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The Swords of Ditto (PC) Test

Mit The Swords of Ditto hat das Entwicklerstudio Onebitbeyond eine RPG-Erfahrung für Jedermann konzipiert. Kein großes Schnickschnack, kein sorgfältiges langwieriges Skillen, kein ewiges Reinfuchsen. Trotzdem brauchen wir wohl mehr als ein Heldenleben, um die Welt von Ditto zu retten.

The Swords of Ditto – Ein Schwert, eine Geschichte

Der Titel The Swords of Ditto könnte einen Irre führen. Denn anstatt einer Vielzahl von Schwertern, können wir in Ditto unsere Helden verfeuern – Das Schwert bleibt das gleiche. Doch beschäftigt man sich ein wenig länger mit der generationenübergreifenden Aufgabe der Helden von Ditto begreift man schnell: Das Schwert das sind wir und wir sind das Schwert.

Unsere kleine Welt Ditto wird von der bösen Hexe Mormo bedroht. Eine düstere Gestalt, die stets von einer violetten Aura umwabert wird. Sie droht dem Volk mit Unterjochung und einer hundertjährigen Schreckensherrschaft. Was fehlt hier wohl? Natürlich ein namenloser Held, der vom Schwert auserwählt ist, dieses Land zu verteidigen. Mit theatralischer Geste ziehen wir das Schwert aus dem Stein, während König Arthur uns mit unserem kleinen Messer wohl aus der Ferne belächelt.

Ein Schwert, viele Helden

Und das war es auch eigentlich schon. Swords of Ditto hält sich nicht mit komplizierten Plotverzweigungen auf. Gut ist gut und böse bleibt vorerst böse. Doch eines macht uns doch stutzig. Kaum haben wir unseren ersten, zufällig generierten Helden das Schwert in die Hand nehmen lassen, geht er Hops. Nanu? Schon vorbei? Dieses Heldenleben auf jeden Fall.

Das erste was sich der/die Spielende fragt ist natürlich: „Was habe ich falsch gemacht?“ und „Bin ich wirklich so schlecht?“. Doch keine Sorge: Die Erstürmung von Mormos furchteinflößenden Turm ist einfach eine Aufgabe, die mehr als einen Helden braucht. Der Reinkarnation des „Schwerts“ (so wie uns die Bewohner nennen) kommt mit einem neuen Körper und natürlich ohne die schicken Gegenstände daher, die unser erster Held sammelte. Und wir haben nur fünf Tage Zeit, um uns für den nächsten Kampf gegen Mormo zu wappnen.

Doch gehen wir diesmal nicht ganz ungerüstet auf ein Neues in die Welt. Zum einen haben wir mit Überstreifen der Heldengarderobe natürlich auch das Schwert wieder erhalten. Das Schwert befindet sich glücklicherweise noch auf dem gleichen Level, wie zu dem Zeitpunkt, da unser früheres Ich es abgegeben hat. Das Schwert ist hier die Hauptfigur an der wir arbeiten.

Ditto 100 Jahre nach der Katastrophe

Zudem ist unser Geldbeutel ebenso voll wie zuvor. Dennoch haben die hundert Jahre Herrschaft Mormos ihre Spuren hinterlassen. Die Wege sind häufiger versperrt, auch sind die Häuser heruntergekommen und die Gegner zahlreicher und stärker. Wir treffen auf Skelette, Zombies, Hexenmeister, Sensenmänner, Kampfroboter, Dämonenritter, Bomben werfende Geisterkatzen und böswillige Batterien?! … Das Übliche. Gegen die müssen wir uns natürlich entsprechend vorbereiten und machen uns auf in die frei erkundbare Welt.

Hier gibt es einiges zu entdecken! Neben größeren Dungeons mit meist leichten bis mittelschweren Rätseln und einer Entlohnung mit Spezialgegenständen und Waffen, warten auch kleinere Höhlen theoretisch hinter jeder Ecke. Hier gibt es Geld, Kristalle und andere Boni einzusammeln. Das Erkunden lohnt sich ungemein. Gerade in den größeren Dungeons, die wir erst mit einem bestimmten Level freischalten können, merkt man kaum, dass die Welt zufalls generiert ist. Die Rätsel sind nie unfair und auch nicht zu simpel – eine gelungene Mischung.

