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Pokémon Mond/Sonne

Am 27. Februar 1996 fing es in Deutschland an. Vor 20 Jahren fanden die ersten 151 Pokémon ihren Weg in die deutschen Haushalte. Und ich war mittendrin, 9 Jahre jung. Meine Begeisterung kannte keine Grenzen, ich spielte täglich über Stunden hinweg. Immer auf der Suche nach Mew – bis ich die Nummer 151 über einen Exploit endlich erhielt. Es war befriedigend. Und jetzt, 20 Jahre später, bin ich wieder so begeistert. Pokémon Mond Sonne verspricht das mutigste und zugleich beste Spiel der gesamten Reihe zu werden. Wie es sich spielt, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Nachdem die Reihe mit ihren sechs bisherigen Spielen immer noch mehr vom Gleichen bot, wurde die allseits bekannte Formel nicht verbessert, sondern rebootet. Während andere Spiele ihre Traditionen um Mehrspieler-Modi und verschiedene Quality-of-Life-Änderungen optimierten, geht Pokémon Mond Sonne noch viel weiter. Es bringt nämlich viele wichtige Änderungen am Item-Management, der Reise und bei den Kämpfen. Zudem gibt es Neuheiten in Kernelementen des Spiels wie den Arenen und Abzeichen. Viele der riskanten Ansätze, die Tradition zu brechen, sollten sich aber auszahlen. Denn dadurch gelingt es Game Freak, das beste Spiel seit Jahren zu bringen.

Pokémon Mond Sonne

Pokémon Mond Sonne – Ein Bruch mit der Tradition

Bereits zu Beginn der Storyline wird deutlich, dass Game Freak so einiges anders macht. Dabei wurde die klassische Formel des „Gotta catch ´em all auf dem Weg zum Liga Champion“ deutlich erweitert. Der 11-jährige Protagonist des Spiels ist nämlich just von Kanto nach Alola gezogen. Um sich gegen die starken Trainer der neuen Ländlichkeiten zu behaupten, gilt es verschiedene Prüfungen zu absolvieren. Damit das gelingt, gilt es die vier Inseln zu bereisen und sich mit den Menschen, den Pokémon und den eigenen Prioritäten zu akklimatisieren.

Dabei war ich durchaus überrascht, dass die Story sehr viel prominenter in den Vordergrund rückt. Pokémon schert sich eigentlich nur selten wirklich um einen Plot, doch Alola ist faszinierend. Dank des entschlackten Casts werdet ihr dazu ermutigt, alle Charaktere näher kennenzulernen und Beziehungen mit ihnen werden bedeutungsvoller. Und damit schlagen die Entwickler einen großen Bogen zu den Pokémon, denn bisher galt es eben nur zu ihnen eine Beziehung aufzubauen.

Außerdem wurde das klassische „Besuche eine Stadt, besiege den Arenaleiter und gehe zur nächsten Stadt“ ein wenig abgeändert. Stattdessen gibt es nun besagte Prüfungen, die eine deutlich persönlichere Note tragen. Dabei lernt ihr zunächst die verschiedenen Kapitäne kennen und versucht deren Skills schon im Vorfeld auszuloten. Natürlich endet all das in einem abschließenden Kampf und natürlich hat jeder Kapitän ein bevorzugtes Pokémon-Element. Dennoch: Der Weg dorthin ist extrem abwechslungsreich und unvorhersehbar. Und als Pokémon-Veteran ist es gerade dieser frische Wind, der das Spielerlebnis so besonders macht.

Pokémon Mond Sonne – Ein ganz neues Tempo

Dabei muss ich aber auch gestehen, dass diese Herausforderungen mich ein wenig desorientiert ließen. Wie kann ich meine Progression auf jeder Insel steigern, wenn sie unterschiedlich viele Kapitäne haben? Und vor allem verschiedene einzigartige Anforderungen? Wozu muss ich Fotos von Pokémon schießen, um der beste Trainer zu werden? Doch diese Prüfungen und Aufgaben bilden den größten Teil dessen, wie Pokémon Mond Sonne die bekannte Formel auf den Kopf stellen. Ihre Auswirkungen auf die Story sind sehr direkt und das abwechslungsreiche Gameplay bewegt sich in Tandem damit.

