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Kingdom Come: Deliverance (PS4) Test

Kingdom Come: Deliverance

7

Kingdom Come: Deliverance

7.0/10

Pros

  • Spannende Geschichte
  • Historisch sehr akkurat
  • Sehr Atmosphärisch
  • Hoher Realismusgrad

Cons

  • Technische Umsetzung eher mangelhaft
  • Kämpfe teils schlecht gebalanced
  • Welt wirkt mitunter recht leer

Kingdom Come: Deliverance führt euch auf einem Rachefeldzug ins finstere Mittelalter. Wie uns das Spiel gefallen hat, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Als Spieletester hat man in der Regel eine recht einfache Aufgabe. Wir schauen uns neue Spiele an, überlegen ob uns die Titel gefallen oder nicht und schreiben unsere Meinung dann mit den jeweiligen Argumenten nieder. In der Regel bildet man sich dabei bereits Recht früh seine Meinung über das Spiel.

Ab und an stößt man jedoch auf einen Titel, der uns mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Für mich ist Kingdom Come: Deliverance genau so ein Titel.

Kingdom Come: Deliverance – Das Leben im Mittelalter

Die Story von Kingdom Come: Deliverance spielt im Tschechien des 15. Jahrhunderts. Der weithin als Held gefeierte Kaiser des römisch-deutschen Reichs, Karl IV., war gestorben und sein weitaus weniger Kompetenter Sohn Wenzel der Faule übernahm die Führung. Wenzels Bruder, Sigismund, der amtierende König von Ungarn war mit Wenzels Regentschaft jedoch mehr als unzufrieden. Das Ergebnis war eine Zeit des Krieges.

Ihr schlüpft hierbei in die Rolle des jungen Schmiedesohns Heinrich. Im kleinen Dorf Skalitz arbeitet ihr zunächst als Helfer eures Vaters, einem weit bekannten Meisterschmied, der seinen Lebensabend zusammen mit seiner Familie in dem ruhigen Dorf verbringen will. Doch wie das mit Plänen so häufig der Fall ist, kommt auch diesem etwas in die Quere. Denn König Sigismund und seine Söldnerarmee greifen das Kaisertreue Skalitz ohne Vorwarnung an und töten rücksichtslos jeden, der ihnen im Weg steht.

Ohne die Möglichkeit, ihnen zu helfen, muss Heinrich mit ansehen, wie auch seine Eltern ermordet werden. Doch für Heldenmut ist nicht der richtige Moment. Uns bleibt also vorerst nur die Flucht. Es beginnt eine Reise durch das mittelalterliche Böhmen.

Kingdom Come: Deliverance – Erfrischend anders

Wer sich jetzt denkt, Kingdom Come: Deliverance wäre das neue Witcher 3, der sollte sich zunächst einmal auf eine Enttäuschung gefasst machen. Die Geschichte vom Schmiedesohn Heinrich unterscheidet sich maßgeblich von denen vieler anderer Helden. Angefangen damit, dass Heinrich genau das eben nicht ist.

Heinrich wird sich nicht über Nacht zum Schwertmeister entwickeln. Er wird auch nicht die entlegensten Orte aufspüren und Reichtümer oder Ruhm anhäufen. Heinrich ist nur ein unbedeutender Schmiedesohn. Daran ändert sich im Verlauf des Spiels auch nicht viel. Was zunächst enttäuschend klingen mag, macht jedoch genau den Charme und den Reiz des Spiels aus. Denn auch wenn Heinrich nicht der Held in strahlender Rüstung ist, macht das seine Geschichte nicht weniger interessant.

Eure Reise führt euch zwar nicht an die außergewöhnlichsten Orte, gibt euch dafür jedoch einen schönen Einblick, in das Leben im Mittelalter. Dabei helfen besonders die Quests, auf die das Spiel einen deutlichen Fokus legt. Anders als in vielen anderen RPGs werdet ihr eure Zeit nur selten mit Kämpfen verbringen. Stattdessen werdet ihr euch zum Großteil durch verschiedenste Dialoge hangeln und einen Eindruck von den verschiedenen Facetten des Mittelalters bekommen. Dabei kommen nicht nur die Adelskonflikte, sondern auch der starke christliche Glaube, die fatalen Auswirkungen der Pest oder die Furcht vor Hexen deutlich zur Geltung.

Wer nicht wenigstens ein grundlegendes Interesse an mittelalterlicher Geschichte besitzt, sollte Kingdom Come: Deliverance wohl eher mit Vorsicht genießen. Nichtsdestotrotz gestalten sich die Quests abwechslungsreich und führen dem Spieler die verschiedenen Aspekte des Spiels vor. So müsst ihr euch manchmal heimlich den Zutritt zu bestimmten Gebieten verschaffen, euch wortgewandt aus gefährlichen Situationen reden oder mit eurem Bogen auf die Jagd gehen. Die Quests besitzen dabei zwar nicht gerade Hollywood-Charakter, die Vorgehensweise bei den Quests bleibt dafür jedoch ganz euch überlassen.

