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Spitkiss (Android) Test

Im Mobile Game Spitkiss sind wir auf farbenfroher Liebesmission. Das dänische Entwicklerstudio Triple Topping Games präsentiert uns in ihrem preisgekrönten Indietitel ein kurze Geschichte voll kauziger Charaktere und polyamoröser Tendenzen. Es wird geflirtet, geschmust und… gespuckt? Im Test klären wir, ob diese Art zu werben von Erfolg gekrönt ist. Vielleicht tauschen wir ja auch bald Armors Pfeil gegen eine riesige Portion Spitkisses.

Spitkiss – Leuchtende Farbe und feuchte Aussprache

Hach, wer hat sich nicht schon diese Situation in seinen Träumen ausgemalt. Man ist im Garten, die Sonne scheint, das Rasenmähen macht heute sogar Spaß. Doch dann! Ein Blick zur anderen Seite der Hecke und da steht ER! Gelb, mit einem trapezförmigen Kopf und absolut unwiderstehlich.

Die glühenden Blicke treffen sich. WRHAM! Es trifft sie wie ein Schlag. Ein Regen aus Liebespfeilen prasselt herab und sie ist von Stund auf dem neuen Nachbarn verfallen. Nun gilt es sich anzunähern. Wer Feingefühl hat, weiß natürlich, dass pikante Botschaften subtil  überbracht werden müssen. Also nehmen wir den Mund ordentlich voll und spucken drauf los.

Klingt komisch? Ist es auch. So traditionell und simpel die Story um eine junge Liebe scheint, so kreativ wird sie verarbeitet. Beispielsweise ist diese Liebesgeschichte nicht nur auf zwei Parteien beschränkt, sondern auch für weitere Flirtwillige geöffnet. Auch arbeiten wir uns nicht durch die verschiedenen Stadien der Verliebtheit, sondern durch Herz, Lunge und natürlich Magen unser Protagonistin!

Die Geschichte erzählt sich in trippy Comics in denen Formen, Farben und Settings so wild vermisch werden, dass man sich im Spiel der Entwickler*innen vom Studio „Lucy in the Sky with Diamonds“ vermutet. Diese Comiceinlagen führen die Kapitel ein und dienen auch als Belohnungen für einen gemeisterten Abschnitt. Das Design ist durchweg bezaubernd und die Story humorvoll eingearbeitet. In seiner Knuddeligkeit muss man dieses Indiespiel einfach lieb gewinnen.

„Swipe-to-Jump“

Doch wie erobern wir nun die verschiedenen Figuren? Nach Ende eines Comics haben wir verschiedene Level innerhalb der Innereien zu bestreiten. Diese bestehen aus einer Art Raum, in dem sich die zwei Flirtenden positionieren. Am unteren Bildschirmrand zeigt sich das Organ, das wir gerade bespielen.

Hier legen wir unseren Daumen als Zielvorrichtung ab. Hier zeigt sich Spitkiss‘ neue Steuerungsfunktion: Das „Swipe-to-Jump“-Prinzip. Der Charakter, der eine Liebesbotschaft vermitteln möchte bekommt einen kleinen Spuckeball, den wir nun mit unserem Daumen durch den Raum schießen müssen, um den/die Angebetete*n zu treffen. Hoffentlich wartetet eine zuckersüße Erwiderung auf uns!

Im Raum gibt es dann allerlei Hürden zu meistern und Hilfen gekonnt auszunutzen. An glatten Plattformen gleitet unsere spritzige Botschaft langsam ab und kann erneut geworfen werden. Stachel und kleine fiese Gegner zerstören unsere Spuckeblase. Auch müssen manchmal erst Schalter betätigt werden, um weitere Wege frei zu räumen. Aber Trampolinplattformen und kleine Hilfetröpfchen zum erneuten Anvisieren machen den Weg unseres Spitkiss leichter.

Die Mechanik hält sich ganz an das alte Arcade-Credo: „Easy to learn, Hard to master“ dem sich die Casual Games klassischerweise verschreiben. Jedes neue Parkourelement wird sorgsam eingeführt, während der Schwierigkeitsgrad schnell anzieht.

In der Liebe ist Timing alles!

Nicht zu Unterschätzen ist die Meisterung zeitkritischer „Sprünge“, denn die Schwerkraft wartet nicht, bis du den perfekten Winkel gefunden hast. Naja, ein bisschen schon. Geht es ans Weiterspringen, verlangsamt sich glücklicherweise die Zeit. Die Spucke tropft langsamer und die rotierenden Gegner schalten einen Gang zurück. Dennoch ist auch gerade deswegen das Abschätzen, der Zeit, die man für einen bestimmten Weg braucht, kniffliger als gedacht.

