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Unravel Two

9.0/10

Pros

  • Tolle Levelgestaltung
  • Flüssige Steuerung
  • Teils anspruchsvolle Rätsel
  • Schöner Spielfluss

Cons

  • Etwas schmalere Story als Unravel
  • Geringe Spielzeit
  • Teils witzlose Gegner

Mit Unravel Two knüpft das schwedische Studio Coldwood an den knuffigen Vorgänger Unravel an. Ein weiteres mal veröffentlicht EA den Plattformer. Diesmal braucht es aber nicht nur einen knäueligen Helden, um mit den Erinnerungen der Menschen fertig zu werden. Mit einem weiteren Strickkumpanen erkunden wir die Welt, denn Unravel Two ist ein Koop-Titel, der sich jedoch auch super solo spielt. Klingt komisch? Mehr dazu erfahrt ihr hier im Test!

Unravel Two: Rot, wollig, schiffbrüchig

Ein kleines rotes Strickmännchen schmeißt sich mit aller Kraft in die Seile, um auf seinem Boot dem Sturm zu widerstehen. Er kommt uns leicht bekannt vor. Doch bevor wir unseren Helden weiter inspizieren können, wird unser Miniaturboot von einer mächtigen Welle erfasst und prallt an das Ufer einer Insel.

Während der Sturm abebbt, rafft sich das Wollmännchen benommen auf. Aus einem nahegelegenen Koffer linst ein anderer blauer Strickgeist zögerlich hervor. Schnell erkennen sich die beiden als Teil einer Familie. Es handelt sich um zwei Yarnies, gutmütige und nur einige Zentimeter große Wollwesen, die sich in den Erinnerungen der Menschen herumtreiben. Wie magisch voneinander angezogen verbinden sie ihr Garn und sind von nun an eins.

In einem Leuchtturm stoßen die zwei auf die ersten Erinnerungsportale, wo wir erstmals unsere menschlichen Schützlinge kennenlernen. Natürlich handelt es sich diesmal nicht nur um eine, sondern zwei Personen. Ein Junge und ein Mädchen teilen sich eine Geschichte, doch diese Geschichte ist sehr viel düsterer als die des Vorgängers. Und von Portal zu Portal wird uns langsam klar, dass die Yarnies nicht zum bloßen Füllen der Erinnerungen hier sind. Sie sind dringend notwendig, um die Erinnerung voller Angst zu bewältigen.

Unravel Two – Knoten, Knuddeln, Knäuel

Nun gilt es also mit unseren kleinen Helden in der für sie großen Welt zu bestehen. In bester Puzzle-Plattformer-Manier setzen sich die Herausforderungen aus Rätsel-, Geschicklichkeits- und zeitkritischen Abschnitten zusammen. Wie schon der Vorgänger erinnert die Technik stark an den Jump ’n‘ Run Hit Limbo. Hierbei sind Garn und unser Helfer die wichtigsten Werkzeuge.

Wie schon im Vorgänger können wir ein Lasso werfen, um uns an Knoten in der Welt hin und her zu schwingen, an Gegenständen ziehen, um einen Weg frei zu räumen und an zwei Knoten eine Verbindung knüpfen, um sie als Brücke oder Trampolin zu benutzen. All diese Dinge kann man natürlich auch hervorragend alleine bewältigen. Kommen wir an so einen Abschnitt und haben keinen unserer BFFs zum spielen da, kann der eine Yarny kurzerhand auf den Rücken des anderen springen und sich mit ihm verknoten.

Doch das Two in Unravel Two soll ja nicht umsonst sein. Viele Abschnitte, meist die ohne Zeitdruck, verlangen das Entwirren der beiden. Denn praktischerweise stellt unserer Partner an jedem Punkt der Welt einen flexiblen Haken dar. Per Knopfdruck halten die beiden das Garn an jedem Ende fest in den Händen. Nun kann sich einer der beiden abseilen, schwingen oder Verbindungen knüpfen. Wir können flexibel zwischen den beiden Wechseln, während der andere in der Aktion oder Position verharrt, in der wir ihn zurückgelassen haben.

