Mit Halo: Campaign Evolved kehrt genau jener grüne Supersoldat in einem Remake zurück der vor exakt 25 Jahren die Welt der Konsolenshooter für immer auf den Kopf gestellt hat. Ein solch historischer Meilenstein verdient Respekt und Microsoft beweist mit dem aktuellen Release auf Sony Konsolen eine überaus lobenswerte Offenheit. Damals hätte wohl niemand auch nur im Traum daran gedacht, dass dieses absolute Aushängeschild der Xbox irgendwann auf einer PlayStation landen würde. Ursprünglich wurde das Projekt von Bungie sogar für Apple Computer konzipiert, bevor Microsoft mit einem dicken Scheckbuch winkte und die exklusiven Rechte für die erste Xbox Konsole sicherte.
Heute dürfen wir in Halo: Campaign Evolved das allererste Abenteuer des legendären Master Chief auf der PS5 Pro wieder erleben, wobei uns Microsoft freundlicherweise einen Review Code für diesen ausgiebigen Test zur Verfügung gestellt hat.
Bei Halo: Campaign Evolved handelt es sich keineswegs um ein simples Remaster. Vielmehr hat Halo Studios das komplette Spiel von Grund auf in der modernen Unreal Engine 5 neu aufgebaut. Zahlreiche Spieler können diesen historischen Meilenstein nun endlich ohne Systemwechsel nachholen. Andere langjährige Veteranen fragen sich vielleicht besorgt, ob das betagte Spielgerüst aus dem Jahr 2001 heutzutage überhaupt noch jemanden begeistern kann. Meine ausführliche Zeit mit Halo: Campaign Evolved war geprägt von unglaublicher Nostalgie und purer Freude über brachiale Feuergefechte. Euch erwartet in diesem Testbericht eine sehr emotionale Achterbahnfahrt durch die glorreiche Vergangenheit.
Halo: Campaign Evolved – Fantastische Optik und die Brillanz der Unreal Engine 5
Optisch geht Halo: Campaign Evolved absolut keine Kompromisse ein und präsentiert sich in einem atemberaubenden Gewand. Sobald Ihr die künstliche Ringwelt von Halo: Campaign Evolved nach Eurer Bruchlandung zum ersten Mal betretet entfaltet die mächtige Unreal Engine 5 ihre volle Magie. Jeder einzelne Grashalm und jede metallische Textur wirken unfassbar scharf. Riesige Umgebungen strotzen nur so vor kleinen Details und lassen das Science-Fiction Universum lebendiger denn je erscheinen.
Vor allem die überarbeitete Beleuchtung hat mich in den düsteren Innenräumen der außerirdischen Anlagen regelrecht umgehauen. Zischen leuchtende Plasmageschosse der feindlichen Allianz durch die dunklen Gänge werfen sie brillante Reflexionen an die Wände. Grüne und violette Funken fliegen bei gigantischen Explosionen durch die Luft und erzeugen ein wahres Effektgewitter auf dem Bildschirm. Solche visuellen Momente müssen sich zu keinem Zeitpunkt vor aktuellen Blockbustern verstecken. Selbst der majestätische Halo Ring am Himmel erstrahlt nun in einer nie dagewesenen volumetrischen Pracht.
Besonders die berüchtigten Levelabschnitte mit der parasitären Flood profitieren massiv von den neuen volumetrischen Nebeleffekten im düsteren Sumpf. Diese fleischigen und hochgradig aggressiven Kreaturen sehen jetzt noch ekliger aus. Dadurch erhält die zweite Spielhälfte einen fantastischen Horroranstrich, der die permanente Bedrohung jederzeit greifbar macht. Dennoch gibt es bei den künstlerischen Entscheidungen auch berechtigte Kritikpunkte. Einige Missionen in Halo: Campaign Evolved weichen atmosphärisch stark von der ursprünglichen Vorlage ab. Beispielsweise fällt die Ausleuchtung im Level The Truth and Reconciliation viel zu hell aus was das ikonische Nachtsichtgerät des Scharfschützengewehrs fast völlig überflüssig macht. Zusätzlich wirken die Umgebungen abseits der Kämpfe ein wenig leblos da die vereinzelt umherfliegenden Vögel kaum über die fehlende dynamische Fauna hinwegtäuschen können.
