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State of Mind (PC) Test

In State of Mind zeichnet Daedalic eine dystopische Zukunftsvision des Berlin in den 2050er Jahren. Diese Welt hat mit allen üblen Nebenwirkungen einer voll digitalisierten und technologisierten Gesellschaft zu kämpfen. Ob sich diese Mischung aus I Robot und Gone Girl in einem Adventure gut erzählt, erfahrt ihr hier im Test.

State of Mind – Zwei Körper, ein Unfall

State of MindDer Einstieg in die Geschichte ist ebenso kryptisch, wie diese moderne Welt, die wir erst noch begreifen müssen. Wir schreiben das Jahr 2048 des neuen Berlins. Der junge Familienvater und technologie-kritische Autor Richard erwacht nach einem schlimmen Unfall im Krankenhaus. Er kann sich an nichts Genaueres erinnern. Doch in schmerzlichen Flashbacks visualisiert er nicht nur seine Verwicklung in einen tragischen Autounfall, sondern auch in einen furchtbaren Anschlag.

Nach Verlassen des Krankenhauses überschlagen sich die Ereignisse. Seine Frau und seine Kinder sind verschwunden. Stattdessen steht einer der von ihm so verhassten Haus-Roboter plötzlich in seiner Wohnung. Richard glaubt sich von seiner Frau verlassen und um seinen Sohn beraubt. Er begibt sich auf die Suche nach den Puzzleteilen, die zur Aufklärung seiner Unfallursachen und zum Verbleib seiner Familie führen sollen.

Gleichzeitig erwachen wir im Körper von Adam. Adam ist einer der wenigen Profiteure und ein Befürworter dieser neuen, vollautomatisierten Welt. Doch auch ihm stößt ein mysteriöser Unfall zu. Seine liebende Frau und sein hochbegabter Sohn sind ihm geblieben, zumindest physisch. Denn während seine Frau in Arbeit ertrinkt muss sein Sohn tagtäglich vier Stunden in eine Klinik, um Tests zu absolvieren, über die keiner genaue Auskunft geben will.
Gleichzeitig beginnt dieses neue Berlin an seiner Modernisierung zu zerbrechen.

State of Mind – Move-and-Click

Das große Rätselraten beginnt! Dies ist der erste Hinweis darauf, dass die Genre-Zuweisung Action-Adventure, die beispielsweise Wikipedia anführt, nicht ganz zutreffend ist. Die Mechanik lehnt sich sehr an klassische Point-and-Click-Adventure an, nur eben ohne statische Bildwechsel. Deswegen würde ich es eher als einen Move-and-Click-Adventure-Thriller mit Puzzle-Einlagen bezeichnen, der sich jedoch eher als interaktive Geschichte entpuppt. Im Folgenden erkläre ich euch, was ich damit meine.

Aus der Third-Person-Perspektive bewegen wir uns als Richard oder Adam durch die Welt. Dabei checken wir Infos zu allen anwählbaren Objekten und fügen sie wenn möglich unserem Inventar hinzu. Immer wieder lösen wir dabei kleine Rätsel oder sprechen mit einigen wenigen Bewohnern Berlins.

State of Mind – Optionen ohne Entscheidungen

State of MindDie Dialoge bieten uns einige Entscheidungsmöglichkeiten. Dabei geht es meist um moralische Fragen oder um die Art und Weise, wie wir uns vor unseren Mitmenschen präsentieren. Leider bemerkt man schnell, dass die Entscheidungen so gut wie keinen Einfluss auf die Handlung haben. Die Geschichte wird linear erzählt und der Part, den wir dabei spielen, ist lediglich Dekoration. Ob wir bei unserem Rauswurf einer großen Zeitschrift auf den Tisch hauen oder einsichtig sind, ändert nichts an dem Umstand: Wir werden gefeuert.

