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Tekken 7 (PS4) Test

Tekken 7

9

Tekken 7

9.0/10

Pros

  • Superbes Charakter-Aufgebot
  • Starkes Kampfsystem
  • Abwechslungsreiche Stages
  • Rage Arts bringen zusätzliche taktische Tiefe
  • Sehr gute Personalisierungen
  • Ausgezeichneter Trainings-Modus
  • Stabiler Netzcode im Online-Modus
  • Toller Soundtrack
  • Optischer Leckerbessen
  • Wenige Änderungen in den letzten 20 Jahren

Cons

  • Schwacher Story-Modus
  • Neue Charaktere zu lieblos eingeführt
  • Arcade-Mode insgesamt zu flach
  • Wenige Änderungen in den letzten 20 Jahren

Im Test überzeugt Tekken 7 mit einem starken Aufgebot an Kämpfern und einer brillanten Kampfmechanik. Doch es gibt auch Kritik – vornehmlich der schwache Storymodus und die im Vergleich zu Injustice 2 wenigen Spielmodi. Reicht es für den Genre-Thron? Erfahrt es in den nachfolgenden Zeilen!

Wenn die Mishimas sich weiterhin von Klippen werfen und Dämonen die Welt bedrohen, dann ist klar: Tekken ist wieder da. Bevor ich auf das exzellente Gameplay zu sprechen komme, muss ich aber über die Storyline des Spiels meckern. Wenn ihr Injustice 2 gespielt habt, dann wisst ihr, dass Kampfspiele durchaus Geschichten erzählen können, während sie nahtlos Kämpfe darstellen. Das funktioniert auch so in Tekken 7. Die nahtlosen Übergänge von Erzählung zu Kampf sind cool gemacht, doch die Geschichte selbst enttäuscht. Alles beginnt mit der Mishima Saga, wo ihr zunächst eine Geschichtsstunde miterlebt. Heihachi wirft seinen Sohn Kazuya einfach mal einen Berg herunter. „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker“ oder so.

Zwar ist es interessant herauszufinden, wie die Mishima Familie auseinandergebrochen ist, aber die Erzählweise ist schwach. Überall lassen sich Plot-Lücken finden, irrelevante Charaktere kommen zum Ausdruck und die großen emotionalen Ereignisse werden schlicht plump dargestellt. Eigentlich mag ich ja japanische Serien und deren Stil. Tekken 7 bedient sich derer Stilrichtungen. Und trotzdem wollte der Funken einfach nicht überspringen. Und das hat einen Grund.

Tekken 7

Tekken 7 – Die Story-Kämpfe sind langweilig

Die Inszenierung der Story ist cool, aber die Kämpfe an sich grauenvoll. Oftmals müsst ihr einfach mehrmals gegen denselben Charakter kämpfen. Und wenn ihr dann zwischendrin verliert, müsst ihr das gesamte Segment wiederholen. Zwar versucht das Spiel euch so gut es geht zu helfen, aber am Ende fühlt es sich an als würde man versuchen ein fünftes Rad ans Automobil zu packen. Und so spammt ihr dieselben Moves und trickst euch durch die Episoden. So lernen Neulinge auch nicht die Mechaniken kennen.

Tekken 7Außerdem ist die Mishima Saga kein guter Einstand für ein Sequel. Die neuen Charaktere bekommen einfach viel zu wenig Screentime, sodass sie mehr oder weniger Nebendarsteller sind, die keiner weiteren Beachtung würdig sind. Die Nebenmissionen mit Law und Co, die ihr freischaltet, wirken daher handzahm im Vergleich zu Injustice 2. Aber genug gemeckert. Kommen wir so langsam zu den Dingen, die Tekken 7 richtig, richtig gut macht.

Tekken 7 – Starkes Roster, exzellentes Kampfsystem

Die neuen Charaktere fügen sich wunderbar in das bestehende Roster ein. Ich persönlich hatte sowas wie „Liebe auf den ersten Blick“ als ich Lucky Chloe und Kazumi Mishima (oder wie ich sie liebevoll nenne: Bae) zum ersten Mal sah. Die beiden Damen bringen den wichtigen und richtigen Mix aus Verrücktheit und Gefahr mit. Doch auch die anderen Kämpferinnen und Kämpfer passen perfekt in die Mythologie der Reihe. Selbst Akuma, der Gastcharakter, findet seinen wohlverdienten Platz. Schade nur, dass Lei Wulong nicht mit von der Partie ist. Sie war schließlich meine Favoritin, aber mit Kazumi und Lucky Chloe bin ich auch sehr zufrieden.

