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Dying Light

Wenn ein Entwicklerstudio in den letzten Jahren eine gehörige Portion Anerkennung für die Vorbereitung von Gamern auf die Zombieapokalypse verdient hat, dann ist es Techland. Mit einem atemberaubenden und preisgekrönten Trailer haben sie Anfang 2011 den Hype um den Zombie Survival Titel Dead Island eingeleitet, das im gleichen Jahr erschien und zwei Jahre später sogar ein Sequel erhielt. Mit Dying Light erschien Ende Januar das dritte Zombie-Abenteuer, und auch wenn es markenrechtlich nichts mit der Dead Island-Reihe zu tun hat, so sind die Kernfeatures der tropischen Zombieschnitzelei selbstverständlich wieder vertreten und werden um einige neue Finessen ergänzt. Ob das Ganze einen erfrischenden Cocktail ergibt, erfahrt ihr in unserem Test!

Per Fallschirm in die Hölle

dying_light_12062014_9Dying Light spielt in Harran, einer fiktiven Stadt im Nahen Osten, in der ein Zombievirus ausgebrochen ist. Das Verteidigungsministerium hat die Stadt bereits unter Quarantäne gestellt, Brücken zerstört und eine Seeblockade errichtet, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Selbst die Überlebenden in Harran werden per Flugzeug regelmäßig mit Proviantpaketen versorgt, während Wissenschaftler fieberhaft an einem Heilmittel arbeiten. Ein erstes Hemm-Mittel wird bereits ausgeliefert, doch vermag dieses lediglich das Unvermeidliche verzögern: Ein Biss ist genug und früher oder später verwandelt man sich selber in einen klassischen, langsamen Zombie mit hohem Aggressionspotential. Um die Dinge noch schlimmer zu machen, ist die Kriminalität in Harran zusammen mit dem Ausbruch des Virus explodiert und jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben.

In diese idyllische Hölle wird Hauptcharaktere Kyle Crane buchstäblich hineingeworfen. Der Geheimagent wird via Fallschirm über Harran abgeworfen und soll nicht nur den machthungrigen Anführer Kadir Suleiman ausfindig machen und ausschalten, sondern auch Forschungsergebnisse innerhalb der Quarantänezone vernichten. Diese enthalten nämlich offenbar einen gravierenden Fehler, der zu einer Verschlimmerung des Virus führen könnte. Doch es kommt natürlich alles ganz anders: Nicht nur wird Kyle bei seiner Landung von Banditen überfallen, die Trachtprügel lockt auch Zombies an und Kyle wird infiziert. Folglich mischen sich persönliche und berufliche Ziele und während sich Kyle einer lokalen Gruppe von Überlebenden anschließt, hinterfragt er die Befehle seiner Auftraggeber immer mehr.

Doch so interessant und verzwickt die Geschichte rund um den Geheimagenten, der seine Mission hinterfragt, auch klingt – die Präsentation der Story ist leider alles andere als packend. Fast jede Nebenmission ist interessanter als die Hauptstory – und dazu auch noch mit einem Haufen Humor versehen. So müssen wir beispielsweise für einen leicht verwirrten Anwohner Schokolade und eine Filmkassette aus der Stadt besorgen, damit dieser mit seiner Mutter einen schönen Abend verbringen kann – letztere stellt sich dann übrigens als Stoffpuppe mit aufgemaltem Gesicht heraus. Doch selbst die Nebenmissionen machen nicht den hauptsächlichen Spaßfaktor in Dying Light aus – stattdessen sind sie bestenfalls eine amüsante Beschäftigungstherapie, wenn es in der Open World mal langweilig wird.

