7

Northgard

7.0 /10

Pros

  • Wuselfaktor
  • Clevere Verzahnung der Spielmechaniken
  • Unterhaltsames Mikromanagement der Dorfbewohner
  • Fordernder Schwierigkeitsgrad

Cons

  • Kaum Langzeitmotivation
  • Teilweise nerviges Mikromanagement
  • Unausbalancierte Siegbedingungen

Mit Northgard veröffentlicht Shiro Games ein klassisches RTS-Spiel im Stile von Die Siedler. Wie uns der Ausflug nach Norden gefallen hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Northgard – Auf in den Norden

In Northgard besiedelt ihr als einer von 6 Clans die namensgebende Welt. Die Karten werden hierbei für jede Partie zufallsgeneriert und jeder Clan bringt bestimmte Vorteile mit: so startet der Hirsch-Clan beispielsweise mit einem Bonus an Nahrung, Holz und Kröwns (der Währung im Spiel), während der Ziegen-Clan etwa Schafställe zur Nahrungsproduktion bauen kann. Northgard bietet euch eine 11 Missionen umfassende Kampagne, in der auch Schritt für Schritt alle Spielmechaniken eingeführt werden. Außerdem gibt es einen Einzel- sowie einen Mehrspielermodus für bis zu 6 Spieler. In beiden Spielmodi könnt ihr euch auch wahlweise (zusätzlich) mit KI-Gegnern um die Vorherrschaft in Northgard streiten.

Das Ende einer Partie ist erreicht, wenn ein Spieler eine der 5 an- und ausschaltbaren sowie frei kombinierbaren Siegbedingungen erfüllt. Gewonnen werden kann eine Partie durch militärische Vorherrschaft, die Anhäufung von Ruhm oder Weisheit oder die Vorherrschaft im Handel. Außerdem könnt ihr auch gewinnen, indem ihr eine kartenspezifische Siegbedingung erfüllt, etwa indem ihr Odins Schwert wiederherstellt.

Was uns hier gefällt, ist dass die Erfüllung der Siegbedingungen maßgeblich durch die Wahl des Clans beeinflusst werden kann, da bestimmte Clan-Boni auch bei der Erfüllung bestimmter Siegbedingungen helfen. Ebenso agiert die KI bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad bisweilen angenehm fordernd, weshalb wir uns bereits einige Male in einer sehr heiklen Situation wiedergefunden haben. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass die verschiedenen Siegbedingungen nicht optimal ausbalanciert sind, da Handel oder Forschung euch deutlich schneller zum Sieg führen.

Northgard – Gewusel im Norden

In der kalten, unwirtlichen Umgebung von Northgard ist es als Clan-Oberhaupt eure Aufgabe, euer Dorf auszubauen und euer Territorium zu erweitern. Das alles geht natürlich nicht ohne anpackende Hände, weshalb das Wachstum eurer Bevölkerung ein zentrales Spielelement ist. Damit euer Gemeindehaus aber fleißig neue Wikinger produziert, gilt es die Zufriedenheit eurer Dorfbewohner stabil zu halten. Denn nur zufriedene Wikinger sorgen für Nachwuchs (oder so ähnlich). Aus diesem Grund seid ihr fortwährend damit beschäftigt, die Ressourcen eurer Territorien möglichst gewinnbringend auszubeuten. Es gibt aber noch einen weiteren, weitaus wichtigeren Grund für ein gutes Ressourcenmanagement…

Northgard – Der Winter kommt!

Das herausragendste Merkmal von Northgard ist nämlich zweifellos der Wechsel der Jahreszeiten: Denn während in den Sommermonaten das Leben nur so sprießt und die Beschaffung von Nahrung für eure Wikinger kein großes Problem darstellt, verhält es sich im Winter ganz anders. Wer hier ohne entsprechende Vorbereitung (genug Nahrung und Holz zum Heizen) in den Winter geht, der steht bald vor einer Hungersnot oder einer frierenden, in jedem Fall aber unzufriedenen Bevölkerung. Eine unzufriedene Bevölkerung wiederum ist unproduktiv, wodurch ihr wiederum noch weniger Ressourcen erhaltet. Ihr schlittert also sehr leicht einen verhängnisvollen Teufelskreis, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Am besten lasst ihr es also gar nicht erst so weit kommen. Ergänzt wird diese hervorragende Mechanik durch sporadische Katastrophen wie Erdbeben, die effektive Vorbereitungen erfordern. Dass euch Katastrophen kurioserweise immer Monate im Voraus angekündigt werden, muss wohl als Zugeständnis an ein nicht zu frustrierendes Gameplay gesehen werden.

Da die Monate gnadenlos voranschreiten, steht ihr in Northgard permanent unter dem Druck, euch angemessen auf den Winter vorzubereiten. Dieses Vorhaben wird euch dadurch erschwert, dass ihr pro Territorium nur eine begrenzte Anzahl von Gebäuden bauen dürft. Zu allem Überfluss kommt noch hinzu, dass sich nur bestimmte Territorien für die Nahrungsproduktion eignen, während andere euch einen Bonus auf die Holzgewinnung geben. Hier ist also ein cleveres Management eurer Territorien gefragt. Gleichzeitig steht ihr unter einem gewaltigen Expansionsdrang, da ihr stets neue Gebiete (über Nahrung oder andere Ressourcen) erschließen müsst, damit eure Siedlungen wachsen kann.

