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Crossing Souls (PC) Test

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8

Crossing Souls

8.0/10

Pros

  • 80er Ästhetik
  • Packende Bosskämpfe
  • Liebe zum Detail

Cons

  • Flache Charaktere und Dialoge
  • Wenig Innovatives
  • Passagen teilweise sehr einfach

Mit Crossing Souls bekommt die 80er-Romantik ein weiteres Denkmal gesetzt. Also strafft die Stulpen, striegelt die Dauerwelle und macht euch bereit für einige Stunden farbenfroher Rückblicke in eine längst vergangene Zeit. Doch ist Crossing Souls mehr als ein Fotoalbum mit verstaubten Gaming-Erinnerungen?

Crossing Souls- Verschmolzene Zeiten in Crossing Souls

Mit dem Nostalgiefaktor in Unterhaltungsmedien ist das so eine Sache. Im Grunde spricht man nur einen sehr sehr kleinen Teil einer potentiellen Käuferschaft an, der sich in die unbeschwertere Zeiten seiner Jugend zurück versetzt fühlt. Doch dann kam Stranger Things und meine lieben Mit-Millenials rasteten komplett aus. Stranger Things vollbrachte etwas Unvorstellbares. Es ließ Leute jeden Alters nostalgisch auf die 80er zurückblicken, obwohl ihre Mütter und Väter zu dieser Zeit wohl noch lieber wilde Parties feierten, als an den Nachwuchs zu denken. Was ist hier also mit den 20-Somethings passiert?

Die Antwort liegt wohl im kollektiven Gedächtnis um 80er-Kultur. Auf den Tod von Prince und Michael Jackson folgte ein erneutes Interesse an der farbenfrohen Ära mit den dramatischen Hairstyles. Nicht zuletzt kamen in den 80ern die ersten Heimkonsolen in amerikanische und europäische Läden, darauf tragbare Konsolen, die 8 Bit und 16 Bit-Ära. Nostalgiker erinnern sich liebevoll an Pixel-Grafik, die Arcade-Automaten in der Eisdiele und die metallischen Soundtracks der Zeit.

Es folgten in den letzten Jahren Spiele, Filme und Serien, die versuchten an diese Renaissance der 80er anzuknüpfen. Crossing Souls haut etwa in die gleiche Kerbe, doch läuft nicht nur dem Hype hinterher. Das Entwicklerstudio Fourratic begann bereits 2014 mit den Arbeiten. Die Euphorie nach Stranger Things war damals noch nicht entbrannt. Die Entwicklung musste aufgrund von Geldnot pausiert werden. Mithilfe von Kickstarter finanzierten Spender das Projekt dann bis zur Fertigstellung.

Crossing Souls- Story-Collagen und Teenie-Gangs

Die Geschichte von Crossing Souls überschlägt sich ein ums andere Mal, doch die Ausgangssituation ist schnell umrissen (und kommt uns wie alles in dieser kleinen Stadt irgendwie verdächtig bekannt vor). Während eines pink elektrisierten Sturms versinkt Californien im Chaos. Stromausfall, Seuchenalarm – die Region ist im Ausnahmezustand!

Nur eine Gruppe furchtloser Teens findet sich zusammen, um auf Erkundungstour zu gehen bis sie auf eine ausgemergelte Leiche stoßen. Sie hält einen leuchtenden Stein in der Hand – den Duat-Stein. Dieser macht es den Menschen möglich, die Seelen der Toten aus längst vergangener Zeit zu materialisieren. Eine gefährliche Macht, auf die auch so mancher Bösewicht scharf ist, fällt unseren Helden damit in die Hände.

Geschichtlich orientierten sich Fourratic laut eigener Angabe an Klassikern wie E.T.,  The Goonies und Super 8. Die Verkettung rätselhafter Ereignisse und eine Gruppe jugendlicher Abenteurer, die dem auf den Grund geht, wirkt tatsächlich wie frisch aus der Zeitmaschine. Dennoch konnte mich Crossing Souls immer wieder überraschen. Narrative Details wirken kompromissloser als rein verklärte Föhnfrisurromantik. Ganz so, als wären die Gamer-Kids von damals erwachsener geworden.

Crossing Souls- Special-Attacks und explodierende Skelette

Spielmechanisch ist Crossing Souls so intuitiv erfahrbar wie die Pixelumgebung aus dem orthogonalen Überblick. Wir wechseln zwischen Chris und seinen Freunden Math, Charlie, Big Joe und Kevin per Knopfdruck hin und her, um ihre spezifischen Fähigkeiten zu nutzen. Hier ist von Jet-Pack-Schuhen, über schiere Muskelkraft bis zur menschlichen Schleuder alles dabei. Um die Rätsel zu lösen müssen wir die Fähigkeiten der Kids kombinieren und gezielt einsetzen. Das ist zuweilen recht simpel, doch bedingt ein flüssiges Durchwechseln aller Charaktere.

