Hot Wheels: Infinite Rush bricht radikal mit der Vergangenheit. Die gemütlichen Plastikbahnen quer durchs Wohnzimmer oder den elterlichen Garten sind Geschichte. Milestone wirft uns stattdessen in eine riesige offene Welt. Da waren meine Erwartungen nach den großartigen Unleashed-Spielen natürlich riesig. Ob dieser drastische Konzeptwechsel wirklich funktioniert oder das Studio sich damit schlichtweg übernommen hat, erfahrt Ihr in den folgenden Abschnitten. Mehr dazu in unserem Test hier auf Spieletester.de.
Hot Wheels: Infinite Rush – Eine offene Welt mit einem Maßstabsproblem
Open Worlds sind mittlerweile eine absolute Pflichtübung für moderne Arcade-Racer. Ich wollte unbedingt sehen, wie die Entwickler den Charme der kleinen Modellautos in eine Sandbox wie Hot Wheels: Infinite Rush quetschen. Ihr könnt vier völlig unterschiedliche Inseln befahren. Wheelswood zeigt sich als typische Großstadt mit endlosen Wolkenkratzern. Tentacle Bay bietet feine Strände und riesige Dinosaurierfossilien. Gearville schickt Euch durch trockene Canyons. Drifty Temples liefert asiatisch angehauchte Tempelanlagen für perfekte Drifts. Jedes Gebiet in Hot Wheels: Infinite Rush hat seinen eigenen Look und haufenweise zerstörbares Zeug am Straßenrand. Wenn Ihr mit 200 Sachen durch Zäune oder Plastikbäume brettert, macht das einfach Laune. Leider hat das Weltendesign eine gravierende Schwäche.
Frühere Serienteile lebten von diesem krassen Unterschied zwischen winzigen Autos und riesigen Alltagsgegenständen. Eine Fahrt über einen normalen Billardtisch wirkte wie ein episches Abenteuer. Genau dieses geniale Spielzeug-Gefühl fehlt in der neuen Open World fast völlig. Autos und Gebäude haben exakt den gleichen Maßstab. Wheelswood sieht dadurch nicht nach einer verrückten Spielzeugkiste aus. Es ist einfach eine generische Stadt aus irgendeinem Rennspiel. Der visuelle Reiz fehlt bei Hot Wheels Infinite Rush an dieser Stelle komplett. Gigantische animierte Figuren wie ein mechanischer Affe oder ein Oktopus stehen zwar in der Landschaft herum, retten die künstliche Präsentation aber nicht wirklich. Die Straßen wirken leblos. Echte Anreize zum Erkunden abseits der Events sucht Ihr vergebens.

Hot Wheels: Infinite Rush – Das knallharte Fahrgefühl auf dem Prüfstand
Spielerisch gibt es in Hot Wheels: Infinite Rush eine gewaltige Portion Tempo gepaart mit unbarmherziger Fahrzeugkontrolle. Milestone hat die Fahrphysik der Vorgänger für Hot Wheels: Infinite Rush fast exakt kopiert. Präzises Driften und klug eingesetztes Lachgas entscheiden über Sieg oder Niederlage auf dem Asphalt. Eure winzigen Flitzer reagieren aggressiv auf Lenkbefehle. Jede unsaubere Landung nach einem Sprung bestraft das Spiel gnadenlos. Ein minimal falscher Winkel an einer Rampe reicht schon aus. Das Auto prallt wie ein echtes Plastikspielzeug völlig unkontrolliert von der Bande ab. Dieses harte Verhalten fordert volle Konzentration. Hot Wheels: Infinite Rush bleibt zwar ein klassischer Arcade Racer, verlangt aber auf höheren Schwierigkeitsgraden richtig viel Feingefühl.
Die PlayStation 5 Pro wurde gut eingebunden. Das haptische Feedback des DualSense Controllers überträgt die feinen Unebenheiten der Fahrbahn spürbar in Eure Hände. Ihr spürt harte Landungen genauso deutlich wie den starken Widerstand der adaptiven Trigger beim harten Anbremsen vor einer Haarnadelkurve. Solche Feinheiten pushen die Immersion enorm nach oben. Einen Kritikpunkt habe ich bei der Steuerung allerdings schon. Mir fehlt eine eigene Taste für kontrollierte Drifts. Aktuell zwingt Ihr das Fahrzeug durch kurzes Antippen der Bremse in den Drift. Gerade in den wirklich engen Kurven der Stadtgebiete führt das ständig zu ungewollten Crashes mit der Wand.

