6

Empires Apart

6.0 /10

Pros

  • Bekanntes, funktionierendes Spielprinzip
  • Hübsche, moderne Optik

Cons

  • Technische Fehler
  • Keine Kampagne
  • Keine eigenen Ideen

Empires Apart versucht sich als echte alternative zur Speerspitze der Echtzeitstrategie – Age of Empires II. Hierbei sollen nicht nur die Fans beschaulicher Zivilisationsentwicklung, sondern auch Freunde packender PvP-Schlachten akquiriert werden. Kann Empires Apart tatsächlich in diese altehrwürdigen Kreise aufsteigen?

Empires Apart – Der Lückenfüller ohne Lücke

Empires Apart hat sich ein großes Ziel gesetzt: Die größtenteils gemütliche AoE II-Community sollte aus ihrem mittelalterlichen Trott heraus zu kampflustigen Taktierer*innen werden. Online sollen wir uns mit Freund*innen oder Fremden in kurzweiligen Matches messen können. Im Zuge des umgreifenden kompetetiven Trends, weg von Single-Playern und Eigenbrödlern, eigentlich eine logische Konsequenz.

Zum Zeitpunkt des Entwicklungsstarts könnte die Idee eines PvP-Age of Empires II auch eine gute Idee gewesen sein. Doch mit dem Release von Age of Empires II Remasterd und der Age of Empires Definitve Edition wurde Empires Apart ohne weiteres Aufsehen aus dem Fokus gekegelt. Doch mehr noch als die offensichtliche und übermächtige Konkurrenz der RTS-Klassiker, krankt das Spiel noch an anderen Ecken und Enden. Damit wirft sich die Frage auf: Wer braucht das überhaupt?

Völker ohne Geschichten

Doch vorerst zu den Basics. Empires Apart beginnt, wie sollte es anders sein, genau wie Age of Empires II. Es gibt ein kurzes Tutorial, das man optional spielen kann (was, sein wir mal ehrlich, niemand der jemals AoE II gespielt hat, braucht). In einem Survival-Modus müssen wir gegen immer stärkere Gegnerwellen bestehen und im Skirmish geht es der KI oder anderen Spielern an den Kragen.

Als Fan spannender Geschichten schmerzt mich die Abwesenheit einer Kampagne sehr. Gerne hätte ich die Völker und Helden näher kennengelernt und historische Konflikte mit ihnen gelöst. Wir wählen aus einer von sechs mittelalterlichen Kulturen. Zur Verfügung stehen uns die Byzantiner, die Chinesen, die Franzosen, die Mongolen, die Araber und die Azteken. Wir starten „the same procedure as every year“ mit einem Dorfkern, einer Hand voll Arbeitern und einem zuvor wählbaren Helden.

Die Völker sind optisch wie spielerisch klar voneinander zu unterscheiden. Besonders das Entdecken der verschiedenen Architekturstile macht hierbei Freude. Wo die Franzosen beispielsweise noch nette Häuschen und Kirchen bauen, warten die Azteken mit Stufenpyramiden und die Chinesen mit volkstümlichen Tempeln auf.

Auch die besonders mächtigen Spezialeinheiten überzeugen mit ihrer unterschiedlichen Gestaltung und ihren besonderen Fähigkeiten. Ein zusätzlichen nettes Feature sind die Helden, die uns von Anfang an auf unserem Weg begleiten. Hier haben sich die Entwickler tatsächlich an (mal mehr mal weniger bekannte) historische Figuren gehalten. So kämpfen wir an der Seite von Jeanne d’Arc oder herrschen klug und mit Weitsicht mit dem byzantinischen Kaiser Alexios. Jeder Held bringt bestimmte Boni, die sich entweder auf das Militär oder die Wirtschaft konzentrieren.

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Mit Ecken und Kanten

Der halb kubistische halb comichafte Stil von Empires Apart ist ganz hübsch, aber auch nicht neu. Sicher hat diese etwas eckige und doch fließende Umgebung etwas für sich, doch auf die Dauer bleibt sie ebenso gesichtslos wie die Charaktere der Welt. Man bekommt einfach nicht das Gefühl, dass es sich hier um echte Gebäude, echte Schlachten und echte Arbeit handelt. Wenn ich eine Schmiede baue, möchte ich einen glühenden Schmelzofen sehen und keinen pastellfarbenen Kubus!

Spielerisch ist das Nomadenvolk der Mongolen wohl am ungewöhnlichsten ausgeprägt. Ein Volk, das immer auf Reisen ist, hält nicht viel davon, beschauliche Felder anzulegen, sondern packt kurzerhand das Dorfzentrum ein und zieht weiter über die Steppe. Andere Völker setzen lieber auf Festungen und wehrhafte Gebäude, um jeglichen Angreifer mürbe werden zu lassen. Die kriegerischen Azteken warten nicht auf Technologieentwicklungen, sondern verbessern sich durch aktives Kämpfen weiter.

Vom Forschen zum Schlachten

Soweit so nett. Der Anfang einer jeden Partie spielt sich mit den meisten Völkern doch meist klassisch. Erkunden umliegender Gebiete und das Hamstern von Gold, Holz, Nahrung und Stein stehen auf der Tagesordnung. Schnell können wir unsere ersten Spezialgebäude wie Kasernen oder Häfen bauen, doch um alles Weitere freizuschalten, müssen wir etwas tiefer in die Tasche greifen.

