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Civilization VI (PC) Test

Seit 25 Jahren begeistert Entwickler Firaxis Fans von Runden-Strategie-Spielen mit neuen Ablagern der Civilization-Reihe. Während andere Entwickler lieber Free-to-Play-Titel in diesem Segment veröffentlichen, gibt es nur bei 2K das volle Paket. Kann Civilization VI mit seinen 20 Völkern und neuen Ideen einmal mehr die Konkurrenz hinter sich lassen? Erfahrt es in den nachfolgenden Zeilen!

Und so begann meine über 60 Spielstunden lange Reise. Bevor jemand fragt: Diese 30 Spielstunden entspringen zwei Wochenenden, exklusive Freitag. Wenn ich nämlich ein Civilization spiele, dann gibt es ein ganz spezielles Ritual. Ich sage sämtliche Termine am Wochenende ab, kaufe mir eine Coke und ein paar Leckereien. Anschließend wird der gesamte Tag von morgens bis abends Civ gespielt. Kurze Partien zwischendurch lohnen sich ja ohnehin nicht, denn „nur noch diese eine Runde“ zwingt mich dazu, am Ende eben doch 10+ Stunden mit dem Titel zu verbringen.

Civilization VI

Civilization VI – Stadtplanung für Kenner

Lange fragte ich mich, womit ich meinen Artikel beginnen soll. Und ich denke, dass die größte Neuerung zuerst genannt werden sollte: Die Stadtplanung. Dabei könnt ihr alle Bereiche innerhalb der eigenen Grenzen sehr genau managen. Diese kleinen Reiche innerhalb eures Einflussbereichs dürfen 36 Hexfelder beanspruchen (früher nur ein Feld). Bereits bei der ersten Stadt gilt es einige Dinge, etwa den Zugang zu Wasser, zu bedenken, damit Gebäude wie Aquädukt und Co platziert werden können. Auch Weltwunder beanspruchen nun Hexfelder, was die ganze Planung umso komplexer macht. Denn Platz ist grundsätzlich nie genug vorhanden, um wirklich alle Bereiche auszuschöpfen. Zudem gilt es für viele Gebäude bestimmte Kriterien zu erfüllen – im Falle des Aquädukts etwa, dass ein Fluss oder See im Hexfeld ist.

Civilization VIDadurch lassen sich aber auch alle Städte spezialisieren, wofür ihr zwölf Distrikte – Handel, Militär, Forchung, etc. – errichten könnt. Nur so lassen sich weitere Spezialgebäude platzieren, was nicht nur Wachstum in den entsprechenden Bereichen wie Produktion, Handel und so weiter ankurbelt, sondern auch Zugang zu Spezialeinheiten und großen Persönlichkeiten gewährt. Generell haben die Entwickler stark darauf geachtet, die kleinen Details nicht zu kurz kommen zu lassen. Wenn ihr also ein Labor im Regenwald aufbaut, gibt es ein dickes Plus auf die Wissenschaft.

Außerdem gibt es zwei weitere wichtige Neuheiten. Arbeiter sind nicht mehr endlos verfügbar, sondern verschwinden nach wenigen Einsätzen. Zudem werden Straßen direkt sichtbar, sobald ihr eine Handelsroute errichtet. Erst später können Pioniere diese zu Asphalt-Straßen ändern. Übrigens: Die Händler lassen sich überfallen, wodurch ihr natürlich schicke Beute abgreifen könnt.

Civilization VI – Die Zeit vergeht im Flug

Während ihr also das eigene Imperium mit all seinen Städten managed, werden euch gleich mehrere Dinge auffallen. In den frühen Zeitaltern (ungefähr bis zur Moderne) lässt sich die Zufriedenheit der Bewohner zumeist problemlos ignorieren. Wen stört es schon, wenn tendenziell zu wenige Häuser zur Verfügung stehen? Oder wenn es zu wenig Vergnügungsmöglichkeiten gibt? Doch sobald die Moderne einläutet, wird genau dieses Denken zum Verhängnis. In meiner ersten Partie entstand sogar eine waschechte Rebellion, wenngleich mir Freunde sagten, dass dies sehr selten vorkomme. Naja, viel Glück bei Spielen hatte ich ja ohnehin noch nie.

Civilization VIDennoch gibt es hier eine Sache, die mir sehr negativ aufstieß. Die Zeitalter vergehen viel zu schnell. So schnell wie ich von 500 B.C. in 1600 kam, so sehr überraschte es mich, wie altertümlich viele Bereiche meines Reiches noch waren. Schließlich kämpften meine Soldaten noch mit Pfeil und Bogen. Und ich denke, dass es eine gewisse Beschleunigung der Zeit durch die neuen „Heureka“-Events gibt. Diese werden ausgelöst, wenn ein Naturwunder entdeckt wird oder eine neue Zivilisation angetroffen wird. Zudem winken Boni auf etwaige Forschungen.

Generell gefällt mir die Forschung deutlich besser als im Vorgänger. Denn gerade diese Heureka-Momente sorgen ja dafür, dass eine bestimmte Forschung beschleunigt wird. Und so geriet ich stets in Versuchung, genau diese auch zu verfolgen. Schön ist auch, dass verwandte Forschungsprojekte ebenfalls schneller erforscht werden können. Zudem sind kulturelle, politische und wissenschaftliche Errungenschaften voneinander getrennt. Die Innenpolitik wird sehr flexibel über verschiedene Karten abgewickelt, wobei ihr die Wahl aus Militär, Wirtschaft und Diplomatie habt. Je nach Regierungsform habt ihr unterschiedlich viele Slots an Karten. Zudem spielt die Religion eine Rolle. Sobald ihr 16 Glaubenspunkte habt, lässt sich ein Pantheon gründen, das diverse Boni bringt.

