Journey (PS4)

Es ist mittlerweile drei Jahre her, dass Entwickler thatgamecompany mit Journey eine der wohl wundervollsten Indie-Reisen auf die heimischen Bildschirme gezaubert hat. Ob Spiel oder interaktives Kunstwerk, darüber sind sich viele Kritiker heute immer noch nicht einig, doch eines ist indes glasklar: Journey war seinerzeit das wohl schönste und sinnlichste Spiel zugleich. Dass es nun nochmal schöner gehen kann, möchten die mittlerweile fast aus ihren Indie-Schuhen entwachsenen Feingeister aus den USA nun mit der Playstation 4 Version beweisen. Ob die Neuveröffentlichung aber mehr ist als hübsch aufgewärmter Wüstensand, erfahrt ihr in unserem Test.

Eine bedeutsame Reise

journey_08072015_5Der Weg ist das Ziel. Eine Weisheit, die nicht besser zu Journey hätte passen können. Obwohl sich der monumental große Berggipfel in der Ferne wie ein dunkler Gigant mit hoffnungsvoll leuchtender Krone emporhebt und allen Reisenden das Ziel des Lebens verspricht, so geht es bei eurer Pilgerei längst nicht um den Berg an sich. Vielmehr zeigt der ferne Gigant das Ende eines wunderbaren Zyklus auf, welcher sinnbildlich für das Leben und dessen Vergänglichkeit steht. Wer aufmerksam die in den Ruinen versteckten Andeutungen entziffert wird dem Geheimnis eurer Reise immer näher kommen. Denn auch heute noch verrät Journey nicht warum euer in rote Leinen gehüllter Wanderer seinen Weg angetreten hat. Vielmehr werdet ihr von dem Wissen geleitet, dass diese Reise eines der wichtigsten Dinge im Leben des namenlosen und stummen Helden ist. Doch wie ihr den Weg zum Berg gestaltet, welche Lehren ihr aus dem zieht, was ihr in den ca. zwei bis drei Spielstunden erlebt, das bleibt euch überlassen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Spieler, wenn sie heute über ihre Erfahrungen mit Journey sprechen, von einem ganz eigenen, persönlichen Erlebnis berichten, welches nur sie so erlebt haben.

Die Faszination von Journey begründet sich genau auf diesen Elementen. Eines aus individuellen Ereignissen zusammengesetzten Abenteuers, welches weniger Worte bedarf und stets durch Taten und nachhaltig bildhafte Eindrücke geprägt ist. Ihr durchlauft weitläufige Wüsten, dessen Dünen und alten Ruinen die ewigen Zeitzeugen von unendlichen Strömen verschiedener Pilger sind. Monströse Gemäuer mit ausladenden Hallen die an alte Kulturen voller Leben erinnern und doch so verlassen wirken können. Jede Ortschaft ist wohl durchdacht und fügt sich fließend wie der allgegenwärtige Wüstensand in das wundervolle Gesamtbild ein, durch welches ihr geleitet von eurem Leinenschaal hindurch schwebt, es entdeckt und euch einprägt.

Malerisches Schweigen

Journey ist weniger Jump and Run, sondern vielmehr ein interaktives Gemälde, dessen Bilder man zu jeder Zeit in sich einsaugen sollte. Doch erzählt dieses Kunstwerk keine brachiale Geschichte und treibt ein Ereignis mit Pauken und Trompeten voran. Es ist ruhig und behutsam, manchmal sogar etwas zu viel von beidem, doch es ist in jedem Fall unterhaltsam. Ganz speziell wenn ihr zufällig auf einen anderen Pilger trefft. Diese Zusammenkunft funktioniert dank des gut integrierten, indirekten Multiplayers nahtlos und anstatt sich mit wilden Rufen und hektischem Gefuchtel entgegen zu treten, sind die einzige Möglichkeit miteinander zu kommunizieren bedächtige Laute, die jeder per Tastendruck von sich geben kann. Dies mag anfangs etwas eigen anmuten, klingen Konversationen doch teilweise wie kleine Klangschalenkonzerte, doch geht dieses Mittel überraschend gut auf. Wo sich Spieler in einschlägigen Online-Games gern mal verbal eins auf den Deckel geben möchten, verbindet einen diese Art der Interaktion noch viel mehr. Spätestens, wenn ihr zusammen versteckte Orte erforscht oder vor den Großen Ungetümen der Sandebene flüchtet, werdet ihr merken, wie wichtig diese andere, eigentlich vollkommen unbekannte Person, für euch ist. Ein Reisender der einem die Bürde des weiten Weges erleichtert. Reden ist Silber, Schweigen ist im Fall von Journey Gold.