Unter Zeitdruck

Glücklicherweise stoppt die Zeit in den Höhlenherausforderungen. So bleibt uns unbegrenzt Zeit zum knobeln. Dafür rennt die Uhr, sobald wir einen Fuß vor die Tür setzen um so schneller. Da bleibt zumindest gefühlt zu wenig Ruhe, um alles in der knuffigen Comicwelt von The Swords of Ditto zu erforschen. Diese ist immer zufallsgeneriert, also nützt es schon einmal gar nichts, sich die Wege unseres ersten Lebens zu merken. Auf eine Karte, die mit Wachsmalstiften niedlich gezeichnet scheint, können wir grobe Richtungen und Wege erkennen. Doch wie gesagt, einige Male bleibt uns hier der Weg versperrt. Also: Umwege starten und neue Entdeckungen machen!

Die Putzigkeit der Umgebung ist nur von den exzentrischen Bewohnern übertroffen. Beinahe jeder Kommentar der NPCs oder unseres Mentors (ein gigantischer Mistkäfer) ist zum schmunzeln bis hin zu komplett albern. So lohnt sich auch der ein oder andere Schnack, auch wenn es gerade mal keine Belohnungen dafür gibt.

Wenn ein Donut Leben bedeutet

Natürlich bieten einige Stadtbewohner auch ihre Waren an, neben Donuts und Hotdogs zum Auffüllen unserer HP, können wir im Toys-Shop neue Waffen kaufen und sie verbessern. Um uns nicht nur vom Level unseres Schwerts abhängig zu machen, können wir unsere Ausrüstung verbessern. Dafür können wir hübsche Sticker kaufen, die uns verschiedendste Boni verleihen, die auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten nützlich sind. Also lohnt es sich, auch einmal etwas von dem erprügelten Geld aufzusparen.

Also: RPG auf Sparflamme. Auf das Nötigste reduziert und einsteigerfreundlich. Das Kampfsystem ist entsprechend simpel. Mit Fernkampfwaffen zielen wir kurz, mit dem Schwert knüppeln wir einfach direkt auf Mormos Mitstreiter. Im Laufe der Zeit lernen wir auch Spezialattacken wie einen Rundumschlag und finden ausgefallenere Waffen. Mit einem überdimensionalen Golfschläger können wir beispielsweise unsere Gegner einfach in die Tiefe stumpen, während wir mit einem gruseligen Ring eine Art Psystrahl verschießen.

Die Steuerung ist hierbei meist flüssig. Nur unsere erste Fernkampfwaffe – eine kleine Pistole mit Gummigeschossen – ist im Handling aufgrund nicht selbständigen Zielens etwas entnervend. Wer schon einmal mit dem Trigger des Gamepads versucht hat, einen adäquaten diagonalen Winkel in einer dreidimensionalen Welt zu finden, weiß wovon ich rede.

Die Zeit rennt und die Vorräte werden knapp!

So einfach The Swords of Ditto auf der Story- wie Gameplay-Ebene scheint, so fordernd ist es jedoch. Denn das Spiel geizt geradezu mit gewinnbaren Ressourcen, die unser HP auffüllen. Der Laden ist auch irgendwann ausverkauft und in der Welt findet sich so gut wie nichts. Uns geht das Futter aus. Denn unsere Gegner, so einfach sie mechanisch zu besiegen scheinen, landen doch hin und wieder einen Treffer. Dieser Schaden ist nicht zu unterschätzen, sind sie doch zumeist mindestens ein Level über unserem.

