MLB The Show 26 eröffnet eine neue Saison voller Erwartungen und zieht von der ersten Minute an die Aufmerksamkeit der Baseballfans auf sich. Die Serie steht nun schon seit vielen Jahren fast konkurrenzlos im Regal und hat sich als absolute Referenz für den digitalen Baseballsport etabliert. Pünktlich zum zwanzigjährigen Jubiläum des ersten Teils hatten die Spielerinnen und Spieler in diesem Jahr besonders große Hoffnungen. Sie wünschten sich nicht nur verfeinerte Kernmechaniken, sondern auch einen spürbaren technischen Sprung nach vorne.
Mit MLB The Show 26 sollte das Versprechen eingelöst werden, die Serie vor der Stagnation zu bewahren. Im Vorfeld wurde viel über den deutlich erweiterten Karrieremodus, den neuen Trade Hub und frische Wurfmechaniken gesprochen. Als wir selbst die ersten Stunden averbrachten, zeigte sich schnell ein klares Bild. Spielerisch hat der Titel tatsächlich viel an Tiefe gewonnen. Die technische Präsentation benötigt jedoch dringend Feinschliff oder möglicherweise sogar eine komplette Überarbeitung. Mehr dazu erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.
MLB The Show 26 – Der Einstieg in eine vertraute Baseball-Ära
MLB The Show 26 ist mehr als nur die nächste Jahresausgabe einer Serie, die seit zwei Jahrzehnten unsere Wohnzimmer begleitet. Für Neueinsteiger fühlt es sich an wie der perfekte Wendepunkt. Wer die Vorgänger gespielt hat, erinnert sich jedoch zunehmend an eine Mischung aus spielerischer Begeisterung und technischem Frust. Viele Veteranen hatten das Gefühl, dass die Kritik an der veralteten Engine kaum Gehör findet. Dieses Jahr wollten wir herausfinden, ob San Diego Studio den langjährigen Spielern endlich wirklich zuhört.
Der Einstieg in MLB The Show 26 ist für Neulinge fantastisch, denn ein hervorragendes Onboarding-System führt durch jede Schlag- und Wurfmechanik, bevor überhaupt der erste Ball geworfen wird. Doch für Kenner der Serie stellt sich schnell ein Déjà-vu ein. Alles wirkt vertraut, fast schon zu vertraut. Die Menüs und Strukturen sind denen der Vorjahre extrem ähnlich. Es ist spürbar, dass sich die Entwickler spielerisch weiterentwickelt haben, das Grundgerüst jedoch keinen Millimeter von der Stelle gewichen ist.
Die Immersion setzt vor allem dann ein, wenn man sich in MLB The Show 26 den historischen Inhalten widmet. Die vierte Staffel der Negro Leagues Storylines ist erneut meisterhaft inszeniert. Kameras begleiten die Legenden von damals durch aufwendig produzierte Dokumentar-Schnipsel, die nahtlos ins Gameplay übergehen. Hier fühlt man sich mitten im Geschehen. Doch abseits dieser Glanzmomente scheint MLB The Show 26 den großen, mutigen Schritt nach vorne noch zu scheuen.

Der Zauber des Stadions mit technischen Abstrichen
Optisch liefert MLB The Show 26 leider keinen Sprung, und von einer Revolution sind wir weit entfernt. Die Spieleranimationen auf dem Feld und die Physik der Trikots sind zwar beeindruckend und spiegeln den echten Sport perfekt wider, doch das war es auch schon. Im Gesamtbild wirkt das Spiel grafisch beinahe identisch zu den PS4-Versionen vergangener Jahre. Vor allem die Gesichter der selbsterstellten Spieler erinnern an längst vergangene Konsolengenerationen, und die Zuschauermengen im Stadion wirken im Vergleich zu aktuellen Titeln wie NBA 2K oft generisch und detailarm. Dass im Jahr 2026 sogar spezifische PS5 Pro-Anpassungen für einen First-Party-Titel fehlen, überrascht negativ.
Die Stadionatmosphäre in MLB The Show 26 an sich ist solide, hat uns aber nicht komplett vom Hocker gehauen. Zwar punktet die Soundkulisse mit wuchtigen Schlaggeräuschen und auch die Ausgabe der Pitch-Calls über den Lautsprecher des DualSense-Controllers erweist sich als nette Spielerei. Allerdings wird die Immersion durch die repetitiven Kommentatoren spürbar getrübt, da diese ihre Sprüche aus den Vorjahren nahezu wortgleich wiederholen.
