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Saw: The Game

Saw

Im Jahr 2004 konnte das Studentenprojekt Saw, das für wenig Geld produziert worden war, für immenses Aufsehen sorgen, da der Psycho-Horror durch seine skrupellose Geschichte rund um den besessenen Jigsaw-Killer Kinogänger schockierte und ängstigte. Somit entpuppte sich das Saw-Franchise als Lizenz zum Gelddrucken und feierte einen enormen Erfolg an den Kinokassen, wodurch mittlerweile fünf weitere Teile das Licht der Welt erblickten. Auch wenn die Qualität von Nachfolger zu Nachfolger schlechter wurde und der Reiz mittlerweile etwas verloren geht, hat Saw dennoch eine große Fanbase, die auch aktuell mit dem nunmehr sechsten Teil befriedigt werden will. Zeitgleich zur Leinwandadaption erschien letzte Woche auch das passende Spiel zum Film, das Konami mit den Zombie Studios entwickelte. Kann man den pervers anmutenden Horrortrip auch auf Konsolen platzieren?

Reine Vergangenheit

Anders als zunächst erwartet, lehnt das Spiel nicht an den aktuellen Teil an, sondern erzählt die Geschichte nach dem Erstlingswerk, in dem am Ende zu sehen war, wie der Polizist Tapp in einem Gefecht tödlich angeschossen wurde.  Demnach schlüpft ihr in die Rolle des Inspektors, der vermeintlich von Jigsaw gerettet wird und sich nun in einer alten Toilettenanlage wiederfindet und eine umgekehrte Bärenfalle am Kopf platziert hat, die er sich in einem Quicktime-Event vom Hals schaffen muss.

Tapp wurde somit von Jigsaw gekidnappt und findet sich nun selbst in der Rolle der „Spielfigur“ wieder und muss sich in einer heruntergekommenen Irrenanstalt den tödlichen Spielen zu Wehr setzen, zeitgleich diverse Personen retten und sich von anderen Entführten in Acht nehmen, da diese mit dem Spiel beauftragt worden sind, Tapp zu töten, da er einen Schlüssel in den Brustkorb operiert bekommen hat, der demjenigen neues Leben beschert, der an diesen herankommt. Mit anderen Worten wollen viele „Mitspieler“ euren Tod.

Das Spiel schmückt somit die Geschichte nach dem Ende des ersten Teils weiter aus und soll eine Überleitung zum direkten Nachfolger bilden, was aber nicht richtig funktioniert. Dafür wird die Story zu lasch erzählt und es mangelt ihr an vielen Details, die Saw prägen. Zwar bekommt ihr hin und wieder kleine Zwischensequenzen serviert, größtenteils findet ihr in den vereinzelten Abschnitten aber Fallakten, Tonbänder und Zettel, die mehr und mehr von Jigsaw und seinen Machenschaften preisgeben.

Ich möchte ein Spiel spielen

Wenn die Stimme aus dem platzierten Fernseher im Raum erklingt und man auf dem Bildschirm den berühmten Clown sieht, werden Fans ein breites Grinsen im Gesicht bekommen. Gerade mit diesem Anfang zaubert das Spiel den Filmflair gekonnt auf den Bildschirm, was dank der originalen englischen Stimme von Tobin Bell sehr gut zur Geltung kommt. Die Entwickler schaffen es somit durchaus, den Anfang gut in Szene zu setzen und den Spieler zu fesseln, der versucht, aus der schon angesprochenen Toilettenanlage zu entkommen.

Eine heruntergekommene Irrenanstalt als Ort zu wählen, war eine durchaus gute Idee, denn hier wurden unzählige verwinkelte Gänge und Räume von Jigsaw manipuliert und mit fiesen Fallen bestückt. So kann es passieren, dass ihr innerhalb kürzester Zeit einen Code ausfindig machen müsst, um diesen für das Türschloss zu bekommen, damit ihr den tödlich platzierten Bomben entfliehen könnt. Andererseits muss der Protagonist auch mal mit seinem Arm in ein ätzendes Säurefass greifen, um den am Boden liegenden Schlüssel zu angeln, Stromleitungen durch gekonntes Drehen der Leitungen anzapfen, Zahnräder richtig platzieren oder auch kleine Rohre miteinander verbinden.[]