Dead Rising meets Mirror’s Edge

Nein, für die Story spielen sicherlich nur die wenigsten Dying Light. Die große Stärke liegt in der Tatsache, dass das Spiel – genauso wie seine spirituellen Vorgänger – ein großer Sandkasten voller Zombies ist, die ihr munter nach Lust und Laune auf verschiedenste Arten töten könnt. Nicht selten erinnert Dying Light dabei an Titel wie Dead Rising, besonders wenn wir uns mit unserer Elektro-Klinge über eine von Zombies überfüllte Brücke kämpfen und dabei dutzende von stinkenden Kadavern hinter uns lassen. Genau wie Dead Rising setzt Dying Light dabei auf ein relativ simples Crafting-System, das auf Blaupausen und diversen generischen Materialen wie Nägeln und Klebeband basiert. Hat man eine Blaupause gefunden und die entsprechenden Materialien zur Hand, entstehen im Handumdrehen Macheten mit Gift- und Flammeneffekten oder Hämmer mit dem gewissen, elektrischen Etwas. Wichtig ist auch, ob eure Waffe scharf oder stumpf ist, denn entweder zertrümmert ihr so Knochen und betäubt Gegner, oder ihr trennt Körperteile ab und müsst so einem Arm weniger ausweichen. Nahkampf wird auch in Dying Light ganz groß geschrieben, und auch wenn es Schusswaffen gibt (vor allem später im Spiel), so ist es bei weitem nicht so befriedigend, wie einem Zombie auszuweichen, ihm von hinten in die Kniekehle zu treten und dann ganz säuberlich den Kopf abzutrennen. Zur Info: Dying Light hat in Deutschland eine USK-Freigabe ab 18 Jahren.

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Doch Dying Light ist mehr als nur ein Dead Island in einem weniger tropischen Setting. Unser lieber Kyle ist nämlich recht sportlich und hat das Glück, in eine Gruppe von Parkour-Läufern zu geraten. Diese setzen tagtäglich ihr Leben aufs Spiel, nur um an die begehrten Versorgungspakete zu gelangen, und so dauert es nicht lange, bis auch Kyle lernt, sich schneller als alle anderen von A nach B zu begeben. Dying Light ist also ein großer Sandkasten, gefüllt mit Zombies, durch den ihr euch in schönster Parkour-Manier fortbewegen und dabei – den richtigen Skill vorausgesetzt – auch gerne mal Zombies als Sprungrampe benutzt, um auf die Dächer der Stadt zu gelangen. Das Skillsystem ist dabei recht simpel in drei Talentbäume aufgeteilt: Survivor (hier gibt es nette Boni wie einen größeren Rucksack oder bessere Preise bei Händlern), Agility (hier lernt ihr Sprünge, coole Moves und könnt Zombies mit einem Jumpkick begrüßen) und Power (hier finden sich etwa spezielle Skills für Zweihandwaffen, um zusätzlichen Schaden anzurichten). Durch das Abschließen von Missionen, simple Parkour-Aktionen und das allgemeine Kämpfen sammelt ihr Punkte in den jeweiligen Kategorien und könnt diese bei einem Level-Up in einen neuen Skill investieren.

Im Dunkeln ist gut munkeln

dying_light_19122013_5Als wäre die Zombie-Survival-Parkour-Sandbox noch nicht genug, hat Techland nochmal einen draufgelegt und dem Spiel einen dynamischen Tag- und Nachtwechsel verpasst. Dieser ist nicht nur für die Sichtverhältnisse entscheidend, sondern verändert das Gameplay zunächst auf den ersten Blick komplett. Während ihr es tagsüber mit relativ harmlosen Zombies zu tun habt und nur gelegentlich auf spezielle Zombies trefft, die entweder mehr aushalten, schneller sind oder Galle spucken können, könnt ihr das fröhliche Herumgerenne und –gespringe vom Tag spätestens bei Anbruch der Nacht vergessen, denn dann heißt es: Schleichen, Überleben und irgendwie in Sicherheit gelangen! Sobald die Sonne untergeht, kommen nämlich die wahren Monster aus ihren Verstecken. Die Nachtzombies sind nicht nur stärker, intelligenter und schneller, sie machen auch gezielt Jagd auf euch und verfolgen euch solange, bis ihr sie abgeschüttelt habt. Klar, auch die normalen Zombies sind vor allem in großen Mengen sehr bedrohlich, doch schon ein einzelner Nachtzombie kann euch problemlos ins Jenseits befördern. Eure einzige Verteidigung sind eure mickrigen Waffen, eine UV-Lampe und diverse UV-Fallen, denn die Biester vertragen kein ultraviolettes Licht. In den ersten Nächten werdet ihr also verängstigt umherschleichen und versuchen, zu einer der freischaltbaren Sicherheitszonen zu kommen, um dort vielleicht im Bett auf den Sonnenaufgang zu warten.