Auch die Kameraperspektiven sind in MLB The Show 26 altbewährt, bieten jedoch keine Revolution. Wer auf der Couch Baseball in echter Fernsehqualität erleben möchte, wird zwar spielerisch voll abgeholt, muss sich optisch jedoch an sichtbares Aliasing und veraltete Texturen gewöhnen. Letztlich rettet das makellose Gameplay die Atmosphäre. Wenn Ihr abends mit Freunden spielt, entfaltet sich auf dem Platz eine nach wie vor unerreichte Intensität, wenngleich die Grafikabteilung mittlerweile dringend ein Update bräuchte.

Zwei Gameplay-Philosophien und strategische Tiefe
Die wohl markanteste Neuerung in MLB The Show 26 ist die Einführung neuer Mechaniken, die sowohl Hardcore-Simulanten als auch Einsteigern entgegenkommen. Mit Bear Down Pitching und Big Zone Hitting versucht San Diego Studio, zwei sehr unterschiedliche Aspekte des Spiels neu zu beleben.
Im defensiven Bereich spürt Ihr sofort ein neues strategisches Gewicht. Mit Bear Down Pitching können Werfer in kritischen Momenten eine begrenzte Fokus-Ressource aktivieren, um die Präzision und Geschwindigkeit massiv zu erhöhen. Es fühlt sich an wie ein taktisches Katz-und-Maus-Spiel. Faut-il das Feature nutzen, um sich früh aus einer brenzligen Lage zu befreien, oder spart man es sich für das finale Inning auf?
Ganz anders das Big Zone Hitting in der Offensive. Hier wird die Schlagzone in breitere Quadranten vereinfacht. Für Spieler, die mit der chirurgischen Präzision des normalen Zone-Hittings überfordert waren, ist dies ein Fest und macht das Spiel deutlich zugänglicher. Hardcore-Fans werden jedoch weiterhin auf die klassische Steuerung setzen, da diese bei perfektem Timing belohnender bleibt.
Wir haben beides ausprobiert und gemerkt, dass die Entwickler zudem tief im Hintergrund geschraubt haben. Die defensiven Werte sind nun in vier Richtungen (vorne, hinten, links, rechts) aufgeteilt. Wenn Euer Shortstop eine Schwäche nach links hat, müsst Ihr das taktisch kompensieren. Auch die Wurfzeit des Catchers ist nun ein eigener Wert, der sofort über Sieg oder Niederlage bei einem Base-Steal entscheidet. Das führt zu mehr taktischer Tiefe, verlangt aber auch ein genaueres Auge beim Roster-Building.

Live Challenges und College-Flair im Karrieremodus
Der Karrieremodus (Road to the Show) ist seit jeher für viele Spieler das Herzstück. Und dieses Jahr hat San Diego Studio tatsächlich viele Verbesserungen in MLB The Show 26 eingebaut. Wir haben in unserem Test mehrere Stunden damit verbracht, einen High-School-Spieler zu erstellen und ihn durch die College-Ränge zu führen.
Eine der größten Neuerungen in MLB The Show 26 ist die Integration von 11 voll lizenzierten Colleges und der offiziellen NCAA College World Series. Statt einfach in den Minors zu starten, durchlebt ihr nun eine echte Amateur-Laufbahn. Die Atmosphäre im Charles Schwab Field in Omaha ist fantastisch eingefangen. Das neue Road to Cooperstown-System sorgt zudem dafür, dass frühe Karriereentscheidungen Auswirkungen auf Euer späteres Vermächtnis für die Hall of Fame haben. Das sorgt sofort für mehr Dramatik und Langzeitmotivation.
Auch der Franchise-Modus hat dringend benötigte Liebe erfahren. Das absolute Highlight ist der neue Trade Hub in MLB The Show 26. Gerüchte, ausstehende Angebote, Spielerbewertungen und Verhandlungen sind nun an einem Ort zentralisiert. Trades passieren nun realistisch über Zeit und nicht mehr sofort per Knopfdruck. Überraschend intensiv wirken dabei die Verhandlungen, die nun fast an ein RPG-Tauschsystem erinnern. Die Funktion Custom Game Entry lässt euch zudem direkt in die wichtigsten Momente einer Saison springen, ohne jedes Inning selbst spielen zu müssen. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Der beliebte und kompakte March to October-Modus wurde ersatzlos gestrichen.