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Das Problem des zweiten Eindrucks

Für den einen mag die Herangehensweise an das Spiel vielleicht eine zu philosophische Note haben und augenscheinlich zu wenig Abwechslung bieten, doch sei jedem wenigstens diese eine Pilgerfahrt ans Herz gelegt. Journey funktioniert eben genau deswegen so gut, weil es sich auf das Wesentliche konzentriert, ohne sich selbst von zu vielen Gameplayelementen ablenken zu lassen. Und dies macht es so hervorragend, das euch während der doch recht kurzen Spielzeit eigentlich gar nicht auffällt, dass ihr nur zwei Knöpfe bedient habt. So muss Immersion sein und das ist eine Leistung, die nur wenige Spiele wirklich beherrschen.

Das Problem aber an einem solch einprägsamen Ereignis ist genau diese Einzigartigkeit, die es ja so besonders macht. Theoretisch beendet man Journey mit dem Wissen, dass es keinen besseren Weg gibt, dieses Abenteuer zu erleben. Aus diesem Grund ist es schwer jenes Unterfangen auch nach drei Jahren nochmals auf sich zu nehmen. Der einmalige Eindruck soll erhalten bleiben, die Faszination wirkt in Erinnerungen meist sogar noch stärker, als wenn  sie ein weiteres Mal vor Augen geführt wird. Und genau dort greift der fehlende Extra-Inhalt der Playstation 4 Version ein. Denn obwohl Journey ein unvergleichliches Erlebnis ist, sollte man dieses doch mit mehr aufwerten können, als nur mit leicht verbesserten Texturen, einer höheren Auflösung und 60 anstatt 30 Frames pro Sekunde, um speziell alte Spieler zum erneuten Pilger werden zu lassen. Es gibt weder Extras von den Entwicklern, noch neue Areale oder gar Animationen und Musikstücke. Keine Frage, Journey sieht allein durch sein bestechendes Artdesign auch auf der Playstation 4 unbestreitbar schön aus und auch das stellenweise unsaubere Kantenflimmer der Vorgängerkonsole ist verschwunden, doch würde ich es nicht wagen für ein identisches Abendteuer meine teuren Erinnerungen auf die Probe zu stellen, wenn ich nicht Tester gewesen wäre.

Für Neueinsteiger, die diesen fantastischen Weg noch nicht beschritten haben, sollten diese Makel aber in keiner Weise als Abschreckung gelten, da sie sonst eines der besten und einprägsamsten Abenteuer der letzte paar Jahre verpassen würden. Einen Wehmutstropfen gibt es übrigens für alle Besitzer der Originalversion, denn sie erhalten die Playstation 4 Fassung vollkommen umsonst.


[blockquote cite=“Dustin Gerstenberger-Zange“]Hätte ich es mir aussuchen können, ich hätte die erneute Reise durch das wundervoll gestaltete Gemälde namens Journey nicht nochmal antreten wollen. Nicht etwa, weil die Playstation 4 Fassung schlechter als das Original ist, ganz im Gegenteil. Sondern weil schon die Playstation 3 Version für mich einen solch nachhaltigen, einzigartigen Eindruck hinterlassen hat, dass ich diese Erinnerung nur allzu ungern auf die Probe gestellt habe. Journey erzählt eine unvergleichlich mitreißende Geschichte, ohne aber wirklich eine Geschichte zu erzählen. Vielmehr gestaltet ihr jeden Eckpfeiler, jeden Höhepunkt und jeden Tiefschlag eurer Reise selbst und macht sie zu einem ganz persönlichen Erlebnis. Verbunden mit dem immer noch fantastisch indirekten Multiplayer und der einfachen, aber überraschend gut funktionierenden Kommunikation allein über Bewegungen und Klänge, ergibt sich eine sinnliche und mitreißende gemeinsame Reise mit einem vollkommen Fremden, der einem auf wundersame Weise verdammt nah geht. Das einzige was dieser Neuauflage wirklich fehlt sind Extrainhalte, welche das Erlebnis nicht nur aufwerten, sondern auch anders gestalten könnten, so dass ich mich gerne zum Entdecken von etwas wirklich Neuem überreden lasse. Denn mehr als aufgewertete Optik bietet die Playstation 4 Version leider nicht. Doch das ist auch das einzige was es zu bemängeln gibt. Bedenkt man, dass Vorbesitzer von Journey die Neuauflage vollkommen umsonst erhalten, bleibt eigentlich nicht viel zu sagen als: „Auf geht’s!“[/blockquote]

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