Recht schnell stellt man dann aber fest, dass es relativ einfach ist, den Biestern auszuweichen (Minimap und Sichtkegel sei Dank), sodass die ehemals furchteinflößende Nacht schnell einfach nur ein kleines Ärgernis wird. Immerhin: Wir kriegen nachts doppelt so viele Erfahrungspunkte – hier kann also gut gelevelt werden!

Wunderschöne Zombiejagd unter Freunden

Schon Dead Island erlaubt es euch, zusammen mit ein paar Freunden gemeinsam auf Zombiejagd zu gehen, und auch Dying Light gibt euch natürlich die Möglichkeit, die Kampagne sowie die Nebenmissionen des Spiels in guter Gesellschaft abzuschließen, während untereinander noch kleine Wettbewerbe entstehen, etwa wer die meisten Zombies killt. Oder aber ihr streift einfach gemeinsam und ungebunden von den Missionen durch Harran und erledigt Zombies auf lustige, makabre oder brutale Weise – manchmal sogar alles gleichzeitig! Zusätzlich hat sich Techland noch einen netten Sondermodi einfallen lassen, in dem ein Spieler die Kontrolle über einen Spezialzombie übernimmt und in der Nacht Jagd auf andere Spieler macht, während diese Zombienester ausräuchern müssen. Ganz im Stile des Parkour-Charakters von Dying Light bewegt sich dieser Super-Zombie dank coolen, schieß endlosen Tentakeln wahnsinnig rasant durch die Karte und greift seine Widersacher aus dem Hinterhalt an. Unbesiegbar ist dieses Monster natürlich nicht. Genau wie seine nächtlichen Kollegen ist es anfällig für UV-Licht und kann theoretisch auch mit einer einfachen Feuerwehraxt zur Strecke gebracht werden – wenn man viel Glück hat!

In jedem Moment sieht Dying Light dabei atemberaubend aus. Besonders der Tag- und Nachtwechsel sieht super aus und die idyllischen Sonnenuntergänge lassen einen fast vergessen, dass das Überleben gleich ein ganzes Stück schwieriger wird. Auch Animationen und Effekte wissen zu gefallen, und ohnehin entsteht ein tolles Gefühl, wenn man sich ähnlich wie in Mirror’s Edge in der Ego-Perspektive durch eine wunderschöne Welt fortbewegt. Hier haben die Damen und Herren von Techland wirklich großartige Arbeit geleistet, und auch die Sounduntermalung weiß zu gefallen. Kleine Spielereien wie der Einsatz des Controller-Lautsprechers bei der PS4 geben der durchweg gelungenen Soundkulisse dabei den letzten Schliff, den selbst die (englischen) Sprecher sind erfreulich gut gewählt und machen einen guten Job.


[blockquote cite=”John-Henry Drabeck”]Fassen wir zusammen: Dying Light ist ein Zombie-Survival-Parkour-Sandbox-Game mit dynamischen Tag- und Nachtwechsel, kooperativen und kompetitiven Multiplayer und einem einfachen doch spaßigen Crafting-System. Klingt großartig, oder? Ist es auch, wenn man sich wirklich darauf beschränkt, denn die eigentliche Geschichte des Spiels raubt dem sonst gelungenen Titel einiges an Zugkraft. Es kann kein gutes Zeichen sein, wenn ich lieber Versorgungspaketen und dynamischen Ereignissen hinterherjage, als mich auf die gerade aktive Storymission zu konzentrieren. Wenn ich dann am Ende auch noch genervt bin, weil ich ohne Schnellreisefunktion quer durch die Stadt rennen muss, nur um eine stupide Aufgabe zu erledigen – dazu zählen auch die weniger interessanten Nebenmissionen wie „Sammle X Kräuter“… – dann ist klar, dass man hier definitiv etwas falsch gemacht hat. Doch gerade deswegen sind es die humorvollen Nebenmissionen und die einfache Zombieschnetzelei, die erfreulich hervorstechen und Dying Light zu einem unterhaltsamen Ausflug mit Biss machen. [/blockquote]

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