Der Spielerkarrieremodus fällt nach dem Aufstieg in die MLB jedoch leider wieder in alte Muster zurück. Sobald Ihr in den Majors seid, fehlt jegliche Story-Tiefe. Die Gespräche mit dem Trainer beschränken sich auf steife Textboxen („Ja, Coach“). Hier wirkt das Spiel im Vergleich zu Giganten wie NBA 2K immer noch wie ein Relikt.

Diamond Dynasty und Online-Probleme im Fokus
Diamond Dynasty bleibt auch in MLB The Show 26 das Zugpferd. Hier tobt das Geschäft mit Karten, Packs und Grinding. San Diego Studio feuert in diesem Jahr aus allen Rohren: Es gibt massig Inhalte zur World Baseball Classic, über 130 neue Karten und eine brandneue Seltenheitsstufe namens „Red Diamond“. Die Navigation und das Parallel Mod-System, bei dem ihr nun gezielt Attribute (Kontakt, Power, Speed) eurer Karten leveln könnt, machen das Team-Building flexibler denn je.
Alles in allem bleibt Diamond Dynasty jedoch eine Baustelle für Spieler mit wenig Zeit. Wer nicht bereit ist, stundenlang zu grinden, wird es schwer haben. Zwar loben viele die Fairness für Free-to-Play-Spieler, doch die Mechanik bleibt ein Hamsterrad. Dass Käufer der Deluxe-Edition sofort mit Über-Karten wie Aaron Judge oder Shohei Ohtani starten und durch Regeln bei der Spielerwahl im Koop-Modus andere massiv benachteiligen, hinterlässt einen faden Pay-to-Win-Beigeschmack.
Der größte Kritikpunkt in MLB The Show 26 findet sich jedoch auf dem Rasen der Online-Lobbys. Während das Offline-Spiel glänzt, nähert sich der Online-Code an die Unspielbarkeit an. Lags, Stottern und regelrechte „Teleport-Fastballs“, die erst kurz vor der Schlagzone auftauchen, machen kompetitive Matches oft zur Frustprobe. Selbst in eigentlich asynchronen Spielmodi wie Conquest (gegen die CPU) führten unerwartete Netzwerkfehler in unseren Tests zu abrupten Spielabbrüchen. Hier muss San Diego Studio zwingend nachbessern.
Fazit
MLB The Show 26 fühlt sich wie ein Spiel an, das in Sachen Tiefe einen Schritt in die richtige Richtung wagt, technisch aber längst auf der Stelle tritt. Das Gameplay ist auf einem unerreichten Niveau, die strategischen Ergänzungen bringen Abwechslung und der Franchise-Modus profitiert enorm vom neuen Trade Hub. Auch der College-Ausflug in Road to the Show ist fantastisch umgesetzt. Doch online bleiben die alten Probleme sichtbar. Diamond Dynasty ist immer noch stark auf Grind ausgerichtet, die visuelle Präsentation hängt komplett in der PS4-Ära fest und die Server-Probleme sorgen für Kopfschütteln.
Trotzdem hatten wir über weite Strecken Spaß. Wer die Serie ein oder zwei Jahre pausiert hat, bekommt das mit Abstand kompletteste Baseball-Paket auf dem Markt. MLB The Show 26 ist kein perfektes Spiel und steht gefährlich nah an der Grenze zur reinen „Roster-Update“-Kritik, liefert aber auf dem Platz noch immer eine Intensität, die jeden Baseball-Fan fesselt.
Von den Anfängen bis zur drohenden Stagnation
Wenn Ihr heute MLB The Show 26 startet, wirkt es selbstverständlich, dass jedes Jahr die beste Baseball-Simulation exklusiv von PlayStation kommt. Doch die Wurzeln reichen nun exakt 20 Jahre zurück. Als San Diego Studio 2006 die Rechte in die Hand nahm, war das Genre noch hart umkämpft. Damals war es die unfassbare Detailverliebtheit, die für Staunen sorgte. Schon im Jahr darauf begann die Tradition, sich jährlich selbst zu übertreffen. Diese Praxis hat den Markt geprägt und Konkurrenten wie MLB 2K letztlich völlig vom Platz gefegt.
In den späten 2000ern und frühen 2010ern entwickelte sich The Show Schritt für Schritt zum Maßstab. Die unfassbar realistische Ballphysik, die Präsentation und das authentische Spielgefühl gaben dem Titel eine Glaubwürdigkeit, die kein anderer Konkurrent bieten konnte.
