Startseite » Testberichte » Shin Megami Tensei IV: Apocalypse

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse (3DS)

8

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse (3DS)

8.0/10

Pros

  • Dunkle, vielschichtige Handlung
  • Komplexes Kampfsystem und Charakter/Dämonenentwicklung
  • Sehr viele, sehr unterschiedliche Dämonen
  • Düsterer Sammelwahn
  • Fusionsmechanik komplex und motivierend

Cons

  • Absolut blasser Hauptcharakter
  • Probleme mit Unübersichtlichkeit in den Arealen/ der Weltkarte
  • Rustikales, eintönige Welt
  • Technisch etwas veraltet
  • Keine deutschte Lokalisierung

Seit einiger Zeit ist wieder der Sammelwahn unter der Spielerschaft ausgebrochen. Den Löwenanteil daran wird wohl Pokémon in seiner Go-Version oder mit den kürzlich erschienenen Sonne- und Mond Ablegern dazu beigetragen haben. Doch wem das ganze Grasgeflüster mit den niedlichen Viechern zu quietschig ist, der schaut bei Alternativen zumeist ganz schön in die Röhre. Nicht so aber im düsteren Shin Megami Tensei Universum. Das von Dämonen beherrschte Tokio kocht nur so über vor Zynismus, Hohn, Mordlust und derlei dunklem Gedankengut. Wer sich dabei nun direkt angesprochen fühlt, der wird auch mit Shin Megami Tensei IV: Apocalypse seine wahre Freude haben. Denn an Komplexität und intensiver Sammelnwut kann kaum ein anderes JRPG heranreichen.

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse – Dämonisch guter Konflikt, göttlich schlechter Protagonist

Tokio, die einst so belebte Metropole im Land der aufgehenden Sonne ist Zentrum eines füchterlichen Krieges und steht am Rande der absoluten Vernichtung. Nur Minuten bevor ein allumfassender Bombenhagel auf die Wolkenkratzer der Hauptstadt niederprasseln soll, findet eine folgenreiche Verbindung statt. Ein unbekannter Held vereint seine Kräfte mit der ansässigen Stadtgöttin und erschafft im letzten Moment eine schützende Kuppel. Ende gut, nichts ist gut. Denn obwohl die Metropole und ihre Bewohner gerettet scheinen, haben die  freigesetzten magischen Kräfte den Dämonen Tür und Tor geöffnet, um in diese angeschlagene Welt einzufallen. Seitdem ist die Stadt in verschiedene, von Göttern und Dämonen geführte Fraktionen, gespalten. Die einen wollen ganz klar die Geschicke der Stadt und ihrer Bewohner leiten, die anderen verfolgen düstere Pläne und wieder andere haben augenscheinlich kein wirkliches Ziel. Das Chaos scheint vorprogrammiert.

In diese unwirtliche Zeit stolpert euer Protagonist „Nanashi“. Doch dass euer Held überhaupt einen Namen trägt ist schon eine absolute Ausnahmeerscheinung, zieht man dessen Wirken für die Handlung in Betracht. Denn obwohl die Haupthandlung gekonnt den tiefgreifenden Zwist zwischen den geheimnisvollen Akteuren einer jeden Fraktion ausspielt und über die die vielen Sequenzen stets spannend zu erzählen weiß, bleibt „Nanashi“ blass wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Kein Ton kommt ihm über die Lippen, was bei der guten Englischen Synchronisation noch tragischer erscheint. Selbst bei wichtigen Ereignissen bleibt euer Alter Ego ein wortkarger Beobachter. Retter der Welt oder dämonischer Prinz? Glas halbleer, halbvoll Mentalität? Wissen werdet ihr es nie.

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse

Wenn ihr euch denn damit anfreunden könnt, so können wir schon mal Entwarnung geben, denn damit hätten wir den größten Kritikpunkt an Shin Megami Tensei IV: Apocalypse abgehandelt.

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse – Düsterer Sammelwahn

Wo der Hauptcharakter „Flynn“ aus dem normalen „Shin Megami Tensei IV“ noch Konturen auszuweisen hat und „Nanashi“ mehr wie ein Geist die Stadt unsicher macht, teilen sie glücklicherweise eine gemeinsame Vorliebe. Dies ist das Bezirzen und Rekrutieren von dämonischen Mitstreitern für eine schlagkräftige Kampftruppe. Wer sich in diesen zerrütteten Zeiten behaupten will, der braucht im Fall von Shin Megami Tensei IV: Apocalypse keinen göttlichen, sondern dämonischen Beistand. Dass sich dabei aller Nase lang eben jene höllischen Wesen auf den Straßen tummeln, kommt euch also wieder einmal nur zugute. So genießt euer Held alle Vorzüge ein Hunter zu sein. Eine Fraktion, die in der Lage ist mit ihren Smartphones Dämonen frei nach ihrem Willem zu beschwören.