Tekken 7Doch der wichtigste Teil ist überaus gut gelungen. Tekken 7 fühlt sich einfach verdammt gut an. So gut, dass es andere Genre-Vertreter erblassen lässt. Die Sensation, wenn ihr euren ersten fetten Special-Move ausführt ist dieselbe wie die erste erfolgreiche Abwehr einer 10-Kombo-Attacke des Gegners. Oder wenn ihr selbst eine solche Serie an Angriffen erfolgreich durchführt. Die Auseinandersetzungen, vor allem online, sind hochgradig spannend. Das hin und zurück macht ungemein viel Spaß.

Diese Moment-Shifts machen einen großen Reiz aus. Die sogenannten Rage Arts, das Tekken’sche Äquivalent zu Superattacken, können verloren geglaubte Partien drehen. Wenn ihr sie denn korrekt anwendet! Das Spiel ist zwar einfach zu lernen und schwer zu meistern, aber es hat keine kilometerhohe Hürde wie Street Fighter V. Stattdessen ist es aggressiv darin, euch ein gutes Gefühl zu geben. Während Street Fighter euch rigoros bestraft, Buttons besinnungslos zu smashen, erlaubt Tekken dies für einen kurzen Moment. Dann lernt ihr nämlich, was euer Gegenüber dagegen macht und ihr passt euch dahingehend an. Es entsteht eine angenehme Eigendynamik.

Tekken 7 – Auf Shoppingtour mit Kazumi und Co.

Während ihr im Offline-Modus im Treasure Modus oder dem typischen Arcade-Mode „Fight Money“ sammelt, kämpft ihr online um euren Rang. Zwar gibt es keine Lobby, aber dafür dürft ihr entscheiden, wie gut die Netzwerkqualität eures Gegners sein soll. Die gespielten Partien liefen dank 4/5 und 5/5 Netzwerkqualität sehr gut ab – dafür dauert die Suche aber auch länger. Um die Wartezeit zu verkürzen, könnt ihr euch im freien Training austoben. Ganz wie in Street Fighter V.

Mit Fight Money kauft ihr neue Outfits, Accessoire und weitere Gegenstände, mit denen sich eure Charaktere personalisieren lassen. Sämtliche Kostüme und Items kosten kein echtes Geld. Einige Dinge müsst ihr allerdings erst freischalten – sei es durch Abschluss von Aufgaben oder eben durch Glück im Treasure-Modus. Dieser funktioniert so: Ihr kämpft gegen eine ganze Welle von Gegnern und steigt sukzessive im Rang auf. Dabei startet ihr beim 9ten Kyu und dürft bis in die Dan-Ränge aufsteigen. Es gibt drei Kistenarten, die dann auch unterschiedlich teure (und damit seltene) Sachen beinhalten. Und das Beste: Ihr könnt bis zu zehn personalisierte Slots pro Charakter ausfüllen. Und als wäre das nicht genug, dürft ihr sogar eigene Bilder mit einem Foto-Tool schießen. Quasi als Icon. Zur Auswahl stehen Siegesoutros sowie Standard-Kampfhaltungen.

Tekken 7

Bild-Quelle: Spieletester.de

Grafisch macht Tekken 7 einen fabelhaften Eindruck. Wenn ihr das Spiel auf Konsolen zockt, solltet ihr aber eine PS4 Pro besitzen. Denn die Base PS4 läuft lediglich in 900p, damit durchgehend 60 FPS gewährleistet sind. Auf einer Pro erfreut ihr euch nicht nur 1080p, sondern auch weiterer grafischer Verbesserungen (knackigere Texturen, besseres Lighting). Zur Xbox-Fassung liegen uns keine Informationen vor, da wir diese Version nicht getestet haben.

Fazit
Fans des Beat em Up Genres haben es momentan aber auch schwer. Sowohl Injustice 2 als auch Tekken 7 sind fabelhafte Spiele. Wenn ihr großen Wert auf umfassende Spielmodi und eine gute Story legt, dann müsst ihr wohl zu Injustice 2 greifen. Doch all diejenigen unter euch, die ein bumsstarkes Beat em Up wollen, sollten Tekken 7 in ihren (virtuellen) Einkaufswagen legen. Es ist fast schon bizarr, aber ich lobe hier ein Spiel, das sich in den letzten 20 Jahren fast gar nicht verändert hat. Und das ist verdammt gut so! Und trotzdem: Die Aspekte moderner Beat em Ups sind genau die Dinge, die Tekken 7 bisher nicht perfekt umgesetzt hat. Und vielleicht ist Tekken 7 damit auch der letzte Ableger der Reihe, der sich voll und ganz auf das exzellente Kampfsystem konzentriert. Doch verdammt, es ist der beste Ableger der ganzen Reihe. Die Konkurrenz hingegen rückt das Drumherum ins Mittelfeld – und genau das gefällt mir nicht. Ich persönlich bevorzuge Tekken 7 gegenüber Injustice 2. Deal with it.
9
Sehr gut
Written by
... ehemaliger Chefredakteur bei Spieletester.de. Adam war seit der Gründung 2003 dreizehn Jahre auf unserer Plattform tätig.

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