Um neue Entwicklungsstufen zu erreichen bezahlen wir eine größere Menge an Ressourcen und können nach einer kurzen Wartezeit auf neue Einheiten und Gebäude zugreifen. Die wirtschaftliche und militärische Entwicklung sind dabei getrennt und müssen einzeln erworben werden. Das mag vorerst etwas überflüssig klingen, doch ist dies ein weiterer Weg auf den eigentlichen Fokus des gespielten Volkes einzugehen.

Kommt es tatsächlich zu einem Gefecht funktioniert Empires Apart nach dem altbekannten Schere-Stein-Papier-Prinzip. Der Pikenier triumphiert über die Kavallerie, Bogenschützen schlagen Schwertkämpfer in die Flucht und das Schwert siegt gegen den Speer. Mich hat persönlich gestört, dass das Formieren der Truppen noch nicht richtig funktioniert. So bleibt es meist beim bloßen Einheiten-Pumpen, dann alle anwählen und ab die Post. Hier hätte Empires Apart, wenn es schon auf Gefechte setzen will, ein bisschen mehr Sorgfalt walten lassen sollen.

„Fatal Error“

Sorgfalt ist überhaupt das Stichwort. An allen Ecken und Enden wirkt das Spiel etwas unfertig. Dabei sind Übersetzungsfehler und das Zusammenfallen von Schaltflächen und dahinter liegenden Gebäuden nicht einmal das Schlimmste. Dies macht zwar keinen hochwertigen Eindruck, ist jedoch zu verschmerzen.

Ein weitaus größeres Problem ist die KI. Wächst unsere Truppe auf mehr als 20 Einheiten an, leiden unsere Krieger im Gefecht und in der Umgebung an Orientierungsproblemen. Gerade weil Empires Apart eigentlich die Geschwindigkeit etwas anziehen wollte, stört das den Spielfluss ungemein. Insgesamt wirkt unser Heer eher sperrig als agil.

Hinzu kommen einige Totalaussetzer des Spiels. Ein ums andere Mal ist mir Empires Apart komplett mit „Fatal Error“ abgestürzt. Manchmal war das noch vor Beginn des Spiels, was man noch verzeihen kann, aber wenn wir schon länger in einem Gefecht an unserer Basis geschraubt haben, raubt einem das den letzten Nerv. Da sind Speerkämpfer, die sich wie ein Brummkreisel auf der Stelle drehen, die noch eher lustigen Ausrutscher.

Stell dir vor: Es ist Krieg und keiner geht hin

Doch der wohl wichtigste Aspekt, warum das „PvP-Age of Empires II“ Empires Apart nicht funktioniert, ist die Tatsache, dass es keiner spielen will. Ob das an der Umsetzung liegt, oder an dem schlichtweg nicht vorhandenen Bedürfnis nach dieser Art der RTS-Verarbeitung, bleibt offen. Fakt ist aber, dass spannendes Matchmaking nicht möglich ist, wenn die Spielerzahlen (höchstens um die 50) derart im Keller sind. Und wieviele von denen wohl Spieletester*innen sind?

Die Bewertungen bei Steam sind dennoch recht ausgeglichen. Trotz der Mängel fühlen sich die meisten wohl in der altbekannten RTS-Umgebung wohl. Doch auf die Dauer kann der AoEII-Klon nicht motivieren. Es fehlt an Sorgfalt, Profil und Herz.


Fazit

Es gibt Spiele-Reviews, vor denen man schlichtweg etwas ratlos sitzt. Man weiß nicht so recht, wo man anfangen soll und zwar nicht weil es zu viel, sondern weil es zu wenig zu sagen gibt. Die Spielerfahrung war nicht besonders schlecht und nicht besonders gut, sondern einfach irgendwie da.

Das Gameplay von Age of Empires II ist fast eins zu eins übernommen und dieses Prinzip funktioniert nach wie vor gut. Doch besonders das Fehlen einer Kampagne, die bei Ausbleiben von Gegenspielern elementar gewesen wäre, ernüchtert. Dabei ist es ja allgemein bekannt, dass man auch im RTS-Genre großartige Geschichten erzählen kann. Wer hätte jemals unsere Schlachten mit dem wahnsinnigen Prinz Arthas in Warcraft III vergessen?

Um wirkliche Emotionen und Begeisterung hervorzurufen fehlt dem Empires Apart die Pointe, eine eigene Idee. Es schmückt sich in seinem Internetauftritt mit Wörtern wie „old-school“ und meint damit möglicherweise nostalgische Spieler*innen abzugreifen. Doch anstatt einer liebevollen Hommage oder einer packenden Neudefinition, verbleibt der Titel im Stadium einer groben Skizze und wirkt dabei merkwürdig steril. Abschließend kann ich Empires Apart (Kostenpunkt etwa 30 Euro), besonders im Hinblick auf andere aktuelle Echtzeitstrategie-Titel, nicht empfehlen, da es auf eine Lücke zugeschnitten ist, die es nun mal nicht gibt.

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