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Red Dead Redemption 2 (PS4) Test

Im Test beweist Red Dead Redemption 2, dass Rockstar Games über all die Jahre seit GTA V nicht vergessen hat, wie man neue Spiele entwickelt. Im Gegenteil: Sie sind noch besser als je zuvor! Willkommen zurück im Wilden Westen. Das hat aber auch ein Weilchen gedauert, doch diese Wartezeit sollte sich lohnen. Warum Red Dead Redemption 2 locker zu den besten Spielen des Jahres gehört und warum es vermutlich sämtliche Awards abräumen wird, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen des Artikels.

Amerika, the Land of the Free, 1899. Und damit ist auch sofort klar, dass es sich bei Teil 2 um ein Prequel des ersten Ablegers handelt, denn dieser spielte schließlich im Jahr 1911 und behandelte die Story von Outlaw John Marston. Um den Bogen zu schlagen, besetzt ihr die Rolle von Arthur Morgan, der jener Durch van der Linde Gang angehört zu der sich auch Marston besinnt. Im Rahmen der sehr ausführlichen Storyline erlebt ihr eine Zeit, die mit der sogenannten „Zähmung des Wilden Westens“ verbunden wird. Und im Rahmen der rund 60 Stunden langen Geschichte erfahrt ihr dann auch, wie es zu den Zuständen im Vorgänger kam. Die Van der Linde Truppe lebt sich immer weiter auseinander und gerät des Öfteren in Konflikte, denn die Gruppierung bemerkt schnell, dass die Zeit der Outlaws allmählich vorbei ist.

Red Dead Redemption 2

Red Dead Redemption 2 – Lahmer Start, furioser Abgang

An dieser Stelle muss ich aber auch schon erste Kritik anbringen. So stark der Start des Spiels ist, er zieht sich viel zu sehr in die Länge. Die ersten drei Kapitel bringen die Geschichte so gut wie gar nicht voran. Viel zu sehr wird herumgeplänkelt und eigentlich sind die Charaktere sowie deren Motive nach Kapitel 2 allesamt einleuchtend. Insbesondere Kapitel 3 (von insgesamt 9) entpuppt sich meiner Meinung nach als das schwächste im gesamten Spiel, weil es hier keine neuen Erkenntnisse gibt abseits einer kleinen Überraschung am Rande, die sich aber bereits in Kapitel 2 angedeutet hatte. Und die letzten Kapitel bilden die absoluten Highlights des Spiels.

Das aber soll nicht bedeuten, dass das Writing schlecht ist, keineswegs. Sobald ihr in Kapitel 4 nämlich die weiten Ländereien verlasst und in die Stadt einzieht, zeigt der Titel seine ganze Klasse. Auch zuvor und danach wird die superbe Gruppendynamik spürbar deutlich. Jeder der Charaktere ist sehr eigen und wächst ungemein schnell ans Herz. Bis auf Dutch, aber der soll ja auch ein Arsch sein. Auch wenn die Story sich nicht durch Entscheidungen beeinflussen lässt, so sind es eben doch kleine Dinge, die den Durchlauf spannender wirken lassen – eben eure Reputation, die die Bewohner der Stadt oder eben Spielwelt ganz unterschiedlich auf euch reagieren lassen.

Red Dead Redemption 2Außerdem heißt es auch in Red Dead Redemption 2: Kleider machen Leute. Wer Morgan nicht halbwegs vernünftig kleidet oder ihm einen riesigen Bart aufbrummt, muss damit leben, dass er/sie schlechter behandelt wird von den NPCs als ein gepflegter Morgan. Mal abgesehen davon, dass die Kleidung durchaus dreckig werden kann. Und die Pferde lassen sich auch individualisieren! Rockstar Games hat in Sachen Detailverliebtheit keineswegs gespart.

Red Dead Redemption 2 – Jäger, Sammler, Versorger

Aufgrund der Tatsache, dass ihr in jeder Mission mit irgendeinem Gangmitglied loszieht, entsteht auch schnell eine Art familiäre Beziehung. Um diesen Punkt noch weiter auszubauen, gibt es verschiedene Camps. Dabei handelt es sich nicht nur um ein (kurz- bis mittelfristiges) Zuhause, sondern auch den Dreh- und Angelpunkt vieler Ereignisse. Neben der Möglichkeit, mit euren Mitstreitern zu quatschen oder Spiele zu spielen, könnt ihr für das Wohl der kleinen Gemeinde sorgen.

