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Divinity: Original Sin 2 (PC) Test

Ein heutiges Phänomen in der Spieleentwicklung ist ohne Zweifel der große Einfluss von Crowdfunding durch Plattformen wie Kickstarter. Insbesondere im RPG-Genre kommen hier teils ungeahnte Summen zusammen, zuletzt beispielsweise für Pillars of Eternity. Und auch Divinity: Original Sin 2 fand nach seiner Ankündigung im Jahre 2015 durch Kickstarter die nötige Finanzierung. Die Fans konnten das Budget mehr als vervierfachen, auf gute zwei Millionen US-Dollar. Im Gegenzug versprachen die Larian Studios für ihr Spiel einen enormen Umfang und viele beliebte Features wie Koop-Gameplay und einen gelungenen Kampagnen-Editor. Mittlerweile ist das Riesen-Rollenspiel erschienen und wird an den großen Versprechungen gemessen. Auch ich habe das Spiel getestet und verrate nun, ob Divinity: Original Sin 2 hält, was die Larian Studios versprochen haben.

Divinity: Original Sin 2 – Same but different

Divinity: Original Sin 2Divinity: Original Sin 2 spielt in der gleichen Phantasy-Welt wie schon Divinity: Original Sin. Allerdings wurde die Epoche geändert, was Spielraum für neue Handlungen lässt, ohne die Grundlagen neu erfinden zu müssen. Nach wie vor gibt es die Dämonen-Parallelwelt Void und als magische Quelle dient euch die sogenannte Source. Auch im Handlungsverlauf deuten immer wieder Anspielungen auf Geschehnisse des Vorgängers hin, der gut 1000 Jahre zuvor stattfand. Neulinge müssen aber keine Sorgen haben. Divinity: Original Sin 2 lässt sich ohne Vorwissen durchaus genießen, wofür nicht zuletzt die hervorragende Präsentation der Story verantwortlich ist.

Ihr beginnt das Spiel al sein Verfolgter des Staates. Der ehemalige Gottkönig Lucian ist verstorben und an seine Stell ist nun Bischof Alexander getreten. Da dieser der Magie aber weniger mächtig ist als noch sein Vater hat er sich prompt dazu entschlossen, dass Magie schlecht und böse sein muss. Nun verkündet er also dass die Benutzung von Magie die bösen Voidwoken anlockt, Dämonen aus dem Void, die euch ans Fell wollen. In direkter Konsequenz werden alle Sourcerer verfolgt, mit einem Halsband markiert und auf entfernte Inseln verfrachtet wo sie geheilt werden sollen. Als ebensolcher verfolgter Sourcerer beginnt ihr Divinity: Original Sin 2 und dementsprechend geht es los mit der Charakter-Erstellung.

Divinity: Original Sin 2 – Die Qual der Wahl

Divinity: Original Sin 2Wie es sich für ein waschechtes Rollenspiel gehört könnt ihr in Divinity: Original Sin 2 aus einer Vielzahl an Klassen und Rassen wählen. Acht Rassen und ihre untoten Varianten stehen zur Verfügung, dazu vierzehn Klassen, von Hexer oder Magier über Diebe und Assassine bis hin zu Klerikern und Barden. Wer nun glaubt er kommt vor lauter Auswahl nicht drum herum zehn Helden zu erstellen, den kann ich beruhigen: Die Klassen sind sehr offen angelegt und es gibt keine Restriktionen was beispielsweise die Rüstungen oder Waffen angeht. Die Klasse definiert lediglich ein Starter-Paket und gibt euch bei manchen Rassen im Spiel Vor- oder Nachteile.

Zusätzlich zu der freien Erstellung könnt ihr auch aus vorgefertigten Helden wählen, was ich nur empfehlen kann. Dese kommen nämlich mit einer persönlichen Vorgeschichte, einer eigenen Stimme und vielen Nebenquests. So entwickelt das Spiel noch einmal mehr Sog und die Handlung noch einen größeren Reiz als mit einem selbst erstellten Charakter.

Divinity: Original Sin 2 – Schlüsselelement

Doch Charaktererstellung, Quest-Vielfalt und Geschichte einmal außen vor gelassen, kommen wir zum Kern: Das Kampf-System in Divinity: Original Sin 2. Und das kann sich wirklich sehen lassen. Lange habe ich in einem Rollenspiel kein so komplexes System mehr gesehen, das mich auf hunderte Arten kombinieren lässt. Alleine der arkane Baukasten ermöglicht unglaubliche Zauberkombos, auf dem Schlachtfeld wird es dann nochmal komplexer. Hinter Brandwolken vor Pfeilen verstecken, Brände legen, Kettenreaktionen auslösen, klare Höhenvor- oder Nachteile nutzen, verschiedene Fähigkeiten kombinieren, hier bietet Divinity: Original Sin 2 eine schier endlose Menge an Möglichkeiten an.

