Es ist ein seltsamer, aber auch ziemlich schöner Moment: Ich starte den Microsoft Flight Simulator 2024 auf meiner PS5 Pro. Jahrelang war das für mich „die PC‑Sache“, die großen Cockpit‑Setups, die Add‑ons, die endlosen YouTube‑Flüge. Als Konsolenspieler konnte man staunen, aber eben nur zuschauen. Jetzt sitze ich auf dem Sofa, DualSense in der Hand, und frage mich ganz nüchtern: Kann das überhaupt gutgehen? Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Und ja, ich hatte ernsthaft die Sorge, dass die Konsole an diesem digitalen Zwilling der Erde schlicht scheitert.
Stattdessen begrüßt mich ein Menü, das sofort dieses Versprechen ausstrahlt: Die Welt liegt vor dir, such dir einen Startpunkt. Schnell wird aber klar: Das ist keine „mal zehn Minuten Action“-Erfahrung. Der Simulator fordert Zeit, Geduld und die Bereitschaft, sich reinzufuchsen. Ich wollte wissen, ob die Faszination des Fliegens auch ohne Maus, Tastatur und teures Equipment trägt. Oder ob die Konsole hier nur ein Kompromiss ist. Mehr dazu in den nachfolgenden Zeilen hier auf Spieletester.de
Microsoft Flight Simulator 2024: Die Technik in der Wolke und ihre Tücken
Schon bei der Installation merkt man, dass hier anders gespielt wird: Auf der Festplatte belegt der Simulator anfangs überraschend wenig, je nach Startphase sind das eher rund 28 GB oder sogar nur etwa 8 GB. Der Grund ist zugleich Stärke und Schwachstelle: Ein großer Teil der „Magie“ passiert nicht auf deiner Konsole, sondern auf Microsofts Servern. In der Praxis heißt das: Deine Internetleitung wird zur Lebensader. Läuft sie stabil, wirkt das Streaming fast wie Zauberei. Schwankt sie, kippt die Illusion schnell.
Ich habe es selbst erlebt: Mitten über dem Grand Canyon werden Texturen plötzlich matschig und altbacken, weil Daten nicht schnell genug nachladen. Dazu kommen Launch‑typische Serverprobleme: lange Ladebildschirme, Hänger. Und im schlimmsten Fall startest du „endlich“, nur um festzustellen, dass dein Flug längst im Chaos geendet ist. Du solltest dich also darauf einstellen, dass die visuelle Qualität je nach Verbindung und Serverlast deutlich schwanken kann. Faszinierend. Und gelegentlich frustrierend.
Microsoft Flight Simulator 2024: Karriereleiter oder mühsamer Grind
Der Karrieremodus soll dem großen Sandbox‑Spiel endlich Struktur geben. Und grundsätzlich ist das eine starke Idee. Du erstellst deinen Piloten, wählst einen Startflughafen irgendwo auf der Welt und arbeitest dich über Aufträge, Lizenzen und Spezialisierungen nach oben. Wenn es läuft, zieht das an: Du siehst Fortschritt, dein Konto wächst, und du kannst dich irgendwann auf Dinge wie Frachtflüge, Agrarfliegerei oder Rettungseinsätze fokussieren. Das Problem: Oft fühlt es sich mehr nach Pflichtprogramm als nach Spielfluss an.
Du beginnst ganz unten, legst Prüfungen ab, wiederholst teilweise Tutorials, grindest Credits. Und dann kommen ausgerechnet an den wichtigen Stellen Bugs dazwischen. In einer Privatpiloten‑Prüfung saß ich im Cockpit und wartete auf eine Tower‑Anweisung, die einfach nie kam. Nach einer halben Stunde sauberer Vorbereitung ist so etwas ein echter Stimmungskiller, weil du komplett von vorne anfangen darfst. Gleichzeitig: Wenn die Skripte greifen und das System funktioniert, hat der Modus einen Sog. Ich war tatsächlich stolz, als die Lizenz für zweimotorige Maschinen endlich „saß“, auch wenn der Weg dahin mehr Schlaglöcher hatte, als er sollte.