Das Camp managen ist eine nette Nebentätigkeit im Spiel, die ihr machen könnt, aber nicht müsst. Die drei Ressourcen sind: Nahrung, Medizin und Munition. Für die Nahrung sorgt ihr in erster Linie durchs Jagen, einer weiteren Tätigkeit, der ihr völlig unabhängig von irgendwelchen anderen Dingen im Spiel nachgehen könnt. Das Jagd-Feature ist dabei sehr pfiffig und teilweise besser als in eigenständigen Spielen. Rockstar Games wäre aber nicht Rockstar, wenn sie der potenziellen Beute noch allerhand eigene Eigenschaften gegeben hätte. Legendäre Biester oder seltene Hirsche – alles mit von der Partie.

Red Dead Redemption 2Mit den Materialien könnt ihr irgendwann auch mal euer Camp upgraden und so die Zufriedenheit der Kameraden erhöhen. Außerdem steht es euch frei, jederzeit hart verdiente Dollar der Gemeinschaft zu spenden. Mit dem Geld wiederum kauft ihr besagte Upgrades, Munition für das Lager oder eben Medizin. An den zuletzt genannten Dingen dürft und solltet ihr euch auch selbst bedienen, weil es oftmals leichter ist, eigens gekaufte Gegenstände mitzunehmen als in die nächstbeste Stadt zu reiten. Und ja, es gibt kein Schnellreise-System im Stile eines The Witcher 3. Stattdessen gibt es erst nach einem Camp-Upgrade nur eine Art Schnellreise. Alternativ stehen Zug und Kutsche zur Verfügung, was sich meiner Meinung nach mehr als Notlösung als echte Alternative entpuppt.

Die Spielwelt mag zwar riesig sein, doch im Vergleich zu GTA V habe ich des Öfteren Abschnitte erlebt, in denen über Minuten einfach gar nichts passiert ist. Die Welt wirkte leer und hinterließ somit einen recht eigenartigen Eindruck, denn das bin ich von Rockstar Games nicht gewohnt. Nur gelegentlich passiert etwas abseits des eigentlichen Weges.

Red Dead Redemption 2 – Es gibt verdammt viel zu tun

Neben den ganzen Hauptmissionen, die sich in beliebiger Reihenfolge absolvieren lassen, gibt es noch unzählige Nebenquests. Das sind dann die grauen Flecken auf der wenig übersichtlichen Map sind. Dabei finde ich es durchaus spannend, dass diese Nebenquests nicht selten sogar Folgequests nach sich ziehen und mitunter spannendere Geschichten erzählen als die Hauptmissionen in den ersten Kapiteln dies tun. Die oben erwähnten Zufallsereignisse verfolgen übrigens ein schnell vorhersehbares Schema.

Beispiel gefällig? Seid ihr gerade in einem Wald unterwegs, so werdet ihr definitiv irgendeinen Typen in Not finden. Trotz ihrer Vorhersehbarkeit und schnellen Erledigung helfen diese Intermezzos dabei, eine ansonsten leere Welt mit Leben zu füllen. Und mit leer meine ich: Abseits der Tierwelt tut sich hier nichts. Da bot mir GTA V mit seinem ständigen Fluss an motorisierten Wagen oder schlicht den Passanten am Straßenrand einfach mehr – ich konnte wesentlich mehr Unfug treiben.

Red Dead Redemption 2

Doch genug gemeckert, denn wer Aktivitäten in RDR2 finden will, der tut das auch sehr schnell. Sei es die Kopfgeldjagd, verschiedene Sammelobjekte, die Jagd nach Aliens oder uralten Dinosaurier-Knochen oder eine Angeltour oder, oder, oder. Zudem stehen euch etliche Minispiele zur Verfügung – vom Poker über Blackjack bis hin zum Saloon mit ordentlichem Besäufnis ist alles mit dabei, was Rang und Namen im Wilden Westen hatte. An Authentizität haben die Jungs bei Rockstar Games freilich nicht gespart, sodass die Spielwelt letztlich trotz ihrer offenkundigen Leere in den weiten Feldern sehr organisch wirkt.

Red Dead Redemption 2 – Und wie spielt es sich?

