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Life is Strange – Episode 1: Chrysalis

Wir alle müssen viele Entscheidungen in unserem Leben treffen. Entscheidungen, die manchmal unwichtig wirken, aber später große Auswirkungen auf uns haben. Beispiel gefällig? Auch ihr wurdet bestimmt gefragt, ob ihr nicht eine rauchen wollt. Wer zustimmt, kann süchtig werden. Kurzfristig wirkt man cool, langfristig schadet es der Gesundheit und dem Geldbeutel. Und auch Videospiele machen sich alltägliche Themen zu Nutze und versuchen euch mit derlei wichtigen Fragen zu konfrontieren, dessen Auswirkungen manchmal erst sehr, sehr viel später zu sehen sind. So auch in Life is Stange, dem neuesten Spiel der Remember-Me-Macher.

life_is_strange_review_30012015_2In Life is Strange übernehmt ihr die Rolle von Max, einer ganz gewöhnlich wirkenden Studentin im Bereich der Fotografie. Doch ganz so normal ist das brünette Mädchen nicht, denn schon früh im Spiel bemerkt sie, dass ihr eine wichtige Gabe innewohnt: Sie kann die Zeit zurückdrehen. Wenig später rettet sie damit unbewusst auch das Leben ihrer Kindheitsfreundin Chloe, die sie zuerst gar nicht wiedererkennt. Warum? Weil Max für ein halbes Jahrzehnt aus ihrer Heimat gezogen ist und die beiden keinen Kontakt mehr hatten. Chloe durchlebte eine schwere Zeit und musste zu allem Übel weitere Verluste hinnehmen: Nicht nur ihr Vater starb einen tragischen Tod, auch Rachel, eine weitere Freundin und sehr wichtige Person für das Spiel, ist spurlos verschwunden.

Die erste Episode von Life is Strange ist merklich eine Art Pilot-Projekt, denn erzählerisch lassen die richtigen Highlights noch auf sich warten – und ich gehe stark davon aus, dass einige getroffene Entscheidungen ihre volle Wirkung in Episode 2 entfalten werden. Das bedeutet aber nicht, dass Episode 1 schlecht ist! Es werden sehr viele wichtige Charaktere eingeführt, ihr dürft unbewusst schon Entscheidungen treffen, die tiefgreifende Folgen haben werden und erlebt dabei ganz nebenbei den typischen Alltag an einer Universität. Life is Strange vermittelt von Anfang an dieses Feeling eines „Jedermanns Leben“. Ich fühlte mich an frühere Tage meines Studiums erinnert und fühlte mich sehr schnell sehr wohl in der Haut von Max, eben weil dieser Wiedererkennungswert da ist.

Life is Strange – Was wäre, wenn…?

Was mir aber schon sehr früh in Life is Strange aufgefallen ist: Der Titel funktioniert auch ohne die Rewind-Fähigkeit von Max extrem gut. Ohnehin solltet ihr manchmal lieber die Finger davon lassen, denn dadurch könnten unvorhersehbare Komplikationen wenig später entstehen. Gleich zu Beginn des Spiels gibt es die Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen, um eine Frage des Professors richtig zu beantworten – zum Nachteil einer anderen Studentin, die dann merklich sauer auf euch ist. Wenig später wird sie euch zusätzlich auf die Nerven gehen, sodass ihr sie in eine weitere unschöne Situation bringen müsst.

Manchmal aber ist die Rewind-Fähigkeit auch ungemein nützlich, denn bei den wirklich wichtigen Entscheidungen im Spiel könnt ihr euch natürlich auch anschauen, was passieren würde, wenn ihr euch anders entschieden hättet. Da fällt mir spontan eine Szene ein, in der der Hausmeister der Akademie eine andere Studentin bedrängt. Schießt ihr ein Foto und bleibt grundsätzlich passiv oder greift ihr aktiv ein und helft der Kommilitonin? Die wichtigste Information, die ihr dabei beachten müsst: Beim Rewind wird alles zurückgesetzt – außer euer Inventar, eure Position und die Gedanken. Mit einer Ausnahme: Die wichtigen Story-Plots werden beim Rewind nicht in Max‘ Gedächtnis gespeichert. Damit ist eure tatsächliche Entscheidung am Ende final und sofern ihr vorher eine andere Option gewählt habt, ist diese nie passiert.

Die Redaktion spielt: Life is Strange

Doch neben den ganzen Entscheidungen bietet Life is Strange vor allem sehr viel Kommunikation, Erkundung und eine recht ausgewogene Anzahl an Rätseln. Letztere fallen qualitativ ein wenig zurück, denn diese sind extrem simpel aufgemacht. In den meisten Fällen gilt es nicht mehr als zwei Dinge miteinander zu kombinieren, um die Aufgabe zu lösen. Wenn ihr Chloe etwa zu Beginn des Spiels retten wollt, müsst ihr nur den Hammer vom Boden aufheben und das Glas einschlagen, um auf Knopfdruck den Feueralarm der Uni auszulösen. Anspruchsvoller als das wird es nicht.

Die Spielzeit von Life is Strange variiert ziemlich stark. Als ich den Titel in Hamburg bei Square Enix durchspielen durfte, brauchte ich gerade mal 90 Minuten, doch am Ende musste ich feststellen, dass ich extrem viel verpasst habe. Tatsächlich werdet ihr locker drei bis vier Stunden benötigen, um die wichtigsten Szenen zu sehen. Es wird natürlich noch viel mehr, wenn ihr das Tagebuch von Max füllen wollt und die ganzen Notizen aufsammelt, die sich im Spiel finden lassen. Zum Vergleich: Kollege Kleidt spielte eine Episode von The Walking Dead (Telltalle Games) durchschnittlich in rund zwei Stunden durch.

Der Look von Life is Strange gefällt mir durch und durch sehr gut. Was ich nur ein wenig schade finde: Die Emotionen von Max könnten etwas deutlicher sein, denn egal wie ihr euch entscheidet, ihre Mimik gibt die Schwere mancher Optionen einfach nicht überzeugend wieder. Das trifft zum Teil auch auf die Sprecherin zu – ich hoffe, dass hier in Episode 2 etwas nachgebessert wird.


 

 

Fazit
Meine 90 Minuten mit Life is Strange haben mir sehr gut gefallen. Schon bei der Ankündigung des Titels wollte ich unbedingt mehr wissen und mein erster Eindruck nach der gamescom sollte mich nicht täuschen: Dontnod hat mal wieder ein einzigartiges Spiel geschaffen, das für frischen Wind im Adventure-Genre sorgt. Seien es die Charaktere, die glaubwürdige Story oder die klasse Dialoge – mit Life is Strange macht ihr nichts falsch. Ich bin schon richtig gespannt auf Episode 2!
8
Gut
Written by
... ehemaliger Chefredakteur bei Spieletester.de. Adam war seit der Gründung 2003 dreizehn Jahre auf unserer Plattform tätig.

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