Kingdom Come: Deliverance – Kein Platz für Fantasie

Generell legt Kingdom Come: Deliverance viel Wert auf Realismus. Wollt ihr euch etwa Zugang zu bestimmten Bereichen verschaffen, kann das passende Outfit hilfreich sein. So macht schwarze Kleidung es euch des Nachts leichter, unbemerkt durch die Gegend zu schleichen. Das richtige Wappen, gewährt euch ebenfalls Zutritt zu gesperrten Bereichen. Zudem verschafft euch euer Auftreten auch Vorteile in Dialogen. Heinrichs Hunger und seine Müdigkeit solltet ihr ebenfalls besser im Auge behalten. Wenn ihr zu lange nicht gegessen habt, kann Heinrich sogar verhungern.

Auch das Kampfsystem ist realistisch gehalten. Anstatt wild auf den Feind einzuprügeln, müsst ihr hier mit Taktik und Fingerspitzengefühl herangehen. Hierfür könnt ihr vorgeben, aus welcher Richtung euer Schlag kommen soll. Wichtig ist dabei, dass ihr nicht in ein Muster fallt. Denn dieses wird euer Gegner schnell durchschauen und entsprechend reagieren. Ein gutes Ausdauermanagement ebenfalls unerlässlich. Fällt der Balken auf null könnt ihr euch vorübergehend nicht wehren. Falls ihr in einem Kampf mal den Kürzeren zieht, werdet ihr vermutlich nicht nur mit einem blauen Auge davonkommen. Offene Wunden müssen bandagiert, Knochenbrüche gerichtet werden. Kümmert ihr euch nicht darum, kann auch das tödlich für Heinrich ausgehen.

Lediglich das Balancing der Kämpfe könnte eine Anpassung vertragen. Zum einen, weil die Kämpfe so dünn gesät sind, dass ihr kaum Übung darin haben werdet, sobald ihr auf einen richtigen Gegner trefft. Zum anderen, weil manche Gegner euch geradezu mit perfekten Paraden und Konterangriffen überhäufen. Besonderes letzteres sorgt mehr für Frust, als für Spielspaß. Wer geschickt mit dem Wort ist, kann das Schwert jedoch zum Glück meistens stecken lassen.

Auch das Skillsystem in Kingdom Come: Deliverance ist realistischer als bei vielen Genrekollegen. Anstatt mit jedem Stufenaufstieg Punkte zu bekommen, macht euch hier nur die Übung zum Meister. Redet ihr beispielsweise viel, wirkt sich das positiv auf euren Redegewandtheit-Skill aus. Je mehr ihr mit einer bestimmten Waffe kämpft, umso geübter werdet ihr damit. Es gibt sogar einen Saufskill, der jedes Mal steigt, wenn ihr eure Lampen in der Taverne zum Glühen bringt. Jeder Skill verfügt dabei über verschiedene Perks, die ihr zudem freischalten könnt.

Kingdom Come: Deliverance – Es hätte so schön sein können

Auch wenn, oder gerade weil, Kingdom Come: Deliverance vieles anders macht, sind die Rollenspiel-Aspekte durchaus sehr gelungen. Die Welt wirkt sehr atmosphärisch und die Geschichte wird durchaus spannend erzählt. Auch der relativ geringe kämpferische Anteil des Spiels ist nicht allzu tragisch. Was das Spiel für mich runterzieht, ist nicht das Gameplay, sondern die technische Umsetzung des Spiels.

Angefangen bei den matschigen Texturen und der unspektakulären Grafik, über die zahlreichen leeren Gebäude, in denen man in der Regel nicht mal ein Bett findet, bis hin zu den teils holzigen, unrealistischen Bewegungen der Menschen. Zwar sehen die Cutscenes recht schick aus, sobald ihr jedoch wieder ins Gameplay übergeht, ändert sich das schlagartig.

Auch die Audioqualität lässt zu wünschen übrig. Während des Spielens bleibt die Lautstärke zwar stets auf demselben Niveau, welches ihr in den Einstellungen auch anpassen könnt, sobald ihr jedoch in eine Cutscene übergeht, könnte man den Eindruck bekommen, dass die Charaktere flüstern. Zudem klingt die deutsche Sprachausgabe zwar gut, passt jedoch so gut wie nie zu der Mimik der Charaktere.

Fazit
Kingdom Come: Deliverance ist ein etwas anderes Rollenspiel. Als Heinrich seid ihr kein großer, tapferer Held der die Welt rettet. Ihr werdet auch keine großen, epischen Schlachten schlagen. Dafür dürft ihr in Kingdom Come: Deliverance das Mittelalter aus einer realistischen Perspektive erleben und bekommt dabei noch ein paar historisch korrekte Fakten um die Ohren gehauen. Wer ohnehin angetan vom Mittelalter ist, macht hier nicht viel falsch. Wer jedoch ein technisches Meisterwerk erwartet, sollte lieber seine Finger von dem Spiel lassen.
7
solide
... ist seit Februar 2017 als Redakteur für Spieletester.de tätig. Er ist ein waschechter PS4 Freak, hat 40 Platin Trophies und liebt Herausforderungen wie Dark Souls, Bloodborne oder Nioh.

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