Natürlich ist Red Dead Redemption 2 nicht nur eine reine Community-Simulation. Action gibt es satt. Dabei setzen die Entwickler allerdings auch auf die inzwischen überholte Struktur aus GTA V, die in modernen Spielen merklich altbacken wirkt. Egal wie sehr ihr euch mit den verschiedenen Einstellungen rumplagt, am Ende bleibt das Gefühl, dass das Zielen mit dem Controller einfach nicht wirklich funktionieren will. Und dass es besser geht, zeigen etliche andere 3rd-Person-Shooter. Auch die Ego-Perspektive schafft keine Abhilfe, wenn ihr euch das gerade fragt.

Western-typische Duelle gibt es nur an wenigen Stellen im Spiel, während ihr die Dead Eye-Funktion quasi immer nutzen könnt, sofern eure Dead Eye-Leiste auch gefüllt ist. Diese lässt sich wahlweise mit Zeit, Kills oder über Items (etwa Rum, Zigaretten oder ähnliches) füllen. Während Dead Eye könnt ihr übrigens allerhand Gegnerpunkte markieren, die Arthur dann der Reihe nach anschießt – versucht also möglichst oft wunde Punkte zu erwischen.

Red Dead Redemption 2Das Repertoire an Schießeisen/Waffen kann sich sehen lassen, ist aber mitunter stark limitiert. Gewehre, Flinten, Pistolen, Bogen, Wurfmesser, das obligatorische Lasso und so weiter und so fort. Allerdings lässt sich nur eine begrenzte Anzahl davon mitnehmen, denn irgendwann hat auch der muskulöseste Cowboy keinen Platz mehr – der Rest verschwindet auf eurem treuen Pferd, das ihr pflegen und züchten könnt (die Details erspare ich euch, dann sitzen wir hier noch in 3000 Zeilen an diesem Thema). Übrigens: Es gilt die Waffen gelegentlich auch mal zu pflegen, damit sie nicht an Feuerkraft verlieren oder im wahrsten Sinne des Wortes rosten.

Schick finde ich auch, dass ihr das HUD nach Belieben einstellen könnt. Blendet ihr die Minimap beispielsweise ganz aus, geben euch die NPCs konkrete Wegbeschreibungen zum Ziel. Sehr cool gemacht! Dennoch: Die Bedienung des Spiels insgesamt ist sehr unbefriedigend, die Steuerung völlig überladen. Doppel- und Dreifachbelegungen stehen an der Tagesordnung.

Red Dead Redemption 2 – Ein Augenschmaus

Red Dead Redemption 2Optisch ist Red Dead Redemption 2 eine wahre Pracht. Die Welt sieht einfach atemberaubend aus – vorausgesetzt ihr spielt auf einer PS4 Pro bzw. Xbox One X. FPS-Einbrüche? Die stellte ich nie fest, die Pro hat ihren Dienst bestens verrichtet. Die Effekte können sich sehen lassen und wenn ihr aus Zufall mal in einen richtigen Sturm kommt, die Blitze am Himmel zucken und sich dynamisch Pfützen bilden, dann wisst ihr: RDR2 ist einfach eine Augenweide. Der dynamische Tag-Nacht-Wechsel sorgt in Verbindung mit seinen malerischen Szenerien oder nebligen Sümpfen für das richtige Ambiente – alles wirkt wie aus einem Guss.

Die Animationen der Charaktere sind durchweg gelungen, Unstimmigkeiten gibt es keine. Obgleich ich an dieser Stelle sagen muss, dass die Fallphysik hin und wieder für ulkige Momente sorgt. Die englischen Sprecher liefern einen tadellosen Job ab und lassen die Charaktere nicht nur glaubwürdig, sondern auch authentisch wirken.


Fazit:

Red Dead Redemption 2 bietet so viele Möglichkeiten – all diese irgendwie in einen Artikel zu verpacken grenzt an eine Unmöglichkeit. Zumindest wenn ich euch hier keinen Roman abliefern soll. Der Titel knüpft an die Stärken von GTA 4 an, nutzt die gelernten Lektionen aus GTA 5 und verfeinert die ohnehin schon starke Formel von Red Dead 1 um allerhand frische Ideen. Heraus kommt ein gigantisches Spiel mit nahezu unendlichen Freiheiten. Will ich einfach nur auf die Jagd nach Beute für mein Camp gehen? Kein Problem. Eine Runde angeln? Easy. Doch auch die Story an sich weiß nach einer verdammt langen Durststrecke – namentlich Kapitel 1-3 – absolut zu überzeugen. Die Charaktere sind superb in Szene gesetzt, der Übergang zum ersten Teil wird zum Ende hin von Minute zu Minute, Stunde zu Stunde immer markanter.

