und zusätzlich acht spielbare Zivilisationen. Namentlich sind dies Indien, Cree, Georgien, Niederlande, Schottland, Korea, Mongolei, Mapuche und Zulu. Alle bieten spezifische Einheiten, Modernisierungen und Agenden.

Ist die Rede von den Zivilisationen, kann ein weiteres Feature erwähnt werden: Man ist nun in der Lage diplomatische Allianzen verschiedener Ausprägungen einzugehen. Diese drehen sich um Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft, Religion und Militär und bieten beiden Parteien Vorteile auf dem jeweiligen Gebiet. Die Allianzen verbessern sich während des Bestehens und laufen nach einiger Zeit ab.

Civilization VI: Rise and Fall- Erweiterung mit gemischten Gefühlen – Die Zeitalter

Da Civilization VI quasi als Civilization V mit all seinen Erweiterungen zählt, stellte ich anfangs die Frage, wofür da noch Platz sein sollte. Überraschenderweise führt Civilization VI: Rise and Fall recht viele Features ein – allem voran der titelgebende Aufstieg und Fall durch die Zeitalter.

Das Problem an der Zeitalter-Regelung besteht darin, dass man vergleichsweise durch das Spiel gehetzt wird. Natürlich wollen wir möglichst häufig goldene oder heroische Zeitalter bestreiten. Dies führt dazu, dass wir natürlich die Widmung unseres Zeitalters, wann immer es geht, ausreizen. Aber auch, dass wir nach historischen Momenten jagen. Ich habe mich dabei ertappt, lange Zeit nach allen Möglichkeiten historische Momente auszulösen zu suchen. Diese habe ich dann nicht natürlich im Spielfluss sondern künstlich herbeigeführt.

Wer Fan der beschaulich wachsenden Zivilisation war, bekommt hier ein völlig neues Spielgefühl. Die Zeitalter setzen einen unter einen bisher unbekannten Druck. Dies entspricht nicht früheren Civilization-Gewohnheiten und ist wohl auch der Grund dafür, warum Rise and Fall bisher eher mittelmäßige Zustimmung findet. Vorherige Sorgen, dass sich ein Spieler, der einmal gut gestellt ist, nicht mehr um die Zeitalterpunkte kümmern müsse, kann ich nicht bestätigen. Ich bin sogar von einer heroischen Zeit direkt in eine dunkle Zeit gerutscht, weil ich durch Kämpfe und Erkundungen so abgelenkt war, dass ich meine Widmungen quasi nicht erfüllen konnte.

Civilization VI: Rise and Fall- Viele stimmige Neuerungen

Das Loyalitätssystem und die Gouverneure gefallen mir hingegen sehr gut. Ich habe das System noch nicht bis zum Äußersten ausreizen können, doch bisher spielt es sich wie eine stimmige Vertiefung der eigenen Taktik und wirkt nicht übermäßig aufgesetzt.

Neue Völker und spezifizierte Allianzen sind interessant und stocken das Spiel an stellen auf, wo es sich anbietet. Dadurch wird das Gameplay natürlich nicht revolutioniert, aber das soll in einer guten Erweiterung im Zweifelsfall auch gar nicht passieren.

Die Entscheidungen der KI wurden schon oft kritisiert und das hat sich auch mit Civilization VI: Rise and Fall nicht gelegt. Tatsächlich ist die KI nicht immer nachvollziehbar und auch manchmal recht schwierig. Gerade zu Anfang steht uns eigentlich niemand neutral gegenüber, sondern aus irgendeinem Grund (wie beispielsweise “Ihr seid vom anderen Geschlecht.”) hassen sie einen immer. Aber von Kriegserklärungen in den ersten 15 Zügen kann ich nicht berichten.

Wer sich ein bisschen Zeit (und Geld) nimmt, Handel treibt und ab und an einem guten Angebot zustimmt, kann fast jede Zivilisation neutral bis freundlich stimmen. Deshalb verstehe ich extrem negative Reviews zur KI auf Steam nur bedingt.


Fazit

Ich sehe Civilization VI: Rise and Fall mit gemischten Gefühlen. Die Loyalitätsmechaniken, der Umgang mit den Gouverneuren und die neuen Völker und Allianzen sind interessant und bereichernd auch für alteingesessene Spieler. Das Zeitalter-System ist leider für viele ein Feature, das der Civilizations-Tradition des bedächtigen Wachsens und Entdeckens entgegen steht.

Ich kann jedoch die Entscheidung verstehen, eine solche Neuerung einzubinden. Denn obwohl das Zeitalter-System einem viele Dinge aufdrückt, motiviert es doch fraglos. Man wird gehetzt, aber man wird auch angehalten, am Ball zu bleiben und noch mehr Faktoren gleichzeitig im Auge zu haben. Vielleicht will Civilization VI: Rise and Fall aus der gemütlichen Bastelecke für eine eingeschworene Fan-Gemeinde hin zu einem Spiel mit immer neuen, schwierigen Herausforderungen auch für Neueinsteiger werden. Ob man das möchte oder nicht, kann jeder für sich entscheiden.

Mit gut 30 Euro ist diese Erweiterung nicht unbedingt ein Schnäppchen. Da die neuen Features doch recht tiefgreifend sind, halte ich den Preis für fast in Ordnung. Wer also für ein paar neue Herausforderungen den Preis gerne investieren will, kann ab jetzt zuschlagen. Ich persönlich verstehe die ausufernde negative Stimmung nicht. Es muss auch für eine traditionsreiche Serie möglich sein, Neues auszuprobieren. Mir hat die Erweiterung trotz des neuen Spielgefühls Spaß gemacht.

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Henriette Buss ist seit 2017 Redakteurin bei spieletester.de und forscht innerhalb ihres Studiums zu Videospiel-Inszenierung und interessiert sich besonders für Avatar-Bindungen.

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