Technisch bleibt die Präsentation in Halo: Campaign Evolved leider nicht durchgehend makellos. Trotz der enormen Hardwarepower der PS5 Pro kam es in meinen hitzigsten Gefechten immer wieder zu spürbaren Rucklern. Wenn unzählige Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm agieren und im Hintergrund riesige neue Areale geladen werden gerät die Bildwiederholrate im Performance Modus kurzzeitig ins Stottern. Derartige FPS-Einbrüche ruinieren das Erlebnis zwar nicht komplett trüben den ansonsten flüssigen Spielablauf bei angepeilten 60 Bildern pro Sekunde aber merklich.
Wer lieber die maximale Auflösung genießt, kann auf der PS5 Pro einen speziellen Qualitätsmodus mit PSSR-Unterstützung aktivieren. Leider wirken einige Gesichter in den komplett neu gerenderten Zwischensequenzen ein wenig befremdlich. Charaktere wie der beliebte Sergeant Johnson rutschen in bestimmten Momenten leicht in das unheimliche Uncanny Valley ab. Alles in allem betrachten wir hier aber zweifellos die bisher schönste Version dieses geschichtsträchtigen Klassikers.

Halo: Campaign Evolved – Zeitloses Gunplay
Spielerisch balanciert das Remake auf einem extrem schmalen Grat zwischen respektvoller Tradition und moderner Zugänglichkeit. Kern des Ganzen ist der legendäre Dreiklang aus Schießen, Granatenwerfen und wuchtigem Nahkampf. Jede einzelne Waffe im prall gefüllten Arsenal besitzt ein spürbares Gewicht und erfüllt einen ganz bestimmten Zweck auf dem brutalen Schlachtfeld. Feuert Ihr einen aufgeladenen Schuss aus der Plasmapistole ab pulverisiert Ihr sofort die Energieschilde eines starken Elite-Kriegers. Danach reicht ein gezielter Kopfschuss aus der mächtigen Magnum aus, um den Feind endgültig auszuschalten.
Sobald sich dieser unvergleichliche Spielflow in Halo: Campaign Evolved einstellt vergehen die Stunden wie im sprichwörtlichen Flug. Feinde reagieren unfassbar dynamisch auf offensive Aktionen und die künstliche Intelligenz der Aliens ist auch nach heutigen Maßstäben absolut referenzverdächtig. Erfahrene Elites hechten strategisch in Deckung während kleine Grunts panisch schreiend die Flucht ergreifen, sobald Ihr ihren Anführer eliminiert habt.
Behutsame Neuerungen haben ebenfalls ihren Weg in das modernisierte Spielgefühl gefunden. Unser Master Chief darf nun endlich standardmäßig sprinten und die Lebensenergie regeneriert sich nach kurzer Zeit völlig von selbst. Alte Medipacks gehören somit der Vergangenheit an was den Einstieg für komplette Neulinge erheblich erleichtert. Knarren lassen sich zudem über die linke Schultertaste etwas näher heranzoomen. Puristen mögen diese weitreichenden Änderungen vielleicht scharf kritisieren, weil sich dadurch manche Konflikte einfach laufend umgehen lassen.
Mich persönlich haben diese durchdachten Komfortfunktionen jedoch vollkommen überzeugt. Sie beschleunigen das ehemals etwas behäbige Lauftempo sinnvoll und frischen die Gefechte immens auf. Obendrein wurden einige Waffen extrem clever überarbeitet. Euer Standardsturmgewehr fasst nun beispielsweise nur noch 36 statt der altbekannten 60 Schuss. Dafür teilt es spürbar mehr Schaden aus und beseitigt das lästige Problem der feindlichen Kugelschwämme restlos. Die Schrotflinte fetzt Feinde im Nahkampf nun noch wuchtiger weg,was gerade in dunklen Korridoren ein wahrer Segen ist.
Was mir in Halo: Campaign Evolved wahnsinnig fehlt, ist das automatische Hochziehen an Kanten. Entweder wurde die Funktion schlicht vergessen oder ganz bewusst gestrichen.Wenn Euer massiver Spartan Soldat einen rettenden Vorsprung um wenige Zentimeter verfehlt und plump in den bodenlosen Abgrund stürzt, wirkt das heutzutage einfach nur ungeschickt. Hier sollten bei künftigen Remakes zwingend moderne Bewegungsstandards wie Ledge Grabbing integrieren, um den hart erarbeiteten Spielfluss nicht unnötig zu bremsen. Erfreulicherweise werten insgesamt 9 zusätzliche Waffen aus späteren Serienteilen das Arsenal von Halo: Campaign Evolved deutlich auf.