Hot Wheels: Infinite Rush – Vier Fahrzeugklassen im Fokus
Milestone versucht durch die Integration von vier separaten Fahrzeugklassen mehr taktischen Anspruch in die Wettbewerbe einzubauen. Speeder sind auf langen Geraden stark. Drifter fressen enge Kurvenkombinationen regelrecht zum Frühstück. Titanen räumen mit ihrer schieren Masse fiese Hindernisse aus dem Weg. Flexi-Fahrzeuge bilden den Kompromiss für unentschlossene Fahrer. Auf dem Papier klingt das nach einer smarten Mechanik für Hot Wheels: Infinite Rush. Ihr füllt Eure Garage mit über 150 verschiedenen Modellen und wechselt sie in der offenen Welt auf Knopfdruck. Dieser schnelle Wechsel sorgt beim bloßen Erkunden für einen netten Spielfluss. In der echten Spielpraxis versagt das System aber leider fast komplett.
Die Speeder-Klasse dominiert das gesamte Spiel dermaßen hart, dass die anderen Autos fast völlig überflüssig sind. Die enorme Höchstgeschwindigkeit zusammen mit dem starken Boost macht diese Wagen lächerlich übermächtig. Ein weiteres Problem in Hot Wheels: Infinite Rush ist die Benutzeroberfläche. Das Ausrüsten von Fahrzeugen oder Perks erfordert unzählige Klicks durch völlig verschachtelte Menüstrukturen. Vor dem Start eines Events dürft Ihr Eure Klasse obendrein nicht mal direkt anpassen. Ihr müsst ernsthaft einen Meter neben den Startpunkt fahren und Euch mühsam durch das Pausenmenü quälen. Erst danach dürft Ihr das Rennen starten. Solche Designfehler stören den Spielfluss extrem und vorher auffallen müssen.

Hot Wheels: Infinite Rush – Kampagne und der mühsame Weg zum Boss
Euer primäres Ziel ist der Sieg über die berüchtigten Rush Crews der vier Inseln. Diese Bosskämpfe schaltet Ihr durch Siege in normalen Standard-Events nach und nach frei. Dazu zählen klassische Rundenrennen und Zeitfahren sowie extrem hektische Eliminator Wettbewerbe. Zerstörungsaufgaben sind auch Hot Wheels: Infinite Rush mit an Bord. Alle vier Inseln sind überraschenderweise schon nach wenigen Stunden frei befahrbar. Danach schlägt der Grind aber unerbittlich zu.
Ihr fahrt ständig ähnliche Aufgabentypen ab und sammelt Hunderte von herumschwebenden Zahnrädern ein. Die virtuelle Geldbörse muss schließlich für neue Fahrzeuge ständig gefüllt werden. Am coolsten sind noch die zufällig auftauchenden Daredevil-Fahrer in der offenen Welt. Fahrt Ihr neben so einem Rivalen auf der Straße, fordert Ihr ihn spontan zum direkten Duell heraus. Gewinnt Ihr, gehört sein Auto sofort Euch.
Hot Wheels: Infinite Rush torpediert diese an sich spaßige Mechanik durch komplett fehlende Navigationshilfen. In eigentlich jedem anderen modernen Open-World-Racer zeigt eine dynamische Linie auf der Straße den Weg zum Checkpoint. Milestone verzichtet unverständlich auf so ein Basis-Feature. Bei den wilden Daredevil-Jagden durch enge Straßenschluchten verliert Ihr dadurch ständig die Orientierung. Ich habe zig Rennen verloren, weil ich einfach die richtige Seitenstraße im Eifer des Gefechts übersehen habe. Auch bei den nervigen Liefermissionen sorgt das für massiven Frust. Hier müssen die Entwickler zwingend einen Patch nachschieben.

Hot Wheels: Infinite Rush – Tuning und eine umstrittene DLC-Politik
Der Sammelwahn funktioniert in Hot Wheels: Infinite Rush dank der riesigen Fahrzeugauswahl wirklich hervorragend. Jedes neue Auto motiviert massiv zum Weiterspielen. Die Karossen sehen absolut großartig aus und bilden echte Die-Cast-Spielzeuge fehlerfrei ab. Ein Modulsystem lässt Euch Werte wie Handling oder Beschleunigung in vier freischaltbaren Slots verbessern. Die optische Anpassung fällt dagegen extrem mager aus. Es gibt keinen echten Autoshop für verrückte Karosserieteile oder große Spoiler. Eure Bastelwut beschränkt sich auf einen simplen Editor für flache Lacke und Aufkleber. Die Grundform Eures Lieblingsautos lässt sich überhaupt nicht anpassen.
Beim Preismodell von Hot Wheels Infinite Rush fallen einige Entscheidungen des Publishers negativ auf. Das Basisspiel liefert zwar genug Inhalt, aber die wirklich begehrten Lizenzen kosten ordentlich extra. Ferrari feiert in diesem Spiel sein offizielles Seriendebüt. Die meisten Autos der italienischen Kultmarke stecken aber in der unverschämt teuren Ultimate Edition. Ein zusätzlicher Vehicle Pass bringt später weitere 44 Autos ins Spiel. Das treibt den Gesamtpreis extrem in die Höhe. Ein Spiel mit klarem Fokus auf das Sammeln sollte seine besten Autos im Gameplay integrieren und nicht hinter einer Paywall für Echtgeld verschließen.
Die Unreal Engine 5 liefert bei Hot Wheels: Infinite Rush eine sehr saubere Performance ab. Ich habe den Titel hauptsächlich auf der PlayStation 5 Pro gespielt und war von der Technik echt angetan. Dank PSSR rennt das Spiel mit grandiosen 120 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm. Diese hohe Framerate sorgt für ein gutes Fahrgefühl. Auf der PlayStation 5 laufen die Rennen mit 60 Bildern pro Sekunde. Spürbare Ruckler gibt es dort nicht. Plastik und Metall glänzen extrem realistisch und fangen den Spielzeug-Look grandios ein.