Civilization VI – Unübersichtliches UI & Spionage

Wenn es etwas gibt, dass mich wirklich gestört hat, dann ist es das überladene UI von Civilization VI. Zwar sind Tutorial und Ratgeber (zwei gibt es) ausgezeichnet, doch es braucht immer zu viele Klicks, um die geforderten Infos zu erhalten. Zudem finde ich es schade, dass sich die Karte nur zu einem gewissen Grad heraus- und hereinzoomen lässt. Außerdem missfällt es mir, dass einige Einheiten trotz „Gehe zu“-Befehl eben doch gebabysitted werden müssen. Und selbst dann streikt die Wegfindung gerne mal, was nach mehreren Spielstunden so richtig auf die Nerven geht.

Doch genug der ganzen Kleinigkeiten. Wie schaut es denn beim Krieg, der Spionage oder der Diplomatie aus? Genau diesen Sachen will ich mich in den nächsten Abschnitten widmen. Während die Spionage in den vergangenen Ablegern stets etwas stiefmütterlich behandelt wurde, gibt es jetzt mehr Optionen – wenn auch sehr spät, sofern ihr nicht die Franzosen wählt. Setzt ihr diese Typen also in Städten eurer Feinde (oder Partner) ein, können sie Informationen beschaffen, Geld auf euer Konto überweisen oder gar Technologien klauen. Je länger sie unentdeckt bleiben, desto mehr können sie machen. Und ganz praktisch: In einer Allianz lassen sich sofort Geheimdienst-Daten abrufen.

Civilization VI

Civilization VI – Die größte Schwäche: Diplomatie

Um euch die „Qualität“ der Diplomatie in Civilization VI zu demonstrieren, will ich euch mal die ersten drei Spielstunden nacherzählen. Ich wählte die Japaner und bekam die Amerikaner als Nachbarn. Und während der gute Roosevelt schon früh Freundschaft mit mir schloss, offene Grenzen verhandelte und Handelsrouten eröffnete, kündigte er bereits im 40sten Zug den Krieg an. Er verlor dabei bereits seine Hauptstadt Boston. Warum er den Krieg begann, obwohl alles paletti war? Ich weiß es bis heute nicht.

Egal, er verlor seine Stadt, ich erhielt eine. Er schloss Frieden für eine verdammt hohe Summe an Geld, Luxusgüter und Pferde. Mir sollte es recht sein. Doch kaum war der Frieden geschlossen, erklärte er mir ca. 15 Züge später wieder den Krieg, obwohl seine Armee zu diesem Zeitpunkt aus lächerlichen vier (4!) Einheiten bestand. Wirklich smart ist die KI nicht. Und nachdem ich eine weitere Stadt eingenommen hatte, war ich seine Spielchen leid, lehnte den erneuten Friedensvertrag ab und fegte den Kasper vom Spielfeld.

Und hier zeigt sich eine der Schwächen des Spiels: Neben Handel, Allianzen und kleinen Geschenken lässt sich diplomatisch überhaupt nichts machen. Ohnehin scheint mir die KI extrem willkürlich zu handeln, denn trotz sehr guter Beziehungsstufe, starker Handelsroute und Allianz kam hin und wieder ein Überraschungskrieg. Auch finde ich es befremdlich, dass mir meine KI-Gegner drohen können, wenn meine Einheiten zu nah an ihre Grenzen kommen – umgekehrt geht das aber nicht.

Civilization VI – Grafik & Fazit

Optisch macht Civilization VI einen fabelhaften Eindruck, wenngleich der leichte Comic-Look viele altgediente Fans abschrecken könnte. Ich für meinen Teil finde aber vor allem die Herrscher der zwanzig Nationen, die sich übrigens allesamt sehr unterschiedlich spielen, außerordentlich gut gelungen. Sind einige von ihnen überzeichnet? Vielleicht, doch sie alle versprühen ungemein viel Charme. Generell wirkt der ganze Stil des Spiels sehr schick und eben stilvoll – mir gefällt’s. Die Sprachausgabe ist durchweg gelungen.


Fazit:

[blockquote cite=”Adam Smieja”]Adam Smieja Civilization VIObwohl die KI oftmals verdammt dämliche Spielzüge spielt, so weiß Civilization VI zu gefallen. Vor allem der Mehrspieler-Modus mit echten Menschen macht ungemein viel Spaß, wenn sie denn die Partie nicht vorzeitig verlassen. Die neuen Spielmechaniken und allen voran das Management der Hexfelder mit all seinen Facetten weiß auch zig Stunden nach der ersten Partie noch zu gefallen. Wenn für den Nachfolger endlich mal an der Diplomatie gearbeitet wird, bin ich restlos glücklich. Kurzum: Civilization VI ist zwar kein überragender Ableger der Reihe, aber eine sehr gute Fortsetzung.
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... ehemaliger Chefredakteur bei Spieletester.de. Adam war seit der Gründung 2003 dreizehn Jahre auf unserer Plattform tätig.

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