Früh dürft Ihr die rasante Maschinenpistole aus dem Nachfolger nutzen und später warten das zielsuchende Nadelgewehr oder die ikonische Battle Rifle auf ihren Einsatz. Ferner könnt Ihr scharfe Energieklingen von besiegten Feinden aufheben oder feindliche Fahrzeuge wie den wendigen Ghost kapern. Selbst der klobige Wraith Panzer lässt sich an einigen wenigen Stellen für kurze Zeit steuern. All diese fantastischen Details bereichern die Kämpfe in Halo: Campaign Evolved enorm.

Halo: Campaign Evolved – Originaltreue mit Schattenseiten
Unabhängig davon wie hübsch die Unreal Engine 5 alles verpackt,schlummert unter der glänzenden Oberfläche von Halo: Campaign Evolved weiterhin ein arg archaisches Levelgerüst. Genau hier scheiden sich die Geister am stärksten. Aus großem Respekt vor dem Original wurden vermutlich keine architektonischen Veränderungen an den Hauptmissionen vorgenommen. Folglich rennen wir immer noch durch endlose und identisch aussehende metallische Korridore.
Gerade in der zweiten Spielhälfte nimmt das berüchtigte Backtracking geradezu absurde Züge an. Mühsam kämpfen wir uns in eine gewaltige Anlage hinein nur um exakt denselben Weg danach wieder rückwärts hinauszulaufen. Aus meiner Sicht liegt die wichtigste Lektion für kommende Halo Projekte hier begraben denn falsche Originaltreue schadet dem modernen Spielspaß massiv und hier sollten künftig mehr kreative Freiheiten bei der Umgestaltung veralteter Levelstrukturen eingeräumt werden.
Selbst das legendär verhasste Level namens Die Bibliothek wurde in Halo: Campaign Evolved lediglich minimal entschärft. Zwar gibt es nun optionale Wegmarkierungen zur besseren Orientierung und die Laufwege fühlen sich eine minimale Spur kürzer an aber die endlose Flut an Gegnern in sich ewig wiederholenden Gängen bleibt eine nervliche Belastungsprobe. Echte Wunder dürft Ihr von der Levelstruktur in Halo: Campaign Evolved also definitiv nicht erwarten. Oftmals betretet Ihr lila schimmernde Allianz-Raumschiffe oder kahle Forerunner-Anlagen die ihre Innenräume so unfassbar häufig recyceln, dass unweigerlich pure Eintönigkeit aufkommt.
Es wäre eine derart fantastische Gelegenheit gewesen diese zähen Abschnitte organisch zu straffen oder komplett neue Routen zu entwerfen. Völlig unberührt blieben die Areale glücklicherweise jedoch nicht. Auf der überaus beliebten Map Der Schweigende Kartograph wurden beispielsweise nervige unsichtbare Barrieren entfernt. Dadurch könnt Ihr nun problemlos mit Eurem Warthog tief in die Basis brettern und die aufmontierte Minigun effektiv gegen Elites nutzen. Die generelle Fahrzeugsteuerung wurde ohnehin drastisch optimiert. Euer treuer Jeep lässt sich nun wesentlich präziser über die holprigen Hügel manövrieren, wodurch die berüchtigte Fluchtsequenz am Ende des Spiels leider auch ein wenig an nervenaufreibender Spannung verliert. Fliegende Banshees reagieren nun viel direkter auf Eingaben was Luftkämpfe deutlich angenehmer gestaltet.

Halo: Campaign Evolved – Die Flood und suizidale Verbündete
Einen ganz besonderen und umstrittenen Stellenwert nehmen die ekligen Flood in Halo: Campaign Evolved ein. Jene parasitären Lebensformen verändern ab der Hälfte der Kampagne die gesamte Tonalität in Halo: Campaign Evolved grundlegend. Widerliche kleine Infektionsformen wuseln nun etwas weniger chaotisch durch die Gegend können aber weiterhin gefallene Kämpfer befallen und blitzschnell wiederbeleben. Verwandte Flood-Soldaten greifen heutzutage deutlich häufiger zu Schusswaffen, was die Dynamik der Schießereien merklich anhebt.
Richtig spannend wird es durch die smarte Integration der massiven Tankformen, die wir eigentlich erst aus späteren Serienteilen kennen. Diese wandelnden Fleischberge schlucken extrem viele explosive Treffer und stürzen sich im wütenden Nahkampf gnadenlos auf Euch. Komplette Neuentwicklungen bei den außerirdischen Feinden sparten sich die Designer allerdings, da sie offenbar lieber strikt auf vertraute Elemente setzten.