Shin Megami Tensei IV: ApocalypseBevor sich aber eines dieser hinterlistigen Wesen in euer digitales Netz verirrt gilt es, wie schon bei den Vorgängern, ordentlich Überzeugungsarbeit zu leisten. Anders als bei den kunterbunten Taschenmonstern der Konkurrent ist hier Überredungsgeschick gefragt. Manche Dämonen sind eitle Wesen und wollen bezirzst werden. Wieder andere brauchen mal einen gepflegten Tritt in den Allerwertesten, bevor sie ihre Meinung über euch ändern. Ein jeder hat sein ganz eigenes Pläsierchen. Doch solltet ihr dabei nicht die Eingangs erwähnte Hinterlist vergessen. Nur weil ihr reichlich Geschenke verteilt habt, kann euch das gemeine Viech trotz allem einfach sitzen lassen. Nur gut, dass ihr endlich bei einem erneuten Aufeinandertreffen zuvor begonnene Konversationen fortsetzen könnt. Ein großer Vorteil im Gegensatz zum Vorgänger, da ihr so doch noch eine Chance habt besonders zickige und meist seltene Gestalten eurem Team hinzuzufügen.

Speziell bei der ausgefallenen Gestaltung eines jeden Dämons wird der Sammelwahn niemals langweilig. Bedenkt man auch noch die reichhaltigen Einflüsse auf eure Kampftaktiken, macht der zuvor betriebene Aufwand erst recht Sinn.

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse – Für Taktiker und Spezialisten

Nicht nur das Sammeln steht im Zentrum eures Spießrutenlaufs durch die verschiedenen Fraktionen und ihren intriganten Ränkespielen. Auch mit dem Kampf werdet ihr euch immer wieder auseinandersetzen müssen. Serientypisch könnt ihr für jeden Kampf aus dem Pool eurer „gefangenen“ Dämonen wählen. Jeder mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Die Aufstellung eures Teams ist entscheiden für den Sieg. Somit seid ihr angehalten, eure Aufstellungen regelmäßig zu ändern. Zudem spielt es eine Rolle, jeden Kämpfer genau unter die Lupe zu nehmen.

Shin Megami Tensei IV: ApocalypseEure intensive Vorarbeit macht sich spätestens in einem der Bosskämpfe bezahlt. Im Gegensatz zu den normalen Gefechten gegen ebenso normale Dämonen, spielt hier die Analyse der erwähnten Stärken und Schwächen bzw. Elemente eine Rolle.  Zugweise liefern sich dann euer Team und das des Gegners harte Gefechte in bester JRPG-Manier. Das kluge Kombinieren von Attacken und Aufladen von Spezialangriffen aller Kämpfer ist der einzige Weg Oberwasser zu halten. Zumindest dann, wenn ihr nicht auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad spielt. Hebt ihr den Hebel aber bereits ein Mal an, wird „Shin Megami Tensei IV: Apocalypse“ ein wirklich harter Brocken. Glücklicherweise lässt sich der Schwierigkeitsgrad jederzeit ändern und freies Speichern tut sein Übriges.

Ihr müsst aber keineswegs die Befürchtung haben, mit nur ein paar ausgewählten Dämonen mehr als die Hälfte des Spiels ohne weitere Probleme bewältigen zu können. So wie es beispielsweise noch im normalen vierten Teil der Fall war. Dieses Mal scheint Entwickler Atlus eine deutlich bessere Balance hinbekommen zu haben, von der speziell das so wichtige Fusionieren und der rege Austausch von Dämonen profitieren.

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse – Fuuuusion HA!

Das wohl wichtigste und gleichzeitig spaßigste Spielelement von Shin Megami Tensei IV: Apocalypse ist das Fusionieren eurer Dämonen. Mit jedem gewonnenen Kampf erhalten eure fiesen Mitstreiter Erfahrungspunkte und steigen im Level auf. Doch immer wieder die gleichen Gefährten aufzustufen und in den Kampf zu führen, ist auf Dauer nicht nur eintönig, sondern beraubt euch auch des riesigen Potenzials einen neuen, noch viel stärkeren Dämonen selbst erschaffen zu können. Alles getrieben durch die Fusion zweier in eurem „Besitz“ befindlicher Monster.