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Unravel Two – Alles hat ein Ende

Da die beiden quasi aus einem Knäuel bestehen, sparen wir uns in Unravel Two das „Aufladen“ unser Strickvorräte, die es noch im Vorgänger gab und die eh etwas überflüssig schienen. Hinzukommend haben wir die Möglichkeit bestimmte Hindernisse zu Umwickeln, um einen Weg zurück auf das Hindernis zu garantieren. Denn häufig müssen beide Yarnies an verschiedenen Stellen stehen, wo sie lediglich mit der Hilfe des anderen herauf kommen.

Dafür muss der eine Wollgeist beispielsweise eine Schaukel ziehen, auf die sich der andere zuvor gestellt hat, den Schwerpunkt einer Wippe verlagern oder ein Gewicht absenken. Doch unser gemeinsames Knäuel ist nicht unendlich. Ist die volle Länge erreicht, hilft kein Zerren und kein Springen, unsere Yarnies können keinen Schritt mehr tun. Da hilft nur Zurückhangeln, den Knoten entwirren und alles noch einmal von Vorne.

Unravel Two ist trotz der niedlichen Idee und Optik dabei auf keinen Fall zu unterschätzen. Zwar laufen einige Passagen nach dem gleichen Prinzip ab, diese sind jedoch eher Füllmaterial zwischen den richtigen Kopfnüssen. Das Prinzip scheint simpel: Zwei Figuren, ein Garn und einige Knoten, doch was Coldwood da mithilfe der Umgebung für gerissene Rätsel entwickelt hat ist erstaunlich. Dennoch bleibt es immer einsteigerfreundlich. Doch ob als Einsteiger oder alter Hase: Mehr als einmal hängt man fest und muss verschämt die Hinweisfunktion einschalten.

Unravel Two – Fortgeschrittenes Rätseln

Die Hinweisfunktion hilft uns bei bestimmten Abschnitten mit drei Stufen. Der erste Hinweis verrät nur wage, worauf wir achten sollten. Der zweite Hinweis konkretisiert eine zielführende Fähigkeit und der dritte Hinweis erklärt uns Schritt für Schritt das Vorgehen. Ich empfehle jedoch sie vorerst ausgeschaltet zu lassen, da man im Zweifel zu früh das Handtuch wirft. Denn die Rätsel in Unravel Two sind eigentlich nicht unfair, sondern absolut schlüssig. Liest man die Lösungen, fällt es einem wie Schuppen von den Augen und man ärgert sich, nicht selbst darauf gekommen zu sein.Unravel Two

Keine Hinweise erhalten wir für die kleinen Bonuslevel. Diese schalten sich nach Erinnerungsportalen frei. Diese bestehen aus kleineren Umgebungen mit jedoch unglaublich kniffligen Rätseln. Knifflig ist eigentlich noch zu harmlos: Diese Level sind schlichtweg sackschwer! Für das erste und einfachste habe ich knapp eine viertel Stunde gebraucht und mich danach gewundert, wer mir wohl dieses Abitur geschenkt hat.

Hier ist es nämlich notwendig beide Yarnies ans Ziel zu bringen, wo ein gefangenes Strickmännchen auf seine Befreiung wartet. Ist es in den normalen Levels meist genug, den einen Charakter auf eine Plattform zu helfen und den anderen später am Garn zu ihm hinaufklettern zu lassen, braucht es im Bonuslevel meist das Einwirken beider an verschiedenen Stellen der Umgebung und späteres Treffen ohne einfach zum Partner klettern zu können.