Neben den Rätseln gilt es natürlich auch diversen toten und lebendigen Widersachern das Handwerk zu legen. Dafür hat (fast) jedes Kind eine Kampffähigkeit. Wir schießen mit Lazerkugeln, prügeln mit dem Baseballschläger und lassen auch manchmal einfach nur die Fäuste sprechen. Wer, wie ich, sich fragt, warum man jemals einen Charakter mit einer Lazerkanone gegen einen mit einem schnöden Faustschlag auswechseln sollte, wird schnell auf die waffenaffine Nase fallen. Denn was die Kanone an Distanz gut macht, büßt sie im ausgeteilten Schaden ein. Auf diese Weise bleibt auch im Kampf kein Charakter gänzlich links liegen.

Die Gegner, die uns „alltäglich“ begegnen (explodierende Skelette, eine Rocker-Gang in lila, Lichtkugeln verschießende Geistermönche, Bibliothekarinnen, Monster – das Übliche!) sind nicht mehr als kleine Steinchen auf unserm Weg. Die Bosskämpfe sind aber zuweilen recht knackig und brauchen auch mal mehrere Anläufe und Taktik. Das hält unseren Kampfgeist bei Laune und den Ehrgeiz auf einem hohen Level.

Crossing Souls- Ist das Kunst oder kann das weg?

Ästhetisch – was soll man sagen- für Nostalgiker ein Traum. Wer sich damit nicht zufrieden geben möchte, mag behaupten, dass die Renaissance der Pixel-Grafik mittlerweile weder besonders neu noch auffallend kreativ ist. Dennoch ist die Umgebung  fast immer hübsch anzusehen und nutzt die gewisse Zeitlosigkeit, die mit dem Retro-Schick kommt, bis zur letzten Spielsekunde aus.

Ein tatsächlicher Genuss sind die filmischen Cutscenes. Zwischendrin werden wir immer wieder mit Zeichentrick-Einspielern wie frisch aus He-Mans goldener Zeit belohnt. Dazu gibt es einen 80er Synthie-Soundtrack auf die Ohren und macht die Zeitreise komplett.


Fazit

Nun haben wir sie also, die geballte Ladung 80er-Flair auf dem Bildschirm. Als Mitzwanzigerin verstehe ich wohl nur die Hälfte der Anspielungen und trotzdem weiß ich mich genau zeitlich einzuordnen. Insbesondere der Soundtrack erinnert an funky Zeiten (ja, in diesem Zusammenhang darf und muss man sogar funky sagen). Die Pixelgrafik, die Spielmechanik und die schwurbelige Geschichte um eine Teenie-Gang wirken so retro, dass man meint, den Fortlauf der Geschichte aus dem Gedächtnis runterbeten zu können. Doch man wird sich noch wundern!

Im Gegensatz zur langläufigen Meinung, dass Crossing Souls über den ganzen Retro-Charme das eigene Profil vergisst, sehe ich den Titel optimistischer. Der Humor ist teilweise so trocken und die Settings düster, übertrieben bis bescheuert, dass man sich von einer reinen Abfeierei bekannter Storystrukturen entfernt. Für die Figuren hätte ich mir etwas mehr Glaubwürdigkeit gewünscht. Die Chemie in der Gruppe ist teilweise so furchtbar, dass man sich wundert, warum die fünf eigentlich miteinander befreundet sind.

In Crossing Souls steckt so viel Hingabe zum Thema, wie man sie sonst nur von Sammlern und Liebhabern kennt. Außerdem ist es ein kurzweiliger, intuitiver Spaß, der alte Eisen sowie Grünschnäbel motivieren kann. Nach anfänglicher Skepsis war ich verzaubert und kann Crossing Souls getrost weiter empfehlen. Im aktuellen Angebot auf Steam gibt es den Titel für etwa 15 Euro, was im Preis-Leistungs-Verhältnis in jedem Fall ein Mords-Deal ist. Also, bindet die Stirnbänder, schlüpft in die Neon-Leggins, schnappt euch eure Wayfarer (diese Liste könnte ewig weiter gehen) und feiert zu Take on Me einfach noch einmal die 80er!

Written by
Henriette Buss ist seit 2017 Redakteurin bei spieletester.de und forscht innerhalb ihres Studiums zu Videospiel-Inszenierung und interessiert sich besonders für Avatar-Bindungen.

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