Und auch spielerisch gibt es nicht allzu viel anzukreiden. Ja, die völlig überladene Steuerung ist ein wunder Punkt, doch sie tut dem Gesamtpaket keinen Abbruch. Die Missionen sind spannend, abwechslungsreich und die Inszenierung stets erstklassig. Doch am Ende muss ich eine Sache wirklich ganz deutlich machen: Wenn euch lange Ritte in mitunter leeren Landschaften abschrecken, solltet ihr lieber zu GTA 5 greifen. Denn es kann – und wird – häufiger vorkommen, dass einfach fünf oder gar zehn Minuten gar nichts passiert. Wer allerdings aktiv nach Nebentätigkeiten in der Welt sucht, der findet sie auch. Nichtsdestoweniger ist ein Ritt zum (Neben-)Missionsziel oftmals einfach nur eines: Schnöde Warterei.


Dieser Artikel spiegelt ausschließlich die Meinung des freien (hier anonym bleiben wollenden) Redakteurs wider und nicht zwangsläufig die der Redaktion!

Fazit
Der Titel knüpft an die Stärken von GTA 4 an, nutzt die gelernten Lektionen aus GTA 5 und verfeinert die ohnehin schon starke Formel von Red Dead 1 um allerhand frische Ideen.
Gut
  • Riesige Spielwelt
  • Superbe Grafik
  • Klasse Soundtrack
  • Exzellente englische Sprecher
  • Erstklassig inszenierte Story …
  • Starke Dialoge & Charaktere
  • Abwechslungsreiche Missionen
  • Immens viele Nebentätigkeiten verfügbar
  • Nebenmissionen sind oftmals die heimlichen Stars des Spiels
Weniger Gut
  • Völlig überladene Steuerung
  • Keine Schnellreise bis zum Camp-Upgrade und daraus entstehen ---
  • --- viel zu lange Leerläufe ohne Sehenswürdigkeiten oder Ereignisse
  • … die erst viel zu spät in Fahrt gerät
9
Sehr gut

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2 Comments

  1. Also der negativ Punkt, dass es keine Schnellreise Möglichkeiten gibt stimmt so nicht. Man kann sich in der Postmalerei ein Zugticket kaufen und zu den verschiedenen Bahnhöfen per Eisenbahn fahren. Im Lager kann man sich eine Karte freischalten (quasi als upgrade) die im Lager hängt und über diese Karte zu verschiedenen Punkten Schnellreisen oder mit der Postkutsche die in so gut wie jeder Stadt ist ebenfalls Schnellreisen. Dennoch ist mir die Map zu schade um sie zu skippen, da ich gefühlt jedesmal von irgendwas wieder mitgerissen werde als zu meinem eigentlichen reiseziel zu reiten, ob ein paar Hinterwäldler mich versuchen auszurauben oder ich verschiedenste Zufallsbegegnungen mit npcs wie z.B. Hilfeschreie aus dem Wald habe.

    Zu der Steuerung: da kann ich teils zustimmen ( bin im 4 Kapitel), denn ich für mich kommt es eher vor, dass sie im vergleich zu anderen spielen schwieriger ist und somit ungewohnter. Leider passiert es mir dann auch, dass ich Zivilisten versehentlich mit dem Revolver bedrohe anstatt wie gewollt Hallo zu sagen. Allerdings kann ich mir persönlich keine bessere Belegung vorstellen wie man das hätte besser belegen können.

    Reply
    • Hey. Den Punkt mit der Schnellreise habe ich inzwischen überarbeitet – ja, es gibt das Upgrade im Camp, ist meiner Meinung nach aber zu spät. Und die Züge/Kutschen sind imo kein richtiger Ersatz dafür. Wenn ich die Schnellreise mit beispielsweise The Witcher 3 vergleiche, dann ist RDR2 einfach um Generationen zurückgeblieben.

      Reply

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