Unravel Two – Geschwindigkeitsstricken

Aufgelockert wird die Welt immer wieder durch Verfolgungsjagden, so müssen wir nicht nur vor dunkel kriechenden Schatten fliehen, sondern auch mal vor einem Hecht oder einem Auerhahn. Diese plötzlich relativ stressigen Passagen, wecken einen aus der besinnlichen Rätselmeditation. Leider handelt es sich hierbei natürlich um ein Trial and Error-Prinzip, weshalb unsere Yarnies ein ums andere mal ihr Leben lassen mussten, dennoch sind diese Passagen meist nicht besonders schwer und auch manches mal beim ersten Versuch elegant zu durchschwingen.

Die Steuerung ist ausgesprochen nachfühlbar und selten wabbelig, eine Verbesserung zum Vorgänger. Selten springt man fehl und ist der Meinung, jemand anderes außer man selber sei daran schuld. Ich empfehle jedoch mit einem Gamepad zu spielen, statt mit der Tastatur. Besonders die Geschicklichkeitspassagen spielen sich damit um einiges flüssiger.

Für den Koopmodus reicht auch in der PC-Version ein Endgerät. So kann der andere Spieler an der Tastatur oder seinerseits am Gamepad spielen. Doch, wie gesagt, spielen sich alle normalen Level auch gut alleine, nur etwas zeitaufwändiger, da man die Figuren nacheinander bewegen muss. Aber wie beim Bier trinken, Twister spielen und Autoscooter fahren gilt: Zusammen ist es einfach witziger.

Unravel Two – Der Schatten auf Unravel Two

Doch um noch einmal auf die tentakeligen Schatten Schatten zurück zu kommen: Diese begegnen uns nicht nur bei Verfolgungsjagden, sondern auch als bewegliche Hindernisse in anderen Passagen. Nicht nur, dass man nicht so genau weiß, was sie eigentlich sind (vielleicht böse Gedanken?) auch scheinen sie ein etwas unpassendes und hektisches Element zu sein, was sich in die Puzzles einmischt.

Wiederbespielwert sollen Sammelobjekte und Auszeichnungen je nach Abschlusszeit bringen. Doch für meinen Teil muss ich sagen, dass mir das relativ egal war. Nachdem man die Rätsel geknackt hat, scheint das nochmalige Bestreiten witzlos. Plattform-Neulinge und Veteranen sollten je nach Grips in fünf bis sechs Stunden mit dem Spiel durch sein. Das ist vergleichsweise übersichtlich und ob diese Zeit einem zwanzig Euro wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Zeit steigt jedoch ins Unabschätzbare, versucht man sich an den harten Bonusleveln.

Unravel Two – Visuelle Perlen in finsterer Nacht

Doch nicht nur die Technik ist schlüssig, auch die Optik überzeugt auf ganzer Linie. Fans von Filmen wie „Antz“ oder „Das große Krabbeln“ werden sich sofort in die übergroße Welt verlieben. Mithilfe von dramaturgisch intelligent gesetzten Zooms, hinein oder hinaus, fällt unser Blick auf immer neue, mit Liebe gestaltete Details. Wir schlagen uns durch den Wald, hüpfen über Dächer, rennen über nächtliche Spielplätze und und und. Jeder Ort ist mit beweglichen und unbeweglichen Objekten gefüllt, während auch immer wieder große und kleine Tiere die Level bevölkern.

Jede Umgebung bringt eine eigene Stimmung mitsamt melodischer Musik und Fauna mit sich. Doch wie auch die Geschichte, ist die Umgebung zum großen Teil düsterer, als im farbenfrohen Vorgänger. Häufig ist es Nacht. Wir schlagen uns über regennasse Straßen, um an den Versen der Erinnerungen des jungen Pärchens zu bleiben.

Unravel Two – Die Geister der Vergangenheit

Die beiden teilen viele schöne Momente, wie das gemeinsame Spielen am Teich, doch schnell wird es großteils gruselig und bedrohlich. Die beiden werden verfolgt und festgehalten. Graue Männer die sich träge bewegen und den beiden immer wieder in die Quere kommen halten uns in Atem. Handelt es sich hier möglicherweise um eine verbotene Freundschaft?