Genau wie Berlins Gesellschaft von höheren Mächten gelenkt wird, ist auch der Spieler dem Strudel der Ereignisse von State of Mind schutzlos ausgeliefert. Dieser Umstand hat inszinatorisch natürlich einen gewissen Reiz, bringt einen jedoch immer wieder auf die Frage zurück: Was soll ich hier dann eigentlich?

Dennoch entspannt sich der Thriller, besonders um den Verbleib von Richards Frau, vorerst packend. Der Spieler muss immer wieder selber Gesehenes gedanklich zusammenführen und Schlüsse ziehen. Hier ist weniger definitiv mehr, denn das Spiel ist nicht darauf fokussiert, einem jede geschichtlichen Wendung vor zu kauen. Detektivisches Engagement ist gefragt!

Leider führt das quälend langsame Move-and-Click dazu, dass sich weite Teile der Geschichte etwas träge entwickeln. Die Geschichte dümpelt etwas vor sich hin, obwohl wirklich spannende Ereignisse ins Haus stehen. Der Geschichte fehlt es deswegen nicht an Spannung, lediglich an Geschwindigkeit.

State of Mind – Die dystopische Welt

Ein großer Pluspunkt ist die herrlich pessimistische Zeichnung der neuen Welt. Diese lernen wir einmal von der Gewinnerseite, aus Adams Perspektive kennen. Adam scheint über der Stadt in einem himmlischen Bezirk zu wohnen. Alles besteht aus Glas und Stahl. Das Viertel scheint fast wie ausgestorben. Augenscheinlich bestätigen sich die Entwicklungen, dass immer weniger Leute, einen Großteil des Reichtums zwischen sich aufteilen.

Wir bekommen jedoch auch eine Ahnung von den Zuständen auf der Verliererseite. Zwar ist Richard bisher ein erfolgreicher Autor mit einer hübschen Wohnung. Sie befindet sich jedoch in einem ärmeren Umfeld und da er neue digitale Bequemlichkeiten ablehnt, streikt auch schon mal der ganze Haushalt.

Das Ghetto, in dem Richard wohnt, ist von vielen Armen und Hungernden bevölkert. In der modernen Welt sind Ressourcen knapp. Dennoch soll der Konsum angekurbelt werden, weswegen uns auch die Werbung bis vor das heimische Fenster verfolgt.

Um den Fokus dieser dystopischen Gesellschaft zu verstehen, muss man nur einmal das Radio einschalten.Von Krieg ist da die Rede, doch niemand spricht von verwüsteten Landschaften und menschlichen Opfern. Nein, die Hauptmeldung ist die Masse an Rohstoffen, die während des Gefechts unnutzbar gemacht wurden.

Über die grafische Präsentation kann man sich herrlich streiten. Die einen finden es künstlerisch wertvoll und wunderbar futuristisch, ich kann diese eckig schimmernden Körpersplitter leider nicht mehr sehen. Zu viele Spiele haben sich mittlerweile auf dieser geometrischen Ästhetik ausgeruht, dass es einem langsam fast wie ein billiger Trick erscheint, um in Gesichtern an Details zu sparen. Alles wirkt dadurch doch recht hölzern.

Fazit
State of Mind hat so viele gute Ideen und macht bei diesem Ausblick in die Zukunft auch schön missmutig und depressiv. Leider trägt sich die Point-and-Click-Mechanik nicht über die ganze Strecke der Handlung. Wer sich frei bewegen kann, möchte mehr Optionen bekommen, als nur mit sehr wenigen Personen und Objekten zu interagieren. Daedalic als deutsche Großmeister des Point-and-Click haben wieder einmal eine tolle Geschichte abgeliefert, die jedoch spielmechanisch etwas lahmt.
Gut
  • Detaillierte dystopie
  • Packender thriller
Weniger Gut
  • Träges Gameplay
7
solide
Written by
Henriette Buss ist seit 2017 Redakteurin bei spieletester.de und forscht innerhalb ihres Studiums zu Videospiel-Inszenierung und interessiert sich besonders für Avatar-Bindungen.

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