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Northgard – Unterhaltsames Mikromanagement

Den absoluten Großteil der Spielzeit werdet ihr allerdings damit beschäftigt sein, eure Dorfbewohner zu managen. Das Grundprinzip ist genauso simpel wie logisch: Baut ihr ein Gebäude (z.B. eine Jagdhütte) passiert dort gar nichts, solang ihr diesem keine Dorfbewohner zuweist, die dann fortan jagen, Holz hacken oder eure Verwundeten heilen. Praktisch: Dorfbewohner, denen ihr keinen Beruf zugewiesen habt, sammeln automatisch Nahrung oder bauen neue Gebäude auf. Dieses Mikromanagement eurer Dorfbewohner ist eine der großen Stärken von Northgard, da ihr stets abwägen müsst, welche Dorfbewohner ihr wo einsetzt. Lieber auf Nummer sicher gehen und mehr Nahrung produzieren oder doch eher Holz für den Winter sammeln? Zuweilen eskaliert das Mikromanagement der Dorfbewohner allerdings auch, wenn wir beispielsweise ständig manuell Dorfbewohner zum Aufbau eines Gebäudes in ein Territorium entsenden müssen, weil sich dort niemand aufhält.

Die verschiedenen Spielmechaniken (Nahrung, Holz, Zufriedenheit etc.) sind clever miteinander verzahnt, so dass ihr ständig eure Arbeitskräfte umdisponieren müsst, um eure Bevölkerung bei Laune zu halten. Leider ist es etwas intransparent, woraus sich die Zufriedenheit eurer Bevölkerung zusammensetzt, was uns an mehreren Stellen etwas frustriert hat, wenn wir partout nicht wussten, warum genau unsere Dorfbewohner jetzt unzufrieden sind.

Das größte Problem von Northgard ist aber der mangelnde Tiefgang. Gebäude verfügen lediglich über eine Ausbaustufe und auch die Möglichkeiten der Forschung oder der Verbesserung eurer Dorfbewohner sind mehr als begrenzt. So unterhaltsam das Mikromanagement der Siedlung zuerst ist, schleicht sich so doch schnell eine gewisse Monotonie in den Spielablauf ein. Hier hätten wir uns definitiv mehr Tiefgang gewünscht, um noch tiefer in die Verwaltung und Planung unserer Siedlung abzutauchen. Aber Moment: Klingt das bisher nicht alles ein bisschen wie Friede, Freude, Eierkuchen? Wo bleibt der Krieg?

Ein Wikinger ohne Krieg? – Wie ein Hund ohne Knochen

Keine Sorge, zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt es in Northgard auch, und das nicht zu wenig. Denn wie bereits angesprochen, müsst ihr in Northgard ständig euer Territorium erweitern, was euch zumeist Nahrung oder (je nach Clan) auch andere Ressourcen kostet. Das Problem dabei: sehr oft ist ein Territorium von Kreaturen besetzt, die ihr erst besiegen müsst, bevor ihr das Gebiet besiedeln könnt. Wölfe sind hierbei noch das geringste Problem, denn neben diesen tummeln sich noch viele weitere Kreaturen wie Bären, Untote, Walküren, menschliche Mitspieler oder KI-Gegner auf der Karte und machen euch das Leben schwer. So werdet ihr auch gerne mal selbst angegriffen und müsst euch verteidigen.

Hier kommt eure Kriegsmeute ins Spiel, die sich aus Dorfbewohnern zusammensetzt, die ihr wahlweise zu Kriegern, Axtwerfern oder Schildmaiden ausbildet. Hinzu kommen, abhängig vom Clan, Spezialeinheiten wie Berserker oder Kriegshäuptlinge, jeweils mit besonderen Boni. Die Kriegsführung selbst läuft indessen recht simpel ab: Ihr entsendet eure Kriegsmeute in ein feindliches Gebiet und diese haut dort alles platt, was sich bewegt. Im Anschluss müssen eure Krieger das Gebiet eine bestimmte Zeit lang halten, bevor ihr es besiedeln könnt.

Hier bekommt das ansonsten sehr wuselige Spiel plötzlich einen ernsten Touch, da eure Krieger keinen Unterschied zwischen feindlichen Kriegern und Zivilisten machen. Nichtsdestotrotz bildet der Kampf einen sehr unterhaltsamen Teil von Northgard, zumal ihr eure eigenen Siedlungen auch mittels Wachtürmen vor feindlichen Angriffen (die nicht selten vorkommen) schützen könnt.


Fazit

Northgard ist ein sehr unterhaltsames Spiel für jeden, der gerne Siedlungen baut und verteidigt und seinen Dorfbewohnern dabei gern genau auf die Finger schaut. Die Wintermechanik setzt euch auf angenehme Weise unter Handlungsdruck, weshalb ihr mehr als alle Hände damit zu tun habt, euren Dorfbewohnern sinnvolle Aufgaben zuzuweisen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen mit menschlichen oder KI-Spielern sowie allerlei Kreaturen haben uns ebenso viel Spaß gemacht. Leider fehlt Northgard aber der Atem, um uns langfristig an den Bildschirm zu fesseln. Dafür sind die fraglos unterhaltsamen Partien entschieden zu kurzatmig.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Northgard
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