Doch das Hauptaugenmerk des Spiels liegt einmal mehr auf den Kämpfen zwischen den Taschenmonstern. Und davon gibt es natürlich wieder unzählig viele – in der Wildnis, gegen andere Trainer, Freunde, im Battle Royale und mehr. Dabei schaffen es die Entwickler, die bisher beste Iteration des Kampfsystems auf die Beine zu stellen. Nicht nur die Präsentation von Pokémon Mond Sonne ist erstklassig, sondern auch die vielen Quality-of-Life-Änderungen. Die Typen-Effektivität ist nun endlich direkt in das Gameplay eingebunden. Damit erspare ich mir also den Blick auf meine schlaue Liste, welcher Typ wogegen effektiv ist. Nachdem ihr ein Pokémon zum ersten Mal gesehen habt, zeigt euch das Spiel automatisch an, ob ein Angriff gut oder nicht gut sein wird.

Daneben gibt es eine neue Hilferuf-Mechanik, bei der wilde Pokémon nach Hilfe schreien werden. Dadurch werden die Zufallskämpfe deutlich entschlackt, weil sie nicht mehr so eintönig wirken. Ich gehörte beispielsweise zu denen, die hohes Gras immer vermieden haben, wenn ich nicht gerade nach spezifischen Pokémon gesucht hatte. Doch nun können aus 1vs1-Partien plötzlich und rein zufällig auch 2vs2-Kämpfe werden.

Pokémon Mond Sonne – Z-Kristalle ersetzen Abzeichen

pokemon_mond_sonne_28112016_1Während es schon immer ein wichtiger Faktor von Pokémon Spielen war, ein starkes Team zusammenzustellen, so ist es im neuesten Ableger umso wichtiger. Und das wird mit einer Änderung ganz besonders deutlich: Anstatt Abzeichen gibt es nun Z-Kristalle. Damit lassen sich alle Pokémon, die den Typ des Kristalls teilen, verbessern – zumindest ein Move. Anstatt also nur ein Pokémon mit einem Mega-Stein (Pokémon X/Y) wirklich mächtig werden zu lassen, kann der Z-Kristall mit jedem Pokémon kominiert werden. Es macht Spaß sie zu nutzen, es sieht cool aus, auch wenn der Vorteil nicht so gewaltig ist wie es immer propagiert wird.

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn all diese coolen neuen Dinge werden teuer mit einer extrem linearen Story und einem unheimlich geringen Wiederspielwert erkauft. Während die Vorgänger immerhin noch eine Sidequests geboten haben, gibt es außerhalb der Prüfungen einfach nichts mehr zu tun auf jeder Insel. Klar, 800+ Pokémon zu fangen ist eine schwere Aufgabe, doch ich war schwer enttäuscht von den Optionen außerhalb der Hauptstory.

Außerdem missfällt mir der absurd leichte Schwierigkeitsgrad. Zwar finde ich den Marker manchmal ganz nützlich, der mir punktgenau sagt, wohin ich gehen muss. Doch es ist nur ein weiteres Anzeichen dafür, dass der Anspruch an den Spieler noch weiter gesenkt wurde.


Fazit:

[blockquote cite=“Adam Smieja“]Adam Smieja Pokémon Mond SonnePokémon gehört zu meiner Kindheit und ich werde sie immer lieben. Und gerade deswegen bin ich so froh, dass sich die Reihe endlich weiterentwickelt und quasi mit seiner Spielerschaft erwachsen wird. Wenn ihr, genauso wie ich, vor 20 Jahren eingestiegen seid, dann wisst ihr schon nach wenigen Spielminuten: Pokémon Mond Sonne ist der beste Ableger der gesamten Reihe. Es gibt so viele Neuheiten wie die Z-Kristalle/Angriffe, Battle Royale, Pokémon Resorts, Insel-Prüfungen, das PokéMobil, das Festival Plaza und so weiter und so fort. Und das Beste: Die lästigen VMs sind endlich weg!

Der Bruch mit der Tradition tut der Reihe so unglaublich gut. Und wenn die Entwickler für den Nachfolger eine etwas vollere Spielwelt liefern, die abseits der Storyline mehr zu tun gibt, dann vergebe ich gut und gerne eine 10. Dennoch: Als Fan erster Stunde müsst ihr sofort zugreifen, denn die Änderungen sind bahnbrechend für die Reihe. Und auch als Neuling gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um sich auf die Jagd nach den über 800 Pokémon zu begeben.
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