Microsoft Flight Simulator 2024: Das Cockpit auf dem Sofa erleben
Die Kernfrage für Konsolenspieler ist natürlich: Wie gut lässt sich ein Simulator dieser Komplexität mit dem DualSense bedienen? Die Antwort ist, typisch für dieses Spiel, irgendwo zwischen beeindruckend und fummelig. Die Entwickler nutzen die PS5‑Features clever: Adaptive Trigger, die je nach Ruderdruck reagieren, oder Feedback beim Rollen am Boden. Auch die Lightbar, die bei kritischen Situationen warnen kann, ist mehr als nur Spielerei. Gleichzeitig merkst du, wie schnell ein Controller an Grenzen kommt. Sobald du im Cockpit kleine Schalter bedienen musst, wird der Cursor mit dem Analogstick zum Geduldstest.
Und auf dem Fernseher sind viele Anzeigen schlicht zu klein, wenn du nicht direkt davor sitzt. Ich musste häufig die Kamera bemühen, um Werte sauber ablesen zu können, zumal das Standard‑HUD einige Infos nicht immer zuverlässig einblendet. Wenn du dich eingewöhnt hast, kannst du die Maschinen trotzdem erstaunlich präzise fliegen. Aber Komfort ist das nicht immer.
Microsoft Flight Simulator 2024: Eine Welt voller Schönheit und Fehler
In der Luft zeigt der Simulator seine stärkste Seite: Momente, die wirklich hängen bleiben. Sonnenuntergang über den Alpen, Gewitterfronten, Lichtreflexe auf Wasser, das kann atemberaubend wirken, und die dynamischen Wetterwechsel sorgen für echte Stimmung. Gerade auf einem großen TV entwickelt das eine eigene Qualität. Je näher du dem Boden kommst, desto schneller bröckelt die Fassade. Gebäude wirken teils wie Pappkartons, Vegetation ploppt spät auf, und in manchen Städten sieht die Photogrammetrie aus, als wäre sie „falsch gegossen“.
In London hatte ich Phasen, in denen Wolkenkratzer wie Ruinen wirkten, weil Daten fehlerhaft geladen wurden. Das neue Feature, auszusteigen und herumzulaufen, verstärkt das Problem: Aus Fußgängersicht fällt viel eher auf, wie grob Texturen und Geometrie oft sind. Kurz gesagt: Aus der Höhe ist es häufig spektakulär. Unten ist es manchmal überraschend hässlich. Und trotzdem gibt es diese kleinen magischen Augenblicke, etwa, wenn eine Notlandung irgendwo in Afrika plötzlich von Wildtieren „begleitet“ wird.
Bei den Sounds zeigt sich eine klare Zweiteilung. Die Flugzeugsounds sind klasse: Motoren, Klappen, Wind am Rumpf, das wirkt satt und glaubwürdig. Beim Funkverkehr dagegen habe ich mich immer wieder gefragt, wie das so durchgewunken werden konnte. Die Stimmen klingen nach Text‑to‑Speech: blechern, emotionslos, oft mit dem gleichen (amerikanischen) Akzent, egal ob du in Deutschland, Japan oder Australien landest. Das reißt mich regelmäßig aus der Atmosphäre. Ich hatte Situationen, in denen ich den Funk einfach abgeschaltet habe, weil ich es nicht mehr ertragen wollte. Besonders schade ist das, weil der Simulator an anderer Stelle so viel Realismus will. Immerhin: Die Musik ist stimmig und trägt die Flüge gut, was den Kontrast zu den TTS‑Stimmen leider noch deutlicher macht.

Microsoft Flight Simulator 2024: Was ich wirklich vermisst habe
Ein paar Dinge fallen nicht sofort auf, aber nach einigen Stunden werden sie wichtig. Allen voran: Es fehlt eine integrierte, gut gemachte Erklär‑Ebene. Der Simulator wirft dir Begriffe und Systeme hin (Gemisch, Taxi‑Regeln, Strafen, Prozeduren), erwartet aber oft, dass du es schon weißt. Ich habe mehrfach das Handy gezückt, Begriffe nachgeschlagen oder mir Videos von echten Piloten angesehen, um zu verstehen, was gerade schief läuft. Für Hardcore‑Simulanten mag das dazugehören, auf Konsole wirkt es wie eine unnötige Einstiegshürde.
Dazu kommt: Keine Cross‑Progression. Wer am PC angefangen hat, kann Fortschritt und Käufe nicht einfach auf die PS5 mitnehmen. Und dann sind da noch Details wie veraltete Kartendaten, ich wollte mir beispielsweise ein Stadion ansehen und landete in einer „Baustelle“. Das ist kein Weltuntergang, aber es erinnert dich daran, wie abhängig dieses Erlebnis von Datenqualität ist.
