In Blackwood führt ihr einen DVD-Laden im verregneten Brooklyn des Jahres 2012. Tagsüber räumt ihr Filmregale ein und beratet Kunden, nachts nimmt ihr Aufträge als Killer an. Der Wechsel zwischen Ladenalltag und Schießereien funktioniert aber überraschend gut. Probleme bereitet eher die Umsetzung: Während die Schusswaffen überzeugen, machen euch Nahkampf und Speichersystem das Leben unnötig schwer. Mehr dazu in unserem Test hier auf Spieletester.de
Blackwood – Der harte Kontrast zwischen Alltag und Unterwelt
Anton redet wenig und sieht mit seinen dunklen Augenringen aus, als hätte er schon länger nicht richtig geschlafen. Sein Tag beginnt mit gewöhnlicher Arbeit: Filmhüllen einsortieren, Kaffeeflecken wegwischen, Kunden beraten. Sobald die Sonne untergeht, betretet ihr euren geheimen Keller, wo ihr die nächsten Aufträge vorbereitet.
Entwickler AttritoM7 Productions entwirft eine Spielwelt, in der das Festhalten an beiden Identitäten zur Notwendigkeit wird. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, bemerkt schnell die strikte Trennung der Finanzen. Legales Einkommen aus dem Videothekengeschäft fließt direkt in die Ladenmiete, den Erwerb ziviler Kleidung oder ein neues Halsband für den streunenden Kater. Sämtliche blutigen Einnahmen aus den nächtlichen Aufträgen bleiben hingegen dem Schwarzmarkt vorbehalten, um militärisches Equipment zu finanzieren. Das gibt der Ladenarbeit einen konkreten Nutzen. Wer nur an den nächsten Einsatz denkt, hat damit noch lange nicht alle laufenden Kosten im Blick. Ihr kämpft nicht nur um euer Überleben in den düsteren Gassen, sondern rettet gleichzeitig eure bürgerliche Fassade vor dem Ruin.

Blackwood – Zwischen wuchtigem Gunplay und klobigen Fäusten
In den Einsätzen fordert Blackwood einen offensiven Spielstil. AttritoM7 hat ein Kampfsystem entworfen, das ständige Bewegung und aggressive Vorstöße von euch verlangt. Hinter einer Kiste zu warten, füllt eure Gesundheitsleiste nicht wieder auf. Wollt ihr am Leben bleiben, müsst ihr Feinde mit spektakulären Takedowns ausschalten.
Die Schusswaffen gehören zu den Stärken von Blackwood. Treffer haben Wucht: Glasfronten zerbrechen, und ein Schrotflintenschuss schleudert Gegner durch den Raum. Hinzu kommen taktische Finessen beim Nachladen. Wer das Magazin wechselt, bevor es komplett leer ist, behält eine zusätzliche Kugel im Lauf. Selbst eine leere Waffe lässt sich noch auf einen Gegner werfen. Leider fällt der Nahkampf im direkten Vergleich stark ab. Fäuste und Ausweichmanöver reagieren oft äußerst träge auf Eingaben und außerdem passen Treffer und sichtbare Reichweite nicht immer zusammen. Feinde treffen euch mit Tritten aus unmöglicher Entfernung, während eure eigenen Schläge oft ins Leere gehen. Hier müssen künftige Updates dringend ansetzen und die Animationen flüssiger gestalten, um Frustmomente in größeren Gegnergruppen zu vermeiden.

Blackwood – Eine nostalgische Welt mit technischen Stolpersteinen
Für das visuelle Grundgerüst kommt die Unity Engine in der Version 6.5 zum Einsatz. Die erdigen Farben passen zum schmutzigen New York, durch das sich Anton bewegt. Dunkle Gassen und stimmungsvoll beleuchtete Nachtclubs fangen die düstere Stimmung der Stadt perfekt ein. Andererseits begegnen euch in U-Bahnstationen ständig dieselben geklonten Passanten.
Beim Ton stimmt die Lautstärke einzelner Effekte nicht. Schreiende Zivilisten oder das Miauen einer Katze überdecken teilweise Dialoge, denen ihr eigentlich zuhören wollt. Ein weiteres Problem stellen die unfairen Speicherpunkte dar. Das Spiel wirft euch nach einem Fehler manchmal direkt ins feindliche Kreuzfeuer zurück. Verlasst ihr eine laufende Mission, verliert ihr obendrein euren gesamten Tagesfortschritt und müsst den Laden morgens erneut aufräumen. Die Schöpfer könnten diese Probleme mit kommenden Patches beheben und gleichzeitig das Managementsystem der Videothek etwas ausbauen. Bisher wirken Aufgaben wie das endlose Bodenwischen sehr eintönig. Kleine In-Game-Events in der Videothek würden hier Wunder wirken und die Langzeitmotivation spürbar ankurbeln. Dann hätte man abseits der Aufträge auch etwas zu tun, statt nur stur die immer gleichen Abläufe abzuarbeiten.

Blackwood – Ein dreiteiliges Abenteuer mit fairem Preismodell
Bisher umfasst Blackwood nur den ersten Akt, der mit einem Cliffhanger endet. Akt zwei ist für März 2027 geplant, Akt drei für September 2027. Beide sind im Kaufpreis enthalten und sollen Besitzern als kostenlose Updates zur Verfügung gestellt werden. Wer Blackwood jetzt kauft, erhält den zweiten Akt im März 2027 und das große Finale im September 2027 kostenlos dazu.
Bei den Dialogen sitzt längst nicht jede Zeile. Auf gelungene Spitzen folgen Klischees, die eher unfreiwillig komisch wirken. Ich freue mich auf die kommenden Kapitel und hoffe inständig, dass die Entwickler das Feedback der Spielerschaft ernst nehmen. Bis dahin sollte AttritoM7 vor allem die träge Nahkampfsteuerung und die Speicherprobleme angehen.
Fazit
Blackwood verbindet den Alltag im DVD-Laden mit Schießereien, die sich einfach richtig knackig spielen. Auch die beiden Geldarten passen zur Idee des Doppellebens. Der Laden bleibt dadurch wichtig, selbst wenn seine Aufgaben bald zur Routine werden. Weniger gut funktioniert der Nahkampf: Träge Eingaben und unzuverlässige Treffer stören gerade in hektischen Situationen. Dazu kommen die Lautstärkeprobleme und Speicherpunkte, die unnötig Zeit kosten. Wer damit zurechtkommt, findet mit Blackwood einen unterhaltsamen Actionthriller mit einem ungewöhnlichen Tagesablauf. Der erste Akt macht neugierig auf die Fortsetzung.