Gleichzeitig sorgt die veraltete KI Eurer menschlichen Verbündeten in Halo: Campaign Evolved immer wieder für ungläubiges Kopfschütteln. Frustrierte Marines agieren in Feuergefechten oft wie reines Kanonenfutter und stolpern beinahe suizidal über das raue Schlachtfeld. Nähert Ihr Euch rasant mit einem Warthog hechten die Soldaten liebend gerne direkt unter Eure massiven Reifen, weil sie fälschlicherweise eine tödliche Kollision vorhersehen. Ebenso amüsant wie bodenlos tragisch ist es, wenn sie von herabfallenden Versorgungskapseln aus dem Orbit einfach gnadenlos zerquetscht werden.
Ein hochwertiges Remake erfordert zwingend eine tiefgreifende Überarbeitung der Wegfindungsroutinen für NPCs, um derartigen Slapstick Frust im Vorfeld zu vermeiden worauf Microsoft bei künftigen Klassiker Aufarbeitungen zwingend achten sollte. Immerhin könnt Ihr den tapferen Truppen nun Eure eigenen starken Waffen in die Hand drücken, wodurch sie wenigstens als mobile und tödliche Munitionslager fungieren.

Halo: Campaign Evolved – Ein Wiedersehen mit Sergeant Johnson
Als großen Kaufanreiz für langjährige Veteranen preist das Marketing stolz 3 brandneue Bonusmissionen an. Zeitlich spielen diese frischen Einsätze etwa ein Jahr vor den schicksalhaften Ereignissen der Hauptkampagne. Gemeinsam mit dem stets charismatischen Sergeant Johnson infiltriert der Master Chief ein riesiges Forschungsschiff der bedrohlichen Allianz. Anfänglich war ich wirklich angetan von dieser unerwarteten erzählerischen Erweiterung. Neue gefährliche Feinde wie die gewaltigen Brutes bringen ordentlich frischen Wind in die hitzigen Konfrontationen. Endlich darf ich den brutalen Spiker oder das ikonische Kampfgewehr in hochauflösender Pracht gegen diese muskulösen Affenwesen abfeuern. Die allererste Mission innerhalb der engen Schiffskorridore bietet intensive Survival-Momente und punktet mit extrem schicken neuen Cutscenes.
Trotzdem konnte mich dieses teure Zusatzkapitel in Halo: Campaign Evolved letztendlich nicht komplett überzeugen. Spielerisch arten die linearen Abschnitte viel zu oft in uninspirierte und zähe Arenakämpfe aus. Wellenartig strömen Feinde pausenlos auf Euch ein, während Ihr stupide Eure statische Position verteidigen müsst. Erschwerend kommt hinzu, dass diesen aufwendigen Prequel-Missionen eine gewisse erzählerische Seele spürbar fehlt.
Halo: Campaign Evolved – Vorbildlicher Koop mit hohem Wiederspielwert
Videospiele entfalten ihr wahres Potenzial oftmals erst im gemeinsamen Erlebnis mit guten Freunden. Dieser bewährten Weisheit folgend liefert Halo: Campaign Evolved glücklicherweise einen absolut fantastischen Koop-Modus ab. Sämtliche Missionen lassen sich nahtlos online mit bis zu 4 Spielern bestreiten. Dank der hervorragenden modernen Crossplay-Unterstützung könnt Ihr völlig problemlos plattformübergreifend gegen die Covenant antreten. Wer lieber ganz klassisch auf der Couch sitzt freut sich über den horizontal geteilten Splitscreen Modus für 2 Personen auf den aktuellen Konsolen.
Merkwürdigerweise fehlt dieses geliebte lokale Feature in der PC-Version komplett was für mich absolut unverständlich bleibt. Gemeinsam auf einem Warthog durch schier endlose Horden von Feinden zu pflügen gehört nach wie vor zu den intensivsten Erfahrungen. Faire und klug gesetzte Checkpoints sowie ein durchdachtes Respawn System verhindern dabei unnötigen Frust bei schwierigen Passagen. Äußerst clever finde ich die völlig neuen Barrierefreiheitseinstellungen für spaßige Koop Runden. Unabhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad können schwächere Spieler individuelle Parameter wie Schilde oder erlittenen Schaden für sich selbst anpassen. So harmonieren erfahrene Profis und blutige Neulinge perfekt in derselben Partie, ohne sich gegenseitig zu belasten.