Dieses Spiel macht es einem schwer, es klar zu mögen oder klar zu kritisieren, weil es ständig zwischen Triumph und technischem Stolpern wechselt. Der (nun als Web‑Tool verfügbare) Flight Planner ist Nerd‑Freude pur: Routen planen, Treibstoff kalkulieren, alles sauber vorbereiten. Wenn du dich darauf einlässt, fühlt sich das großartig an. Und dann startest du. Und die Framerate bricht über einer dicht bebauten Stadt ein, Menüs reagieren träge, oder das Streaming stolpert genau im falschen Moment. Gleichzeitig ist die Physik‑Simulation in vielen Situationen überragend, etwa beim Segelflug, wenn du Thermik „arbeiten“ musst. Nur um dich später wieder darüber zu ärgern, dass die Figur beim Herumlaufen so langsam ist, als hätte sie Bleischuhe. Dieses Auf und Ab begleitet den gesamten Eindruck.

Microsoft Flight Simulator 2024: Wenn die PS5 Pro ins Schwitzen kommt
Ich konnte den Simulator auch auf der stärkeren PS5 Pro ausprobieren. Und selbst dort merkst du, wie hungrig die Engine ist. Ja, es läuft spürbar stabiler, und Ladezeiten fühlen sich teils kürzer an. Aber die grundlegenden Probleme (Textur‑Nachladen, Pop‑ins, Streaming‑Schwankungen) bleiben. Das spricht dafür, dass hier nicht nur rohe Hardware zählt, sondern vor allem das Daten‑ und Server‑Setup. Wichtig ist die Erwartungshaltung: Du solltest nicht damit rechnen, dass das aussieht wie auf einem sehr teuren High‑End‑PC. Kompromisse sind sichtbar. Wenn du dich aber aufs Fliegen konzentrierst und nicht auf Pixel‑Details, ergibt das Gesamtbild oft trotzdem ein stimmiges, beeindruckendes Erlebnis, besonders bei Abendlicht, wenn Städte unter dir zu leuchten beginnen.
Am Ende war es bei mir immer wieder die Neugier, die mich zurückgeholt hat. Du kannst Orte besuchen, die du im echten Leben vermutlich nie sehen wirst: über Gizeh fliegen, am Everest scheitern, kleine Inseln im Pazifik entdecken. Dieses Gefühl von Freiheit, „ich könnte theoretisch überall hin“, kann kaum ein anderes Spiel so liefern. Selbst wenn die Bodentexturen manchmal weich sind und Gebäude generisch wirken, füllt das Gehirn vieles auf. Und genau darin steckt die besondere Qualität: eine Art virtueller Tourismus, der im Wohnzimmer erstaunlich gut funktioniert. Und ja, natürlich habe ich auch mein eigenes Haus gesucht. Es sah im Spiel eher nach Garage aus. Aber es stand zumindest an der richtigen Stelle.
Wenn ich auf die Stunden zurückblicke, bleibt ein Mix aus Ehrfurcht und leichter Ernüchterung. Das Potenzial ist riesig, aber an vielen Stellen wirkt die Umsetzung noch nicht ganz „fertig“. Die Bugs im Karrieremodus, die Server‑Abhängigkeit und die teils absurd künstlichen Stimmen sind Themen, die Microsoft und Asobo zügig adressieren sollten. Wenn du bereit bist, diese Kröten zu schlucken, bekommst du im Gegenzug Momente, die es so in keinem anderen Spiel gibt. Für Träumer, Technik‑Nerds und alle, die die Faszination Fliegen ernsthaft erleben wollen, ist das ein beeindruckendes Paket. Ich werde sicher noch etliche Stunden investieren, notfalls mit ausgeschaltetem Funkverkehr.
Fazit
Microsoft Flight Simulator 2024 auf der PS5 ist ein monumentales Werk, das an den eigenen Ambitionen gelegentlich fast scheitert. Und dann doch noch die Kurve kriegt. Es ist keine perfekte Landung, eher eine holprige mit ein paar harten Aufsetzern. Aber unterm Strich steht das Flugzeug, und du bekommst eine Simulation auf Konsole, die vor wenigen Jahren so kaum vorstellbar gewesen wäre. Meine Empfehlung ist deshalb klar zweigeteilt: Mit schneller, stabiler Internetleitung und der Geduld, dich einzuarbeiten, wirst du hier sehr viel Freude haben. Wenn du eher „einlegen und loslegen“ willst oder mit Streaming‑Schwankungen schnell genervt bist, ist Abwarten auf Stabilitäts‑Updates die vernünftigere Entscheidung.