Die in der Regel sehr linear gehaltenen Areale wirken sehr bedrohlich und sind nur mit spärlichem Licht ausgeleuchtet, sodass ihr zu Anfang nur ein Feuerzeug als einzige Lichtquelle habt. Nach und nach könnt ihr euch aber auch für eine kleine Taschenlampe oder einer Kamera entscheiden, die dank des Blitzes den Raum für wenige Sekunden ausleuchtet. Atmosphärisch macht Saw einen durch und durch gelungen Eindruck, der dank der Unreal Engine funktioniert, da die Entwickler diese gut in den Griff bekommen haben, mit Ausnahme der Charaktere, die detailarm daherkommen und sich oft hölzern und unbeholfen bewegen. Hin und wieder macht sich auch Tearing bemerkbar.

Gerade zu Anfang bringen die Rätseleinlagen viel Spaß mit sich und lockern die beklemmende Atmosphäre der kalten und dunklen Gänge und Räume auf. Fühlt der Spieler am Anfang noch mit Polizist Tapp, wenn dieser in eine Toilette voller Heroin-Spritzen greifen muss und die virtuelle Schmerzskala rasch nach oben schreitet, wird im späteren Verlauf aber deutlich, dass sich Rätsel und Schmerzprüfungen durchweg wiederholen und keine Besonderheit mehr darstellen. Hierbei fehlt es eindeutig an Abwechslung. Größtenteils müssen die meisten Knobelspiele in einer bestimmten Zeit bewältigt werden, die aber nie zu knapp bemessen ist und somit immer fair bleibt.

Allzweckwaffen

Tapps Aufgabe besteht darin, Menschen zu befreien, die in irgendeiner Art und Weise mit ihm zusammengearbeitet haben. Diese Personen werden sterben, wenn sich der kühne Polizist nicht an Jigsaws Abmachungen hält, da diese auf diversen Apparaturen festgekettet sind, die einen schmerzvollen Tod hervorrufen können. Also lauft ihr quer durch die Irrenanstalt, löst Rätsel, erschlagt gegnerische Mitstreiter, die euch an den Kragen wollen und gelangt nach jedem Abschnitt zum Zielraum, in dem ihr die jeweilige Person retten müsst. So finden sich sogar Charaktere aus dem zweiten Teil wieder, wie die zunächst liebreizende Amanda. Leider scheinen die Lizenzen der Schauspieler zu teuer gewesen zu sein, so dass diese ihren virtuellen Nachahmern keineswegs ähneln.

Auf dem Horrortrip durch die große Anstalt müsst ihr vor jeder Ecke Schutz suchen, da es immer wieder vorkommt, dass euch böse Schergen angreifen. Um euch zu verteidigen, stehen euch unzählige Waffen zur Verfügung. Angefangen von Besenstöcken und Scheren, bis hin zu Nagelkeulen, Pistolen und Molotow-Cocktails, wird euch eine große Bandbreite geboten. Ihr dürft jedoch jeweils nur eine Waffe mit euch mitschleppen. Das Problem besteht aber darin, dass die größtenteils im Nahkampf bestrittenen Kämpfe weniger innovativ daherkommen und eher schlecht zu bewältigen sind, was daran liegt, dass die per simplen Knopfdruck ausgeführten Schläge sehr lange brauchen, da die Kampfmechanik ziemlich langsam übersetzt wurde, so dass auch keine Taktik notwendig ist. Schlag ihr zuerst, dann habt ihr im Grunde gewonnen, da euer Gegner keine Chance hat, noch einmal auszuholen, was auch damit zusammenhängt, das die künstliche Intelligenz mehr als dürftig ist.

Überraschend dürfte für viele die Brutalität sein, die Saw an den Tag liegt. So werden Spieler mit Szenen konfrontiert, in denen zu sehen ist, wie anderen Gefangenen der Schädel explodiert. Auch vor viel Blut macht das Spiel keineswegs halt. Hier ist es schon verwunderlich, das die USK das OK gegeben hat und das Spiel ungeschnitten in Deutschland zugelassen hat.

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