Um den generellen Wiederspielwert in Halo: Campaign Evolved auf die absolute Spitze zu treiben wurden unglaubliche 42 Modifikatoren in Form von versteckten Schädeln in den Leveln verteilt. Da die Umgebungen leicht verändert wurden befinden sich diese begehrten Objekte nun an völlig neuen und fiesen Orten. Die anstrengende Suche lohnt sich extrem, denn die Schädel verändern die grundlegenden Regeln auf wahnwitzige Weise.
Von komisch explodierenden Grunt-Köpfen über unsichtbare Feinde bis hin zu einer komplett neuen Third-Person Perspektive ist wirklich alles Denkbare dabei. Der freischaltbare Remix-Modus mischt zudem alle Gegner und Waffen in den bekannten Leveln völlig neu durch sodass unfassbares Chaos entsteht. Wahre Profis unter uns versuchen sich hingegen an der legendären LASO-Herausforderung. Hierbei aktiviert Ihr auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad sämtliche erschwerenden Modifikatoren gleichzeitig. Wer sich dieser geradezu brutalen Aufgabe stellt, wird dutzende Stunden beschäftigt sein und jeden Trick meistern müssen.
Halo: Campaign Evolved – Ein wichtiger Teil der Halo-Identität bleibt außen vor
Nach all dem berechtigten Lob für die Koop-Features folgt nun der ganz große und bittere Schock. Ein absolut elementarer Bestandteil der altehrwürdigen Serie wurde restlos und ohne nachvollziehbaren Grund in Halo: Campaign Evolved nicht mit aufgenommen. Es gibt keinen kompetitiven Multiplayer-Modus mehr. Keine klassischen rasanten Deathmatches kein taktisches Capture the Flag und keine legendären Schlachten mit dicken Panzern in Blood Gulch. Das Auslassen eines kompetitiven Multiplayer-Modus ist aus meiner Sicht eine bedauerliche Entscheidung, die das Gesamtpaket spürbar schmälert. Für zukünftige Neuauflagen klassischer Halo-Titel wäre es wünschenswert, diesen Spielmodus wieder zu integrieren, um sowohl langjährige Fans als auch neue Spieler gleichermaßen anzusprechen.
Halo: Campaign Evolved – Eine PlayStation-Version mit Luft nach oben
Kommen wir nun zu einem der größten Kritikpunkte meines ausführlichen Tests. PlayStation-Besitzer müssen hier einiges an Geduld mitbringen, denn die administrativen Hürden fallen überraschend hoch aus. Um Halo: Campaign Evolved überhaupt im Einzelspielermodus starten zu können, besteht ein verpflichtender Onlinezwang. Zudem ist ein Microsoft-Konto erforderlich, das dauerhaft mit dem PlayStation-Konto verknüpft werden muss. Eine Solokampagne, die grundsätzlich auch offline spielbar sein könnte, setzt damit eine permanente Internetverbindung und eine zusätzliche Kontoanbindung voraus.
Zu allem Überfluss nutzt die PS5-Version von Halo: Campaign Evolved die besonderen Funktionen des DualSense-Controllers kaum aus. Wer gehofft hat, dass die adaptiven Trigger den Widerstand verschiedener Waffen spürbar vermitteln oder das haptische Feedback die wuchtigen Schritte eines herannahenden Hunters eindrucksvoll nachbildet, dürfte enttäuscht sein. Stattdessen beschränkt sich Halo: Campaign Evolved auf eine weitgehend generische Vibrationsunterstützung, die sich kaum von den Fassungen für Xbox oder PC abhebt.
Aus meiner Sicht wurde hier eine große Chance verpasst, der ersten PlayStation-Veröffentlichung eines Halo-Titels einen eigenen Charakter zu verleihen. Eine konsequentere Nutzung der DualSense-Funktionen hätte die Immersion spürbar steigern und der PS5-Version einen echten Mehrwert verschaffen können. Für zukünftige PlayStation-Veröffentlichungen von Microsoft wäre es daher wünschenswert, die Möglichkeiten des DualSense-Controllers umfassender zu nutzen. So ließe sich das Spielerlebnis besser an die Stärken der Plattform anpassen und den Erwartungen der PlayStation-Community noch stärker gerecht werden.