Hot Wheels: Infinite Rush – Was dringend verbessert werden muss
Die spielerische Basis ist zweifellos hervorragend, krankt in der Praxis aber an unzähligen vermeidbaren Designfehlern. Milestone muss mit Updates dringend nachbessern. Eine zuschaltbare Navigationslinie für die offene Welt ist absolute Pflicht. Kein Mensch will in einem Highspeed-Racer ständig auf die winzige Minimap unten im Eck starren. Die Menüführung braucht ebenfalls ein Update. Der Klassenwechsel muss flüssig und direkt an der Startlinie funktionieren.
Das Balancing der Fahrzeugklassen muss repariert werden. Speeder dürfen nicht länger die absolute Universal-Lösung für jedes Rennen sein. Der integrierte Streckeneditor braucht außerdem eine viel eingängigere Steuerung am Controller. Aktuell kostet das Bauen eigener Kurse einfach zu viel Nerven und Einarbeitungszeit. Zu guter Letzt müssen die Ladezeiten optimiert werden. Ein nahtloser Übergang in den Free-Roam-Modus nach einem Rennen würde den Spielfluss komplett retten. Setzt das Studio diese Punkte um, haben wir hier einen echten Arcade-Dauerbrenner.
Fazit
Am Ende lässt mich dieser gigantische Spielplatz ein wenig unentschlossen zurück. Versteht mich nicht falsch, das eigentliche Fahren auf der Strecke ist fantastisch. Eure stetig wachsende Garage mit neuen Modellen zu füllen, hält die Motivation über Tage hinweg enorm hoch. Wenn Ihr mit 120 Bildern pro Sekunde auf der PlayStastion 5 Pro durch leuchtende Loopings rast, stellt sich sofort dieses unbeschwerte Arcadegefühl ein.
Gleichzeitig bremst sich der Racer durch völlig unnötige Designentscheidungen immer wieder selbst aus. Der fehlende visuelle Größenkontrast lässt die offene Welt leider unangenehm steril wirken. Die Technik liefert auf der Sony Konsole zwar gestochen scharfe Texturen und tolle Spiegelungen ab. Das fehlende Spielzeugkisten Flair rettet die starke Grafik am Ende aber schlichtweg nicht. Falls Ihr Euren Fokus rein auf das unkomplizierte Heizen legt.
Gibt es in Hot Wheels: Infinite Rush einen lokalen Mehrspielermodus für die Couch?
Ja, Ihr dürft lokal mit bis zu vier Personen im Splitscreen-Modus gegeneinander antreten. Leider ist das freie Erkunden der offenen Welt in diesem Modus komplett gesperrt.
Wird eine permanente Internetverbindung in Hot Wheels: Infinite Rush vorausgesetzt?
Nein, die gesamte Kampagne und alle Rennen in der offenen Welt lassen sich komplett offline bestreiten. Lediglich für bestimmte Ranglisten oder den Online-Multiplayer müsst Ihr zwingend mit dem Internet verbunden sein.
Kann ich eigene verrückte Strecken bauen und teilen?
Ja, ein umfangreicher Track-Editor ist direkt im Spiel integriert. Ihr baut Eure kreativen Bahnen zusammen und teilt sie über eine Online-Bibliothek mit anderen Spielern auf der ganzen Welt.
Gibt es seltene Modelle in der offenen Welt zu finden?
Hot Wheels: Infinite Rush bietet eine coole Mischung aus echten lizenzierten Fahrzeugen und ikonischen Hot Wheels Eigenkreationen. Es gibt auch spezielle Treasure Hunt Modelle, die Ihr über ein Radar in der Welt aufspüren müsst.














