Golden Sun: Die dunkle Dämmerung

Rollenspiel-Oase DS! Neben massig gelungenen Remakes diverser Nintendo-Klassiker tummeln sich immer wieder vereinzelte Rollenspielperlen auf den zwei DS-Bildschirmen. Zuletzt konnte auch Dragon Quest 9 eindrucksvoll beweisen, dass man nicht zwingend eine NextGen-Konsole braucht, um in eine komplexe Fantasywelt zu flüchten. Mit Golden Sun: Die dunkle Dämmerung belebt Camelot eines der Rollenspiel-Schwergewichte wieder, welches zu der damaligen GBA-Ära für ein wahrlich anspruchsvolles Spielerlebnis sorgte. Doch die Zeiten haben sich geändert und die Konkurrenz ist mächtiger denn je, hat da die goldene Sonne überhaut noch ein relevantes Mitspracherecht?

Auf den ersten Blick scheint sie dieses verspielt zu haben, zu kindlich und belanglos beginnt die Reise der drei jungen Abenteurern Matthew, Tyrell und Kiara. Angesiedelt 30 Jahre nach den GBA-Vorgängern steuert ihr nun den Sohn des einstigen Helden Isaac durch die Welt Weyard. Als ausgebildeter Psy-Krieger wisst ihr auch wie man die Elemente der Welt gekonnt manipulieren kann. Diese vermeintlichen Zaubertricks (oder auch Alchemie genant) wurden seinerzeit wegen zu großer Gefahr verbannt, was aber zu einem Verfall von Weyard führte. Durch die von Isaac und seinen Freunden entfesselte goldene Sonne kam die Alchemie wieder zurück in das Land und verhinderte eine drohende Apokalypse. Nun, 30 Jahre später, ist Isaac ein stolzer Krieger und Vater. Sein Sohn Matthew macht große Vorschritte und wartet auf sein erstes großes Abenteuer. Dieses scheint gekommen zu sein, als sein übermütiger Freund Tyrell einen Windgleiter zerstört. Eigentlich kein großes Problem, wenn man nicht eine Feder von dem gewaltigen Mountain Roc Vogel bräuchte, um den Gleiter wieder zu reparieren. So machen sich Matthew, Tyrell und Kiara auf den Weg, die Welt zu erkunden und stürzen sich unwissend in das Abenteuer ihres Lebens.

Bis es mal so weit ist, dauert es aber Genre-bedingt gute 3 Stunden. Die Exposition mag zwar durchaus ihren Zweck erfüllen und führt euch auch (zu) behutsam in die Welt ein, doch dieses breit gefächerte Tutorial zupft ein bisschen zu lange am strapazierten Geduldsfaden herum. Es liegt vor allen auch daran, dass es wieder mal kein richtiges Dialogsystem gibt und die Gespräche zwischen unseren Helden relativ belanglos bleiben. Zwar habt ihr auch wieder hier die Möglichkeit mit einer von 4 Emotionen zu antworten, einen richtigen Einfluss auf den Spielablauf haben eure emotionalen Ausbrüche aber nicht. Doch zum Glück gewinnt die Geschichte nach dem trägen Anfang gehörig an Schwung und schlittert somit Haar scharf an einer erzählerischen Katastrophe vorbei.

Gelungene Kombination

Herzstück ist ja auch nicht die dramatische Geschichte, sondern vielmehr das gelungene Kampfsystem. Und dieses funktioniert erneut ganz wunderbar. So wählt ihr im klassischen Final Fantasy-Prinzip Runde für Runde eure Attacken und heizt den Gegnern gehörig ein. Mit der Alchemie gesellt sich dann auch noch die Psyenergie dazu, welche Charakter-abhängig unterschiedlich ausgebaut werden kann. Während Protagonist Matthew beispielsweise ein Faible für die Erde hat, bevorzugt Kiara die Energie der Winde. Ein weiteres tragendes Element sind die sogenannten Djinns. Durch diese Wesen, die im bekannten Pokémon-Prinzip eingefangen werden können, ergeben sich immer weitere Psyenergie-Kombinationen. So können die Djinns auf die Charaktere aufgeteilt werden und bereichern diese mit ihren magischen Vorlieben, welche unter anderem auch die Skills der Helden unterschiedlich beeinflussen. Durch diese enorme Kombinationsmöglichkeit entfaltet das Spiel spätestens dann sein wahres Potenzial, sobald mehrere Djinns auf einen Charakter zugewiesen werden können. Hinzu kommen auch noch mächtige Beschwörungszauber, die noch mal kräftig das Kampfgeschehen durchrütteln.

Eure Psyenergie wird aber nicht nur im Kampf eingesetzt. So warten auch viele knackige Rätsel auf euch, die ihr mit der Hilfe eure übernatürlichen Kräfte lösen könnt. Da müssen mal Steine verrückt werden, Windböen geheime Stellen aufwirbeln oder einfach Feuerbälle diverse Ziele vernichten. Dabei wird immer auf den Gebrauch des Stylus zurückgegriffen, was auch meistens ganz gut klappt. Generell habt ihr auch die Möglichkeit entweder mit dem Digi-Pad oder eben mit dem Stylus euren Charakter durch die Welt zu dirigieren. Insgesamt geht diese erfrischende Kombination aus fordernden Kämpfen und originellen Rätseln wunderbar auf. Der leichtfüßige Wechsel zwischen harter Kopfnuss und angespannter Kampfhaltung ist wohl auch die größte Errungenschaft von Golden Sun.

Kindlich schön

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Auch die Präsentation weiß erneut zu gefallen. In der bekannten ISO-Sicht habt ihr immer einen klaren Blick auf das Geschehen und die Oberwelt fällt auch recht abwechslungsreich aus. Die Charaktere haben einen kindlichen Anime-Charme, der aber ganz gut in das Golden Sun-Universum reinpasst. Das absolute Highlight sind die fetten Beschwörungszauber, die sich auf beiden Bildschirmen ausbreiten. Die orchestralen Klänge passen ebenfalls gut zu dem Abenteuer und sorgen für eine epische Atmosphäre. Lediglich die nicht vorhandene Sprachausgabe und der nervige Textsound fallen negativ auf.

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