Da darf man sich nicht zu schade sein, immer wieder die Gräser zu durchkämmen, schwächere Gegner zu besiegen und auf das beste zu hoffen – Kurz gesagt: Grinden. Das Leveln unseres Schwertes ist manchmal etwas verwirrend. Denn während bei den meisten Gegnern sofort am unteren Bildschirmrand der XP-Zuwachs angezeigt wird, passiert es doch immer wieder, dass anscheinend keine XP nach einem Sieg aufgerechnet werden.

Möglicherweise sind kürzlich gespawnte Gegner wertlos, damit sich die Spielenden nicht nur in einem einzigen Areal aufhalten, bis sie das richtige Level erreichen und auf Entdeckungstour gehen. Doch eine genaue Regelmäßigkeit konnte ich hierbei nicht feststellen. So ist es manchmal schwer abzusehen, welche und wie viele Gruselwesen noch bis zum Levelaufstieg aus dem Weg geräumt werden müssen.

Mit dem Wal-Gott aus der Misere

Ist der erhöhte Schwierigkeitsgrad durch Ressourcenknappheit und Zeitlimit etwas aufgesetzt? Tendenziell leider ja. Dennoch kann man bei richtigem Handling mit ausreichend Training die meisten Treffer vermeiden und die Zeit optimal nutzen. Außerdem erinnert diese Weise des Spieldesigns an die früheren, einfacheren Mechaniken älterer Konsolenspiele, was auch einen gewissen Charme mit sich bringt.

Außerdem bekommen wir im späteren Spielverlauf die Möglichkeit eine riesige Space-Wal-Gottheit (ja, richtig gehört, ein Space-Wal) zu treffen. Nachdem Freischalten des göttlichen Schreins können wir im Kampf gewonnene Fragmente opfern, um die ein oder andere Stunde Zeit, Leben und Ausrüstung zu gewinnen, oder zu „vererben“. So scheint der Weg dann doch nicht ganz so aussichtslos, wie zuerst angenommen.

Wenn ein Heldenleben tatsächlich nicht reicht

So schnetzeln wir uns unseren Weg durch Ditto und schließlich zu Mormos Turm. Dieses immer nach fünf Tagen folgende Endlevel ist vom Schwierigkeitsgrad her immer sehr knackig, auch wenn wir alles Mögliche getan haben, um Mormos Kraft von vorneherein zu schwächen. Selbst als bestens ausgerüstete*r Krieger*in können wir scheitern.

Unser Held fällt und es folgen weitere hundert Jahre Schreckensherrschaft. Ditto und seine Bewohner werden weiter leiden und die Zeiten werden immer düsterer. Bleibt nur zu hoffen, dass ein neuer Namenloser das Schwert ergreift und damit der neue Held von Ditto wird. Kurze Zeit später schlagen wir die Augen auf – in einer neuen Welt und einem neuen Körper. Ein riesiger Mistkäfer erscheint – Das Abenteuer geht weiter!

Fazit
Zusammenfassend lässt sich über The Swords of Ditto sagen: So einfach gezeichnet und dennoch bezaubernd kindlich wie seine Welt, ist die Story und das Spieldesign. Es spielt sich im Grunde simpel und somit eingängig und flüssig. Doch inszinatorisch und atmosphärisch hat das Spiel dann doch mehr zu bieten, als eine abgespeckte Version eines RPGs. Nicht zuletzt durch komische Dialoge, quirlige Charaktere und immer wieder überraschender Gegenstände zeigt das Spiel seinen entzückend kautzigen Charakter. Wer also Interesse, an einem RPG für die Westentasche hat, ist bei The Swords of Ditto gut aufgehoben. Wer gerade an Rollenspielen das feingliedrige Ausbauen seiner Figur und das Verlieren in unendlichen Nebenquests schätzt, den wird dieser Titel wohl weder narrativ von spielerisch ansprechen. The Swords of Ditto bleibt ein netter, alltäglicher Spaß für zwischendurch, aber entwickelt sich leider auch nicht zu mehr.
8
Gut
Written by
Henriette Buss ist seit 2017 Redakteurin bei spieletester.de und forscht innerhalb ihres Studiums zu Videospiel-Inszenierung und interessiert sich besonders für Avatar-Bindungen.

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