Divinity: Original Sin 2Grundlage ist die Rundenstrategie und ein doppeltes Rüstungs-System. So haben alle Figuren eine physische und eine arkane Rüstung. Erst wenn diese Rüstungen durchbrochen sind, geht es ans Eingemachte und ihr könnt tatsächlich Schaden anrichten. Das gilt auch für Effekte wie Bluten oder Brennen. Es ist also recht knifflig, dem Gegner auf die Pelle zu rücken. Hier ist gutes Positionieren und Planen vonnöten, insbesondere deswegen weil Divinity: Original Sin 2 verdammt schwer ist. Nicht nur die gute KI macht euch zu schaffen, alleine schon die Werte der gegnerischen Attribute versetzen euch schon ab der zweiten von vier Schwierigkeitsstufen klar in den Nachteil.

 

Divinity: Original Sin 2 – Für die ruhigen Minuten

Wenn ihr gerade mal nicht im Kampf steckt verbringt ihr eure Zeit mit Dialogen oder Rätseln. Beide sind sehr gut gelungen und das nicht zuletzt aufgrund der umfangreichen Vertonung des Spieles. Doch auch die Rätsel können sich sehen lassen, von einfachen Dialog-Rätseln bis hin zu mehrstufigen Schalter- und Weg-Rätseln.

Divinity: Original Sin 2Womit ihr leider auch viel Zeit verbringt: Mit dem Verwalten eures Inventars. Divinity: Original Sin 2 überflutet euch nämlich mit Ausrüstung. Nahezu jeder NPC lässt mit sich handeln, in jeder Kiste findet man Gegenstände und schon nach wenigen Stunden wird es eine kaum zu überschauende Flut an Gegenständen. Da ihr auch noch klassenunabhängig ausrüsten könnt gilt es sich auch alles genau anzusehen, so dass wirklich viel Zeit im Inventar verbracht wird. Durch die hohe Dichte an Items fällt es leider auch schwer sich an Lieblingswaffen- oder Rüstungen zu gewöhnen, weil sie so schnell ersetzt werden.

Ebenfalls ein Opfer des „Höher, schneller, weiter“-Ansatzes sind die Kämpfe, die manchmal durch die große Optionsvielfalt Fehler entwickeln. So entstehen Kollisionsprobleme oder die KI ist von dem Geschehen und seiner Komplexität überfordert. Auch in der Handlung selber geht nicht immer alles mit ganzer Logik zu, was der Größe und dem Abwechslungsreichtum der Welt geschuldet ist.

Divinity: Original Sin 2 wird den großen Versprechungen definitiv gerecht. Es ist riesig, abwechslungsreich, anspruchsvoll, kreativ und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Aber es verlangt auch Herzblut, Zeit, Geduld und ein Auge fürs Detail. Wer ein etwas komplexeres Hack’n’Slay sucht, sucht hier vergebens. Divinity: Original Sin 2 ist ein digitalisiertes Pen&Paper-Abenteuer für Veteranen und solche, die es werden wollen. Nicht zuletzt der gelungene Editor sorgt neben der ohnehin immens umfangreichen Kampagne für etliche Stunden Spiel/Bastel-Spaß. Da kann man über Logik-Probleme und die ein oder andere Flut an Items durchaus hinwegsehen.

Fazit
Divinity: Original Sin 2 wird den großen Versprechungen definitiv gerecht. Es ist riesig, abwechslungsreich, anspruchsvoll, kreativ und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Aber es verlangt auch Herzblut, Zeit, Geduld und ein Auge fürs Detail. Wer ein etwas komplexeres Hack’n’Slay sucht, sucht hier vergebens. Divinity: Original Sin 2 ist ein digitalisiertes Pen&Paper-Abenteuer für Veteranen und solche, die es werden wollen. Nicht zuletzt der gelungene Editor sorgt neben der ohnehin immens umfangreichen Kampagne für etliche Stunden Spiel/Bastel-Spaß. Da kann man über Logik-Probleme und die ein oder andere Flut an Items durchaus hinwegsehen.
Gut
  • Riesiger Umfang
  • Koop-Modus - Lokal und Online
  • Lebendige Spielwelt
  • Viel liebe zum Detail
  • Enorm potentes Kampfsystem
  • Viel zu entdecken
  • Großartige Vertonung
  • Intuitiver und mächtiger Editor
Weniger Gut
  • Logik-Fehler in der Spielwelt
  • Probleme mit Kollisionsabfrage bei Kämpfen
  • KI bei großen Schlachten etwas verwirrt
  • Sehr hoher Schwierigkeitsgrad
  • Inventar schnell völlig überladen
7
solide
Written by
...ist seit 2008 bei Spieletester.de als Redakteur tätig. Er spielt am liebsten First-person Shooter und wenn es die Zeit zulässt auch gerne (J)RPGs. Bei Spieletester.com ist er außerdem unser Mann für Adventures, vornehmlich Point’n’Clicks, sowie Indie-Spiele

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