Shin Megami Tensei IV: ApocalypseDoch ist das Fusionieren viel mehr als reine Addition von Statuswerten. Ein so entstandener neuer Begleiter ist natürlich stärker. Er erhält durch seine „Eltern“ aber auch besondere Fähigkeiten oder die nächst höhere Stufe einer Attacke. Auch die Möglichkeit diese auf euren Helden zu übertragen wird erst so möglich. Doch das System geht noch deutlich weiter. Ihr könnt bestimmte Affinitäten, Schwächen und Stärken gezielt ausbauen und nur die seltensten bzw. mächstigsten Dämonen sind über diesen Weg erhältlich. Na, ist die Sammelleidenschaft geweckt?

Eine entscheidende Neuerung ist in diesem Zusammen übrigens die Möglichkeit Fusionen nun direkt im Kampf durchführen zu können. Wenn es also doch mal so richtig brenzlig wird und ihr einen langen, anstrengenden Kampf unbedingt gewinnen wollt, ist es äußerst hilfreich noch während das Geschehen im vollen Gange ist, einen vollkommen neuen Dämonen einsetzen zu können. Das eröffnet neben den ansonsten schon vielen relevanten Stellschrauben im Kampf komplett neue Wege Kämpfe nachhaltig zu beeinflussen.

Shin Megami Tensei IV: Apocalypse – Höllisch rustikal

Shin Megami Tensei IV: ApocalypseWährend man in Sachen Sammel-Potenzial und Fusions-Vielfalt durchaus neue Maßstäbe für das Genre setzen kann, gilt für die Gestaltung des allgemeinen Gameplay eher das Motto „piano“. Viel geschieht auf der Weltkarte mit Anlaufpunkten oder in recht detailarmen 3D-Umgebungen, die ihr immer und immer wieder aufsuchen werdet. Das ist nicht zwangsläufig dem Missionsdesign geschuldet, sondern vielmehr der allgemeinen Unübersichtlichkeit. Wo haben sich neue Bereiche geöffnet, wo sind Barrikaden auf Grund eines Ereignisses in der Handlung eingebrochen? Das zieht den mitunter behäbigen Spielablauf nochmals und dieses Mal auch durchaus unangenehm, in die Länge. Viel wird davon glücklicherweise durch den allgegenwärtigen Sammelwahn wett gemacht, schließlich habt ihr so die Chance immer wieder neuen Dämonen und potenziellem Fusionsmaterial zu begegnen.

Gewöhnungsbedürftig dürfte auch der Mischmasch aus 3D-Elementen und 2D-Sprites wirken. Doch entgegen ersten Befürchtungen frischt diese Kombination das ansonsten recht eintönige Design deutlich auf. Speziell die Gestaltung aller Figuren und Dämonen kann sich in diesem Fall sehen lassen und wirkt Serien typisch bizarr aber gleichzeitig angenehm unverbraucht.

Unverbraucht scheint aber leider auch der Pool an deutschen Übersetzern zu sein. Falls ihr euch also in die Tiefen des Dämonen verseuchten Tokios vorwagen wollt, solltet ihr des Englisch durchaus mächtig sein. Japanische Originalstimmen gibt es leider auch wieder nicht.


Fazit:

Dustin Gerstenberger-Zange Shin Megami Tensei IV: ApocalypseWem die kunterbunte Sammelhatz eines Pokémon zu quietschig ist und wer Wert auf eine düstere und durch bizarre Erscheinungen geprägte Welt legt, dabei aber nicht auf eine ähnlich dunkle und komplexe Handlung verzichten möchte, der ist auch mit „Shin Megami Tensei IV: Apocalypse“ wieder gut beraten. Wenn auch der Protagonist noch deutlich an Kontur gewonnen hätte, wäre sogar noch viel mehr drin gewesen. Doch dies ist nichts, was die Komplexität der Kämpfe und der Fusionsmechanik nicht auffangen würden. Versteht uns aber keinesfalls falsch, Shin Megami Tensei IV: Apocalypse ist nicht nur ein Pokémon für Erwachsene. Es ist ein ausgereiftes JRPG das sich serientypisch vielschichtig in all seinen Facetten präsentiert und trotz leichter technischer Einbußen erneut als vollwertiges Rollenspiel überzeugen konnte.

Was sagst Du?

0 0

Kommentar hinterlassen

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

x
Gibst Du uns ein Like?:Schon geliked? Dann kannst Du es schließen.