Mit der PS4 erfolgte ein weiterer großer Sprung. Die Grafik wurde fast fotorealistisch und Diamond Dynasty begann als Modus, der das Genre für immer verändern sollte. Spieler sammelten Karten, bauten Traumteams und investierten Stunden, um das perfekte Team aufzustellen. Doch mit wachsendem Erfolg und schwindender Konkurrenz kam auch die Kritik. Immer mehr Stimmen warfen San Diego Studio vor, den Motor im Leerlauf laufen zu lassen. Jahr für Jahr gab es kleine Verbesserungen, doch grafisch und erzählerisch wirkte das Spiel oft wie ein Relikt.
Heute, mit MLB The Show 26, spürt Ihr noch deutlich die Nachwirkungen dieser fehlenden Konkurrenz. Der Titel steht zwischen eiserner Tradition und drohender Stagnation. Er trägt die Last einer brillanten Vergangenheit, versucht aber zugleich, mit Features wie den hervorragenden Negro Leagues die Historie des Sports ehrenvoll zu bewahren. Gerade der Trade Hub zeigt hier, dass das Studio die Reihe nicht nur verwalten, sondern im Detail weiterentwickeln will.
Ob dieser Kurs ausreichen wird, um die leidenschaftliche Fangemeinde langfristig zu begeistern, wenn im nächsten Jahr nicht endlich eine neue Grafik-Engine und bessere Server folgen, wird die Zukunft zeigen. Mit The Show 26 wird klar: Das Gameplay ist König, aber der Thron wackelt unter dem Gewicht der veralteten Technik.
Wann erscheint MLB The Show 26 offiziell?
Der Release fand am 16. März statt. Vorbesteller der Digital Deluxe Edition hatten bereits einige Tage vorher Early Access.
Was unterscheidet das „Bear Down Pitching“ vom normalen Werfen?
Bear Down Pitching ermöglicht es dem Werfer, in kritischen Momenten eine begrenzte Fokus-Ressource einzusetzen. Dadurch wird der Wurf deutlich präziser und effektiver, erfordert aber starkes taktisches Abwägen.
Welche Plattformen unterstützen MLB The Show 26?
Das Spiel ist für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erhältlich und unterstützt Cross-Play zwischen den Konsolen. Spezifische PS5 Pro-Features fehlen jedoch.
Welche Neuerungen gibt es im Karrieremodus (Road to the Show)?
Ihr startet nun bereits in der High School, spielt durch 11 lizenzierte Colleges und die NCAA College World Series, absolviert den Draft Combine und beeinflusst durch das Road to Cooperstown-System Eure Chancen auf die Hall of Fame.
Wie wurde Diamond Dynasty verändert?
Es gibt direkt zum Launch massiv Inhalte durch die World Baseball Classic, eine neue „Red Diamond“-Seltenheitsstufe und das Parallel Mod-System, mit dem Ihr spezifische Attribute (wie Kontakt oder Speed) Eurer Karten aufleveln könnt.
Lohnt sich MLB The Show 26 für Einzelspieler?
Ja, besonders durch den stark verbesserten Franchise-Modus mit dem neuen Trade Hub und den erweiterten College-Pfad in RTTS. Wer kompetitiven Online-Stress meidet, bekommt eine extrem tiefe Simulation.
Gibt es große Unterschiede bei der Grafik?
Leider nein. Das Spiel sieht nahezu identisch aus wie die Ableger der letzten Jahre. Während Gameplay und Animationen auf hohem Niveau sind, wirken Gesichter und Zuschauer stark veraltet (PS4-Ära).
Wie unterscheidet sich der Franchise-Modus in The Show 26 von den Vorgängern?
Das Herzstück ist der neue Trade Hub, der alle Gerüchte, Werte und Verhandlungen an einem Ort bündelt. Trades sind nun zeitbasiert und strategischer. Zudem könnt ihr mit Custom Game Entry direkt in die wichtigsten Momente einer simulierten Saison springen.
Sind die Negro Leagues wieder dabei?
Ja, die hervorragenden „Negro Leagues Storylines“ gehen in die vierte Staffel und fokussieren sich auf Legenden wie Roy Campanella und Mamie „Peanut“ Johnson. Die Dokumentar-Videos sind erneut ein Highlight.
Gibt es Modi, die entfernt wurden?
Ja, der beliebte und gestraffte Franchise-Ansatz March to October wurde in diesem Jahr ersatzlos gestrichen. Auch das Übertragen von alten Spielständen aus Vorjahren ist nicht möglich.
Wie läuft der Online-Modus?
Aktuell sehr durchwachsen. Viele Spieler klagen über spürbare Lags, Stottern und Server-Fehler, was sich besonders negativ auf kompetitive Matches in Diamond Dynasty auswirkt.
