So genau erfahren wir das nie. Wurden im Vorgänger noch kleine konkrete Situationen nachgezeichnet, sind es in Uravel Two eher diffuse Gefühle, die sich meist zwischen Harmonie in der Freundschaft und Angst vor einer Bedrohung bewegen. Dies ist vielleicht nicht ganz so eindrücklich, wie die Erinnerungen der alten Dame im ersten Teil, dennoch habe ich mich auf eine Art berührt gefühlt.

Die Geschichte wird in wie von Kinderhand gezeichneten Bildern im Leuchtturm – unserem Hauptmenü – festgehalten. Auf den Bildern ist eine Art Tierparabel für das Geschehene zu sehen. Zwei kleine Spatzen müssen sich gegen eine Gruppe bedrohlicher Krähen mit roten Augen behaupten. Auf Fotos wie im Vorgänger wurde verzichtet, um für diese etwas subtilere Art der Dokumentation Platz zu machen.

Der Tanz und die Musik

Besonders schön anzusehen sind die Animationen der Figuren. Alles läuft flüssig und ausgesprochen niedlich. Kleinere Emotes sind besonders im Koop-Modus ein nettes Extra, mit dem wir das Werk unseres Mitspielers bewerten können. Klatschen oder gelangweiltes Hinsetzen sorgt für schöne wortlose Kommunikation, wie wir sie schon aus Little Big Planet kennen.

Unravel Two verschwimmt musikalisch im Hintergrund der Stimmung. Unauffällig plätschert die Harfe dahin, bis in beängstigenden Situationen das Orchester anschwillt. Verstricken wir uns kurzzeitig in einer Verfolgungsjagd verhält sich die Musik verspielt und aufbrausend. Der Soundtrack ist zwar nicht besonders auffällig aber recht passend und nett anzuhören. Einziges Manko ist, dass die Musik sich zeitweise immer mal wieder aufhängt. Wie eine kaputte CD rattert der Soundtrack einige Sekunden auf der gleichen Stelle. Ein Problem, das wohl mit dem nächsten Patch behoben sein sollte.


Fazit:

Zu Unravel Two kann ich nur eins sagen: Ich bin ein riesiger Fan! Die Stärken des Vorgängers wurden großteils beibehalten und durch die Koop-Ebene und weitere dazuaddierte Elemente verstärkt. So muss ein Nachfolger-Titel aussehen! Bei der Geschichte muss man im Gegensatz zu Unravel ein paar Abstriche machen, dennoch erzählt das Spiel zumindest stimmungsvoll vom Gefühl der Freundschaft. Dabei findet das Spiel einen einsteigerfreundlichen Flow-Modus. Das gemeinsame Puzzlen ist natürlich etwas spaßiger, doch auch alleine kann man Unravel Two gut bestreiten und freut sich fast, auch mal alleine mit den beiden Strickhelden zu sein. Natürlich geht dies dann auf Kosten der Geschwindigkeit und nimmt etwas Schwung aus dem Spiel. Dennoch: Es gibt einfach so viel in der Umgebung zu sehen, was mit viel Herz gestaltet wurde. Von Anfang an, war ich verzaubert, dennoch ist der Schwierigkeitsgrad nicht zu einfach. Auch geht dem Spiel Humor und Charakter nicht verloren. Alles in allem: Ein würdiger Nachfolger und zu zweit ein Garant für kurzweiligen Spaß. Um auf Story-Ebene und in der Levelgestaltung mit Unravel gleichzuziehen, fehlt vielleicht etwas an der ein oder anderen Ecke, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich kann Unravel Two ist ein toller Titel, den ich wärmstens empfehlen kann. Auf ins wollige Abenteuer!

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