Fazit
Am Ende meiner extrem langen Reise über die Ringwelt bleibe ich mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Einerseits liefert Halo: Campaign Evolved exakt das, was ich mir als Liebhaber der allerersten Stunde sehnlichst gewünscht habe. Das wuchtige und enorm taktische Gunplay funktioniert hervorragend und macht süchtig. Die Unreal Engine 5 hüllt die künstliche Welt in ein absolut atemberaubendes optisches Gewand, das besonders bei der Beleuchtung extrem glänzt. Der grandios erweiterte Koop-Modus mit all seinen witzigen Modifikatoren garantiert viele Stunden bester Unterhaltung. Wer diesen Science-Fiction Meilenstein noch nie gespielt hat, bekommt hier zweifellos die optisch ansprechendste und spielerisch zugänglichste Variante geboten die jemals existiert hat.
Andererseits kann und möchte ich über die Schwächen des Spiels nicht hinwegsehen. Das Fehlen eines kompetitiven PvP-Multiplayers schmälert den Umfang des Gesamtpakets spürbar und dürfte angesichts des Verkaufspreises für viele Fans eine Enttäuschung sein. Auch die verpflichtenden Kontoanbindungen erschweren den Einstieg unnötig und nehmen dem eigentlich unkomplizierten lokalen Koop einen Teil seiner Spontaneität. Letztendlich betrachte ich dieses ambitionierte Projekt als ein wunderschönes interaktives Museumsstück. Es bewahrt die Stärken eines der prägendsten Shooter aller Zeiten, übernimmt jedoch gleichzeitig einige seiner historischen Schwächen. Ein Meisterwerk der Spielegeschichte bleibt Halo: Campaign Evolved dennoch.
Auf welchen Plattformen ist Halo: Campaign Evolved verfügbar?
Der Titel wurde von Microsoft für PC, Xbox One und PS5 veröffentlicht.
Welche Engine wird für das Remake von Halo genutzt?
Halo Studios hat das komplette Spiel von Grund auf neu entwickelt. Dafür kam die moderne Unreal Engine 5 zum Einsatz.
Welche grafischen Besonderheiten bietet das Spiel auf der PS5 Pro?
Die Unreal Engine 5 sorgt für scharfe Texturen, überarbeitete Beleuchtungen und volumetrische Nebeleffekte. Ein Qualitätsmodus mit PSSR-Unterstützung ist ebenfalls verfügbar.
Gibt es technische Probleme in der PS5-Pro-Version?
Im Performance-Modus bei anvisierten 60 Bildern pro Sekunde kann es bei vielen Gegnern auf dem Bildschirm und beim Nachladen neuer Areale zu spürbaren Rucklern kommen.
Welche Anpassungen wurden am grundlegenden Gameplay vorgenommen?
Es wurden moderne Komfortfunktionen integriert. Die Spielfigur kann nun standardmäßig sprinten und die Lebensenergie regeneriert sich nach kurzer Zeit automatisch.
Wurden neue Waffen in das Spiel integriert?
Das Arsenal wurde um neun zusätzliche Waffen aus späteren Serienteilen erweitert. Darunter befinden sich die Maschinenpistole, das Nadelgewehr und die Battle Rifle.
Gibt es inhaltliche Änderungen am Leveldesign der Hauptkampagne?
Die architektonischen Strukturen der Hauptmissionen blieben unverändert. Dies führt besonders in der zweiten Spielhälfte zu merklichem Backtracking durch sich wiederholende Korridore.
Wie viele neue Bonusmissionen enthält das Remake?
Das Spiel bietet drei brandneue Bonusmissionen. Diese spielen chronologisch etwa ein Jahr vor der Hauptkampagne und beinhalten Einsätze mit Sergeant Johnson.
Welche Multiplayer-Modi sind in Halo: Campaign Evolved spielbar?
Es existiert ein Koop-Modus für bis zu vier Spieler online mit plattformübergreifender Crossplay-Unterstützung sowie ein Splitscreen-Modus für zwei Personen auf aktuellen Konsolen.
Enthält das Remake kompetitive Mehrspieler-Modi?
Nein, auf einen kompetitiven Multiplayer-Modus mit klassischen Deathmatches oder Capture the Flag wurde in dieser Neuauflage vollständig verzichtet.
Lässt sich der Einzelspielermodus von Halo: Campaign Evolved komplett offline spielen?
Für den Start der Solokampagne besteht ein Onlinezwang. Zudem muss ein Microsoft-Konto zwingend und dauerhaft mit dem bestehenden PlayStation-Konto verknüpft werden.
