Die kleinen Parkoure sind recht kurzweilig. Hat man den Dreh einmal raus, dauert es höchstens 30 bis 40 Sekunden bis die Liebesbotschaft beim Objekt der Begierde ankommt. Doch bis man eben diesen Weg gefunden hat, kann man sich schon ein ums andere mal die Haare raufen. Im Gegensatz zu manchen anderen Mobile Games, die einen nach zwei oder drei Versuchen den Erfolg quasi schenken, ist Spitkiss streckenweise recht anspruchsvoll. Eben weil jeder Fingerdruck für einen flüssigen Durchlauf sitzen muss. Das braucht Übung!

Von stummen Helden zu Schlabbersounds

Ein wenig enttäuschend ist die „Belohnung“ nach erfolgreichem Geturtel. Nach Beendigung des Levels wird man lediglich mit einem Emojiaustausch zwischen zwei stummen Liebenden abgespeist. Diese sind meist nichts- bis wenigsagend und motivieren nicht unbedingt zum weiterspielen.

So stellt sich Spitkiss wieder einmal gegen gängige Casual Game- und Arcade-Mechaniken: Keine Sterne, keine Punkte, keine Medaillen. Der Storyfortschritt ist einziges Ziel und einziger Anreiz. Doch auch der narrativ fokussierte Spieler hätte wohl nach einem aufwändigen Level mehr erwartet, als das Piktogramm eines Geschenks in einer Sprechblase. Die Spucke trägt vielleicht doch nicht ganz über die Sprachlosigkeit hinweg.

Die Sounds von Spitkiss kann man größtenteils als unauffällig beschreiben. Als Hintergrundmusik lauschen wir meditativen Loops. Eine Sprachvertonung gibt es aufgrund der stummen Protagonisten natürlich auch nicht. Den Comic blättern wir, wie wir es zuhause tun würden: In Ruhe!

So weit, so unaufgeregt. Doch um beim Spuckethema zu bleiben, hat sich das Spiel ein kleines Horrorelement für alle Schmatz- und Essgeräuschephobiker ausgesucht. Bei allem Zielen und Schwabbeln matschen wir wohl deutlich vernehmbar in irgendwelchen Flüssigkeiten herum. Ein Verweis auf die feuchten Münder der Liebenden? Eine Anspielung auf die Organe, in denen wir mit unserem Finger herumwühlen? Ein bisschen ekelig, aber zumindest mal eine neue Art des Gesprächs.

Fazit
Das Spiel bietet uns zusätzliche Möglichkeiten. Wir können unsere Freunde herausfordern, bis einem der Mund trocken bleibt. Auch geht der Spielspaß dank Leveleditor nicht aus. Das ganze Paket gibt es momentan im Early Access für 1,49 Euro. Hier sind wir auf drei Organe mit insgesamt 48 Level beschränkt. Die Vollversion wird noch folgen und zwei weitere Ebenen hinzufügen - dann immer noch zum recht günstigen Preis von 1,99 Euro. Zusammenfassend ist Spitkiss präziser Swipe-to-Jump-Spaß, zusammengehalten durch eine verschwurbelte Liebesgeschichte. Dabei schafft Triple Topping Games ein ausgewogenes Mobilegame mit der übersichtlichen Geschichte eines Casual Games gepaart mit simpler Arcade-Mechanik. Ein kurzweiliges Spiel für zwischendurch, dem abgrenzend zu anderen Titeln die Ulkigkeit und Selbstironie nicht verloren gegangen ist. Wer also keinen Rängen nachlaufen möchte, sondern sich auch gerne mal mit putzigen Comics entlohnen lässt, ist hier gut aufgehoben. Im Genre der mobilen Jump'n Runs ist Spitkiss in jedem Fall eine kleine, ästhetisch ansprechende Indieperle. Auch wenn sie vielleicht etwas angesabbert ist.
Gut
  • Tolle Comicästhetik
  • Simple, doch putzige Story
  • Anspruchvolles Arcade-Gameplay
Weniger Gut
  • Unzureichendes Belohnungssystem
8
Gut
Written by
Henriette Buss ist seit 2017 Redakteurin bei spieletester.de und forscht innerhalb ihres Studiums zu Videospiel-Inszenierung und interessiert sich besonders für Avatar-Bindungen.

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